Bonn. - Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen haben Bundeskanzler
Gerhard Schröder in einem offenen Brief aufgefordert, sich bei seinem
Besuch in Indonesien für den Schutz der bedrohten Regenwälder
einzusetzen. Die Organisationen fordern insbesondere einen umwelt- und
sozialverträglichen Umbau der Zellstoffindustrie. „Wir erwarten von
Bundeskanzler Schröder, dass er bei seinen Gesprächen mit Vertretern
aus Politik und Wirtschaft keinesfalls - wie in der Vergangenheit oft geschehen
- die Verpflichtungen der Bundesregierung zu Armutsbekämpfung und
Umweltschutz aus den Augen verliert“, sagt Barbara Happe von der Umwelt-
und Menschenrechtsorganisation urgewald.Dass eine ökologisch ausgerichtete
Außenwirtschaftspolitik auch im ökonomischen Interesse der Bundesregierung
liege, zeige das Beispiel des indonesischen Zellstoff- und Papierherstellers
Asia Pulp and Paper (APP): APP habe in den neunziger Jahren innerhalb kurzer
Zeit seine Produktionskapazitäten stark ausgebaut und sich dafür
- teilweise illegal - Holz aus indonesischen Regenwäldern beschafft.
Mindestens 300.000 Hektar Regenwald auf der Insel Sumatra seien in den
letzten Jahren für den APP-Zellstoff- und Papierboom zerstört
worden. Inzwischen werde der Rohstoff Holz auf Sumatra knapp. APP habe
sich mit fast sieben Milliarden US-Dollar verschuldet und 2001 Zahlungsunfähigkeit
angemeldet. Ein Ende der Verhandlungen zur Umstrukturierung der Schulden
sei auch nach zweijährigem Verhandlungsmarathon nicht in Sicht.Die
Bundesregierung gehört nach Angaben von urgwald zu den wichtigsten
Gläubigern bei APP. Sie habe in den letzten zehn Jahren Lieferungen
deutscher Firmen an APP mit Hermesbürgschaften im Umfang von 370 Millionen
Euro abgesichert. Kreditrückzahlungen im Umfang von 240 Millionen
Euro stünden noch aus. „Die Bundesregierung war blind für die
Plünderung der natürlichen Reichtümer Indonesiens, als sie
die Bürgschaften vergab. Nun bleibt ihr nur noch die Chance, sich
bei der Umschuldung für den Schutz der verbliebenen Regenwälder
einzusetzen“, erklärt Jens Wieting, Tropenwald-Referent von der Umweltorganisation
Robin Wood. Laut Weltbank werde es bereits 2005 im Tiefland Sumatras keine
Primärwälder mehr geben, wenn die Abholzungen in gleichem Tempo
fortgesetzt werden.Die Organisationen fordern Bundeskanzler Schröder
auf, seinen Einfluss auf die indonesische Politik und Wirtschaft zu nutzen,
um ein umwelt- und sozialverträgliches Ergebnis bei den Umschuldungsverhandlungen
zu erreichen. Als zentrale Kriterien für eine nachhaltige Umschuldung
bei APP nennen sie eine deutliche Reduktion der Produktionskapazitäten,
damit der Holzbedarf aus bestehenden Plantagen gedeckt werden kann. In
Naturwäldern und Gebieten mit ungeklärten Landbesitzverhältnissen
solle ein sofortiger Einschlagstopp verhängt werden. Gemeinden, deren
Territorien widerrechtlich für APP abgeholzt wurden, sollten Kompensationszahlungen
erhalten. Zahlreiche indonesische Umweltorganisationen haben sich dem Appell
angeschlossen.
http://watchin.snafu.de/watchin/Schroeder1.htm
| Zurück zur Hauptseite | Watch Indonesia! e.V. | Back to Mainpage |