Infodienst Indonesien und Osttimor Nr. 35

September – Oktober 2005

Inhalt

Aus der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen:

Veranstaltungen, Seminare:

  • Asienhaus: Nach den Wellen der Zerstörung. Wiederaufbau und Friedensprozess in Aceh nach dem Tsunami, Workshop, Alte Feuerwache Köln, 10. September 2005
  • Bundesministerium für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ): Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Flutwelle im Indischen Ozean - von der Humanitären Hilfe zum Wiederaufbau, Fachkonferenz im Berliner Roten Rathaus, 26. September 2005
  • Berlin Indonesia Business Council (BIBC): Indonesia Business Day, Berliner Rathaus, 26. September 2005
  • Haus der Kulturen der Welt: Räume und Schatten. Zeitgenössische Kunst aus Südostasien, Berlin, 30. September 2005 – 20. November 2005
  • Presse- und Lobbyarbeit:

    Indonesien und Osttimor in der deutschen und EU-Politik:

    Veröffentlichungen, Berichte:

    Kurzhinweise auf weitere Berichte und Veröffentlichungen

    Neue Bücher erhältlich bei Watch Indonesia!

    Veranstaltungshinweise



     

    Aus der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen:

    Presse- und Lobbyarbeit:


    Auch neun Monate nach dem Tsunami ist die Katastrophe in Deutschland Thema zahlreicher Veranstaltungen. Im Mittelpunkt stehen heute vor allem der schwierige Wiederaufbau und der Friedensprozess.
     

    Asienhaus: Nach den Wellen der Zerstörung. Wiederaufbau und Friedensprozess in Aceh nach dem Tsunami, Workshop, Alte Feuerwache Köln, 10. September 2005

    Wiederaufbau wird nur im Frieden gelingen. Daher standen Strukturen und Hintergründe der zwei Konfliktparteien, des indonesischen Militärs TNI und der Unabhängigkeitsbewegung GAM, im Blickpunkt des ersten Teils des Workshops. Mit seiner Darstellung des Weges nach Helsinki und des aktuellen Standes des Friedensprozesses zeigte Militärexperte Dr. Ingo Wandelt die Perspektiven für Frieden und Entwicklung in Aceh auf. Ob die Unterzeichnung des Friedensvertrages schließlich in einen wirklichen Frieden für Aceh münden wird, hängt Wandelt zufolge von der erfolgreichen Demilitarisierung der Provinz ab. Hierbei könnten die Beobachter der Aceh Monitoring Mission die Rolle von Schiedsrichtern einnehmen. Als Gegenpart zu Wandelts Analyse des indonesischen Militärs beleuchtete Antje Missbach, Humboldt-Universität zu Berlin, die Strukturen der gegnerischen Konfliktpartei GAM und der Milizen in Aceh. Letztere seien mit ihrer engen Anbindung an das Militär ein viel zu wenig beachteter Konfliktfaktor. Während Krieg und Notstand gewachsen, könnten sie auch in Zukunft dafür sorgen, dass der Konflikt bestehen bleibt.

    Marginalisierte Gruppen, Frauen und Arme zählen zu den besonders stark Betroffenen, sowohl vom Tsunami als auch während der Phasen der Nothilfe und des Wiederaufbaus, so Marianne Klute von Watch Indonesia!. Der Wiederaufbau gehe aufgrund einer Vielzahl von technischen und politischen Gründen nur sehr schleppend voran. Auch habe er bisweilen eine zerstörerische Wirkung, sowohl auf die Umwelt als auch auf soziale Strukturen. Man solle den Betroffenen zuhören, Bevölkerung und Zivilgesellschaft in den Wiederaufbau einbinden, „damit auch der Friedensprozess gelingen kann,“ so Klute. Gunnar Stange von der Universität Passau ging anschließend näher auf die Frage „Zivilgesellschaft als Allheilmittel?“ bei Friedensarbeit und Wiederaufbau ein. Er betonte, der „scheinbar bewusste“ Ausschluss von NGOs negiere ihre wirkliche Bedeutung und gefährde sie.
     
     

    Bundesministerium für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ): Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Flutwelle im Indischen Ozean - von der Humanitären Hilfe zum Wiederaufbau, Fachkonferenz im Berliner Roten Rathaus, 26. September 2005

    Die Nothilfe habe erfolgreich Hungersnöte und den Ausbruch von Seuchen verhindert, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in ihrem Grußwort zur Veranstaltung. Vertreter von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen diskutierten Probleme und Perspektiven des allmählich beginnenden Wiederaufbaus. Die Hilfe bleibe weiterhin wichtig, so die Ministerin, auch wenn das Interesse der Medien nachgelassen habe. Ein nachhaltiger Wiederaufbau sei auch eine Chance für Friedensprozesse und langfristige Partnerschaften zwischen zivilgesellschaftlichen Gruppen. Christina Rau, Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers für die Partnerschaftsinitiative Fluthilfe, setzt auf Geduld und Durchhaltevermögen. Von den für drei bis fünf Jahre zugesagten staatlichen deutschen Hilfsgeldern sind für dieses Jahr 125 Millionen Euro vorgesehen und 100 Millionen inzwischen geflossen.

    Die Fachkonferenz war nur eine von zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen der Berliner Asien-Pazifik-Wochen. In Verbindung mit der Konferenz wurde im Roten Rathaus eine Ausstellung zum Thema: „Nach der Tsunami-Katastrophe – Wie funktioniert der Wiederaufbau?“ gezeigt.

    http://www.bmz.de/de/themen/Tsunami/index.html
     
     

    Berlin Indonesia Business Council (BIBC): Indonesia Business Day, Berliner Rathaus, 26. September 2005

    Fast schon traditionell veranstaltete das BIBC in Zusammenarbeit mit anderen Trägern auch dieses Jahr wieder einen Indonesia Business Day im Rahmen der Berliner Asien-Pazifik Wochen. Unter Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin trafen sich Vertreter der deutschen und indonesischen Wirtschaft sowie politische Funktionsträger zu dieser zweitägigen Veranstaltung. Eröffnet wurde die Tagung mit Ansprachen von Prof. Dr.-Ing. Kai Mertins, Vorsitzender des BIBC, seiner Exzellenz Herrn Makmur Widodo, Botschafter der Republik Indonesien, und Herrn Harald Wolf, Bürgermeister und Wirtschaftssenator von der Partei Die Linke.PDS.

    Fast schon traditionell war allerdings auch der Kreis der Teilnehmenden: Das Interesse potenzieller neuer Investoren am Wirtschaftsstandort Indonesien blieb trotz hochrangiger Referenten wie James Riyadi, Vize-Präsident der indonesischen Handelskammer KADIN und Vorsitzender des Lippo-Konzerns, Mohammad Lutfi, Vorstand des Investment Coordinating Board (BKPM), und Vertretern erfolgreicher deutscher Konzerne und Mittelstandsbetriebe gering. Die Verbesserung einiger politischer und wirtschaftlicher Rahmendaten in den letzten Monaten scheint daran wenig zu ändern.

    Den wohl interessantesten Vortrag hielt der dem Präsidenten Indonesiens, Susilo Bambang Yudhoyono, nahe stehende Vorstand des BKPM, Muhammad Lutfi. Er unterstrich die Notwendigkeit der indonesischen Wirtschaft, durch Fertigung von Halbfertigprodukten einen höheren Mehrwert zu erzielen. Trotz seines Ölreichtums verfüge Indonesien über lediglich drei Raffinerien, von denen nur eine dem Stand der Technik entspreche. Die Herstellung von Derivatprodukten aus Zucker und Kakao versprächen ebenfalls höhere Erträge. Im gleichen Atemzug nannte Lutfi allerdings auch ökologisch bedenkliche Pläne wie die Errichtung von zwei bis drei neuen Papierfabriken in Kalimantan und die Anlegung von ca. 800.000 ha neuer Ölpalmplantagen.

    Als wesentliche Investitionshindernissee identifizierte Lutfi die Steuerpolitik, Zollschranken, die Entlassungen hinderliche Arbeitsgesetzgebung, mangelnde Infrastruktur und mangelnde Rechtssicherheit.
     
     

    Haus der Kulturen der Welt: Räume und Schatten. Zeitgenössische Kunst aus Südostasien, Berlin, 30. September 2005 - 20. November 2005

    Im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen präsentiert das Haus der Kulturen der Welt eine Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen von und mit Künstlern aus Thailand, Singapur, Indonesien und Burma. Viele ihrer Werke reflektieren die Konfrontation zwischen einer Dynamik, die sich aus der Interaktion der verschiedenen Kulturen der Region speist, und einer Starre der sozialen und politischen Strukturen. Hieraus haben sich spannende künstlerische Positionen entwickelt.

    Die Werke von indonesischen Künstlern wie Gustaff Harriman Iskandar, Ade Darmawan, Lexy Junior Rambadeta und Garin Nugroho zeichnen sich durch Mut und kritische Ideen aus. In Lesungen und Diskussion gewährten die Künstlerinnen Melati Suryodarmo und Tintin Wulia, der Regisseur Garin Nugroho sowie die im Medienbereich Tätigen Goenawan Mohamad (Gründer des in der Suharto-Ära zeitweise verbotenen Nachrichtenmagazins Tempo), Hendra Pasuhuk (Deutsche Welle) und Nuraini Juliastuti (auch Übersetzerin von Rosa Luxemburgs und Simone de Beauvoirs Werken ins Indonesische) einen Einblick in ihren Umgang mit wirtschaftlichem, sozialem und politischem Druck.

    Die Filmreihe „Wessen Terror?“ spürt Ursprüngen und Folgen von Terror in Südostasien nach. Von den indonesischen Filmen beschäftigen sich verschiedene mit den Massenmorden von 1965/66. So auch „Mass Grave“ von Lexy Junior Rambadeta (2002), ein Film aus der Sicht der Angehörigen der Opfer. Ihr Vorhaben, den aus einem Massengrab geborgenen Toten eine würdige Bestattung zukommen zu lassen, trifft auf harschen Widerstand von Seiten der muslimischen Einheimischen. „A Poet“ (2000), von Garin Nugroho, gezeigt in Anwesenheit des Regisseurs, erzählt die Erfahrung vom Dichter Ibrahim Kadir, der als kommunistischer Aktivist im Jahre 1965 verhaftet wurde und nach 22 Tagen in der Todeszelle freikam. Mit seinem neueren Film „Of Love and Eggs“ (2004) möchte Nugroho ein komplexeres Bild des Islam vermitteln: In Form einer Komödie versucht der Regisseur, den Zuschauern die verschiedensten Facetten der Religion nahe zu bringen. Wichtig ist Nugroho dabei zu zeigen, dass der Islam auch eine Religion ist, die ein positives Lebensgefühl und Gelassenheit im Umgang mit religiösen Symbolen zulässt. Religion ist auch Thema in „Shape of the Moon“ von Leonard Retel Helmrich (2004), der in seinem semidokumentarischen Film die enormen Gegensätze Indonesiens problematisiert.

    http://www.hkw.de/de/programm2005/raeumeundschatten
     
     

    Presse- und Lobbyarbeit:

    Global 2000: Kampagne gegen die Beteiligung österreichischer Unternehmen und Banken an Zellstoffindustrie in Kalimantan, ab August 2005

    Regenwaldvernichtung, Menschenrechtsverletzungen, Konflikte, Verschuldung und fehlende Nachhaltigkeit sind die Attribute der indonesischen Zellstoffindustrie. Trotzdem wird sie ihre Kapazitäten stark ausweiten. In Kalimantan sind mehrere große Anlagen geplant, die ersten werden in der Provinz Süd-Kalimantan entstehen. Nationale und internationale Umweltorganisationen warnen vor den Folgen für die Bevölkerung und die letzten Regenwaldgebiete. Auch vor Ort wehrt sich die Bevölkerung gegen die Großprojekte.

    Europäische Unternehmen und Banken beteiligen sich an Bau und Finanzierung der neuen Anlagen, trotz der desaströsen Erfahrungen, die sie in den letzten Jahren mit der indonesischen Zellstoffindustrie auf Sumatra machen mussten. Das österreichische Unternehmen Andritz AG liefert Maschinen für die geplante Zellstofffabrik in Satui und eine Hackschnitzelfabrik auf Pulau Laut, beide in Süd-Kalimantan. Die Raiffeisen Zentralbank Österreich gehört zu den Finanziers des Projektes.

    Global 2000 macht mit Kampagnen und Studien auf die drohende Regenwaldzerstörung aufmerksam (siehe auch: Kurzhinweise).

    Informationen und Musterbriefe an die Andritz AG und die Raiffeisen Zentralbank sind zu finden unter: http://www.global2000.at/index3.htm
     
     

    WWF: Mein Gartenstuhl aus Orang-Utan-Wald. WWF-Protest vor der Gartenmöbelmesse Spoga: Tropenholz nur mit dem FSC-Siegel Köln, 5. September 2005

    „Wirtschaft und Politik haben auf Kosten der Natur einen stillen Pakt mit der Holzmafia geschlossen,“ heißt es in der Pressemitteilung des WWF zur Aktion auf der Spoga. Jedes Jahr importiert Deutschland aus Indonesien illegal geschlagenes Tropenholz im Wert von 150 Millionen Euro. Auch auf der Spoga finden sich zahlreiche Holzprodukte aus zweifelhaften Quellen, zum Beispiel Gartenmöbel aus Meranti. Der WWF forderte die etwa 40.000 Fachbesucher der Spoga auf, nur Gartenmöbel mit dem FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) zu kaufen, welches eine ökologische und sozial verträgliche Waldwirtschaft garantiert.

    http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02652/index.html
     
     

    Rettet den Regenwald: Protestbriefaktion gegen Einbau von Meranti-Fenstern in Bundesgebäude, September 2005

    „Hände weg von Tropenholz!“, fordert Rettet den Regenwald in einem Protestbrief an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Der Protest richtet sich gegen den Einbau von 500 Fensterrahmen aus dem aus Indonesien stammenden Meranti-Holz in das Gebäude der Bundestagsverwaltung in Berlin. Laut Rettet den Regenwald sind die Rahmen mit gefälschten Dokumenten nach Deutschland eingeführt worden und stammen höchstwahrscheinlich aus illegalem Holzeinschlag.

    http://www.regenwald.org/index.php
     
     

    EMS: Gedenken an die Attentate auf Bali vom Oktober 2002 und 2005, Pressemitteilung, 10. Oktober 2005

    Bei den Bombenattentaten auf Bali am 22. Oktober 2002 waren 202 Menschen getötet worden. Drei Jahre später, am 1. Oktober 2005, explodierten erneut drei Bomben auf der Insel, 22 Menschen verloren ihr Leben, 122 wurden verletzt.

    David Tulaar, Indonesienreferent des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS), schätzt den Bevölkerungsanteil von Christen im überwiegend hinduistischen Bali auf rund ein Prozent. Nichtsdestotrotz engagiert sich die Christlich-Protestantische Kirche in Bali (GKPB) sozial und gesellschaftlich. „Die Kirche setzt sich unermüdlich dafür ein, dass die Menschen das traumatische Ereignis verarbeiten,“ so Tulaar. Schon seit dem ersten Anschlag kümmert sie sich um Menschen, die ihre Arbeit im Tourismusbereich verloren haben oder deren Einkommen gesunken ist. Nun unterstützt sie Menschen, die ihre Angehörigen verloren. Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Anschläge hat die GKPB ein Poster herausgegeben, welches eine christliche balinesische Künstlerin entworfen hat. Es zeigt den tiefen Schmerz einer Mutter, die ihren Sohn zwischen vielen Toten im Krankenhaus von Bali fand. Das Poster kann bei EMS bestellt werden.

    http://www.ems-online.org/index.php?id=116&backPID=116&tt_news=141
     
     

    Deutsche Welthungehilfe, terre des hommes: 13. Bericht zur Wirklichkeit der Entwicklungshilfe: Regierungsbildung als Chance für die Entwicklungszusammenarbeit nutzen!, Pressemitteilung, 2. November 2005

    Anlässlich der Vorstellung ihres 13. Berichts zur Wirklichkeit der Entwicklungshilfe appellieren die Deutsche Welthungehilfe und terre des hommes an die neue Bundesregierung, entschlossene Zeichen gegen Armut und Ausbeutung zu setzen und Entwicklungspolitik einen höheren Stellenwert im Kabinett zu verschaffen. Unter anderem zogen die beiden Organisationen auch Bilanz zur Tsunami-Hilfe: Sie begrüßten die rasche Reaktion der Bundesregierung und die Bereitstellung von 500 Millionen Euro, kritisierten aber, dass nur 5 Prozent der Sondermittel an nichtstaatliche Organisationen vergeben wurden. „Diese Entscheidung ist unverständlich angesichts der Tatsache, dass zivilgesellschaftliche Träger Notleidende häufig schneller, basisnäher und unparteiischer erreichen können als staatliche Strukturen und Organisationen der Vereinten Nationen,“ so Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe. Weiter betonte er, die eigentliche Herausforderung seien die, wie er es nannte, „stillen Tsunamis“: Hunger und Krankheiten wie Aids, Tuberkulose und Malaria, an denen täglich Tausende sterben.

    http://www.welthungerhilfe.de/662.html
     
     

    Indonesien und Osttimor in der deutschen und EU-Politik:

     

    Bescheidener Erfolg der Partnerschaftsinitiative Fluthilfe, 9. September 2005

    „Qualität geht vor Schnelligkeit,“ sagt die Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers für die Partnerschaftsinitiative, Christina Rau, und meint damit, dass nur solche Wiederaufbauprojekte vermittelt werden, die sich am Bedarf der Menschen vor Ort orientieren und entwicklungspolitisch vernünftig sind. Bisher konnten nur 20 Prozent der 1.362 Partnerschaftsangebote vermittelt werden, lediglich acht Prozent mündeten in konkrete Einzelprojekte. Um den Dialog und die Vernetzung der Akteure der Partnerschaftsinitiative besser zu fördern, hat die Servicestelle der InWent GmbH in Bonn gemeinsam mit dem Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Gießen (ZMI) die Internet- Plattform http://www.partnerschaftsinitiative.de entwickelt. Hier finden Interessierte Informationen, Anregungen, Modellprojekte, statistische Daten, sowie Veranstaltungshinweise zur kommunalen Entwicklungszusammenarbeit.

    http://www.epo.de/
     

    EU-Kommission: Aceh: Beitrag der EU-Kommission zum Friedensprozess und zum Wiederaufbau nach dem Tsunami, Pressemitteilung, 9. September 2005

    Was unterstützt die EU-Kommission in Aceh? Auf diese selbstgestellte Frage antwortet die Kommission in ihrer Presseerklärung vom 9. September und legt ihre Aktivitäten in den Bereichen Tsunami-Hilfe und Friedensprozess dar. Für Nothilfe und Wiederaufbau haben die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten insgesamt 1,5 Mrd. Euro bereitgestellt, davon die Kommission 473 Mio. Euro für Nothilfe und Wiederaufbau (vgl. auch Mitteilungen in früheren Infodiensten). Wie schon frühere Friedensbemühungen hat die Kommission auch die jüngste Initiative von Martti Ahtisaaris Crisis Management Initiative finanziell unterstützt. Die Kommission ist nicht direkt an der gemeinsamen EU-ASEAN Aceh Monitoring Mission (AMM) beteiligt, bereitet aber ein Maßnahmenpaket zur Unterstützung einer nachhaltigen Umsetzung des Friedensprozesses vor. So stellt die Kommission 4 Mio. Euro aus ihrem Rapid Reaction Mechanism bereit, um ehemalige politische Gefangene und Kämpfer ins zivile Leben integrieren zu helfen. Als anderen wichtigen Bereich ihrer Unterstützung des Friedensprozesses hat die Kommission die Konsolidierung von Demokratie in Aceh im Rahmen der revidierten Sonderautonomie ausgemacht.

    http://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/05/310&format=HTML&aged=0
     

    Jürgen Trittin: Wenn wir Wälder schützen, schützen die Wälder uns, Pressemitteilung, 13. September 2005

    „Diese Generation wird Augenzeuge, wie weltweit die Wälder in einem atemberaubenden Tempo vernichtet werden. Allein in den Tropen werden jedes Jahr 15 Millionen Hektar Wald abgeholzt, eine Fläche halb so groß wie Italien,“ sagte Umweltminister Trittin zum bevorstehenden Tag der Tropenwälder am 14. September. Der Minister wies auf die Bedeutung der Wälder für den Schutz des Klimas und vor Katastrophen hin. Trittin versprach, das Urwaldschutzgesetz weiter voran zu treiben. Mit Hilfe dieses Gesetzes könnten in Deutschland endlich Besitz und Vermarktung von in Urwäldern illegal eingeschlagenem Holz und daraus hergestellten Produkten verboten werden.

    http://www.bmu.de/pressemitteilungen/pressemitteilungen_ab_01012005/pm/36007.php
     

    Bundesregierung: Deutschland beteiligt sich an Friedensmission in Aceh, Pressemitteilung, 28. September 2005

    Das Bundeskabinett hat eine deutsche Beteiligung an der von der EU geführten Aceh Monitoring Mission (AMM) beschlossen. Unter den insgesamt 220 Beobachtern aus der EU und ASEAN-Staaten sollen nun auch bis zu zehn deutsche Beobachter in die indonesische Provinz Aceh entsandt  werden, um die Umsetzung des am 15. August abgeschlossenen Friedensabkommens mitzuverfolgen. Regierungsangaben zufolge können unter den Beobachtern auch fünf Soldaten in Zivil sein. Zu ihren Aufgaben gehören die Überwachung des geplanten Rückzugs indonesischer Truppen, die Entwaffnung der Rebellen und die Einhaltung der Menschenrechte.

    http://www.bundesregierung.de/Nachrichten/Artikel-,434.895293/artikel/Deutschland-beteiligt-sich-an-.htm
     

    BMBF: Erste Boje für das Tsunami-Frühwarnsystem übergeben, Pressemitteilung, 10. Oktober 2005

    “Mit neuesten Technologien aus Deutschland bieten wir den Menschen am Indischen Ozean die Möglichkeit, sich zukünftig effektiv vor Flutkatastrophen zu schützen,“ so Frieder Meyer-Krahmer, Staatssekretär im deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), bei der Übergabe der ersten GPS-Boje an seinen indonesischen Amtskollegen. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen zehn per Satelliten-Ortung kommunizierende Bojen aus Deutschland vor der indonesischen Küste zwischen Banda Aceh und Bali installiert werden. Im November dieses Jahres werden die ersten dieser Bojen ebenso wie Ozeanboden-Drucksensoren mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE in Position gebracht werden. Die Bundesregierung stellt im Rahmen ihrer Wiederaufbauhilfe in der betroffenen Region 45 Millionen Euro für den Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems bereit.

    http://www.bmbf.de/press/1600.php
     

    GTZ schult Regierungsmitarbeiter in Aceh, Pressemitteilung, 18. Oktober 2005

    Die GTZ soll im Auftrag der EU-Kommission Vertreter von Exekutive und Legislative der 21 Distrikte Acehs in Fragen des Wiederaufbaus und der Umsetzung des Friedensabkommens schulen. „Mit unserem Vorhaben bereiten wir die regionalen Institutionen im Auftrag der EU darauf vor, den Wiederaufbau nach dem Tsunami und die Sicherung des politischen Friedens eigenverantwortlich zu steuern. Damit schließen wir die Lücke zwischen der Soforthilfe nach dem Seebeben und langfristig angelegten Maßnahmen zur Stabilisierung der Region,“ so Martin Hansen, Projektverantwortlicher der GTZ in Banda Aceh. Auf dem Programm stehen Beratungen in allen Fragen einer effizienten und bürgernahen Verwaltung und zu effektiven parlamentarischen Verfahren, Strukturen und Prozessen. Das Projekt ist auf sechs Monate angelegt, es stehen 3 Millionen Euro zur Verfügung.

    http://www.gtz.de/de/presse/12234.htm
     

    GTZ: Timor-Leste: Kleine Nuss, großes Potenzial, Mitteilung 20. Oktober 2005

    Eine kleine Nuss soll Osttimor helfen, auf dem Weltmarkt Fuß zu fassen. 250.000 US-Dollar Exporterlöse konnte das Land im letzten Jahr durch die Kukui-Nuss erwirtschaften. Die Nuss ist international vor allem wegen ihres Öls begehrt, das in Kosmetik und Medizin Anwendung findet.  Erst der durch die GTZ geförderte Export des Rohstoffs nach Indonesien führte dazu, dass internationale Konzerne und Forschungsinstitute auf die wertvolle Nuss aufmerksam wurden. Heute unterstützt die GTZ, die in Osttimor im Auftrag des BMZ an der Wiederbelebung der Landwirtschaft und der Handelsbeziehungen arbeitet, in Zusammenarbeit mit der University of Hawaii und dem amerikanischen Kosmetikkonzern Oils of Aloha verstärkt die Ölgewinnung aus der Nuss. Für die Bauern Osttimors bedeuten die Erlöse aus der Vermarktung der Kukui-Nuss eine neue Zukunftsperspektive: Die Einnahmen bieten ihnen die Möglichkeit, ihre Agrarproduktion künftig mit eigenen Mitteln auszubauen.

    http://www.gtz.de/
     
     

    Veröffentlichungen, Berichte:

     

    Reporter ohne Grenzen: Jahresbericht 2005

    Die Pressefreiheit in Indonesien hat während der vergangenen 12 Monate Fortschritte gemacht, zeigt der Jahresbericht von Reporter ohne Grenzen. Im internationalen Vergleich von 167 Staaten belegt Indonesien Platz 102. Deutlich besser schnitt der noch junge Nachbar Osttimor ab, der auf Platz 58 landete.

    Am guten Abschneiden Osttimors lässt sich erkennen, dass die Vielfalt, Verbreitung und Professionalität von Pressemedien bei der Bewertung nicht im Vordergrund stand. Vielmehr wurden 50 Kriterien untersucht, die die Arbeitsbedingungen für Journalisten (Drohungen, Angriffe, Verhaftungen, Morde etc.) sowie ihrer Redaktionen (Zensur, Razzien, Beschlagnahmen etc.) unter die Lupe nehmen. Dabei spielen auch Verstöße seitens nicht-staatlicher Akteure eine Rolle. In Indonesien könnten hier die Entführung von Journalisten durch die GAM (Bewegung Freies Aceh) und die Einschüchterungsversuche des Unternehmers Tomy Winata gegen die Zeitung TEMPO eine Rolle gespielt haben. Staatlicherseits waren sicher Zugangsbeschränkungen für Journalisten nach Aceh ein Kriterium. Der Bericht führt dies jedoch nicht im Einzelnen aus.

    http://www.rsf.org/rubrique.php3?id_rubrique=554
     

    ICCA: Audit Report, Human Rights, Employment and Social Development of Papuan People in Indonesia, 26. Juli 2005

    In einem Vertragsverhältnis mit dem Bergbaukonzern Freeport McMoRan evaluierte das International Center for Corporate Accountability (ICCA) als „unabhängiger, externer Auditor” dessen Aktivitäten im indonesischen Papua. Begutachtet wurden der in New Orleans ansässige Mutterkonzern Freeport-McMoRan Copper and Gold (FCX) sowie die Tochtergesellschaft PT Freeport Indonesia (PTFI). Freeport Indonesia betreibt in Westpapua die weltgrößte Goldmine, die zugleich eine der bedeutendsten Kupferminen der Welt ist. Die Firma ist einer der größten Steuerzahler Indonesiens.

    Es war vertraglich vereinbart, dass ICCA den Bericht unzensiert veröffentlichen durfte. Gleichzeitig wurde Freeport das Recht eingeräumt, ohne Rücksprache mit den Begutachtern dazu öffentlich Stellung zu nehmen.

    In dem Bericht beurteilte ICCA unter anderem den als 1%-Fund bekannten „Freeport Partnership Fund for Community Development“. Unter öffentlichem Druck hatte sich Freeport vor einigen Jahren verpflichtet, 1% seiner Bruttoerträge für einen von indigenen Papua selbst verwalteten Fonds für soziale Entwicklung bereit zu stellen. ICCA zufolge ist das entsprechende Gremium jedoch nicht in der Lage, derart große Geldsummen effizient zu verwalten.

    Zusagen von Freeport, Angehörige von sieben Stämmen der unmittelbaren Umgebung bevorzugt einzustellen, wurden laut ICCA in der Vergangenheit eingehalten. Voraussichtlich können auch die höheren Ziele der nächsten Stufe eingehalten werden. Der Bericht gibt keine Hinweise auf Qualifikation oder Stellung der Mitarbeiter aus Papua.

    Eine Mitarbeiterbefragung, die nach Papua und Nicht-Papua unterschied, führte zu ausgewogenen Antworten auf die Frage nach einer möglichen Benachteiligung der Papua in Freeport’s Einstellungspolitik. Nicht befragt wurden allerdings Papua aus der Umgebung, die keinen Arbeitsvertrag mit Freeport oder einem seiner Sub-Unternehmer haben.

    Mit Freeports Sub-Unternehmern geht ICCA am kritischsten ins Gericht. „Diese Unternehmen sind nur dem Namen nach unabhängig [...], sie befinden sich unter direkter Aufsicht und Kontrolle der Rechts- und Vertragsabteilung (contracting department) von PTFI [...]. Die Tatsache, dass diese Praktiken die Arbeitsgesetzgebung Indonesiens sowie die Gleichbehandlung von Arbeitern verletzen, muss einzig und allein der Rechts- und Vertragsabteilung von PTFI – und folglich dem Management von PTFI – zugeschrieben werden”.

    Andere im Zusammenhang mit Freeport oft problematisierte Themen wie z.B. der bewaffnete Überfall im August 2002, bei dem zwei Staatsbürger der USA und ein Indonesier nahe der Stadt Timika erschossen wurden, die Schutzgeldzahlungen an das indonesische Militär und die massiven Umweltzerstörungen durch PTFI finden in dem Bericht keine Erwähnung.

    http://icca-corporateaccountability.org/PDFs/FreeportReportPhI.pdf

    Entgegnung von Freeport-McMoRan Copper & Gold Inc.:
    http://icca-corporateaccountability.org/PDFs/PTFIResponse05.pdf
     

    WWF: „Heiße Ware“ Tropenholz. Illegale Holznutzung und Holzimporte aus Südostasien nach Deutschland: Eine Analyse der EU-Außenhandelsdaten, Frankfurt, 17. August 2005

    Illegaler Holzeinschlag ist ein weltweites Problem. Der Großteil geht auf das Konto von Unternehmen mit mafiösen Strukturen, die der organisierten Kriminalität zuzurechnen sind. Kriminelle Machenschaften wie Korruption, Gewaltverbrechen und Geldwäsche sind eng damit verbunden. Die lokale Bevölkerung wird ihrer Lebensgrundlage beraubt, nachhaltige Waldwirtschaft wird verhindert und die Zukunft nachfolgender Generationen gefährdet. Auch die nachhaltig bewirtschafteten Wälder anderer Regionen erleiden Schaden, denn auf dem globalen Markt wird das nachhaltige Holz von billigem illegalem verdrängt. Schätzungen zufolge drückt der illegale Holzeinschlag die Holzpreise weltweit um sieben bis 16 Prozent.

    Ein Viertel aller Importe von Produkten aus Tropenholz in die Europäische Union stammen aus Indonesien, davon ist die Hälfte, jährlich fast eine Million Kubikmeter im Wert von 328 Mio. Euro, illegal. Indonesien steht auf der Hitliste der Importe von illegalem Holz nach Deutschland auf Rang eins: ungeschlagene drei Viertel aller indonesischen Produkte stammen aus illegalen Quellen, nicht eingerechnet die Importe über Drittländer. Hauptprodukte sind Zellstoff und Papier; fast der gesamte illegale Zellstoff aus Asien wird in Indonesien produziert. Treibende Kraft hinter dem Markt mit den Tropenholzprodukten ist die Nachfrage auf dem deutschen bzw. europäischen Markt. Damit hinterlässt der deutsche Import „einen deutlichen ökologischen Fußabdruck im indonesischen Regenwald und ist mitverantwortlich für die dort fortschreitende Waldzerstörung,“ so die Autoren der WWF-Studie.

    Die Studie, der die aktuellen Außenhandelsdaten der Europäischen Union zugrunde liegen, gibt auch ohne die Transitimporte eine erste Einschätzung über die Größenordnung der illegalen Tropenholzimporte aus Südostasien, insbesondere aus Indonesien. Sie zeigt die Wege auf, über die das Holz nach Deutschland gelangt, und trägt das für wirksame Maßnahmen gegen den Import von illegalem Tropenholz unabdingbare Detailwissen zusammen.

    Den Forderungen des WWF an die Bundesregierung, u.a. Einsatz für die Verabschiedung des Urwaldschutzgesetzes, Verfolgung von illegalen Importen nach dem Geldwäschegesetz sowie Umwelt- und Sozialstandards bei Exportkreditversicherungen, können sich interessierte Leser auf der Unterschriftenliste „Borneo: Rettet den Orang-Utan-Wald!“ anschließen.

    Studie: http://www.wwf.de/imperia/md/content/pdf/kampagnen/borneo/HeisseWareTropenholz_0805.pdf
    Unterschriftenliste: http://www.wwf.de/kampagne/borneo/aktionen/unterschrift/
     

    Friends of the Earth et al.: The oil for ape scandal. How palm oil is threatening the orang-utan, September 2005

    Der enorme Palmölkonsum in Europa hat katastrophale Wirkungen auf die Umwelt Indonesiens. Palmöl ist neben Sojaöl das populärste und am weitesten verbreitete Pflanzenöl. Tausende Produkte, die wir tagtäglich verbrauchen, wie Schokolade und Waschpulver, enthalten Palmöl. In Zukunft werden zudem die Hersteller von Biodiesel größte Mengen benötigen.

    Diese Studie aus Großbritannien wurde von Friends of the Earth und den weltgrößten Orang-Utan Schutzorganisationen durchgeführt. Sie basiert auf Informationen von Forschern vor Ort. Die Ergebnisse zeigen, dass der Anbau von Ölpalmplantagen die Hauptursache für die Ausrottung der Orang-Utans ist. Riesige Plantagen werden auf Urwaldgebieten angelegt; dabei werden die Rechte indigener Völker missachtet und die Biodiversität beeinträchtigt. Bis 2020 wird sich die Fläche der Plantagen auf 16,5 Mio. Hektar verdreifachen! Der Habitatverlust führt nicht nur zu verstärktem Tierhandel, sondern die Fragmentierung schränkt auch den Genfluss ein. Um der Zerstörung  durch die Ölpalmplantagen Einhalt zu gebieten, gibt die Studie Empfehlungen über Schritte, die zu ökologisch nachhaltigen Plantagen führen können. Diese sind an die indonesische und die britische Regierung gerichtet.

    http://www.foe.co.uk/resource/reports/oil_for_ape_full.pdf
     

    East-West Center, University of California: After the Tsunami, Human Rights of Vulnerable Populations, Oktober 2005

    Die Studie befasst sich mit den Nothilfe- und Wiederaufbaumaßnahmen in fünf der betroffenen Staaten nach der Katastrophe: Indien, Indonesien, Malediven, Sri Lanka und Thailand. Sie nimmt auch Bezug auf die Menschenrechtssituation vor dem Tsunami.

    Der 115 Seiten starke Bericht des East-West Centers bemängelt unter anderem eine ungleiche Verteilung der Hilfe, Straflosigkeit, ungenügendes Berichtswesen, mangelnde Koordination, geringes Vertrauen der Öffentlichkeit in den Wiederaufbau von Küstenregionen und die mangelnde Partizipation der betroffenen Bevölkerung. Besonderes Gewicht legt die Studie auf die Situation von Frauen und Kindern.

    Die Ergebnisse für die in Indonesien betroffenen Regionen Aceh und Nord-Sumatra basieren auf Feldstudien, die in den Monaten März bis Mai 2005 sowie im Juli 2005 durchgeführt wurden. Ende März veröffentlichte BAPPENAS, die nationale Planungsbehörde Indonesiens, einen umfangreichen, in der Öffentlichkeit aber heftig kritisierten Masterplan zum Wiederaufbau der Katastrophengebiete. Diesem Plan entsprechend sollte ein mehrere Kilometer breiter Küstenstreifen unbewohnt bleiben. Der kurze Zeit später eingesetzte Chefkoordinator für den Wiederaufbau, Kuntoro Mangkusubroto, sammelte in der Bevölkerung Sympathiepunkte, indem er den Masterplan als unverbindliche Empfehlung interpretierte. Viele vermuten allerdings, dass sich BAPPENAS durch Mangkusubrotos Äußerungen angegriffen fühlte. Da die Prioritäten und Kriterien, nach denen der Wiederaufbau erfolgen soll, somit weiterhin unklar sind, könnte der Geldfluss ins Stocken geraten sein.

    http://www.eastwestcenter.org/res-rp-publicationdetails.asp?pub_ID=1961
     

    International Crisis Group: Weakening Indonesia’s Mujahidin Networks: Lessons from Maluku and Poso, Crisis Group Asia Report No. 103, 13. Oktober 2005

    Der Bericht der International Crisis Group analysiert zwei Anschläge vom Mai 2005 als Fallstudien für die Dynamik und die Vorgehensweise terroristischer Netzwerke in Indonesien: die Hinrichtung eines paramilitärischen Polizeipostens in Seram auf den Süd-Molukken und ein Bombenattentat auf einem Markt in Tentena, Poso, in Zentralsulawesi. Die Analysen verdeutlichen, wie kommunale Spannungen zwischen Christen und Muslimen sowie fehlende Verbrechensaufklärung und Sicherheitsmaßnahmen es national agierenden islamistischen Vereinigungen wie beispielsweise KOMPAK ermöglichen, auf den Molukken oder in Poso Fuß zu fassen. Das hohe Frustrationsmaß zerrütteter lokaler Gemeinschaften bietet ihnen die Möglichkeit, nicht integrierte Bürger wie ehemalige Häftlinge oder Ex-Glaubenskämpfer zu rekrutieren und mit ihrer Hilfe lokale Netzwerke aufzubauen.

    Um diese Netzwerke der indonesischen Mujahidin zu schwächen, werden von der Crisis Group Empfehlungen ausgesprochen. Hierzu zählen die systematische Analyse der Polizeiarbeit in Bezug auf Verbrechensaufklärung sowie die Formulierung von strategischen Empfehlungen für nationale Sicherheitsmaßnahmen; die maßgebliche Verbesserung der Beziehung zwischen Polizei und Bürgern einschließlich Korruptionsbekämpfung und Häftlingsbetreuung; die Einschränkung des Zugangs zu Schusswaffen und Sprengmaterial; Schutzmaßnahmen für Kläger, Richter und Anwälte. Daneben gilt es, die Aufklärung von bisher nicht geahndeten Verbrechen durch eine Kommission voranzutreiben, um eine Aufarbeitung der Vergangenheit zu ermöglichen und Selbstjustiz zu verhindern. Des Weiteren werden gezielte Integrations- und Resozialisierungsmaßnahmen für ehemalige Mujahidin als entscheidender Beitrag zur Schwächung islamistischer Netzwerke empfohlen.

    http://www.crisgroup.org/home/index.cfm?id=3751&l=1
     

    Transparency International: Global Corruption Report 2005, 16. März 2005

    Im vergangenen Jahr lag Indonesien im Korruptionsindex von Transparency International (TI) auf Platz 133 von 146 Ländern (Zahlen 2005 s. unten). Vergleichsweise ausführlich geht TI in seinem Länderbericht Indonesien, der die Entwicklungen von 2004 behandelt, auf „money politics“ während der Wahlen im letzten Jahr und auf Korruption unter Parlamentariern ein. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich mit der Dezentralisierung der politischen Macht seit dem Ende der Suharto-Ära auch die Korruption dezentralisiert hat.

    Gleichzeitig kann aber von einem Auftrieb der Anti-Korruptionsbewegung gesprochen werden: Seit 2004 setzen sich neben NGOs auch vermehrt wirtschaftliche und religiöse Organisationen gegen Korruption ein und sorgen für erhöhtes öffentliches Interesse. Des Weiteren wurde im Dezember 2003 die lang erwartete Anti-Korruptionskommission eingerichtet, der bis heute 800 Korruptionsfälle gemeldet wurden. Darüber hinaus versucht die Regierung, mit der Einrichtung eines Amts für öffentliche Beschaffung, welches zukünftig Ausschreibungsverfahren regeln soll, Zeichen zu setzen. Auch die im Oktober 2003 vorgenommene Verschärfung des Geldwäsche-Gesetzes soll Korruption gezielter entgegenwirken.

    http://www.globalcorruptionreport.org/download.html
     

    The University of Passau and Transparency International: Corruption Perceptions Index (CPI) 2005, 18. Oktober 2005

    Der Kampf gegen die Korruption ist eines der herausragenden Merkmale, für das der vor einem Jahr gewählte Präsident Indonesiens, Susilo Bambang Yudhoyono, sich gerne von der internationalen Öffentlichkeit feiern lässt. Eine Reihe von Verfahren gegen Provinzgouverneure, Mitglieder der Wahlkommission und andere Funktionäre wurden in seiner Amtszeit aufgenommen und endeten z.T. mit hohen Gefängnisstrafen. Trotz dieser Erfolge hat sich Indonesiens Ansehen insgesamt kaum verbessert. Im jüngsten Bericht von Transparency International konnte Indonesien seine Bewertung auf einer von 0 bis 10 reichenden Skala (0 = total korrupt, 10 = frei von Korruption) lediglich von 2,0 im Vorjahr auf 2,2 verbessern. Erneut landete Indonesien damit auf einem der hinteren Listenplätze (Platz 137 von 159 untersuchten Staaten). Wie in den Vorjahren macht auch dieser neueste Korruptionsindex keine Aussage über Osttimor.

    http://www.icgg.org
     

    Weltbank et al.: Papua Public Expenditure Analysis – Regional Finance and Service in Indonesia’s most Remote Region, 2005

    Papua ist reich. 2003 lag das Pro-Kopf-Einkommen Papuas an dritter Stelle in ganz Indonesien, sechsmal höher als in der hoch entwickelten Provinz West-Java. Dennoch ist die Armut in Papua groß. Papua ist teuer. Und außer in Maluku gibt es nirgendwo in Indonesien mehr Beamte pro Einwohner als in Papua. Doch öffentliche Dienstleistungen in Papua sind rudimentär. Wie passt das alles zusammen?

    Die vorliegende Analyse über die öffentlichen Ausgaben Papuas gibt einigen Aufschluss über diese scheinbaren Widersprüche. Die in ganz Indonesien eingeführte regionale Autonomie sowie die Sonderautonomie für Papua sorgten für immense Geldströme aus Jakarta: binnen kurzer Zeit verdoppelte sich das statistische Pro-Kopf-Einkommen Papuas. Aber obwohl das Gesetz über die Sonderautonomie vorschreibt, dass die zusätzlichen Gelder in erster Linie den Kommunen (kabupaten/kota) zukommen sollen, erhielten diese in den Jahren 2002 und 2003 nur 40% dieser Mittel.

    Der größte Teil der Gelder wird für laufende Kosten auf Provinzebene ausgegeben. Gehälter und Vergütungen für Beamte sowie Pensionszahlungen fallen hier in absoluten Zahlen am stärksten ins Gewicht. Die relativ größte Ausgabensteigerung entfällt jedoch auf den Posten „Sonstiges“. Die Autoren verweisen an dieser Stelle auf die Wahrscheinlichkeit der Veruntreuung von Geldern.

    Das für Investitionen in die Infrastruktur vorgesehene Budget wanderte insbesondere in einigen neu gebildeten Kommunen in den Bau von Regierungsgebäuden. Im ersten Jahr der regionalen Autonomie waren die Ausgaben für neue Regierungsgebäude flächendeckend um 18% angestiegen. Nur acht von 14 Regierungsbezirken legten 2002 ihre Haushaltsdaten der Zentralregierung offen.

    http://siteresources.worldbank.org/INTINDONESIA/Resources/Publication/280016-1106130305439/PEACH_eng.pdf
     

    TRAFFIC: Hanging in the Balance: An Assessment of Trade in Orang-Utans and Gibbons on Kalimantan, Indonesia, 2005

    Menschenaffen sind auf Borneo begehrte Ware. Borneo Orang-Utan (Pongo pygmaeus pygmaeus), Weißbart-Gibbon (Hylobates albibarbis) und Müller-Gibbon (Hylobates muelleri) sind nur auf Borneo heimisch, aber überall erhältlich!

    Die Studie wurde vom Primatologen Vincent Nijman durchgeführt. Informationen von 1.538 Orang-Utans und 304 Gibbons aus dem Zeitraum von 1971 bis 2005 flossen in die Arbeit ein. Junge Wildtiere sind begehrte Haustiere und Prestigeobjekte. Für die zusätzliche Geldquelle wird ohne moralische Bedenken in ungeschützten wie geschützten Wäldern gewildert. Dem Kahlschlag von Regenwald v. a. für Ölpalmplantagen fallen nicht nur die letzten Urwaldriesen zum Opfer, sondern dieser versorgt zudem die Tierhändler mit seltenen Tieren. 200-500 Orang-Utans werden jährlich auf Balis und Javas Märkten  feilgeboten. Da für jeden gefangenen Orang-Utan mindestens ein weiterer (meistens die Mutter) umgebracht wurde, kommt Nijman zu dem Ergebnis, dass der Tierhandel die Populationen ernsthaft bedroht. Trotz der enormen Anstrengungen der NGOs kann in den letzten 15 Jahren kein Rückgang des Handels mit Menschenaffen verzeichnet werden.

    Neben den lockeren Artenschutzgesetzen kritisiert Nijman die fehlende Strafverfolgung. So wurden zwar jährlich über hunderte Tiere konfisziert, aber kein einziger Tierhändler strafrechtlich verfolgt. Längerfristig können auch Umweltbildungsprogramme dazu beitragen, den Handel einschränken.

    http://www.traffic.org/KalimantanOrangUtan.pdf
     
     

    Kurzhinweise auf weitere Berichte und Veröffentlichungen:


    Global 2000: Der Fall „United Fibre System (UFS)“ Studie. Die Beteiligung von Andritz und Raiffeisen an der Zerstörung der letzten indonesischen Regenwälder, August 2005
    In Süd-Kalimantan entsteht eine neue Zellstofffabrik mit dazugehöriger Hackschnitzelfabrik. Die Studie von Global 2000 Österreich informiert ausführlich über alle relevanten Hintergründe und untersucht die Beteiligung österreichischer Unternehmen und Banken an diesem ökologisch und sozial umstrittenen Projekt. Die Arbeit des Autors basiert auf gründlichen Feldstudien.
    http://www.global2000.at/download/file2825.pdf

    CIFOR: Brief on Planned UFS-Mill in South Kalimantan
    Diese Studie, schon im Januar erschienen, beschäftigt sich ebenfalls mit der geplanten Zellstofffabrik in Süd-Kalimantan. Fokus dieser Studie ist die Frage, ob der Bedarf an Rohmaterial durch Plantagenholz gedeckt werden kann.
    http://www.cifor.cgiar.org/publications/pdf_files/Books/BJurgens0501.pdf

    International Crisis Group: Aceh. A new chance for peace, Asia Briefing No. 40, 15. August 2005
    http://www.crisisgroup.org/library/documents/asia/indonesia/b040_aceh___a_new_chance_for_peace.pdf

    Amnesty International: Indonesia. A briefing for EU and ASEAN countries concerning the deployment of the Aceh Monitoring Mission to Nanggroe Aceh Darussalam Province, 9. September 2005
    http://web.amnesty.org/library/Index/ENGASA210172005

    Pro Wildlife: Affenschande. Die Vernichtung der Tropenwälder und die Folgen für Primaten, München, September 2005
    Pro Wildlife fordert gemeinsam mit seiner indonesischen Partnerorganisation ProFauna ein umgehendes Einschreiten gegen den Wildtierhandel in Indonesien. Hunderttausende Wildtiere werden in dem südostasiatischen Land alljährlich gefangen und gehandelt – ein Großteil dieses Handels ist illegal.
    http://www.prowildlife.de/de/Projekte/Affenschutz/Affenschande.pdf

    Henning Effner: Bombenanschlag auf Bali. Hat die Terrororganisation Jemaah Islamiyah wieder zugeschlagen? Friedrich Ebert Stiftung, Kurzberichte aus der Entwicklungszusammenarbeit, Oktober 2005
    http://library.fes.de/pdf-files/iez/02982.pdf

    Newsletter Nr. 3/05 der Deutschen Osttimor Gesellschaft (DOTG), 1. Oktober 2005
    http://www.osttimor.de/Newsletter/Newsletter0305.pdf

    La’o Hamutuk Bulletin, Dili, Osttimor, Volume 6, Nr. 4. November 2005
    http://www.laohamutuk.org/Bulletin/2005/Nov/bulletinv6n4.html
     
     

    Neue Bücher erhältlich bei Watch Indonesia!


    Klaus Fritsche und Klaus Schreiner (Hrsg.): Nach den Wellen der Zerstörung. Wiederaufbau und Autonomie - Aceh nach dem Tsunami
    Focus Asien, Schriftenreihe des Asienhauses, 60 S., Essen, September 2005, 3,- €

    Folgende Broschüren können ab sofort bei Watch Indonesia! bestellt werden. Der Unkostenbeitrag geht als Spende an die Herausgeber von „Eye on Aceh“.

    Responding to Aceh’s Tsunami: The first 40 days - Menanggapi Tsunami in Aceh: 40 Hari Pertama 2005
    109 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag 2,50 €
    “The memories will die, just as the people have.” Die Tsunami-Katastrophe hat das Gesicht Acehs verändert. Besonders die ersten Wochen waren dabei entscheidend. Die Studie lässt Betroffene zu Wort kommen und betrachtet die erste Zeit der Nothilfe kritisch.

    Between Live and Death: Surviving Aceh’s Tsunami
    Juli 2004, 44 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag 2,50 €
    Interviews mit Überlebenden der Tsunami-Katastrophe. Zusammen gestellt von Alex Jones.

    Aceh: Logging a Conflict Zone - Aceh: Menebang Daerah Konflik
    2004, 40 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag 2,50 €
    Wer ist verantwortlich für die Vernichtung von Acehs Wäldern? Holzbarone sowie Militär und Polizei. Was sind die Folgen der Zerstörung? Naturkatastrophen und Armut. Die Studie betrachtet den Einfluss des Aceh-Konfliktes auf den Verlust des Tropenwaldes.

    Wieder erhältlich sind auch folgende Broschüren:

    We are the Victims and the Witnesses: Women in Aceh - Korban dan Kesaksian: Perempuan Aceh
    2004, 38 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag 1,50 €
    Die Broschüre ist den Frauen von Aceh gewidmet, deren Leben durch den gewalttätigen und blutigen Konflikt stark belastet ist.

    Fear in the Shadows: Militia in Aceh - Ketakutan dalam Bayangan: Milisi di Aceh
    2004, 62 Seiten, zweisprachig: Englisch und Indonesisch; Unkostenbeitrag 2,50 €
    Nicht nur Militär und GAM waren bewaffneten Akteure im Aceh-Konflikt, auch die zahlreichen Milizen übten Gewalttaten aus. Die Studie erläutert Struktur und Rekrutierung und stellt einige Milizen vor.

    Die Publikationen sind zu den genannten Preisen zuzüglich Versandkosten bei Watch Indonesia! zu beziehen. Unser weiteres Angebot finden Sie auf unserer Homepage unter: http://www.watchindonesia.org/books.htm
     

    Veranstaltungshinweise

    Aktuelle Hinweise auf Veranstaltungen zu Indonesien und Osttimor finden Sie auf unserer Homepage unter: http://www.watchindonesia.org/Kalender.htm


    Hrsg: Watch Indonesia! in Zusammenarbeit mit Umverteilen! – Stiftung für eine solidarische Welt
    Redaktion: Alex Flor, Marianne Klute, Monika Schlicher, Monique Szodruch, Petra Stockmann, Rita Sastrawan, Tia Mboeik
    Der Infodienst wird unterstützt aus Mitteln des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED)
     

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