2.9.1999

Indonesien/Ost-Timor

Journalisten verlassen Ost-Timor fluchtartig

Dili, 2.9.99 (KNA) Nach erneuten Übergriffen auf ausländische Berichterstatter verlassen zahlreiche Journalisten Ost-Timor. Der Sender BBC habe für Freitag eine Maschine gechartert, mit der die meisten ausländischen Journalisten und Mitarbeiter ausgeflogen werden sollten, sagte Sabine Hammer, die als deutsche Wahlbeobachterin auf Ost-Timor ist, am Donnerstag abend (Ortszeit) der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bewaffnete pro-indonesische Milizen hätten am Donnerstag das überwiegend von Ausländern bewohnte Hotel «Tourismo» gestürmt und einen Journalisten gesucht, den sie offensichtlich umbringen wollten. Dabei sei eine Kanadierin leicht verletzt worden.

Seit dem Urnengang vom Montag über den künftigen Status der 1975 von Indonesien annektierten Insel, dessen Ergebnis noch offen ist, hat sich die Sicherheitslage dramatisch verschärft. Am Mittwoch hatten Gegner der Unabhängigkeit versucht, das Unamet-Hauptquartier, in dem die mehr als 400.000 Stimmzettel ausgezählt werden, zu stürmen. Aus verschiedenen Teilen der Insel werden schwere Übergriffe auf die Zivilbevölkerung gemeldet.

Angst vor Abzug des Militärs

Hammer sagte, in Dili herrsche Angst vor einem plötzlichen Abzug der indonesischen Militärs, der die Situation außer Kontrolle geraten lassen könne. Auch an diesem Donnerstag seien wieder in einem Stadtteil Häuser in Brand und Menschen vertrieben worden. Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung versuchten vereinzelt, sich mit Pfeil und Bogen oder mit Macheten gegen die zum Teil schwerbewaffneten Milizen zu wehren.

Die Nichtregierungsorganisationen (NGO's) aus aller Welt, zu deren 115 Beobachtern auch neun Deutsche gehören, ziehen laut Hammer aus Sicherheitsgründen alle Teams bis auf eines aus den verschiedenen Orten ab. Die Bedingungen seien so schlecht geworden, dass ein Verbleib im Land nicht mehr möglich sei. Wiederholt seien Beobachter in den vergangenen Tagen direkt bedroht worden. An zahlreichen Straßensperren kontrollierten Milizen jeden, der nach Dili wolle oder die Stadt verlasse. Generell gelte für die NGO-Beobachter, dass sie «erst einmal» auf Ost-Timor bleiben wollten. - Den Einsatz der neun deutschen Teilnehmer unterstützen die Hilfswerke missio und Misereor, das Diakonische Werk und die Menschenrechtsorganisation Watch Indonesia.

cst/chs 021541 SEP 99 nnn

 
 
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