Infodienst Indonesien und Osttimor Nr. 34

Juni – August 2005

Inhalt

Aus der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen:

Presse- und Lobbyarbeit:

Indonesien und Osttimor in der deutschen und EU-Politik:

Veröffentlichungen, Berichte:

Kurzhinweise auf weitere Berichte und Veröffentlichungen

Neue Bücher erhältlich bei Watch Indonesia!

Veranstaltungshinweise



 

Aus der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen:

Presse- und Lobbyarbeit:

 

Watch Indonesia!: VN-Expertenkommission fordert Strafverfolgung für Verbrechen in Osttimor 1999, Presseerklärung, 30. Juni 2005

Für die Opfer der Verbrechen in Osttimor ist bisher keine umfassende Gerechtigkeit erzielt worden, da diejenigen, die die größte Verantwortung tragen, weder von dem Ad hoc Menschenrechtsgericht in Jakarta noch vom VN-Sondergericht in Osttimor zur Rechenschaft gezogen wurden, schlussfolgerte eine von Kofi Annan, dem VN-Generalsekretär, eingesetzte Expertenkommission. Die Kommission hatte die Aufgabe zu analysieren, inwiefern die beiden Institutionen effektive Strafverfolgung betrieben haben, und entsprechend Maßnahmen zu empfehlen, wie Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden können. Sie kommt in ihrem 160-seitigen Bericht zu dem Ergebnis, dass die Prozesse vor dem Ad hoc Menschenrechtsgericht von erheblichen Schwächen gekennzeichnet sind und unangemessen waren. Insbesondere sei es nicht gelungen, dem Ausmaß der Gewalt und der Systematik der Angriffe auf die Zivilbevölkerung gerecht zu werden. Die Kommission bewertet darüber hinaus die verfehlte Auffassung des Gerichts kritisch, es habe sich 1999 um einen gewaltsamen Konflikt zwischen Unabhängigkeitsbefürwortern und -gegnern gehandelt. „Die Atmosphäre und der Kontext des gesamten Verfahrens zeigen einen Mangel an politischem Willen in Indonesien, ernsthafte und glaubhafte Anklagen gegen die Beschuldigten zu erheben“, fasst der Bericht zusammen.

Die Kommission empfiehlt, dass der Sicherheitsrat ein internationales Strafgericht einrichten sollte, falls es Indonesien innerhalb von sechs Monaten versäumt, die Verfahren wieder aufzunehmen und gegen weitere, bisher nicht angeklagte Personen, wie zum Beispiel General Wiranto, neu zu eröffnen. Diese Verfahren sollten mit Hilfe von Rechtsberatern, vorzugsweise aus Asien, nach international anerkannten Standards durchgeführt werden. Bezüglich der Prozesse in Osttimor stellt die Kommission fest, dass die Arbeit bei weitem noch nicht abgeschlossen werden konnte. Sie legt dem Sicherheitsrat dringend nahe, das Sondergericht in Osttimor bis zum Juli 2007 mit internationaler Unterstützung so fortzuführen, dass dessen Aufgaben anschließend von der nationalen Justiz übernommen werden können. Kritisch äußerten sich die Experten zur Wahrheits- und Freundschaftskommission zwischen Indonesien und Osttimor, deren Mandat und Befugnisse internationalen Menschenrechtsstandards widersprächen und die anhaltende Straflosigkeit beförderten.

Watch Indonesia! unterstützt die Empfehlungen der VN-Expertenkommission und ruft die Bundesregierung dazu auf, sich bei den Regierungen Indonesiens und Osttimors sowie beim Sicherheitsrat der VN für deren Umsetzung stark zu machen. Versöhnung, Gerechtigkeit und gutnachbarschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern können langfristig nur erzielt werden, wenn die Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen von den schwer wiegenden Makeln befreit wird, die der Bericht der Expertenkommission benennt.

Presseerklärung: http://www.watchindonesia.org/PE_COE.htm
VN-Expertenbericht: http://www.un.org/Docs/journal/asp/ws.asp?m=s/2005/458

Zur Wahrheits- und Freundschaftskommission siehe: Watch Indonesia! Information and Analysis, March 29, 2005: Trading Justice for Friendship, An Analysis of the Terms of Reference of the Commission of Truth and Friendship for Indonesia and East Timor, by Leonie von Braun: http://www.watchindonesia.org/CTF.htm

In einem gemeinsamen Schreiben vom 12. Juli 2005 haben sich Watch Indonesia! und andere internationale NGOs, wie Perkumpulan HAK und JSMP aus Osttimor, die Human Rights Working Group aus Indonesien sowie das International Center for Transitional Justice, Human Rights Watch, ETAN, TAPOL, die Coalition for International Justice, Human Rights First und die Open Society Justice Initiative an den UN-Generalsekretär Kofi Annan gewandt. Die Organisationen ermutigten ihn, die Empfehlungen der von ihm eingesetzten Expertenkommission aktiv zu unterstützen, sich für eine baldige Befassung im Sicherheitsrat einzusetzen und den Bericht so schnell wie möglich öffentlich zu machen.
http://www.watchindonesia.org/Letter%20to%20Secretary%20General%20on%20Timor%20CoE.pdf
 

Watch Indonesia!: Appell: Drohender Gewalteskalation in Papua besonnen entgegen treten!, 5. August 2005

Während in der Provinz Aceh ein Friedensabkommen zwischen der Zentralregierung und der Bewegung Freies Aceh (GAM) am 15. August unterzeichnet wurde, spitzt sich die Lage in der Provinz Papua wieder zu. Aus Enttäuschung über die ausbleibenden Erfolge der Sonderautonomie habe der Rat der indigenen Stämme (Dewan Adat Papua) beschlossen, der Regierung in Jakarta an diesem Tag das Autonomiegesetz wieder „zurückzugeben“. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung Papuas über die ungenügende Umsetzung der Sonderautonomie hält Watch Indonesia! für sehr verständlich: Ihre wirtschaftliche und soziale Situation habe sich nicht verbessert, und immer wieder komme es zu massiven Menschenrechtsverletzungen. Offenkundig sei der mangelnde Wille zur konsequenten Implementierung des Sonderautonomiegesetzes seitens einiger Stellen in Jakarta, namentlich des Innenministeriums. Verantwortung für die entstandene kritische Situation, so Watch Indonesia!, tragen auch die unter Leitung indigener Papuas stehenden Behörden in der Region selbst. Von Jakarta zur Verfügung gestellte finanzielle Mittel seien in erheblicher Höhe in der Bürokratie versickert.

Watch Indonesia! weist mit Sorge darauf hin, dass sich mit der einseitigen „Rückgabe“ des Autonomiegesetzes unrealistische Hoffnungen der Bevölkerung Papuas auf ein Eingreifen Dritter (Niederlande, USA, VN) zugunsten der Unabhängigkeit Papuas verbinden. Diese Hoffnungen würden zum Teil von bestimmten Seiten in unverantwortlicher Weise absichtlich geschürt, während andere aus Unkenntnis der Situation nicht zu erkennen scheinen, wie ihr Handeln ebenfalls zu diesen trügerischen Hoffnungen beitrüge. Das Militär habe bereits massiv Truppen zusammengezogen. Die Spannung drohe sich gewaltsam zu entladen. Eine neuerliche Eskalation der Gewalt würde nicht nur eine Lösung der Probleme Papuas um Jahre zurückwerfen, sondern auch den fragilen Friedensprozess in Aceh gefährden, befürchtet die Organisation und ruft daher alle Seiten dazu auf, mit Besonnenheit zu handeln und einer Eskalation der Gewalt mit allen Mitteln entgegen zu wirken. „Mit dem Abkommen zu Aceh hat Indonesien gezeigt, dass es möglich ist, Konflikte politisch zu lösen. Dies sollte wegweisend sein für einen Umgang auch mit anderen Konfliktregionen.“

Deutsch: http://www.watchindonesia.org/PapuaAppell.htm
Englisch: http://www.watchindonesia.org/PapuaAppeal.htm
Indonesisch: http://www.watchindonesia.org/PapuaHimbauan.htm
 

Watch Indonesia!: Osttimor: Keine Straflosigkeit für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Presseerklärung, 10. August 2005

Die Bundesregierung soll sich für die Weiterführung der Strafverfolgung für die Menschenrechtsverbrechen in Osttimor einsetzen und ihrem Bekenntnis zum Völkerstrafecht Geltung verschaffen. Dies hat Watch Indonesia! anlässlich des Besuchs von Außenminister José Ramos-Horta in Berlin gefordert. Die Bundesregierung solle die diesbezüglichen Empfehlungen der VN-Expertenkommission unterstützen und sich bei der Regierung Osttimors für deren Umsetzung stark machen. Die Regierungen Osttimors und Indonesiens hatten sich gegen die Empfehlungen ausgesprochen und erklärt, einen Schlussstrich unter die Strafverfolgung ziehen zu wollen. Sie setzten stattdessen eine Freundschafts- und Wahrheitskommission ein. Opferverbände und Menschenrechtsorganisationen in Osttimor wie in Indonesien lehnen diese bilaterale Kommission entschieden ab. Sie diene den politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und nicht den Opfern. „Die Bevölkerung wird Straflosigkeit für Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht akzeptieren. Die Opfer und ihre Familien verdienen mehr als das“,  heißt es in einer Erklärung der katholischen Kirche in Osttimor.

Für die Opfer der Verbrechen in Osttimor sei bisher keine umfassende Gerechtigkeit erzielt worden, stellt die VN-Expertenkommission fest. Sie empfahl für Osttimor, dass das im Mai 2005 geschlossene Sondergericht seine Arbeit wieder aufnimmt. Das Sondergericht wurde geschlossen, obgleich die nationale Justiz nicht in der Lage ist, die unvollendete Arbeit fortzusetzen. Dieser Schritt, so Watch Indonesia!, sei voreilig gewesen und mit weitreichenden Folgen verbunden, wie die Rückkehr eines Milizionärs über die Grenze zu Westtimor gerade gezeigt hat. Von der Bevölkerung erkannt, wurde dieser der Polizei übergeben. Das Gericht, vor dem er sich wegen Mordes und Folter, so die Anklage, zu verantworten hätte, gibt es aber nicht mehr. Die Arbeit des Sondergerichtes einzustellen, habe nicht nur rechtsstaatliche Folgen, sondern werfe vor allem auch sicherheitspolitische Bedenken auf.

Watch Indonesia! befürchtet, dass, wenn zurückkehrende Milizionäre nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden, die Anzahl der Heimkehrer in den Gemeinden steigen wird. Osttimors Gesellschaft erholt sich gerade erst vom Trauma des Krieges. „In den letzten Jahren hat Osttimors nationale Wahrheitskommission Prozesse zur Versöhnung mit Tätern minderschwerer Verbrechen in den Gemeinden durchgeführt. Ein Grund dafür, dass diese Prozesse von der Bevölkerung gut angenommen wurden, war die Zusicherung, dass die Täter schwerer Verbrechen vor Gericht gestellt werden. Das Fehlen von Gerechtigkeit stellt in Osttimor heute das größte Hindernis für die Versöhnung dar“, so die Berliner Organisation.

http://www.watchindonesia.org/JRH.htm

Zur Rückkehr von Milizen s.: JSMP, Press Release: War Crimes Suspect Returns to Timor Leste Dili, 8 August 2005: http://www.jsmp.minihub.org/News/August%202005/08aug05jsmp_war_eng.htm
 

Deutsche Welthungerhilfe: Tsunami: Welthungerhilfe zuversichtlich für Wiederaufbauphase, Pressemitteilung, 24. Juni 2005

Die Deutsche Welthungerhilfe ist optimistisch, was den Wiederaufbau nach dem Tsunami angeht, auch für Aceh, wo in Kürze mit dem Baubeginn gerechnet wird. „Wichtig ist, dass wir uns eng mit der Bevölkerung und den örtlichen Behörden abstimmen und uns an die Vorgaben des Wiederaufbauplans der indonesischen Regierung halten“, so Projektleiter Gert Reinberger. Von den indonesischen Behörden würde signalisiert, dass ohne die Unterstützung aus dem Ausland der Wiederaufbau nicht zu schaffen sei. Zum Problem der Holzknappheit betonte die Welthungerhilfe, dass in ihren Projekten auf ökologische Verträglichkeit geachtet und kein Holz aus illegalem Einschlag verwendet würde.

http://www.welthungerhilfe.de/WHHDE/aktuelles/presse_archiv/Tsunami__Welthungerhilfe_zuversichtlich_.html
 

Deutsche Welthungerhilfe: Friedensvertrag neue Perspektive für Aceh, Pressemitteilung, 15. August 2005

Der in Helsinki geschlossene Friedensvertrag zwischen der indonesischen Regierung und der Unabhängigkeitsbewegung Freies Aceh (GAM) könne der vom Tsunami schwer getroffenen Provinz Aceh eine neue Perspektive geben, erklärte die Deutsche Welthungerhilfe. Mit Blick auf die notwendige Wiederaufbauarbeit und auf die mehr als 500.000 direkt von der Katastrophe betroffenen Opfer müsse nun ein dauerhafter Friedensprozess einsetzen, der auch die Hilfsarbeiten vor Ort erleichtert, fordert die Hilfsorganisation.

„Noch vor vier Monaten hatten Teile der Regierung geplant, alle ausländischen Hilfsorganisationen auszuweisen“, erklärt Marco Obermüller, Landeskoordinator und Projektleiter der Welthungerhilfe, in Banda Aceh. Trotz der massiven Präsenz der internationalen Gemeinschaft hätten beide Konfliktparteien seit Dezember mehrere Hundert Menschen getötet. “Viele Aspekte im aktuellen Friedensprozess geben aber Anlass zur Hoffnung, dass es zu einem dauerhaften Frieden kommen könnte: Militär, Regierung, Parlament und die Rebellen tragen den Vertrag diesmal wirklich mit; auch die geplante EU-Beobachtermission sowie die internationale Anwesenheit der vielen Helfer sind wichtige Faktoren.“ Nun käme es darauf an, ob die beiden Konfliktparteien ihren Verpflichtungen in  den nächsten Monaten vertragsgemäß nachkommen. Die Welthungerhilfe ist seit Januar 2005 in der Krisenprovinz aktiv und hat nach der ersten Nothilfephase nun mit umfangreichen Wiederaufbauprojekten begonnen.

http://www.welthungerhilfe.de/WHHDE/aktuelles/presse_archiv/Friedensvertrag-Aceh.html
 

Greenpeace: Keine Urwald-Fenster für Bundestagsverwaltung!, 17. August 2005

Gegen den Einbau von rund 500 Merantiholz-Fenstern hat Greenpeace am Gebäude der Bundestagsverwaltung in Berlin protestiert. Merantiholz wird vorwiegend aus Südostasien importiert. Für die Fenster gebe es keine glaubwürdige Zertifizierung, die ihre unbedenkliche Herkunft belegen könnte. „Alle Parteien wollen den Urwald schützen. Aber das kann keiner ernst nehmen, we nn darauf nicht mal beim Einbau von Fenstern im Bundestag geachtet wird“, sagt Sandra Pfotenhauer, Waldexpertin von Greenpeace. In einer Antwort auf eine von Greenpeace eingereichte Petition sprach sich der Bundestag im Mai 2004 für den Erhalt der Urwälder aus. „Die Politiker fordern den Schutz der Urwälder, aber in der Ausschreibung für das Verwaltungsgebäude werden ausdrücklich Merantiholz-Fenster verlangt. Das passt nicht zusammen. Die Politiker in Deutschland müssen nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten dazu beitragen, dass die Urwälder nicht wie bisher abgeholzt werden und Orang-Utans nicht in10 bis 20 Jahren ausgestorben sind“, erklärt Pfotenhauer. Greenpeace fordert Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) auf, den Einbau der Fenster zu stoppen und sie durch Produkte mit FSC-Zertifikat-Siegel ersetzen zu lassen. Nur dieses Siegel garantiere eine ökologisch und sozial gerechte Bewirtschaftung der Wälder.

Bisher sind in Deutschland Import und Handel mit Holz aus illegalen Quellen und Urwaldzerstörung nicht verboten. Der Bundestag hat von der Bundesregierung ein Urwaldschutzgesetz gefordert, aber die Ministerien haben den Entwurf noch nicht untereinander abgestimmt. „Die nächste Regierung muss das Gesetz verabschieden und eine Beschaffungspolitik auf den Weg bringen, die eine Verwendung von Holz aus ökologischer Waldnutzung vorschreibt“, fordert Greenpeace.

http://www.greenpeace.de/themen/waelder/urwaelder_suedostasiens/artikel/keine_urwald_fenster_fuer_bundestagsverwaltung/
 

WWF: Heiße Ware Tropenholz. Deutschlands stiller Pakt mit der Holzmafia, Frankfurt, 17. August 2005

Indonesien ist mit einem Marktanteil von 23 Prozent neben Brasilien das wichtigste Herkunftsland für Direktimporte von Tropenhölzern nach Deutschland. Zusätzlich gelangen größere Mengen indonesischen Holzes über Transitländer wie China, Malaysia oder Italien auf den deutschen Markt. Dabei kommen drei Viertel der in den indonesischen Export gehenden Hölzer und Holzprodukte aus illegalen Quellen. Dies ist das Ergebnis der WWF Studie „Heiße Ware Tropenholz“.

„Politik und Wirtschaft haben den stillen Pakt mit der Holzmafia noch immer nicht aufgekündigt“, kommentierte WWF-Tropenwaldexpertin Nina Griesshammer. Der WWF beziffert den Wert des illegalen Holzes aus Indonesien auf 150 Millionen Euro jährlich. Noch düsterer sieht die Bilanz mit Blick auf die Europäische Union aus. Die EU importierte 2003 aus ganz Asien illegales Holz im Wert von 2,6 Milliarden Euro. Grundlage der WWF-Untersuchung sind die Außenhandelsdaten der EU. „Der volkswirtschaftliche Schaden dieser Form der geduldeten organisierten Kriminalität ist enorm“, sagte Griesshammer. Der illegale Handel drücke den Holzpreis weltweit um bis zu 16 Prozent und schädige so nicht nur den Wald, sondern auch nachhaltig wirtschaftende Waldbesitzer und Holzunternehmen. „Solange Deutschland und die EU den Import von illegal eingeschlagenem Holz billigend in Kauf nehmen, tragen sie eine direkte Verantwortung für die Vernichtung der Regenwälder und unterstützen ein kriminelles System, dass Mensch und Natur ausbeutet.“ Der WWF fordert ein Verbot des Handels mit Holz aus illegalen Quellen. Leider sei der Entwurf eines Urwalschutzgesetzes, das diesen Handel unter Strafe stellen sollte, in den Schubladen der rot-grünen Ministerien stecken geblieben.

http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02625/
Studie Heiße Ware Tropenholz:
http://www.wwf.de/imperia/md/content/pdf/kampagnen/borneo/HeisseWareTropenholz_0805.pdf
 
 

Indonesien und Osttimor in der deutschen und EU-Politik:

 

BMZ: Wieczorek-Zeul begrüßt Friedensabkommen für Aceh, Presseerklärung, 15. August 2005

Das Friedensabkommen sei ein Zeichen der Hoffnung und ein wichtiger Schritt nach vorn, betonte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. „Die Menschen in Aceh sind die Unsicherheit und die Gewalt leid. Drei Jahrzehnte Bürgerkrieg und die Tsunami-Flutkatastrophe haben die Menschen in Aceh schwer getroffen.“ Die Ministerin betonte, dass ein langfristiger und nachhaltiger Wiederaufbau nur in einem friedlichen Umfeld gelingen kann. Deutschland werde beim Wiederaufbau und auch bei der Unterstützung des Friedensprozesses mit allem Nachdruck helfen. Die internationale Gebergemeinschaft habe sich massiv für die friedliche Beilegung des Konflikts eingesetzt, damit der Wiederaufbau erfolgreich wird. Deutschland fördert unter anderem den Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung (z.B. Krankenhaus in Banda Aceh), die Berufsbildung und den Wohnungsbau. Darüber hinaus werden lokale Verwaltungen dabei unterstützt, unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung die Folgen der Katastrophe zügig und effizient zu bewältigen.

http://www.bmz.de/de/presse/pm/presse20050815.html
 

Auswärtiges Amt: Bundesminister Fischer zur Friedensvereinbarung für Aceh, 15. August 2005

„Die Bundesregierung begrüßt die heutige Unterzeichnung der Friedensvereinbarung zwischen der indonesischen Regierung und der ‚Bewegung für ein freies Aceh’ (GAM) für die Provinz Aceh. Nach einem fast 30 Jahre dauernden Konflikt, der Tausende Menschen das Leben gekostet hat, haben beide Konfliktparteien den Mut zu einem Neuanfang gefunden und ihren ernsthaften Friedenswillen unter Beweis gestellt. Es gilt jetzt, die Chancen aus dieser Friedensvereinbarung zu nutzen. Ihre erfolgreiche Umsetzung ist auch essentielle Voraussetzung für die langfristige und nachhaltige Wirksamkeit der Wiederaufbauhilfe, die die internationale Gemeinschaft für die von der Tsunami-Katastrophe so schwer getroffene Provinz Aceh leistet“,  erklärte Bundesaußenminister Fischer.

Beide Konfliktparteien haben in der Vereinbarung die EU und ASEAN-Mitgliedstaaten eingeladen, die Umsetzung der Friedensvereinbarung durch eine „Aceh Monitoring Mission“ zu überwachen. Die Außenminister der Europäischen Union haben am 18. Juli ihre Bereitschaft erklärt, auf Einladung der beiden Parteien eine zivile Beobachtermission zur Überwachung der Friedensvereinbarung zu entsenden. Deutschland werde sich mit bis zu zehn Experten an dieser Beobachtermission beteiligen. Insgesamt soll die „Aceh Monitoring Mission“, eine zivile und unbewaffnete Mission im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP), eine Stärke von rund 200 Beobachtern erreichen. Seit dem Tag der Veröffentlichung sei bereits ein erstes Team von rund 50 Beobachtern vor Ort, förmlich solle die Mission am 15. September 2005 mit der Arbeit beginnen und voraussichtlich zunächst sechs Monate in Aceh bleiben.

Die Bundesregierung hat neben umfangreichen Nothilfemaßnahmen im Mai dieses Jahres eine erste Tranche der Wiederaufbauhilfe in Höhe von 59 Mio. € zugesagt. Die Mittel werden schwerpunktmäßig für Projekte im Bereich des Gesundheitswesens, der Grund- und Berufsbildung, im Fischereisektor, für den Wohnungsbau sowie zur Förderung guter Regierungsführung eingesetzt. 10 Mio. US$ sind für die Beteiligung an einem Geberfonds vorgesehen, den die Weltbank treuhänderisch verwaltet. Auch die Partnerschaftsinitiative der Bundesregierung sei weiterhin ein wichtiger Bestandteil der deutschen Hilfe für die Region. In ihrem Rahmen seien in Indonesien mittlerweile 24 Wiederaufbauprojekte angelaufen.

http://www.auswärtigesamt.de/www/de/ausgabe_archiv?archiv_id=7467
 

Sechs Monate Partnerschaftsinitiative Fluthilfe, 25. Juni 2005

Die Partnerschaftsinitiative habe sich als „Koordinierungsangebot an private Hilfeanbieter bewährt“, so Christina Rau, Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers für die Initiative. Von den 1.300 Hilfeanbietern in der Bundesrepublik seien bisher etwa 500 vermittelt worden und weitere 300 hätten Projektvorschläge erhalten. 230 Wiederaufbauprojekte seien mit Schulen, Vereinen, Kommunen und Unternehmen in den ersten sechs Monaten nach der Katastrophe begonnen worden. Rau betonte, dass nur solche Projekte vermittelt würden, die sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientierten, entwicklungspolitisch sinnvoll seien und die Zustimmung der indonesischen Behörden fänden. Die Sonderbeauftragte räumte ein, dass es oft lange dauere, bis den deutschen Hilfswilligen Projektpartner genannt würden. Dafür, so Rau, könnten sie dann aber sicher sein, dass ihre Hilfe ihr Ziel erreicht.

http://www.epo.de/index.php?option=com_content&task=view&id=641&Itemid=31
 

EU-Kommission finanziert die ersten langfristigen Aktivitäten in Aceh, Brüssel, 29. Juli 2005

„Wir sind unter den ersten Gebern, die mit der indonesischen Regierung arbeiten, um die allerersten Projekte des langfristigen Wiederaufbaus in den vom Tsunami zerstörten Gebieten in Aceh und Nordsumatra auf den Weg zu bringen“, so die EU-Kommissarin für Auswärtige Angelegenheiten, Benita Ferrero-Waldner. Die Europäische Kommission hatte weitere 30 Millionen Euro ihres 207 Millionen Euro Paketes bewilligt. Mit diesen Mitteln sollen Hausbau und Infrastrukturprojekte finanziert sowie die Wiederaufbauagentur und die Lokalregierung in Aceh unterstützt werden. Die Gelder gehen zum ersten Mal in den Multi-Donor Tsunami Reconstruction Trust Fund, der von der Weltbank verwaltet wird. Des Weiteren wird die EU-Kommission im September das sog. Europa-Haus in Aceh eröffnen. Dieses Haus, welches von der Delegation der Kommission in Jakarta geleitet wird, soll die Koordination der Geber unterstützen und den Politikdialog mit lokalen Gemeinschaften und Behörden verbessern helfen.

http://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/05/1025&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLanguage=en
 

Vortrag des indonesischen Ministers für Forschung und Technologie Dr. Kusmayanto Kadiman in der indonesischen Botschaft, Berlin, 25. August 2005

Im Rahmen seiner Kurzbesuches in Berlin Ende August gab der indonesische Minister für Forschung und Technologie in der indonesischen Botschaft einen Vortrag über die aktuellen Entwicklungen bezüglich des Aufbaus des Tsunami Frühwarnsystems und die strategischen Ziele seines Ministeriums. Im Mittelpunkt seines Deutschlandbesuches standen Gespräche mit der deutschen Forschungsministerin Edelgard Buhlman über die geplante Installierung der ersten beiden Mess-Bojen in Indonesien. Darüber hinaus werden auch Möglichkeiten zur Intensivierung der deutsch-indonesischen Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Technologie gesucht.

Der indonesische Botschafter Makarim Widodo leitete die Veranstaltung mit dem Hinweis auf die wichtige Bedeutung von Bildung und Forschung im aktuellen Arbeitsprogramm der neuen Regierung ein. Der Minister erklärte in seinen Vortrag u.a.: die Erstinstallierung zweier Mess-Bojen solle schon Anfang Oktober in Simeulue und danach unweit von Nias erfolgen. Zwar fehle dazu noch ein 6 km langes Stahlkabel, aber der Minister zeigte sich diesbezüglich zuversichtlich. Auf die Frage, wie die Realisierung des Projektes trotz hoher Bürokratie so planmäßig erfolgen konnte, antwortete der Minister harsch, indem er auf die langjährige intensive Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indonesien sowie auf die Ernsthaftigkeit der indonesischen Regierung ihren Aufgaben nachzugehen, verwies. Im Übrigen handele es sich bei dem Frühwarnsystem nicht um ein völlig neues technologisches System, sondern lediglich um die Einbindung neuer Komponenten. Kritisch sieht der Minister allerdings die Warnzeit von 20-30 Minuten. Positiv sei aber, dass das System sich für den Aufbau eines umfassenderen Netzwerkes mit anderen zukünftigen Bojen eigne.

Nicht minder interessant waren die Ausführungen des Ministers über die Prioritäten seines Ministeriums. Einige seiner Ziele erinnern an die Programmatik der deutschen Grünen, u.a. die Förderung der Energiegewinnung aus erneuerbaren und alternativen Ressourcen. Hierunter versteht der Minister jedoch nicht nur Wasserkraft und Windenergie, sondern auch Atomkraft sowie Biodiesel auf der Grundlage von Palmöl. Etwas kurzsichtig erscheint der Plan, langfristig bis zu 3 Mio. Hektar Palmölplantagen in Grenzgebieten zu Sarawak und Papua Neuguinea anzulegen. Der Minister berichtete dem Publikum des weiteren über ein neu geplantes Vorhaben, mit deutscher Zusammenarbeit riesige Windanlagen in Indonesien aufzubauen.

Fragen und Anregungen direkt: kakadiman@ristek.id
 
 

Veröffentlichungen, Berichte:

 

Center for Science in the Public Interest: Cruel Oil. How Palm Oil Harms Health, Rainforest & Wildlife, Washington, Mai 2005

Margarine, Kekse oder Süßigkeiten: in den meisten industriell hergestellten fetthaltigen Nahrungsmitteln steckt heute Palmöl. Der Verbrauch ist enorm gestiegen, da Palmöl viele Vorteile aufweist, billig und leicht zu verarbeiten ist. Um den globalen Bedarf zu decken, ist innerhalb weniger Jahre ein riesiges Anbaugebiet für Ölpalmplantagen entstanden: in Südostasien, vor allem in Indonesien und Malaysia. Fast 90% aller Palmölexporte kommen von hier. Indonesien ist der weltweit führende Palmölproduzent, seine Anbaufläche hat sich innerhalb von dreißig Jahren um 3.000% erhöht. Und aufgrund der steigenden Nachfrage will der Staat die Fläche für Palmölplantagen in den nächsten fünfzehn Jahren noch verdoppeln. Voraussichtlich wird sich der Import in die USA verdreifachen, da eine neue Verordnung die Produzenten verpflichtet, auf ihren Produkten die verwendeten hydrierten Fette anzugeben. Die wichtigste Alternative ist Palmöl.

Palmöl enthält viele gesättigte Fette und steht daher im Verdacht, sich ungünstig auf Herzerkrankungen auszuwirken. Die Studie nimmt außer den gesundheitlichen auch die ökologischen Aspekte des hohen Palmölverbrauchs unter die Lupe. Besonders in Indonesien musste und wird Primärwald den Plantagen weichen. Dadurch geraten gefährdete Tierarten noch stärker unter Druck. Plantagen verseuchen Luft und Wasser mit Pestiziden. Die Studie untersucht die Verbindung von Palmölplantagen, Regenwaldzerstörung und Ausrottung von Tieren am Beispiel fünf gefährdeter Großsäugetierarten.

„Cruel Oil“ als pdf-Datei: http://www.cspinet.org/palmoilreport/index.html
 

ICTJ: Justice Abandoned? - An Assessment of the Serious Crimes Process in East Timor, 10. Juni 2005

Diese von Megan Hirst und Howard Varney für das International Center for Transitional Justice (ICTJ) verfasste Bewertung der strafrechtlichen Verfolgung der 1999 in Osttimor begangenen Verbrechen erschien wenige Tage vor Bekanntwerden des Berichtes der von Kofi Annan eingesetzten Expertenkommission der Vereinten Nationen. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die unter Mithilfe der VN von der Staatsanwaltschaft in Osttimor veranlassten Anklagen und Prozesse.

Neben zahlreichen technischen Problemen, u.a. ungenügende personelle Kapazitäten und dem kaum zu bewältigenden Aufwand an Übersetzungsleistungen zwischen Portugiesisch, Indonesisch, Englisch, Tetum und anderen Lokalsprachen, identifiziert der Bericht den wesentlichen Schwachpunkt in der mangelnden Unterstützung seitens der VN und der Regierung Osttimors.

Ein Paradebeispiel hierfür ist die Anklage gegen den seinerzeitigen Verteidigungsminister und militärischen Oberbefehlshaber Indonesiens, General Wiranto. Indonesien reagierte empört auf diese Anklage. Die VN schoben daraufhin die Verantwortung der Staatsanwaltschaft in Dili zu. Osttimors Offizielle sahen sich im Regen stehen gelassen und machten im Gegenzug die VN für die Anklage verantwortlich. Folglich beschränkten sich die Strafprozesse auf Milizionäre, derer die Justiz in Dili habhaft werden konnte. Keiner der in Indonesien lebenden Drahtzieher der Gewaltexzesse von 1999 konnte von der osttimoresischen Justiz belangt werden.

ICTF kommentiert auch die von Indonesien und Osttimor jüngst ins Leben gerufene gemeinsame Wahrheits- und Versöhnungskommission. Diese Kommission sei zu gnädig mit den Tätern und stelle die Rechte der Opfer in den Hintergrund. Bedenklich sei, dass der Kommission Unterlagen aus den Strafverfahren sowie den Anhörungen der osttimoresischen Wahrheits- und Versöhnungskommission (CAVR) zugänglich werden könnten. Vertrauliche Aussagen von Opfern und Zeugen drohen somit in die Hände indonesischer Täter zu gelangen.

http://www.ictj.org/downloads/ictj.justice-abandoned.pdf
 

Human Rights Watch: Always on Call - Abuse and Exploitation of Child Domestic Workers in Indonesia, 20. Juni 2005

Über 600.000 Minderjährige arbeiten in Indonesien als Haushaltshilfen, schätzt die International Labor Organization (ILO). Viele von ihnen arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen oder werden Opfer sexueller und psychischer Belästigungen. Human Rights Watch (HRW) interviewte Betroffene, Behördenvertreter und Nichtregierungsorganisationen und stellte die Ergebnisse in diesem im Juni veröffentlichten Bericht zusammen. HRW bemängelt, dass die Arbeit als Haushaltshilfe nach indonesischem Recht nicht als reguläre Arbeit angesehen wird. Regelungen des Arbeitsrechtes, die dem Schutz von Arbeiterinnen und Arbeitern dienen sollen, kommen daher im Falle von Haushaltshilfen nicht zur Anwendung. Die zentralen Forderungen, die HRW neben vielen anderen an die indonesische Regierung stellt, sind die strikte Durchsetzung des Mindestalters von 15 Jahren und die Eliminierung der nach internationalen Standards als „schlimmste Formen“ der Kinderarbeit geltenden Bedingungen.

Englisch: http://hrw.org/reports/2005/indonesia0605
Indonesisch: http://hrw.org/indonesian/reports/2005/indonesia0605
 

Weltbank: Country Assistance Strategy for the Democratic Republic of Timor-Leste, 22. Juni 2005

Eigentlich nur für den internen Dienstgebrauch gedacht, findet sich die erste Country Assistance Strategy-Studie für Osttimor öffentlich zugänglich auf den Internetseiten der Weltbank. Naturgemäß legt der Bericht den Schwerpunkt auf die ökonomischen Aspekte des jungen Staates. Die seit 1999 erzielten Erfolge werden ebenso benannt wie bestehende Probleme und Risiken. Finanzielle Hilfen Dritter, die in den ersten Jahren einen maßgeblichen Anteil der Staatseinnahmen ausmachten, sind im Rückgang begriffen. Wichtigster Einkommensfaktor der Zukunft werden die Erlöse aus der inzwischen angelaufenen Erdölförderung im zwischen Osttimor und Australien gelegenen Timorgraben sein.

Die steigenden Einnahmen aus der Erdölförderung werden jedoch kaum mit dem rapiden Bevölkerungswachstum von mehr als 3 Prozent Schritt halten können. Bereits heute ist die Hälfte der Bevölkerung jünger als 15 Jahre, und Osttimor ist einer der ärmsten Staaten der Welt. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf beträgt nur 366 US$ - Tendenz fallend.

Die Weltbank warnt vor zunehmender sozialer Unzufriedenheit, Korruption und den damit verbundenen Risiken für die innere Sicherheit. Für die harsche Kritik, die Mark Dodd in einem am 26.7.05 in der Zeitung „The Australian“ erschienenen Artikel an der Regierung Osttimors übt, findet sich in dem Strategiepapier dennoch wenig Anlass. Gleichwohl trägt eine in Erwiderung darauf am folgenden Tag vom osttimoresischen Außenministerium verbreitete Presseerklärung von Minister Ramos-Horta kaum zur Versachlichung bei, sondern trifft von Stil und Inhalt deutlich unter die Gürtellinie.

http://www-wds.worldbank.org/servlet/WDS_IBank_Servlet?pcont=details&eid=000012009_20050627095435
 

WWF: Borneo: Treasure Island at Risk. Status of Forest, Wildlife and related Threats on the Island of Borneo, Juni 2005

Borneos Naturreichtum ist gefährdet, sein Tropenholz wird verkauft, die Wälder verschwinden und machen Ölpalmplantagen Platz. Tierschmuggel bedroht den noch vorhandenen Artenreichtum. Die großflächige Anlage von Plantagen, illegaler Holzeinschlag und Waldbrände sind die Ursachen für die rapide Entwaldung Borneos. Naturschutz ist eine dringliche Aufgabe geworden. Kleine, isolierte Naturschutzgebiete sind nach Auffassung des WWF nicht geeignet, den noch verbliebenen Lebensraum der bedrohten Wildtiere zu retten. Die Organisation schlägt daher ein 20 Millionen Hektar großes Schutzgebiet, das „Herz von Borneo“, vor, das Teile des indonesischen Kalimantan, der malaysischen Provinzen Sarawak und Sabah sowie Bruneis einschließt. Dieses Gebiet, ein Viertel der Landmasse von Borneo, sichere gleichzeitig die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Wasser und helfe, das kulturelle Überleben der im Inneren von Borneo lebenden Ethnien zu erhalten.

Die Studie gibt einen Überblick über Ökologie, Flora, Fauna und Besiedlungsgeschichte der Insel. Im zweiten Kapitel werden die wichtigsten Dayak-Ethnien mit ihren Kulturen und Wirtschaftsformen vorgestellt. Der Abschnitt über Landnutzung geht auf die (im Gegensatz zu traditionellen Lebensformen stehende) staatliche Nutzung ein, auf Konzessionswälder, Plantagen bzw. Industriewälder und Naturschutzgebiete. Die Ursachen für die Gefährdung Borneos werden erörtert und ihre ökologischen Folgen diskutiert. Schließlich werden unterschiedliche Analysen der Entwaldung gegeneinander gestellt. Insgesamt bietet die Studie mit der Auswahl der wichtigsten Probleme, Daten und Literaturhinweise ein kompaktes und informatives Bild der gegenwärtigen Situation Borneos. Mit der Publikation der „Treasure Island“ startet der WWF in eine Kampagne zur Rettung der Wälder Borneos. Mit Ausstellungen in Zoos und Tierparks, mit Filmen, Unterschriftenlisten und weiteren Aktionen will der WWF von Juni bis Dezember 2005 die breite Öffentlichkeit alarmieren.

Weitere Informationen unter: http://www.wwf.de/kampagne/borneo/
Die Studie zu Borneo im pdf-Format:
http://www.wwf.de/imperia/md/content/pdf/kampagnen/borneo/Studie_Treasur_Island_at_Risk_Juni05.pdf
 

Friends of the Earth International: Nature: Poor People’s Wealth - the importance of natural resources in poverty eradication, Juli 2005

Der Bericht von Friends of the Earth, dem größten internationalen Umwelt-Netzwerk, beschreibt den Einfluss der Globalisierung auf die Umwelt und den Lebensstandard der Menschen in verschiedenen Entwicklungsländern. Mehr als eine Milliarde Menschen fristen ein Dasein in extremer Armut. Davon leben 70 Prozent in ländlichen Gegenden und damit im engen Kontakt mit der Umwelt. In dem Bericht wird deutlich, dass die zunehmende ökonomische Globalisierung für die Umweltzerstörung verantwortlich ist. Es wird an Beispielen aus verschiedenen Ländern gezeigt, wie für Entwicklung im Sinne der Globalisierung die Umwelt zerstört wird und wie die Umweltzerstörung wiederum zur Verarmung und Verelendung von Gemeinschaften, die vorher im Einklang mit der Natur leben konnten, führt.

Die vorliegende Studie bringt auch Beispiele aus Indonesien: In Wonosobo, einem ländlichen Gebiet auf Java, hat ein kleines Naturvolk bewiesen, dass man seit Generationen im und mit dem Wald leben kann, ohne ihn nachhaltig zu schädigen. Doch als die Regierung einen großen Teil des Gebietes für die Anlage von Palmölplantagen entwalden ließ, entstand eine monokulturelle landwirtschaftliche Region. Dadurch wurde vielen Menschen und Tieren ihr Lebens- und Nahrungsraum genommen.

In einer anderen Gegend Javas mussten die Fischer ihr Land, auf dem großflächig Aquakulturen für die Krabbenzucht angelegt werden sollten, an die Regierung verkaufen. Die Mangrovenwälder wurden gerodet. Bald war das Wasser so verunreinigt, dass Zucht nicht mehr möglich war. Die Fischer verloren ihre Arbeit  und verarmten. Friends of the Earth rief das Projekt „Sidoarja“ ins Leben, forstete die Mangrovenwälder wieder auf und gab damit den Fischern ihre Existenzgrundlage zurück. „Sidoarja“ ist ein erfolgreiches Projekt, denn heute können wieder 90 Prozent des Gebietes traditionell bewirtschaftet werden. / Susanne Leister

http://www.foei.org/publications/pdfs/poverty.pdf
Siehe auch Friends of the Earth: Briefing Paper, Juni 2005: The importance of natural resources in poverty eradication: http://www.foei.org/publications/pdfs/foeipovertybriefing.pdf
Presseerklärung Friends of the Earth zum G8-Gipfel: http://www.foei.org/media/2005/0708.html
 

Global Witness: Paying for Protection. The Freeport mine and the Indonesian security forces, Juli 2005

In West-Papua, einem „Konfliktgebiet, wo die Sicherheitskräfte wegen ihrer Brutalität und Korruption einen schlechten Ruf haben“, hat Freeport McMoRan Copper & Gold Inc. große Summen direkt an Armee- und Polizeioffiziere gezahlt, so das Ergebnis der Studie von Global Witness. „Da erhebt sich die große Frage nach Art und Verwendung der Zahlungen”, so Diarmid O’Sullivan. Global Witness fordert, dass Freeport nach dem US-Foreign Corrupt Practices Act und anderen relevanten US-amerikanischen und indonesischen Gesetzen belangt wird.
Allein auf das Konto von General Mahidin Simbolon, ehemaliger Militärkommandant von West-Papua und 1999 hoher Offizier in Osttimor, sollen vor 2003 fast 250.000 US$ geflossen sein. Dutzende weitere Offiziere und Soldaten sollen ebenfalls bedeutende Summen erhalten haben. Freeport hatte 2002, nach den Untersuchungen der Morde an drei bei dem Unternehmen angestellten Lehrern, zum ersten Mal zugegeben, dass 2001 und 2002 mehr als 10 Mio. US$ an Militär und Polizei gezahlt worden seien. Details sind bisher nicht transparent gemacht worden; auch die wiederholten kritischen Anfragen von Aktienfonds wurden nicht zufriedenstellend beantwortet.
Fehlende Transparenz kann Korruption und politische Probleme verdecken. Insbesondere in Konfliktgebieten tätige Bergbauunternehmen können leicht in den Verdacht geraten, an Korruption und Menschenrechtsverletzungen beteiligt oder erpressbar zu sein. Die Frage bleibt offen, warum Freeport, um die Gefahr wissend, bei Investoren in die Kritik zu geraten, trotzdem Angehörige von Armee und Polizei direkt finanziert. In Konfliktgebieten, wo das Recht schwach ist, wo Menschen ermordet, vergewaltigt oder gefoltert werden, gebe es keine Entschuldigung für fehlende Transparenz, schließt der Bericht.

Global Witness zufolge reichen freiwillige Verpflichtungen nach den EITI-Kriterien (Extractive Industries Transparency Initiative) nicht aus. Es gebe keine Alternative zur gesetzlich verankerten Pflicht der Berichterstattung, entweder auf nationaler oder, mit international bindenden Standards, auf globaler Ebene.

http://www.globalwitness.org/reports/download.php/00240.pdf
 

TRAFFIC: In Full Swing: An Assessment of Trade in Orang-Utans and Gibbons on Java and Bali, Indonesia, 2005

In Indonesien werden selbst extrem gefährdete Tierarten auf den Märkten feilgeboten oder sind auf Bestellung in wenigen Wochen lieferbar. Diese Langzeitstudie von TRAFFIC, durchgeführt vom Primatologen Vincent Nijman, untersucht den Handel mit Orang-Utans und Gibbons von 1994-2003. Daten wurden auf Tiermärkten, in Wildlife Rescue Centers und in Zoologischen Gärten gesammelt. Neben den zu selten durchgeführten Konfiszierungen kritisiert Nijman die schlechte Gesetzeslage in Indonesien. Demzufolge werden weniger als 10 Prozent der gefassten Tierhändler überhaupt bestraft. Gefängnis- und Bußgeldstrafen werden dann in zu niedrigem Maße verhängt.

http://www.traffic.org/news/press-releases/OrangUtan.pdf
 

Center for International Forestry Research (CIFOR): Learning to Adapt. Managing Forests Together in Indonesia, Jakarta, 2005

Die Hoffnungen, dass die Dezentralisierung für vom Wald lebenden Gemeinden Verbesserungen bringen würde, haben sich nicht bewahrheitet. Zu schwach ist die Implementierung durch die Regierung. Sich selbst überlassen, haben manche Gemeinschaften allerdings neue Formen des kooperativen Wald-Managements entwickelt. Das Buch richtet sich vor allem an Gruppen, die die neuen Erfahrungen für sich nutzen wollen. Es bietet eine Einführung in das adaptive collaborative management (ACM) und stellt zwei indonesische Lokalitäten in Sumatra und Kalimantan vor, in denen der neue Ansatz angewandt und fachlich begleitet wurde. Der Schwerpunkt des wie ein Lehrbuch gestalteten Werkes liegt auf der Beantwortung der Fragen, ob soziales Lernen das kooperative Wald-Management fördert und ob die sozialen, ökonomischen und ökologischen Verhältnisse der Gemeinschaft verbessert werden können.

Das Buch ist als pdf-Datei erhältlich unter:
http://www.cifor.cgiar.org/publications/pdf_files/Books/BKusumanto0501.pdf
 
 

Kurzhinweise auf weitere Berichte und Veröffentlichungen:


Human Rights First: Reformasi & Resistance - Human Rights Defenders and Counterterrorism in Indonesia, Edited by Neil Hicks & Michael McClintock, Mai 2005
http://www.humanrightsfirst.org/defenders/hrd_indonesia/reports/reformasi-resist-indonesia-may05.pdf

International Organization for Migration (IOM): Asian Tsunami Disaster Relief and Reconstruction
Headlines, Activity Updates, News Stories, Publications, u.a.:
· Post-Disaster Assessment in Nias and Simeulue
· Settlement and Livelihood Needs and Aspirations Assessment of Disaster-Affected and Host Communities in Nias and Simeulue
· Post-Disaster Damage Assessment in Nanggroe Aceh Darussalam
· Settlement and Livelihood Needs and Aspirations Assessment in Nanggroe Aceh Darussalam
· Shelter Operations Brochure
· etc.
http://www.iom.int/tsunami/

Link zu Tierschmuggel: Send them back home
Mehr als eineinhalb Jahre ist es schon bekannt, dass über hundert Orang-Utans aus Indonesien nach Thailand geschmuggelt wurden, um in Safari World, Bangkok, und anderen Zoos, Farmen und Parks in Thailand zur Schau gestellt zu werden. Ständig werden diese Menschenaffen zu Thai-Boxen Shows missbraucht. Inzwischen zeigten unanfechtbare DNA Tests, dass mindestens 67 der 115 Orang-Utans in der Wildnis gefangen wurden und nicht in Gefangenschaft zur Welt gekommen sind. Obwohl Thailand 1983 die Artenschutzbestimmungen von CITES unterzeichnet hat, sind keine Anstrengungen zur Rückführungen der geschmuggelten Orang-Utans nach Borneo und Sumatra in Sicht.
Die Webseite (Sprachen: Englisch, Spanisch, Portugiesisch) informiert über die Hintergründe und aktuellen Entwicklungen dieses Schmuggels. Außerdem liefert die Homepage Vorschläge, wie Sie helfen können, das Leiden der Safari World Orang-Utans zu beenden. Eine Unterschriftenliste, herunterladbare Poster, Postkarten und Flyer helfen, selbst aktiv zu werden.
http://www.sendthembackhome.org

Janun & Yapikbi: Lieder aus Biak – Lagu-lagu dari Biak, Musik-CD, Hannover 2005
Die Musik aus Papua, die auch schon am Landwehrkanal in Berlin erklang, ist noch in guter Erinnerung. Jetzt sind die Lieder, entstanden aus dem Jugendaustauschprogramm von Janun (Hannover) mit Yapikbi (Biak, West-Papua), auf CD für Euro 7,50 erhältlich. Der Erlös aus dem Verkauf der CD fließt in das Jugendzentrum von Yapikbi auf der Insel Biak.
Informationen: http://rumsom.tripod.com und http://www.janun-hannover.de
Kontakt: buero@janun-hannover.de

JSMP Report: The Role, Practice and Procedure of the Court of Appeal, Dili, 28. Juni 2005
Englisch: http://www.jsmp.minihub.org/Reports/jsmpreports/Report%20on%20Court%20of%20Appeal/Court%20of%20Appeal%20report%20(e).pdf
Indonesisch:
http://www.jsmp.minihub.org/Reports/jsmpreports/Report%20on%20Court%20of%20Appeal/Laporan%20Pengadilan%20Tinggi%20(b).pdf

World Food Programme: Insecurity and Vulnerability Analysis Timor-Leste, April 2005
http://documents.wfp.org/stellent/groups/public/documents/vam/wfp067434.pdf

International Center for Transitional Justice: Comment on the Bill Establishing a Truth and Reconciliation Commission in Indonesia, written by Eduardo González, New York
http://www.ictj.org/downloads/indo.trc.comment.pdf

Asienhaus: Focus Asien 19: Verflutet noch mal! Gesellschaftliche, globale und ökologische Dimensionen des Tsunami im Indischen Ozean. (Herausgegeben von Niklas Reese und Stefan Eckhardt), 76 Seiten, Preis 5 Euro.
Bestellung an: vertrieb@asienhaus.de. Einleitung und Inhaltsverzeichnis finden Sie unter: http://www.asienhaus.de/focusasien-aktuell

Ingo Wandelt: Hintergründe: Zur Unterzeichnung des Aceh -Friedensabkommens am 15. August, Asienhaus-Rundbrief 12/2005, 12.8.2005,
http://www.asienhaus.de/public/archiv/aceh-kriegundfrieden.pdf

Heinrich Böll-Stiftung (Hrsg.): Towards Good Society. Civil Society Actors, the State, and the Business Class in Southeast Asia - Facilitators of or Impediments to a Strong, Democratic, and Fair Society? Berlin, 2005, 256 Seiten (ISBN 3-927760-49-8) Mit Beiträgen von D. Gosewinkel, W. Pfennig, Juree Vichit-Vadakan, Surichai Wankaew, Ulil Abshar Abdallah, Eep Faefulloh Fatah, Bui The Cuong, Joe Hannah, Adam Fforde, Kasian Tejapira, Azyumardi Azra, Jörg Wischermann.
Der Band ist über den Buchhandel oder direkt von der Heinrich Böll-Stiftung als auch im kostenlosen download zu beziehen: http://www.boell.de/downloads/asien/Towards-6.pdf
Heinrich-Böll-Stiftung, Hackesche Höfe, Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin, Tel. +49-30-285 34-0, Fax: +49-30-285 34 109, E-mail: info@boell.de

Jürgen Rüland, Clemens Jürgenmeyer, Michael H. Nelson, Patrick Ziegenhain (authors): Parliaments and Political Change in Asia 2005, ISEAS (Institute of Southeast Asian Studies) 324 pages. Soft cover: ISBN 981-230-273-5, US$ 25.90, Hard cover: ISBN 981-230-232-8, US$ 39.90, Weitere Informationen und Bestellung bei ISEAS unter: http://bookshop.iseas.edu.sg/bookmarks/BM266/index.html.
 

Neue Bücher erhältlich bei Watch Indonesia!

Monika Schlicher: Osttimor stellt sich seiner Vergangenheit – die Arbeit der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission, Missio – Reihe Menschenrechte, Band 25, Aachen, Juli 2005.
Die Studie ist kostenlos zu beziehen bei Watch Indonesia! Die Studie ist auch als pdf-Datei verfügbar:
http://www.missio-aachen.de/Menschenrechte
http://www.watchindonesia.org/Osttimor_Vergangenheit.pdf

direkt bestellen

Unser weiteres Angebot finden Sie auf unserer Homepage unter:
http://www.watchindonesia.org/books.htm

Veranstaltungshinweise

Aktuelle Hinweise auf Veranstaltungen zu Indonesien und Osttimor finden Sie auf unserer Homepage unter: http://www.watchindonesia.org/Kalender.htm


Hrsg: Watch Indonesia! in Zusammenarbeit mit Umverteilen! – Stiftung für eine solidarische Welt
Redaktion: Alex Flor, Marianne Klute, Monika Schlicher, Petra Stockmann, Rita Sastrawan, Susanne Leister, Tia Mboeik
Der Infodienst wird unterstützt aus Mitteln des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED)
 

Zurück zur Hauptseite Watch Indonesia! e.V. Back to Mainpage