Asienhaus: Nach den Wellen der Zerstörung. Wiederaufbau und Friedensprozess in Aceh nach dem Tsunami, Workshop, Alte Feuerwache Köln, 10. September 2005 Bundesministerium für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ): Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Flutwelle im Indischen Ozean - von der Humanitären Hilfe zum Wiederaufbau, Fachkonferenz im Berliner Roten Rathaus, 26. September 2005 Berlin Indonesia Business Council (BIBC): Indonesia Business Day, Berliner Rathaus, 26. September 2005 Haus der Kulturen der Welt: Räume und Schatten. Zeitgenössische Kunst aus Südostasien, Berlin, 30. September 2005 – 20. November 2005
Auch neun Monate nach dem Tsunami ist die Katastrophe in Deutschland
Thema zahlreicher Veranstaltungen. Im Mittelpunkt stehen heute vor allem
der schwierige Wiederaufbau und der Friedensprozess.
Marginalisierte Gruppen, Frauen und Arme zählen zu den besonders
stark Betroffenen, sowohl vom Tsunami als auch während der Phasen
der Nothilfe und des Wiederaufbaus, so Marianne Klute von Watch Indonesia!.
Der Wiederaufbau gehe aufgrund einer Vielzahl von technischen und politischen
Gründen nur sehr schleppend voran. Auch habe er bisweilen eine zerstörerische
Wirkung, sowohl auf die Umwelt als auch auf soziale Strukturen. Man solle
den Betroffenen zuhören, Bevölkerung und Zivilgesellschaft in
den Wiederaufbau einbinden, „damit auch der Friedensprozess gelingen kann,“
so Klute. Gunnar Stange von der Universität Passau ging anschließend
näher auf die Frage „Zivilgesellschaft als Allheilmittel?“ bei Friedensarbeit
und Wiederaufbau ein. Er betonte, der „scheinbar bewusste“ Ausschluss von
NGOs negiere ihre wirkliche Bedeutung und gefährde sie.
Die Fachkonferenz war nur eine von zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen der Berliner Asien-Pazifik-Wochen. In Verbindung mit der Konferenz wurde im Roten Rathaus eine Ausstellung zum Thema: „Nach der Tsunami-Katastrophe – Wie funktioniert der Wiederaufbau?“ gezeigt.
http://www.bmz.de/de/themen/Tsunami/index.html
Fast schon traditionell war allerdings auch der Kreis der Teilnehmenden: Das Interesse potenzieller neuer Investoren am Wirtschaftsstandort Indonesien blieb trotz hochrangiger Referenten wie James Riyadi, Vize-Präsident der indonesischen Handelskammer KADIN und Vorsitzender des Lippo-Konzerns, Mohammad Lutfi, Vorstand des Investment Coordinating Board (BKPM), und Vertretern erfolgreicher deutscher Konzerne und Mittelstandsbetriebe gering. Die Verbesserung einiger politischer und wirtschaftlicher Rahmendaten in den letzten Monaten scheint daran wenig zu ändern.
Den wohl interessantesten Vortrag hielt der dem Präsidenten Indonesiens, Susilo Bambang Yudhoyono, nahe stehende Vorstand des BKPM, Muhammad Lutfi. Er unterstrich die Notwendigkeit der indonesischen Wirtschaft, durch Fertigung von Halbfertigprodukten einen höheren Mehrwert zu erzielen. Trotz seines Ölreichtums verfüge Indonesien über lediglich drei Raffinerien, von denen nur eine dem Stand der Technik entspreche. Die Herstellung von Derivatprodukten aus Zucker und Kakao versprächen ebenfalls höhere Erträge. Im gleichen Atemzug nannte Lutfi allerdings auch ökologisch bedenkliche Pläne wie die Errichtung von zwei bis drei neuen Papierfabriken in Kalimantan und die Anlegung von ca. 800.000 ha neuer Ölpalmplantagen.
Als wesentliche Investitionshindernissee identifizierte Lutfi die Steuerpolitik,
Zollschranken, die Entlassungen hinderliche Arbeitsgesetzgebung, mangelnde
Infrastruktur und mangelnde Rechtssicherheit.
Die Werke von indonesischen Künstlern wie Gustaff Harriman Iskandar, Ade Darmawan, Lexy Junior Rambadeta und Garin Nugroho zeichnen sich durch Mut und kritische Ideen aus. In Lesungen und Diskussion gewährten die Künstlerinnen Melati Suryodarmo und Tintin Wulia, der Regisseur Garin Nugroho sowie die im Medienbereich Tätigen Goenawan Mohamad (Gründer des in der Suharto-Ära zeitweise verbotenen Nachrichtenmagazins Tempo), Hendra Pasuhuk (Deutsche Welle) und Nuraini Juliastuti (auch Übersetzerin von Rosa Luxemburgs und Simone de Beauvoirs Werken ins Indonesische) einen Einblick in ihren Umgang mit wirtschaftlichem, sozialem und politischem Druck.
Die Filmreihe „Wessen Terror?“ spürt Ursprüngen und Folgen von Terror in Südostasien nach. Von den indonesischen Filmen beschäftigen sich verschiedene mit den Massenmorden von 1965/66. So auch „Mass Grave“ von Lexy Junior Rambadeta (2002), ein Film aus der Sicht der Angehörigen der Opfer. Ihr Vorhaben, den aus einem Massengrab geborgenen Toten eine würdige Bestattung zukommen zu lassen, trifft auf harschen Widerstand von Seiten der muslimischen Einheimischen. „A Poet“ (2000), von Garin Nugroho, gezeigt in Anwesenheit des Regisseurs, erzählt die Erfahrung vom Dichter Ibrahim Kadir, der als kommunistischer Aktivist im Jahre 1965 verhaftet wurde und nach 22 Tagen in der Todeszelle freikam. Mit seinem neueren Film „Of Love and Eggs“ (2004) möchte Nugroho ein komplexeres Bild des Islam vermitteln: In Form einer Komödie versucht der Regisseur, den Zuschauern die verschiedensten Facetten der Religion nahe zu bringen. Wichtig ist Nugroho dabei zu zeigen, dass der Islam auch eine Religion ist, die ein positives Lebensgefühl und Gelassenheit im Umgang mit religiösen Symbolen zulässt. Religion ist auch Thema in „Shape of the Moon“ von Leonard Retel Helmrich (2004), der in seinem semidokumentarischen Film die enormen Gegensätze Indonesiens problematisiert.
http://www.hkw.de/de/programm2005/raeumeundschatten
Europäische Unternehmen und Banken beteiligen sich an Bau und Finanzierung der neuen Anlagen, trotz der desaströsen Erfahrungen, die sie in den letzten Jahren mit der indonesischen Zellstoffindustrie auf Sumatra machen mussten. Das österreichische Unternehmen Andritz AG liefert Maschinen für die geplante Zellstofffabrik in Satui und eine Hackschnitzelfabrik auf Pulau Laut, beide in Süd-Kalimantan. Die Raiffeisen Zentralbank Österreich gehört zu den Finanziers des Projektes.
Global 2000 macht mit Kampagnen und Studien auf die drohende Regenwaldzerstörung aufmerksam (siehe auch: Kurzhinweise).
Informationen und Musterbriefe an die Andritz AG und die Raiffeisen
Zentralbank sind zu finden unter: http://www.global2000.at/index3.htm
http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02652/index.html
http://www.regenwald.org/index.php
David Tulaar, Indonesienreferent des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS), schätzt den Bevölkerungsanteil von Christen im überwiegend hinduistischen Bali auf rund ein Prozent. Nichtsdestotrotz engagiert sich die Christlich-Protestantische Kirche in Bali (GKPB) sozial und gesellschaftlich. „Die Kirche setzt sich unermüdlich dafür ein, dass die Menschen das traumatische Ereignis verarbeiten,“ so Tulaar. Schon seit dem ersten Anschlag kümmert sie sich um Menschen, die ihre Arbeit im Tourismusbereich verloren haben oder deren Einkommen gesunken ist. Nun unterstützt sie Menschen, die ihre Angehörigen verloren. Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Anschläge hat die GKPB ein Poster herausgegeben, welches eine christliche balinesische Künstlerin entworfen hat. Es zeigt den tiefen Schmerz einer Mutter, die ihren Sohn zwischen vielen Toten im Krankenhaus von Bali fand. Das Poster kann bei EMS bestellt werden.
http://www.ems-online.org/index.php?id=116&backPID=116&tt_news=141
http://www.welthungerhilfe.de/662.html
http://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/05/310&format=HTML&aged=0
http://www.bmu.de/pressemitteilungen/pressemitteilungen_ab_01012005/pm/36007.php
http://www.bmbf.de/press/1600.php
http://www.gtz.de/de/presse/12234.htm
Am guten Abschneiden Osttimors lässt sich erkennen, dass die Vielfalt, Verbreitung und Professionalität von Pressemedien bei der Bewertung nicht im Vordergrund stand. Vielmehr wurden 50 Kriterien untersucht, die die Arbeitsbedingungen für Journalisten (Drohungen, Angriffe, Verhaftungen, Morde etc.) sowie ihrer Redaktionen (Zensur, Razzien, Beschlagnahmen etc.) unter die Lupe nehmen. Dabei spielen auch Verstöße seitens nicht-staatlicher Akteure eine Rolle. In Indonesien könnten hier die Entführung von Journalisten durch die GAM (Bewegung Freies Aceh) und die Einschüchterungsversuche des Unternehmers Tomy Winata gegen die Zeitung TEMPO eine Rolle gespielt haben. Staatlicherseits waren sicher Zugangsbeschränkungen für Journalisten nach Aceh ein Kriterium. Der Bericht führt dies jedoch nicht im Einzelnen aus.
http://www.rsf.org/rubrique.php3?id_rubrique=554
Es war vertraglich vereinbart, dass ICCA den Bericht unzensiert veröffentlichen durfte. Gleichzeitig wurde Freeport das Recht eingeräumt, ohne Rücksprache mit den Begutachtern dazu öffentlich Stellung zu nehmen.
In dem Bericht beurteilte ICCA unter anderem den als 1%-Fund bekannten „Freeport Partnership Fund for Community Development“. Unter öffentlichem Druck hatte sich Freeport vor einigen Jahren verpflichtet, 1% seiner Bruttoerträge für einen von indigenen Papua selbst verwalteten Fonds für soziale Entwicklung bereit zu stellen. ICCA zufolge ist das entsprechende Gremium jedoch nicht in der Lage, derart große Geldsummen effizient zu verwalten.
Zusagen von Freeport, Angehörige von sieben Stämmen der unmittelbaren Umgebung bevorzugt einzustellen, wurden laut ICCA in der Vergangenheit eingehalten. Voraussichtlich können auch die höheren Ziele der nächsten Stufe eingehalten werden. Der Bericht gibt keine Hinweise auf Qualifikation oder Stellung der Mitarbeiter aus Papua.
Eine Mitarbeiterbefragung, die nach Papua und Nicht-Papua unterschied, führte zu ausgewogenen Antworten auf die Frage nach einer möglichen Benachteiligung der Papua in Freeport’s Einstellungspolitik. Nicht befragt wurden allerdings Papua aus der Umgebung, die keinen Arbeitsvertrag mit Freeport oder einem seiner Sub-Unternehmer haben.
Mit Freeports Sub-Unternehmern geht ICCA am kritischsten ins Gericht. „Diese Unternehmen sind nur dem Namen nach unabhängig [...], sie befinden sich unter direkter Aufsicht und Kontrolle der Rechts- und Vertragsabteilung (contracting department) von PTFI [...]. Die Tatsache, dass diese Praktiken die Arbeitsgesetzgebung Indonesiens sowie die Gleichbehandlung von Arbeitern verletzen, muss einzig und allein der Rechts- und Vertragsabteilung von PTFI – und folglich dem Management von PTFI – zugeschrieben werden”.
Andere im Zusammenhang mit Freeport oft problematisierte Themen wie z.B. der bewaffnete Überfall im August 2002, bei dem zwei Staatsbürger der USA und ein Indonesier nahe der Stadt Timika erschossen wurden, die Schutzgeldzahlungen an das indonesische Militär und die massiven Umweltzerstörungen durch PTFI finden in dem Bericht keine Erwähnung.
http://icca-corporateaccountability.org/PDFs/FreeportReportPhI.pdf
Entgegnung von Freeport-McMoRan Copper & Gold Inc.:
http://icca-corporateaccountability.org/PDFs/PTFIResponse05.pdf
Ein Viertel aller Importe von Produkten aus Tropenholz in die Europäische Union stammen aus Indonesien, davon ist die Hälfte, jährlich fast eine Million Kubikmeter im Wert von 328 Mio. Euro, illegal. Indonesien steht auf der Hitliste der Importe von illegalem Holz nach Deutschland auf Rang eins: ungeschlagene drei Viertel aller indonesischen Produkte stammen aus illegalen Quellen, nicht eingerechnet die Importe über Drittländer. Hauptprodukte sind Zellstoff und Papier; fast der gesamte illegale Zellstoff aus Asien wird in Indonesien produziert. Treibende Kraft hinter dem Markt mit den Tropenholzprodukten ist die Nachfrage auf dem deutschen bzw. europäischen Markt. Damit hinterlässt der deutsche Import „einen deutlichen ökologischen Fußabdruck im indonesischen Regenwald und ist mitverantwortlich für die dort fortschreitende Waldzerstörung,“ so die Autoren der WWF-Studie.
Die Studie, der die aktuellen Außenhandelsdaten der Europäischen Union zugrunde liegen, gibt auch ohne die Transitimporte eine erste Einschätzung über die Größenordnung der illegalen Tropenholzimporte aus Südostasien, insbesondere aus Indonesien. Sie zeigt die Wege auf, über die das Holz nach Deutschland gelangt, und trägt das für wirksame Maßnahmen gegen den Import von illegalem Tropenholz unabdingbare Detailwissen zusammen.
Den Forderungen des WWF an die Bundesregierung, u.a. Einsatz für die Verabschiedung des Urwaldschutzgesetzes, Verfolgung von illegalen Importen nach dem Geldwäschegesetz sowie Umwelt- und Sozialstandards bei Exportkreditversicherungen, können sich interessierte Leser auf der Unterschriftenliste „Borneo: Rettet den Orang-Utan-Wald!“ anschließen.
Studie: http://www.wwf.de/imperia/md/content/pdf/kampagnen/borneo/HeisseWareTropenholz_0805.pdf
Unterschriftenliste: http://www.wwf.de/kampagne/borneo/aktionen/unterschrift/
Diese Studie aus Großbritannien wurde von Friends of the Earth und den weltgrößten Orang-Utan Schutzorganisationen durchgeführt. Sie basiert auf Informationen von Forschern vor Ort. Die Ergebnisse zeigen, dass der Anbau von Ölpalmplantagen die Hauptursache für die Ausrottung der Orang-Utans ist. Riesige Plantagen werden auf Urwaldgebieten angelegt; dabei werden die Rechte indigener Völker missachtet und die Biodiversität beeinträchtigt. Bis 2020 wird sich die Fläche der Plantagen auf 16,5 Mio. Hektar verdreifachen! Der Habitatverlust führt nicht nur zu verstärktem Tierhandel, sondern die Fragmentierung schränkt auch den Genfluss ein. Um der Zerstörung durch die Ölpalmplantagen Einhalt zu gebieten, gibt die Studie Empfehlungen über Schritte, die zu ökologisch nachhaltigen Plantagen führen können. Diese sind an die indonesische und die britische Regierung gerichtet.
http://www.foe.co.uk/resource/reports/oil_for_ape_full.pdf
Der 115 Seiten starke Bericht des East-West Centers bemängelt unter anderem eine ungleiche Verteilung der Hilfe, Straflosigkeit, ungenügendes Berichtswesen, mangelnde Koordination, geringes Vertrauen der Öffentlichkeit in den Wiederaufbau von Küstenregionen und die mangelnde Partizipation der betroffenen Bevölkerung. Besonderes Gewicht legt die Studie auf die Situation von Frauen und Kindern.
Die Ergebnisse für die in Indonesien betroffenen Regionen Aceh und Nord-Sumatra basieren auf Feldstudien, die in den Monaten März bis Mai 2005 sowie im Juli 2005 durchgeführt wurden. Ende März veröffentlichte BAPPENAS, die nationale Planungsbehörde Indonesiens, einen umfangreichen, in der Öffentlichkeit aber heftig kritisierten Masterplan zum Wiederaufbau der Katastrophengebiete. Diesem Plan entsprechend sollte ein mehrere Kilometer breiter Küstenstreifen unbewohnt bleiben. Der kurze Zeit später eingesetzte Chefkoordinator für den Wiederaufbau, Kuntoro Mangkusubroto, sammelte in der Bevölkerung Sympathiepunkte, indem er den Masterplan als unverbindliche Empfehlung interpretierte. Viele vermuten allerdings, dass sich BAPPENAS durch Mangkusubrotos Äußerungen angegriffen fühlte. Da die Prioritäten und Kriterien, nach denen der Wiederaufbau erfolgen soll, somit weiterhin unklar sind, könnte der Geldfluss ins Stocken geraten sein.
http://www.eastwestcenter.org/res-rp-publicationdetails.asp?pub_ID=1961
Um diese Netzwerke der indonesischen Mujahidin zu schwächen, werden von der Crisis Group Empfehlungen ausgesprochen. Hierzu zählen die systematische Analyse der Polizeiarbeit in Bezug auf Verbrechensaufklärung sowie die Formulierung von strategischen Empfehlungen für nationale Sicherheitsmaßnahmen; die maßgebliche Verbesserung der Beziehung zwischen Polizei und Bürgern einschließlich Korruptionsbekämpfung und Häftlingsbetreuung; die Einschränkung des Zugangs zu Schusswaffen und Sprengmaterial; Schutzmaßnahmen für Kläger, Richter und Anwälte. Daneben gilt es, die Aufklärung von bisher nicht geahndeten Verbrechen durch eine Kommission voranzutreiben, um eine Aufarbeitung der Vergangenheit zu ermöglichen und Selbstjustiz zu verhindern. Des Weiteren werden gezielte Integrations- und Resozialisierungsmaßnahmen für ehemalige Mujahidin als entscheidender Beitrag zur Schwächung islamistischer Netzwerke empfohlen.
http://www.crisgroup.org/home/index.cfm?id=3751&l=1
Gleichzeitig kann aber von einem Auftrieb der Anti-Korruptionsbewegung gesprochen werden: Seit 2004 setzen sich neben NGOs auch vermehrt wirtschaftliche und religiöse Organisationen gegen Korruption ein und sorgen für erhöhtes öffentliches Interesse. Des Weiteren wurde im Dezember 2003 die lang erwartete Anti-Korruptionskommission eingerichtet, der bis heute 800 Korruptionsfälle gemeldet wurden. Darüber hinaus versucht die Regierung, mit der Einrichtung eines Amts für öffentliche Beschaffung, welches zukünftig Ausschreibungsverfahren regeln soll, Zeichen zu setzen. Auch die im Oktober 2003 vorgenommene Verschärfung des Geldwäsche-Gesetzes soll Korruption gezielter entgegenwirken.
http://www.globalcorruptionreport.org/download.html
Die vorliegende Analyse über die öffentlichen Ausgaben Papuas gibt einigen Aufschluss über diese scheinbaren Widersprüche. Die in ganz Indonesien eingeführte regionale Autonomie sowie die Sonderautonomie für Papua sorgten für immense Geldströme aus Jakarta: binnen kurzer Zeit verdoppelte sich das statistische Pro-Kopf-Einkommen Papuas. Aber obwohl das Gesetz über die Sonderautonomie vorschreibt, dass die zusätzlichen Gelder in erster Linie den Kommunen (kabupaten/kota) zukommen sollen, erhielten diese in den Jahren 2002 und 2003 nur 40% dieser Mittel.
Der größte Teil der Gelder wird für laufende Kosten auf Provinzebene ausgegeben. Gehälter und Vergütungen für Beamte sowie Pensionszahlungen fallen hier in absoluten Zahlen am stärksten ins Gewicht. Die relativ größte Ausgabensteigerung entfällt jedoch auf den Posten „Sonstiges“. Die Autoren verweisen an dieser Stelle auf die Wahrscheinlichkeit der Veruntreuung von Geldern.
Das für Investitionen in die Infrastruktur vorgesehene Budget wanderte insbesondere in einigen neu gebildeten Kommunen in den Bau von Regierungsgebäuden. Im ersten Jahr der regionalen Autonomie waren die Ausgaben für neue Regierungsgebäude flächendeckend um 18% angestiegen. Nur acht von 14 Regierungsbezirken legten 2002 ihre Haushaltsdaten der Zentralregierung offen.
Die Studie wurde vom Primatologen Vincent Nijman durchgeführt. Informationen von 1.538 Orang-Utans und 304 Gibbons aus dem Zeitraum von 1971 bis 2005 flossen in die Arbeit ein. Junge Wildtiere sind begehrte Haustiere und Prestigeobjekte. Für die zusätzliche Geldquelle wird ohne moralische Bedenken in ungeschützten wie geschützten Wäldern gewildert. Dem Kahlschlag von Regenwald v. a. für Ölpalmplantagen fallen nicht nur die letzten Urwaldriesen zum Opfer, sondern dieser versorgt zudem die Tierhändler mit seltenen Tieren. 200-500 Orang-Utans werden jährlich auf Balis und Javas Märkten feilgeboten. Da für jeden gefangenen Orang-Utan mindestens ein weiterer (meistens die Mutter) umgebracht wurde, kommt Nijman zu dem Ergebnis, dass der Tierhandel die Populationen ernsthaft bedroht. Trotz der enormen Anstrengungen der NGOs kann in den letzten 15 Jahren kein Rückgang des Handels mit Menschenaffen verzeichnet werden.
Neben den lockeren Artenschutzgesetzen kritisiert Nijman die fehlende Strafverfolgung. So wurden zwar jährlich über hunderte Tiere konfisziert, aber kein einziger Tierhändler strafrechtlich verfolgt. Längerfristig können auch Umweltbildungsprogramme dazu beitragen, den Handel einschränken.
http://www.traffic.org/KalimantanOrangUtan.pdf
Global 2000: Der Fall „United Fibre System (UFS)“ Studie. Die Beteiligung
von Andritz und Raiffeisen an der Zerstörung der letzten indonesischen
Regenwälder, August 2005
In Süd-Kalimantan entsteht eine neue Zellstofffabrik mit dazugehöriger
Hackschnitzelfabrik. Die Studie von Global 2000 Österreich informiert
ausführlich über alle relevanten Hintergründe und untersucht
die Beteiligung österreichischer Unternehmen und Banken an diesem
ökologisch und sozial umstrittenen Projekt. Die Arbeit des Autors
basiert auf gründlichen Feldstudien.
http://www.global2000.at/download/file2825.pdf
CIFOR: Brief on Planned UFS-Mill in South Kalimantan
Diese Studie, schon im Januar erschienen, beschäftigt sich ebenfalls
mit der geplanten Zellstofffabrik in Süd-Kalimantan. Fokus dieser
Studie ist die Frage, ob der Bedarf an Rohmaterial durch Plantagenholz
gedeckt werden kann.
http://www.cifor.cgiar.org/publications/pdf_files/Books/BJurgens0501.pdf
International Crisis Group: Aceh. A new chance for peace, Asia Briefing
No. 40, 15. August 2005
http://www.crisisgroup.org/library/documents/asia/indonesia/b040_aceh___a_new_chance_for_peace.pdf
Amnesty International: Indonesia. A briefing for EU and ASEAN countries
concerning the deployment of the Aceh Monitoring Mission to Nanggroe Aceh
Darussalam Province, 9. September 2005
http://web.amnesty.org/library/Index/ENGASA210172005
Pro Wildlife: Affenschande. Die Vernichtung der Tropenwälder und
die Folgen für Primaten, München, September 2005
Pro Wildlife fordert gemeinsam mit seiner indonesischen Partnerorganisation
ProFauna ein umgehendes Einschreiten gegen den Wildtierhandel in Indonesien.
Hunderttausende Wildtiere werden in dem südostasiatischen Land alljährlich
gefangen und gehandelt – ein Großteil dieses Handels ist illegal.
http://www.prowildlife.de/de/Projekte/Affenschutz/Affenschande.pdf
Henning Effner: Bombenanschlag auf Bali. Hat die Terrororganisation
Jemaah Islamiyah wieder zugeschlagen? Friedrich Ebert Stiftung, Kurzberichte
aus der Entwicklungszusammenarbeit, Oktober 2005
http://library.fes.de/pdf-files/iez/02982.pdf
Newsletter Nr. 3/05 der Deutschen Osttimor Gesellschaft (DOTG), 1. Oktober
2005
http://www.osttimor.de/Newsletter/Newsletter0305.pdf
La’o Hamutuk Bulletin, Dili, Osttimor, Volume 6, Nr. 4. November 2005
http://www.laohamutuk.org/Bulletin/2005/Nov/bulletinv6n4.html
Klaus Fritsche und Klaus Schreiner (Hrsg.): Nach den Wellen der
Zerstörung. Wiederaufbau und Autonomie - Aceh nach dem Tsunami
Focus Asien, Schriftenreihe des Asienhauses, 60 S., Essen, September
2005, 3,- €
Folgende Broschüren können ab sofort bei Watch Indonesia! bestellt werden. Der Unkostenbeitrag geht als Spende an die Herausgeber von „Eye on Aceh“.
Responding to Aceh’s Tsunami: The first 40 days - Menanggapi Tsunami
in Aceh: 40 Hari Pertama 2005
109 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag
2,50 €
“The memories will die, just as the people have.” Die Tsunami-Katastrophe
hat das Gesicht Acehs verändert. Besonders die ersten Wochen waren
dabei entscheidend. Die Studie lässt Betroffene zu Wort kommen und
betrachtet die erste Zeit der Nothilfe kritisch.
Between Live and Death: Surviving Aceh’s Tsunami
Juli 2004, 44 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag
2,50 €
Interviews mit Überlebenden der Tsunami-Katastrophe. Zusammen
gestellt von Alex Jones.
Aceh: Logging a Conflict Zone - Aceh: Menebang Daerah Konflik
2004, 40 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag
2,50 €
Wer ist verantwortlich für die Vernichtung von Acehs Wäldern?
Holzbarone sowie Militär und Polizei. Was sind die Folgen der Zerstörung?
Naturkatastrophen und Armut. Die Studie betrachtet den Einfluss des Aceh-Konfliktes
auf den Verlust des Tropenwaldes.
Wieder erhältlich sind auch folgende Broschüren:
We are the Victims and the Witnesses: Women in Aceh - Korban dan Kesaksian:
Perempuan Aceh
2004, 38 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag
1,50 €
Die Broschüre ist den Frauen von Aceh gewidmet, deren Leben durch
den gewalttätigen und blutigen Konflikt stark belastet ist.
Fear in the Shadows: Militia in Aceh - Ketakutan dalam Bayangan: Milisi
di Aceh
2004, 62 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag
2,50 €
Nicht nur Militär und GAM waren bewaffneten Akteure im Aceh-Konflikt,
auch die zahlreichen Milizen übten Gewalttaten aus. Die Studie erläutert
Struktur und Rekrutierung und stellt einige Milizen vor.
Die Publikationen sind zu den genannten Preisen zuzüglich Versandkosten
bei Watch Indonesia! zu beziehen. Unser weiteres Angebot finden Sie auf
unserer Homepage unter: http://www.watchindonesia.org/books.htm
Hrsg: Watch Indonesia! in Zusammenarbeit mit Umverteilen! – Stiftung
für eine solidarische Welt
Redaktion: Alex Flor, Marianne Klute, Monika Schlicher, Monique
Szodruch, Petra Stockmann, Rita Sastrawan, Tia Mboeik
Der Infodienst wird unterstützt aus Mitteln des Evangelischen
Entwicklungsdienstes (EED)
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