25 000 Menschen verließen nach Schätzungen des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz allein in der Hauptstadt Dili ihre Häuser,
Zehntausende flohen von der Insel. Beim Angriff auf die Residenz des
Friedensnobelpreisträgers Bischof Carlos Belo, wo 6000 Menschen zuflucht
gesucht hatten, kamen nach Angaben des Unabhängigkeitsführers Carrascalao
mindestens 39 Menschen ums Leben. Belo selbst blieb unverletzt. Er wurde mit
einem UN-Hubschrauber in die Stadt Bacau geflogen, von wo aus er später nach
Dili zurückkehren will. Neben dem Amtssitz Belos wurde auch der Sitz des Roten
Kreuzes gestürmt, wo mehr als 2000 Menschen waren. Über deren Schicksal wurde
nichts bekannt. Der Polizeichef Osttimors, General Rusmanhadi räumte ein, die
Lage sei außer Kontrolle.
UN-Sprecher Nick Birnback sagte, es gebe klare Hinweise für
ein Einverständnis zwischen Milizen und der Armee. Birnback widersprach
Berichten, wonach die Uno bereits die Evakuierung aller Mitarbeiter
vorbereiteten. Unterdessen äußerte US-Außenministerin Madeleine Albright in
Vietnam ihre Betroffenheit. Indonesien müsse sich um die Situation kümmern
oder der Internationalen Gemeinschaft erlauben, ins Land zu kommen.
Der indonesische Verteidigungsminister General Wiranto kündigte
die Entsendung weiterer Soldaten an. Der UN-Sondergesandte für Osttimor,
Jamsheed Marker, traf sich mit Präsident Habibie. Über die Inhalte der
Unterredung wurde nichts bekannt. Eine Pressekonferenz brach Habibie verärgert
ab, als ihn Journalisten auf die Gewalt in Osttimor ansprachen. Australien
versetzte unterdessen seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft. Truppen
würden nur mit Zustimmung Jakartas nach Osttimor entsandt, sagte
Verteidigungsminister John Moore. Acht Bundesbürger, die sich als Beobachter in
Osttimor aufhielten, trafen am Montag in Australien ein, wie die Sprecherin der
Organisation Watch Indonesia, Monika Schlicher, mitteilte. Ein weiterer
Beobachter sitze noch in Bacau fest. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt
Ludger Volmer schloss unterdessen militärische und wirtschaftliche Konsequenzen
nicht mehr aus.
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