Infodienst Indonesien und Ost-Timor, Nr. 5, August-September 2001

Inhalt

Veranstaltungen, Seminare:


Indonesien/Ost-Timor in der deutschen und EU-Politik:


Veröffentlichungen, Berichte:



Veranstaltungen, Seminare:

Verfolgte Christen? Analysen aus Asien und Afrika; Akademietagung der Katholischen Akademie in Berlin und der Fachstelle Menschenrechte von Missio e.V. am 14./15. September in Berlin

In vielen Staaten der Welt werden Menschenrechtsverletzungen begangen. Und in einigen dieser Staaten werden Christen zu deren Opfern. Es ist naheliegend, dass dies für christliche Hilfswerke Anlass sein muss, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen und für den Schutz der christlichen Brüder und Schwestern in aller Welt einzutreten. Aber rechtfertigt die Tatsache, dass (auch) Christen zu Opfern werden die Verwendung eines Begriffes wie „Christenverfolgung“? Und droht die Verwendung dieses Begriffes nicht zur Polarisierung mit dem Islam beizutragen, da dort, wo Christen zu Opfern werden, in vielen Fällen - mit prominenten Ausnahmen wie bspw. China - die Täter dem Islam angehören? Die Veranstalter waren sich der Sensibilität dieser Fragen bewusst, zumal drei Tage nach den Anschlägen auf das World Trade Center die ganze Welt darüber diskutierte, ob nun Huntingtons „clash of civilizations“ Wahrheit zu werden droht.
Dr. Hermann Schalück, Präsident von Missio, widmete diesen Fragen in seinem Einführungsvortrag große Beachtung. Sehr bewusst habe man den Titel der Veranstaltung „Verfolgte Christen?“ mit einem Fragezeichen versehen und ebenso bewusst habe man sich auch dafür entschieden, der Diskussion nicht auszuweichen und die Veranstaltung trotz - wenn nicht gar wegen - der Ereignisse des 11. September wie geplant stattfinden zu lassen.
Auf dem weiteren Tagungsprogramm standen länderübergreifende Vorträge zu „Religionsfreiheit - zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ von Prof. Dr. Johannes Müller, Hochschule für Philosophie der Jesuiten, und ein Statement von Dr. Heiner Geißler, Mitglied des Menschenrechtsauschusses im Deutschen Bundestag. Es folgen Fallstudien zu Indonesien, Malaysia, Pakistan und vielen anderen Staaten Asiens und Afrikas.
Am Beispiel Indonesiens berichtete Dr. Theodor Kampschulte, ehem. Länderreferent bei Misereor, von Kirchenbränden, den Bombenanschlägen auf Kirchen am Weihnachtsabend 2000 und vielem mehr - hauptsächlich Beispiele von den Inseln Java und Sumatra. Der blutige Konflikt zwischen Christen und Muslimen auf den Molukken wurde nur gestreift. An seinem Vortrag zeigte sich allerdings exemplarisch, was auch in anderen Vorträgen deutlich wurde: die Themenstellung „Verfolgte Christen?“ - wenngleich mit Fragezeichen versehen - verleitet zu einer einschränkenden Betrachtung, die der Komplexität des Gesamtproblems nicht gerecht wird. Ein Indonesienkenner wie Dr. Kampschulte weiß, wie schwierig es ist, bei Konflikten Religion, Politik und ethnische Motive auseinander zu halten. Dr. Kampschulte weist darauf ebenso hin, wie auf die Tatsache, dass neben Kirchen auch Moscheen brannten. Doch unter dem dominierenden Eindruck der vielen Beispiele von Übergriffen auf Christen droht die Ausgewogenheit des Experten von einem Publikum, das weniger mit der Materie vertraut ist, leicht überhört zu werden.
Ein Fragezeichen alleine scheint zu wenig, um den interreligiösen Dialog zu fördern.
 
 

Indonesischer Kulturabend bei Berliner Asien-Pazifik-Wochen, 22. September 2001

Mit einer gut besuchten Veranstaltung im Rahmen der Berliner Asien-Pazifik Wochen gab das neu gegründete Indonesische Kulturinstitut e.V. am 22. September in der Berliner Galerie Meinblau seinen Einstand. Zu sehen waren avantgardistische Performances, Installationen und Videoinstallationen der jungen indonesischen KünstlerInnen Melati Suryodarmo, Yudi Noor, Safril Firdaus und Uret Prayono.
Das indonesische Kulturinstitut hat sich zum Ziel gesetzt, jungen indonesischen Künstlerinnen und Künstler, die in Deutschland leben, ein Forum zu verschaffen und zu Kontakten und Verständigung mit der deutschen Kulturszene beizutragen.
Das Indonesische Kulturinstitut ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin.
Anschrift:

Indonesisches Kulturinstitut e.V. (IKI)
Prenzlauer Allee 234
10405 Berlin

Tel.:  030 - 618 77 25 (Heike Gäßler)
Fax:   030 - 618 77 25
E-mail: indonesischeskulturinstitut@web.de

Business and Technology Forum Indonesia, 24. September 2001

Im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen Berlin 2001 veranstaltete das Berlin Indonesia Business Council in Zusammenarbeit mit IPK Fraunhofer, dem Asien-Pazifik-Forum Berlin sowie der Indonesischen Botschaft eine Tagung unter dem Titel "Business and Technology Forum Indonesia". Das im Vergleich zu früheren Veranstaltungen dieser Art sehr gut besuchte Forum hatte allerdings das Handicap, dass man, wie es Dr. Fritz Kleinsteuber von EKONID treffend formulierte, "weitgehend unter sich" war: die Anwesenden waren zum Großteil Wirtschaftsberater, Analysten, Servicedienstleister, Journalisten, NGO-Vertreter u.a. - alles Leute, die MIT der Wirtschaft zu tun haben, aber selbst nicht AUS der Wirtschaft stammen.
Etwas unglücklich war auch die Schwerpunktsetzung auf den Bereich "Öl und Gas", da die erste Garde der indonesischen Vertreter dieser Sparte, darunter der Energie- und Bergbauminister Purnomo Yusgiantoro, einer zeitgleich stattfindenden Energie-Konferenz  in der Erdölmetropole Houston, Texas, der Heimatstadt von Oberklimaschützer George W. Bush, den Vorzug gaben, an der auch Präsidentin Megawati Soekarnoputri teilnahm.
Im einem vorbereiteten Statement, das in Berlin verlesen wurde, erklärte Minister Purnomo Yusgiantoro unter anderem, Indonesien habe das Ziel, bis 2020 die Bedingungen der WTO erfüllen zu können. Des Weiteren wolle Indonesien die wirtschaftliche Öffnung vorantreiben und downstream industries im Öl- und Gassektor für ausländische Investoren öffnen. Großer Bedarf, für den sich Purnomo Unterstützung aus Deutschland wünscht, bestehe im Bereich der Standardisierung (ISO).
Prof. Wolfgang Kartte, ehemaliger Präsident des Bundeskartellamtes und mehrere Jahre als Regierungsberater für Kartellrecht in Jakarta tätig, begrüßte in seinem Vortrag den friedlichen Regierungswechsel in Indonesien als Zeichen demokratischer Reife. Kartte mahnte aber gleichzeitig, das alte Phänomen der Korruption und Vetternwirtschaft sei noch immer immanent und stelle ein Hindernis für die wirtschaftliche Gesundung des Landes dar. Oberstes Gebot für die neue Regierung sei es, das Vertrauen wieder herzustellen. Dazu seien nicht unbedingt neue Gesetze notwendig, vielmehr müsse sicher gestellt werden, dass geltendes Recht auch zur Anwendung kommt. Präsidentin Megawati habe einige „richtige Leute“ auf wichtige Posten gesetzt, aber das werde nicht reichen, wenn nicht die gesamten Strukturen verändert würden. Als Beispiel nannte Kartte die IBRA (staatl. Auffanggesellschaft für Banken), die unabhängig von der Regierung sein müsse und nach Vorbild der deutschen Treuhandgesellschaft selbst in Besitz der von ihr verwalteten Assets sein sollte. Des Weiteren nannte Kartte die Notwendigkeit eines Insolvenz- und eines Kartellrechts. Auch auf dem Wege der Dezentralisierung müsse vorangeschritten werden, wenngleich sich hier noch viele Probleme auftun.
Dr. Fritz Kleinsteuber, Direktor der deutsch-indonesischen Handelskammer EKONID, zeigte sich zufrieden über den Regierungswechsel im Juli. Megawati habe ein „großartiges Kabinett“ gebildet und das Interesse der Wirtschaft an Indonesien sei wieder erwacht. Die deutsche Großindustrie habe zwar nach der Asienkrise die Stellung gehalten, aber insbesondere die Pogrome gegen die chinesische Minderheit im Mai 1998 hätten der Wirtschaft großen Schaden zugefügt. Was die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland angehe, sei die Lage aber seit Beginn der Asienkrise noch nie so schlecht gewesen, wie im ersten Halbjahr 2001. Kleinsteuber machte hiefür die imageschädigende Presseberichterstattung über die Gewalt auf den Molukken, in Aceh und in Ost-Timor (offensichtlich meinte er Kalimantan, denn Ost-Timor erlebte das friedlichste Halbjahr seit mehr als 25 Jahren!, red.) verantwortlich. Besorgt zeigte sich Kleinsteuber über die Folgen der Terrorangriffe auf die USA und die daraus resultierende anti-westliche Haltung einiger Kreise in Indonesien.
Dieter Ziulkowski, Repräsentant der ThyssenKrupp AG in Indonesien, sieht eine sich verschärfende Tendenz der Abkopplung der exportorientierten Industrie von Produzenten für den heimischen Markt. Schon jetzt seien erhebliche Unterschiede in der Qualität der Produkte wie auch in anderen Bereichen sichtbar. Ziulkowski unterstrich die Bedeutung der von indonesischen Fachleuten diskutierten Investitionshemmnisse wie Sicherheitslage, kompliziere Exportprozeduren, Erhebung von regionalen Steuern und Abgaben u. dgl. Er fügte jedoch zwei weitere Punkte hinzu, die aus seiner Sicht ebenfalls nicht unterschätzt werden sollten: die extrem bürokratischen Einreise- und Aufenthaltsbedingungen für ausländische Arbeitskräfte sowie Regelungen im Arbeitsgesetz, die den Unternehmer zu Abfindungszahlungen bei Entlassungen verpflichten, selbst wenn der Arbeitnehmer aufgrund eigenen Fehlverhaltens gekündigt worden sei.
Dr. Erich Strijek, Vizepräsident der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), setzte sich ebenfalls mit den Ursachen der Krise seit 1998 auseinander. Strijek benannte als Gründe: „enge Beziehungen und Vetternwirtschaft zwischen Regierungsvertretern, Unternehmen und Banken, mangelnde Kontrolle und Regelungsmechanismen sowie die Missachtung langfristiger Profitabilitätskriterien zugunsten greifbarer kurzfristiger Vorteile. Die gebräuchliche indonesische Formel dafür ist KKN.“ Und er erklärte: „Der Bankensektor war weniger ein Opfer der Krise als vielmehr ein wichtiger Akteur, der mit zu ihr beigetragen hat.“ Strijek räumte auf Nachfrage ein, dass sein Haus noch im Herbst 1997 die genannten Ursachen der anstehenden Krise nicht erkannt habe, wies jedoch eine Mitverantwortung der KfW für die „Kultivierung des Systems bis zum Punkt seiner Selbstvernichtung“ (Strijek) zurück.
In seinem nur wenige Tage nach Bildung des Kabinetts in Jakarta vorbereiteten Redemanuskript (9.8.2001) meint Strijek, die Aussichten hätten sich unter der neuen Regierung verbessert. Anzeichen dafür sei der deutlich verbesserte Kurs der Rupiah auf weniger als 8.500 gegenüber dem Dollar (zum Zeitpunkt des Vortrages war die 9.500 Marke bereits wieder erreicht, gegenwärtig liegt der Kurs bereits wieder bei über 10.000, red.).
Als herausragende Beispiele der Projektfinanzierung der KfW in Indonesien nannte Strijek die umstrittene Papier- und Zellstofffabrik PT. TEL in Südsumatra, die mit 1,2 Mio. US-$ das größte Finanzierungsprojekt weltweit in diesem Sektor darstelle. Die KfW sei an dieser Summe mit 300 Mio. US-$ beteiligt. Im Energiesektor verwies Strijek auf das ebenfalls umstrittene Kraftwerksprojekt Paiton II. Von der Projektfinanzierung in Höhe von insgesamt 1,7 Mrd. US-$ entfiel der Löwenanteil auf die KfW, die sich mit 500 Mio. US-$ beteiligt hatte.
Ein positives Beispiel, wie klein- und mittelständische Firmen auch zu Zeiten der Krise in Indonesien erfolgreich tätig sein können, gab Matthias Hofmeier von der LJ Elektronik GmbH. Die Firma produziert im German Centre in Jakarta Elektronikbauteile für den Export. Hofmeier lobte die guten Standortbedingungen im German Centre und betonte die Wichtigkeit der Motivation der Mitarbeiter. Die Tatsache, dass beim Umzug der Firma sämtliche indonesischen Mitarbeiter mit an den neuen Standort folgten, sei ein Beweis für das gute Betriebsklima bei LJ Elektronik.
 
 

Workshop der Friedrich-Ebert-Stiftung, 27. September 2001

Am 27. September veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin einen Workshop zum Thema: „Military and Police as Veto Powers of South-East Asia’s Democracy - Field of Action for German International Cooperation?“.
Teilnehmende waren Experten aus Thailand, Indonesien und Burma sowie Vertreter der deutschen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik, Wissenschaftler und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, u.a. von Watch Indonesia!.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen die aktuelle Rolle von Militär und Polizei in Südostasien, die Art der Reformen, die notwendig sind, um die Integration von Militär und Polizei in die demokratischen Strukturen der südostasiatischen Länder zu gewährleisten, und die Erarbeitung von Beispielen für Ansätze einer Kooperation im Bereich der militärischen Reform zwischen Deutschland und den südostasiatischen Staaten. Die Teilnehmer des Workshops gehen davon aus, dass die Entwicklung einer stabilen, demokratischen Ordnung in Südostasien mit einer Klärung der Rolle von Militär und Polizei innerhalb der Gesellschaft einhergehen muss.
Um die Rolle von Militär und Polizei in ihren jeweiligen Ländern von asiatischer Seite aus zu beleuchten, waren die Thailänderin Dr. Chalidaporn Songsamphan von der Thammasat Universität in Bangkok, der Indonesier Dr. Kusnanto Anggoro vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Jakarta und der Burmese Herr Zaw Oo vom Burma Fund in Washington, eingeladen.
Von deutscher Seite wurden die drei Länderbeispiele ergänzt durch Beiträge von Herrn Lothar Zimmer, BMZ, Herrn Wolf Poulet von der GTZ und Herrn Roland Feicht von der Südostasien Abteilung der Ebert-Stiftung.
In der nachfolgenden Diskussion wurde erörtert, inwiefern eine Reform von Militär und Polizei in Südost-Asien zum Thema deutscher internationaler Kooperation werden könnte. Arbeitsgruppen haben schließlich diverse Punkte einer solchen Kooperation im Bereich der militärischen Reform konkretisiert und vorgestellt.
 
 

Indonesien/Ost-Timor in der deutschen und EU-Politik:
 

Neue Asienkonzepte des BMZ und der EU

Die Veränderungen in Asien, wie auch der Wandel im entwicklungspolitischen Denken und die Lernprozesse in der praktischen Entwicklungszusammenarbeit seien der Anlass für eine Neuformulierung des Asien-Konzepts, heißt es in dem Ende August veröffentlichten Papier des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).
Im Vergleich zu 1993 konzentriert sich das neue Konzept auf nun mehr drei zentrale Problemfelder - die Bekämpfung von Armut, Umwelt- und Ressourcenschutz, Demokratisierung von Staat und Gesellschaft sowie Krisenprävention.
Indonesien zählt dabei zu den Schwerpunktpartnerländern, mit denen das BMZ eine besonders intensive Zusammenarbeit pflegen und potenziell das gesamte entwicklungspolitische Instrumentarium in den oben genannten drei Problemfeldern zum Einsatz bringen will. Das BMZ erkennt, dass Indonesien in den vergangenen Dekaden zwar deutliche wirtschaftliche Fortschritte aufgewiesen hat, dass diese allerdings durch die Asienkrise wieder infrage gestellt wurden. Im Zuge dieser Krise, heißt es, haben sich deutliche Defizite im Rechts- und Finanzsystem  bemerkbar gemacht während Reformen sich nur schwer durchzusetzen scheinen.
http://www.bmz.de/medien/aktuell/asienkonzept/asien.pdf

Auch die EU hat im Rahmen der veränderten politischen und wirtschaftlichen Lage seit 1994 sowohl in Europa als auch in Asien im September ein neues Asien-Konzept veröffentlicht. Schwerpunkte des EU-Konzepts liegen u.a. auf Frieden und Sicherheit, Handel und Investition, Entwicklung und Armutsbekämpfung, Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. In Indonesien, heißt es, haben der politische Wandel und die Wirtschaftskrise die Grundlage für eine Demokratisierung geschaffen. Gleichzeit aber erkenne man die Gefahr, welche die derzeitigen Unruhen auf die Integrität Indonesiens ausübten. Nach eigenen Angaben ist die EU in Indonesien derzeit aktiv daran beteiligt, die Partizipation der Zivilgesellschaft und good governance zu fördern. Ein Schwerpunkt der Indonesien-Politik liegt des Weiteren auf der Unterstützung von Konfliktprävention. Im Dialog mit den ASEAN-Staaten soll vor allem der Wahrung von Menschenrechten Beachtung geschenkt werden.
http://europa.eu.int/comm/external_relations/asia/news/ip01_1238_en.htm

In den Details der Indonesien-Politik beruft sich das EU-Konzept auf das im Vorjahr veröffentlichte Papier „Developing Closer Relations between Indonesia and the EU“
http://europa.eu.int/comm/external_relations/indonesia/com_2000_50/index.htm
 
 

Delegation von Mitgliedern des EU-Parlaments und der EU-Kommission besucht Aceh, 01./02.10.2001 – Autonomiefrage

Am 1./2. Oktober hielt sich eine Delegation von EU-Parlamentariern und Mitgliedern der EU-Kommission in Banda Aceh, der Hauptstadt der Provinz Aceh, auf. Anlass war das vom indonesischen Parlament verabschiedete Autonomiegesetz für diese Region („Special Nanggroe Aceh Darussalam Autonomy Law“ – NAD).

In einer Meldung der Jakarta Post vom 3.10.2001 heißt es hierzu, die Delegierten der EU würden in dem Gesetz eine „große Entwicklungsmöglichkeit für die unruhige Provinz“ sehen. Zitiert wird eine Stellungnahme der Belgischen Botschaft: „Die Europäische Union glaubt fest daran, dass das verabschiedete Special Nanggroe Aceh Autonomy Law große Möglichkeiten eröffnet, und dass es entschlossen und schnell umgesetzt werden sollte.“ Die Stellungnahme beinhalte zudem, dass die EU und deren Mitgliedsstaaten bereit seien, Aceh bei Entwicklung und Umsetzung des Normalisierungsprozesses zu unterstützen. Hierzu würde Hilfe beim Aufbau einer Zivilgesellschaft angeboten, mit dem Ziel, Konfliktprävention durch friedlichen Dialog zu gewährleisten.
 
 

Resolution des Europäischen Parlaments vom 04.10.2001 - Reaktion auf die Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung in Ost-Timor am 30.08.2001

Mit der am 4. Oktober 2001 verabschiedeten Resolution gratuliert das Europäische Parlament Ost-Timor zu seiner erfolgreich verlaufenen, ersten freien Wahl. Zugleich richtet sich der Appell an die politischen Parteien des Landes, den begonnenen Transformationsprozess hin zur Demokratie im Sinne des „Nationalen Einheitspaktes“ weiterhin und nachhaltig zu unterstützen. Konkret bedeutet das, eine Verfassung auszuarbeiten und die gegenwärtigen administrativen Probleme zu überwinden, aber auch das Flüchtlingsproblem zu lösen und die begangenen Menschenrechtsverletzungen gerichtlich aufzuarbeiten. Diesbezüglich bietet sich der internationalen Staatengemeinschaft (UN, EU, ASEAN) die Möglichkeit, in Form von  politischer, technischer und finanzieller Unterstützung Hilfestellung zu leisten. Die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission werden aufgerufen, sich auf internationaler Bühne für die Belange Ost-Timors einzusetzen. Darüber hinaus wird eine Europäische Wahlbeobachterkommission  für die Präsidentschaftswahlen 2002 unter Einbezug von Mitgliedern des Europaparlaments gefordert.
Obwohl dieser Appell als Teil der neuen Asienpolitik der Europäischen Union gesehen werden kann, knüpft er an vorangegangene Resolutionen, die Stellungnahme der EU-Präsidentschaft vom 31. August 2001 und den Bericht der EU-Wahlbeobachterkommission über die Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung am 30.8.2001 an.
Der vollständige Text der Resolution ist abrufbar unter: http://europa.eu.int./comm/external_relations/east_timor/ip01_1160.htm
 
 

Veröffentlichungen, Berichte:
 

ICG: U.S.- indonesische Militärbeziehungen, 17. Juli 2001

Obwohl der Bericht vor Antritt der neuen Präsidentin Megawati Soekarnoputri und vor den Terroranschlägen auf die USA am 11. September 2001 verfasst worden ist, macht die ICG (International Crisis Group) deutlich, dass die USA ihre militärischen Beziehungen zu Indonesien wieder aufnehmen, bzw. stärken werden. Die jüngsten Ereignisse haben bewiesen, dass dies in der Tat der Fall ist, noch unklar bleibt allerdings, ob – oder wie – die Veränderung der politischen Lage die militärischen Beziehungen im Detail verändern wird.
Der Bericht widmet sich drei Punkten: zum einen analysiert er, inwieweit sich Indonesien bisher an die Konditionen des U.S. Kongresses hinsichtlich der Fortführung des Internationalen Militärausbildungs- und Trainings-Programms (IMET) gehalten hat. Zum anderen beleuchtet er die U.S. Interessen an einer bilateralen militärischen Beziehung, und zuletzt wägt der Bericht ab, inwieweit erneuter Waffenverkauf und Trainingsprogramme für die TNI in der gegenwärtigen Sicherheitssituation angemessen erscheinen. Die U.S.-indonesischen Militärbeziehungen sind als Reaktion auf die Gewaltexzesse in Ost-Timor nach dem Referendum im August 1999 fast zum Erliegen gekommen, eine Aufnahme dieser Beziehungen war an strikte Konditionen gebunden, von denen die indonesische Regierung den ersten und bedeutsamsten Punkt, die Ahndung von Menschenrechtsverbrechen, bisher nicht erfüllt hat. Die Bush Regierung scheint aber dennoch bestrebt, engere militärische Beziehungen mit Indonesien einzugehen – aus geostrategischen Interessen. Allerdings soll potenzielle militärische Unterstützung künftig anders aussehen, mit Schwerpunkten u.a. auf einer Entwicklung des Justizsystems, Reform der Militärdoktrin und der Entwicklung ziviler Kontrolle über das Militär. Die ICG macht aber deutlich, dass die USA ihre militärische Unterstützung weiterhin an bestimmte Konditionen binden sollten, vor allem an die Forderung nach finanzieller Transparenz innerhalb des Militärs und ziviler Leitung.
http://www.crisisweb.org/projects/showreport.cfm?reportid=360
 

ICG: Megawatis Präsidentschaft, 10. September 2001

Der Bericht der ICG (International Crisis Group) analysiert die Zusammensetzung von Megawati Soekarnoputris Parlament und Kabinett und versucht Aufschlüsse über ihre zukünftige politische Linie sowie über ihre Überlebenschancen zu geben. Im allgemeinen wurde der Antritt von Megawati als Präsidentin von der indonesischen Öffentlichkeit begrüßt. Gelobt wurde Megawati auch in der Wahl ihrer zentralen Minister, deren Posten mehrheitlich von nicht partei-affiliierten Professionellen getragen werden. Es wird erwartet, dass sich Megawati im Gegensatz zu ihrem Amtsvorgänger Wahid, besonders auch im wirtschaftlichen Bereich, auf die Kompetenzen ihrer Minister verlassen wird. Die Sorge über eine zu enge Verbindung Megawatis zum Militär teilt die ICG nicht. Zwar sind einige ehemalige Militärangehörige Megawatis Partei PDI-P in Führungspositionen beigetreten, doch ähnliches ist auch bei  anderen Parteien der Fall. Auch aufgrund vergangener Auseinandersetzungen zwischen Megawatis Partei und dem Militär scheint es der ICG unwahrscheinlich, dass die Präsidentin dem Militär eine dominanten Rolle einräumen könnte. Dass Megawati sich der Wahrung von Menschenrechten bzw. der Ahndung vergangener Verbrechen und der Korruptionsbekämpfung widmen will, scheint hingegen eher unwahrscheinlich. Die Generalstaatsanwaltschaft hat sich bereits in der Vergangenheit in der Ahndung von Menschenrechtsverbrechen und Korruptionsfällen keinen guten Ruf gemacht. Die Ernennung von M.A. Rahman zum Generalstaatsanwalt scheint deutlich zu machen, dass eine Reform in diesem Bereich vorerst unwahrscheinlich ist. Es wäre allerdings wünschenswert, dass die Regierung Megawati trotz Abwesenheit einer klaren Vision oder Reformagenda über einige Jahre hinweg die Position halten könnte. Ein ständiger Regierungswechsel würde das Vertrauen der Bevölkerung in das politische System schwächen.
http://www.crisisweb.org/projects/showreport.cfm?reportid=412
 

ICG:  Der Repression in Irian Jaya ein Ende bereiten, 20. September 2001

Nach Meinung der ICG ist Indonesiens Politik Irian Jaya gegenüber an einem kritischen Punkt angelangt. Die politische Öffnung nach dem Fall Suhartos ermöglichte das Entstehen einer breiten friedlichen Unabhängigkeitsbewegung in Irian. Seit August 2000 ist  die Regierung allerdings bemüht, ihre Autorität wieder herzustellen.
Zwar wirbt die Regierung mit dem Angebot einer speziellen Autonomie, gleichzeitig geht sie aber hart gegen politische Aktivitäten der Papuas vor. Die spezielle Autonomie könnte  helfen, die seit 1969 bestehenden Integrationsprobleme der Papuas zu lösen. Es ist jedoch schwierig, glaubwürdig für dieses Gesetz zu werben, während die Sicherheitskräfte weiterhin repressiv vorgehen und es anhaltend zu schweren Menschenrechtsverletzungen kommt.
Eine Unabhängigkeit Irian Jayas steht für die Regierung nicht zur Debatte. Die Einverleibung Papuas wurde seinerzeit als nationaler Triumph gefeiert. Außerdem ist Irian reich an Ressourcen. Sowohl Präsident Habibie als auch dessen Nachfolger Wahid haben nach Lösungen für die Probleme in Irian gesucht und es gibt Versuche eines Dialoges. Seit Wahids Irianpolitik von der Beratenden Volksversammlung kritisiert wurde, ist das Vorgehen gegen Unabhängigkeitsaktivisten allerdings härter geworden und die Unabhängigkeit Ost-Timors hat die Angst vor der Auflösung des indonesischen Staates erhöht. Die Verhaftungen und Prozesse gegen Unabhängigkeitsbefürworter sowie die harten Sicherheitsmaßnahmen spiegeln das Ende der politischen Offenheit und eine Rückkehr zur Politik der Indonesier seit den  60er Jahren.
Die indonesische Regierung muss das Land zusammenhalten. Eine repressive Politik erweist sich jedoch als kontraproduktiv um die Probleme Irians zu lösen, die seit 1963 bestehen. Die  spezielle Autonomie wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Eine spezielle Autonomie, die die Hoffnungen der Papuas NICHT widerspiegelt, wäre jedoch verfehlt. Deswegen rät die ICG, die Papuas in einen politischen Dialog mit einzubinden und die spezielle Autonomie nach ihren Vorschlägen auszurichten. Gleichzeitig müssen Repressionen und Menschenrechtsverletzungen aufhören und diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die sich in der Vergangenheit Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben.
http://www.crisisweb.org/projects/showreport.cfm?reportid=414


Herausgeber: Watch Indonesia! e.V. in Zusammenarbeit mit Umverteilen! Stiftung für eine, solidarische Welt
Redaktion: Alex Flor, Antje Mißbach, Daniel Peters, Deny Tjakra-Adisurya, Florian Heinzel, Jasmin Freischlad, Monika Schlicher, Philipp Burtzlaff

Der Infodienst wird unterstützt aus Mitteln des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED)
 

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