Indonesien-Information Nr. 2, 1997 (Umwelt)

Flammendes Inferno

Seit Monaten überziehen Waldbrände von gigantischen Ausmaßen den gesamten indonesischen Archipel. Viele Millionen Menschen in ganz Südostasien leiden unter Atemwegserkrankungen. Dichte Rauchwolken waren mitverantwortlich für den Absturz eines Verkehrsflugzeuges und eine Reihe von Schiffskollisionen. Hunderte kamen dabei ums Leben. Nie zuvor wurden so offen die Verursacher der Waldbrände benannt: Plantagenfirmen, mit besten Beziehungen nach "ganz oben", die sich durch Brandrodung neue Flächen für noch größere Plantagen sichern. Deutlich zeichnen sich inzwischen auch die Konsequenzen ab, die in Jakarta aus dem Disaster gezogen werden sollen: Keine.

Zugegeben, es war keine Hellseherei, als die Indonesien-Information im November 1994 schrieb, es werde wohl nicht das letzte mal sein, daß wir über Waldbrände gigantischer Ausmaße in Indonesien zu berichten hätten. Schon damals hatten Rauchwolken, die aus Kalimantan und Sumatra nach Singapur hinüberzogen, zu empfindlichen Protesten des kleinen Nachbarstaates geführt. Anders als in Indonesien, wo die Menschen direkt von dem Feuer betroffen waren, sorgte man sich in Singapur um die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung und begann zu erkennen, daß Umweltkatastrophen globale Auswirkungen haben können. Geprägt von dieser Erkenntnis machte Singapur damals Bedenken gegen Indonesiens Atomkraftpläne geltend (s. Indonesien-Information 3/94).

In der Indonesien-Information vom Juni 1992 setzte sich ein längerer Artikel mit den Ursachen und Folgen der verheerenden Waldbrände 1991 auseinander. Klimatische Faktoren wieder "El Niño-Effekt" wurden seinerzeit ebenso berücksichtigt wie die Rolle von TransmigrantInnen, Plantagenbesitzern und indigenen Wanderfeldbauern. 'Nichts gelernt - oder?' lautete eine Zwischenüberschrift in dem genannten Beitrag, die darauf verweisen sollte, daß man aus der Erfahrung der Waldbrände in den Jahren 1982/83 und 1986/87 keinerlei Lehren gezogen hatte. 3,5 mio ha Wald waren alleine in den Jahren 1982/83 den Flammen zum Opfer gefallen. 'Nichts gelernt?' könnte auch dieser Beitrag, 15 Jahre nach der Brandkatastrophe von 1982/83 überschrieben sein. Und unsere Analyse der Ursachen und Folgen der Brände hat auch 5 Jahre nach ihrem Erscheinen nichts an Aktualität verloren. Interessierte LeserInnen können den Text in Kürze im Archiv der Indonesien-Information auf unserer Homepage nachlesen..

Ganz Südostasien hustet

Schätzungsweise 800.000 ha Wald stehen in Flammen. Erst der Monsun wird in der Lage sein, die Brände zu löschen. Glaubt man den Vorhersagen der Meteorologen, so kann es aber noch bis Ende November dauern, bis der Monsun einsetzt. Satellitenbilder zeigen Brände auf Sumatra und in Kalimantan, in Irian Jaya (West Papua), Sulawesi, auf Lombok und nicht zuletzt auf Java. Dichter Rauch zieht bis nach Malaysia, Brunei, Singapur und auf die Philippinen. Selbst das thailändische Ferienparadies Pukhet ist betroffen. Der Fremdenverkehr kam vielerorts zum Erliegen, europäische Reiseveranstalter gewährten Touristen kostenlose Umbuchungen für bereits gebuchte Südostasientouren.

Auch die Bewohner der Region selbst würden gerne "umbuchen". Mindestens 20 mio IndonesierInnen leiden an smogbedingten Atemwegserkrankungen. Im malaysischen Bundesstaat Sarawak wurde der Notstand ausgerufen. In den Metropolen Singapur und Kuala Lumpur kletterte der Luftgüteindex auf astronomische Werte, die den Grenzwert der Gesundheitsbedenklichkeit um ein Vielfaches überschritten. Binnen kürzester Zeit wurden Atemschutzmasken zum begehrtesten Verkaufsartikel auf den boomenden Märkten der asiatischen Tigerstaaten. Umweltorganisationen riefen dazu auf, Atemmasken zu spenden, und Schwarzhändler machten mit selbstgefertigten - gegen Schadstoffinhalation unwirksamen - Masken das Geschäft ihres Lebens. In ihrer Verzweiflung begannen um Atem ringende MalaysierInnen, sich ersatzweise BHs vor den Mund zu binden, um sich vor dem Rauch zu schützen.

Mehr als 40.000 Menschen mußten alleine in Indonesien in meist hoffnungslos überforderte Krankenhäuser eingeliefert werden. Die Zahl der Todesopfer geht auf zwei Dutzend. Weit mehr Opfer kostete der Absturz einer Linienmaschine der indonesischen Garuda unweit von Medan in Nord-Sumatra. Alle 234 Insassen kamen dabei ums Leben. Absturzursache waren wahrscheinlich Kommunikationsfehler zwischen dem Cockpit der Maschine und dem Tower in Medan sowie mangelnde Sichtverhältnisse aufgrund dichter Rauchschwaden. Bei einem Schiffsunglück in der Straße von Malakka starben am nächsten Tag mindestens 29 Seeleute. Die Ursache des Unglücks lag auch hier in mangelnden Sichtverhältnissen begründet. Aus demselben Grund starben kurz darauf bei einem Bootsunglück in Süd-Sumatra weitere 5 Leute.

Tödliche Unfälle wie diese sind die Ausnahme, denn ein Großteil der Flug- und Schiffsverbindungen in der gesamten Region mußte vorübergehend völlig eingestellt werden. Betroffen ist auch der Straßenverkehr. Autos und Motorräder fahren selbst bei Tag mit Licht und bewegen sich nur im Schneckentempo. Zahlen über sichtbedingte Verkehrsunfälle liegen jedoch nicht vor.

Behörden erwogen die Evakuierung der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur, des gesamten Bundesstaates Sarawak, sowie der besonders stark betroffenen Stadt Rengat in Riau auf Sumatra. Die Pläne wurden verworfen, da neben immensen logistischen Problemen vor allem die Frage nicht geklärt werden konnte, wo das mehrere Millionen starke Heer von Umweltflüchtlingen vorübergehend Unterschlupf finden sollte.

Sterben im Tigerstaat die Tiger aus?

Neben den Menschen sind auch zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten bedroht. Tiger, Nashörner, Elefanten, Orang Utans und viele weniger 'prominente' Tierarten, die für den Erhalt der Artenvielfalt von herausragender Bedeutung sind, verlieren ihren Lebensraum, verenden in den Flammen oder werden auf der Flucht vor dem Feuer von Wilderern erschossen. Auch mehrere Nationalparks sind von den Bränden betroffen.

In einzigartige Ökosysteme wie den Moorwäldern in Zentral-Kalimantan, die nach Plänen der Regierung trockengelegt und zu Reisfeldern umgewandelt werden sollen, frißt sich die Glut in die meterdicken Torfschichten. Die sich unterirdisch fortpflanzenden Schwelbrände sind kaum zu lokalisieren und nur äußerst mühsam zu löschen. Es droht daher eine Umweltkatastrophe wie im Norden Chinas, wo seit Jahren großflächig oberflächennahe Kohleflöze brennen. Riesige Mengen Kohlendioxids werden somit nutzlos in die Atmosphäre emittiert. Nach Berechnungen von Friends of the Earth beträgt die Menge freigesetzten Kohlendioxids 20 mio Tonnen, wenn auf der gesamten etwa 1 mio ha großen Fläche der Moorwälder Kalimantans nur 10 Zentimeter Torf verbrennen. Insgesamt schätzen Friends of the Earth die CO2-Emission aus den derzeit wütenden Waldbränden auf 220 - 290 mio Tonnen - etwa die Hälfte der CO2-Belastung, die Großbritannien jährlich in die Atmosphäre entläßt /Friends of the Earth, 1.10.97/.

1966 waren noch 82 % der indonesischen Landmasse von Primärwald bedeckt. 1982 waren es nur noch 68 %. Heute sind nur noch 55 % der Fläche bedeckt, einschließlich der Forstmonokulturen. 64 mio ha, das entspricht einem Drittel der Landfläche Indonesiens, sind Holzkonzessionen. /Sydney Morning Herald, 20.9.97/

Dürre und Hunger

"El Niño", eine Meeresströmung im Pazifik, die alle paar Jahre auftritt, war wie bei den großen Bränden der letzten beiden Jahrzehnte auch diesmal wieder einer der Wegbereiter. "El Niño - das Christkind" erhielt seinen Namen von südamerikanischen Bauern, denen die Klimastörung zur Weihnachtszeit ungewöhnlich starke Regenfälle bringt. Am anderen Ende des Pazifik bewirkt "El Niño" just das Gegenteil. Außergewöhnliche Dürren sind in den feuchttropischen Ländern Südostasiens die Folge. Der in diesem Jahr außergewöhnlich starke "El Niño-Effekt" ließ vielerorts Bäche und Reisfelder vertrocknen. Im Bezirk Jayawijaya in West-Papua starben nach Behördenangaben bereits über 400 Menschen an den Folgen der Dürre - dahingerafft von Hunger und Epidemien. Auch aus Sulawesi, Lampung und sogar aus der hochentwickelten Provinz Zentraljava werden Hungersnöte gemeldet. Ansonsten mächtige Flüsse auf den Inseln Borneo und Neuguinea sind nicht mehr schiffbar, da sie kaum noch Wasser führen. Es scheint einleuchtend, daß eine solche Dürre auch zu erhöhtem Blattabwurf bei Urwaldbäumen und zur Austrocknung des Unterholzes führt, das somit einen hervorragenden Nährboden zur Ausbreitung von Flächenbränden bietet.

Schuld sind "El Niño" und die Kommunisten

Dennoch ist es falsch, "El Niño" alleine für die Brände verantwortlich zu machen, wie es Indonesiens "Tropenholzkönig" Bob Hasan in einer kürzlich veröffentlichten Erklärung zu tun versuchte. Dr. Anthony Greer, Umweltwissenschaftler an der Universität Singapur, kommentierte süffisant, ihm sei nicht bekannt, daß "El Niño" auch Feuer lege /The Straits Times, 1.10. u. 3.10.97/.

In seiner Erklärung wärmte Bob Hasan alte Argumentationsmuster wieder auf, mit denen auch die indonesische Regierung jahrelang versucht hatte, die Entstehung der Waldbrände zu begründen. Mit stereotyper Regelmäßigkeit wurden da Wanderfeldbauern und indigene Völker als Urheber der Waldbrände bezichtigt, da sie zum Teil Brandrodungsfeldbau betreiben. Wenn auch nicht ausgeschlossen werden kann, daß einigen Bauern die Brandrodung in Dürrezeiten wie dieses Jahr außer Kontrolle gerät, so ist doch festzuhalten, daß diese Art des Ackerbaus von den Einheimischen seit Jahrhunderten betrieben wird, ohne daß es jemals zu Brandkatastrophen kam, wie sie sich in den letzten Jahren häufen.

Die Beschuldigung der Wanderfeldbauer und Indigenen paßt in die staatliche Philosophie Indonesiens, nach der die Regierung glaubt, diese Menschen nach modernem Muster "entwickeln" zu müssen. Wer sich nicht "entwickeln" lassen will, gilt als Staatsfeind. Bob Hasan konnte es sich auch dieses Jahr nicht verkneifen, Umweltschutzgruppen, die sich für die Erhaltung des Regenwaldes und die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzen, als kommunistisch abzustempeln /Digest, 4.10.97/.

Beschuldigungen dieser Art sollen von den wahren Urhebern der Brände ablenken. Hierbei handelt es sich um Holz- und Plantagenkonzerne, die Platz schaffen möchten für neue Monokulturen. Viele der Konzerne werden von Tycoons angeführt, die zum persönlichen Freundeskreis von Präsident Suharto gehören, neben Bob Hasan u.a. Liem Soei Liong, Eka Tjipta Widjaja und Prajogo Pangestu, um nur einige zu nennen.

Intakter Regenwald fängt nicht so leicht Feuer. "Urwälder mit einem geschlossenen Kronendach sind in der Regel zu feucht, als daß sie brennen", meint Bruno Manser, ein schweizer Umweltschützer, der lange bei den Dayak im Dschungel des malaysischen Bundesstaates Sarawak auf Borneo gelebt hat. Wenn Holzfirmen einzelne Stämme oder ganze Gebiete roden, wird das geschlossene Blattdach des Regenwaldes aufgerissen. Der Deckel über dem Schwitzkasten wird gleichsam geöffnet, die Sonne entwässert die darunterliegenden Baum- und Staudenschichten. Außerdem bleiben die Kronen und Äste der eingeschlagenen Bäume liegen und trocknen aus. "Wenn dann eine der dort ansässigen Familien eine Fläche von wenigen Hektar abbrennt, kann das Feuer auf durchforstete Gebiete übergreifen", so Bruno Manser. /taz, 24.9.97/

Umweltminister redet Klartext

Weitaus bedeutender als außer Kontrolle geratene Brandrodungen von Kleinbauern sind jedoch von den großen Holz- und Plantagenkonzernen absichtlich gelegte Brände. Nach Daten des indonesischen Umweltministers Sarwono sind nur 9 % der brennenden Waldflächen den Brandrodungen der Kleinbauern zuzuschreiben, während 42 % von Plantagenbesitzern verursacht seien und 37 % auf das Konto von Holzkonzessionären gingen /Kompas, 5.9.97/.

Unter den vielen Berichten und Kommentaren, die in der gesamten Weltpresse zu den jüngsten Waldbränden zu lesen waren, stellen die Äußerungen von Minister Sarwono vielleicht die einzige wirkliche Neuigkeit dar. Nie zuvor hat ein indonesischer Minister gewagt, die Schuldigen so klar beim Namen zu nennen. Sarwono kündigte eingehende Untersuchungen gegen 175 Firmen an, die im Verdacht stehen, an der Legung von Bränden beteiligt gewesen zu sein. "Wenn wir bei ihnen an die Tür klopfen, dann sagen sie, sie wüßten nichts über die Brände und sie hätten Freundein hohen Positionen," meinte der Umweltminister. "Aber wenn wir ihnen Satellitenfotos zeigen, auf denen man sehen kann, daß ihr Land brennt, sind sie nicht mehr so einfach in der Lage, die Vorwürfe abzustreiten" /Sydney Morning Herald, 20.9.97/.

Tatsächlich zeigen die Satellitenbilder, die von der Regierung Singapurs auch im Internet für jedermann und -frau einsehbar bereitgestellt werden, eindeutig wo das Feuer wütet. So sind besonders küstennahe Regionen in West- und Zentral-Kalimantan sowie Gebiete im Süden Sumatras, unweit des Trans-Sumatra-Highway betroffen- also Waldgebiete, die an erschlossene Ortschaften oder wichtige Straßen angrenzen. Genau in diesen Gebieten sind die meisten Plantagenprojekte und mit ihnen einhergehend die meisten Siedlungen für Transmigranten anzutreffen. Im noch weitgehend von indigenen Völkern beherrschten unzugänglichen Landesinneren von Kalimantan sind dagegen kaum Brände zu registrieren- ein klarer Gegenbeweis zu den Beschuldigungen, brandrodende Indigene seien für die Brände verantwortlich.

Einem Bericht des unabhängigen Nachrichtendienstes SiaR zufolge erklärte ein Mitarbeiter des Umweltministeriums, daß der militärische Geheimdienst BIA Aufnahmen des Wettersatelliten LANDSAT vom Juni unter Verschluß gehalten habe, aus denen bereits eine Reihe von Waldbränden klar ersichtlich war. Umweltminister Sarwono bestätigte, daß BIA die Bilder nicht an sein Ministerium weitergegeben habe /SiaR,1.10.97/.

Die Verfügbarkeit der Satellitenbilder aus dem Ausland mag schließlich dazu beigetragen haben, daß Minister Sarwono sowie die Regierungen der am meisten betroffenen Nachbarstaaten Singapur und Malaysia den Mut fanden, mit dem Finger auf die mächtigen indonesischen Konzerne zu zeigen, die bisher wegen ihrer guten Verbindungen zu Präsident Suharto für solcherlei Kritik tabu waren. Anläßlich eines ASEAN-Gipfeltreffens sah sich sogar Suharto höchstselbst dazu gezwungen, die Nachbarstaaten offiziell um Entschuldigung für die von Indonesien verursachten Belästigungen zu bitten /Reuter, 16.9.97/. Ein zunächst folgenloser Schritt, der aber zumindest pro forma der harschen Kritik des Umweltministers und den etwas verhalteneren Anmerkungen seines Kollegen im Forstministerium Rückendeckung gab. Wer die Selbstgefälligkeit Suhartos kennt, mag einzuschätzen wissen, wie schwer ihm diese Entschuldigung gefallen ist.

Suharto und seine Familie denken auch angesichts der größten Katastrophen in erster Linie daran, wie sie ihren Reichtum mehren kann. SiaR berichtete, Suhartos Sohn Bambang Trihatmodjo, Boss des Bimantara-Konzerns, wollte Feuerlöschflugzeuge aus Kanada importieren, um sie zum dreifachen Marktpreis an das Forstministerium weiterzuverkaufen. Das Forstministerium habe aber dankend abgelehnt /SiaR, 1.10.97/.

Werden die Verursacher zur Verantwortung gezogen?

Die Sarwono unterstehende Umweltbehörde BAPEDAL ließ verlauten, daß die ungenehmigte Schaffung von Anbauflächen durch Brandlegung mit 10 Jahren Gefängnis oder 100 mio Rp. Strafe (ca. DM 58.000,-) geahndet werden könne /Reuter, 10.9.97/. Die Behörde versäumte jedoch den Hinweis darauf, daß die nach dem Strafgesetz zulässige Höchststrafe für Brandstiftung mit Todesfolge lebenslänglich ist.

Das von Sarwono Mitte September verkündete Ultimatum an 175 namentlich genannte Plantagen- und Holzkonzerne, innerhalb von 14 Tagen ihre Unschuld unter Beweis zu stellen, verlief weitgehend folgenlos. Im Gegenteil wurde die vierzehntägige Frist, nach der eventuell mit einer härteren Gangart der Regierung zu rechnen war, von vielen Plantagenbesitzern dazu genutzt, noch schnell ein paar neue Brände zu legen /Straits Times, 21.9.97/. Jede noch so leise Ankündigung von Konsequenzen wurde bislang durch die Legung weiterer Brände beantwortet.

Anfang Oktober wurden schließlich 29 der 175 indizierten Firmen insgesamt 154 Genehmigungen zur Holzverwertung (IPK - Izin Penggunaan Kayu) entzogen /ABC, 3.10.97/. Welche Firmen von dem Lizenzentzug betroffen sind, wurde nicht genannt. Die Nachricht wurde von den Medien weltweit dahingehend mißinterpretiert, daß den Firmen die Betriebslizenz entzogen wurde. In Wirklichkeit ist die Genehmigung zur Holzverwertung für viele Plantagenbetriebe, die nicht Holz, sondern beispielsweise Früchte oder Latex verwerten, nur von minderer Bedeutung. Es besteht zudem wahrscheinlich noch die Möglichkeit, die Rechte zur Holzverwertung an eine Fremdfirma zu veräußern, die über die entsprechende Genehmigung verfügt.

Azwar Anas, Koordinationsminister für die Wohlfahrt des Volkes, machte allen höflichen Verbeugungen dem Ausland gegenüber zum Trotz deutlich, daß niemand erwarten könne, für die Folgen der Waldbrände von Indonesien entschädigt zu werden. "Wir können nicht verklagt werden," meinte er. "Alle Experten der Welt haben gesagt, daß dies nicht nur eine Indonesien betreffende Naturkatastrophe oder eine Folge des Handelns von Indonesiern, sondern vielmehr eine globale Katastrophe, ist" /Straits Times, 29.9.97/. Es scheint als habe der Minister die Bedeutung einer "globalen Katastrophe" gründlich mißverstanden.

Herbe Kritik an seiner Amtsführung mußte sich Forstminister Djamaluddin Suryohadikusumo gefallen lassen. Umweltschützer machten ihn für die leichtfertige Vergabe von Forstkonzessionen und ungenügende Überwachung verantwortlich. Bei einer Demonstration vor dem Forstministerium entfaltete die Polit-NGO PIJAR Indonesia ein Transparent mit der Aufschrift: "Entschuldigungen reichen nicht - Forstkonzessionen sind die Verursacher des Smogs und des Flugzeugabsturzes". In einer Erklärung beschuldigten sie Djamaluddin außerdem, Vetternwirtschaft und Korruption zu dulden /Pijar, 27.9.97/.

Djamaluddin gilt wie sein Kollege im Umweltressort als durchaus kompetenter Minister. Beiden ist aber gemeinsam, daß sie über keinerlei Durchsetzungsgewalt verfügen. Formal ist der Forstminister zwar für die Erteilung von Holzkonzessionen zuständig, doch dem Wunsch eines engen Freundes von Suharto kann sich der Minister wohl kaum widersetzen. Bezüglich der Waldbrände nahm Djamaluddin eine ähnliche Haltung ein wie sein Kollege Sarwono. Djamaluddin ging sogar soweit, seinen Rücktritt anzubieten, da er für die gemachten Versäumnisse - die er bei dieser Gelegenheit klar beim Namen nennen konnte - die Verantwortung übernehme /SMH, 2.10.97/. Präsident Suharto ging bislang mit keine rSilbe auf das Rücktrittsgesuch ein.

Die Wälder brennen noch, doch schon hat sich das Interesse der Medien wieder gelegt. Beherrschendes Thema ist nun die Währungskrise. Die Smogsituation in Singapur und Malaysia hat sich etwas entspannt. Man geht wieder zur Tagesordnung über. Die unfreundlichen Töne, die anfangs aus Malaysia zu vernehmen waren, sind verklungen. Im September noch hatte Ministerpräsident Mahatir 18 malaysische Unternehmen, die im Verdacht stehen, an den Brandlegungen in Indonesien beteiligt gewesen zu sein, unmißverständlich dazu aufgefordert, sich an der Brandbekämpfung zu beteiligen /Daily Star, 21.9.97/. Vielleicht hat Mahatir mit dieser Aufforderung mal wieder übers Ziel hinausgeschossen. Sein Vize Anwar Ibrahim dementierte kurze Zeit später rundweg, daß malaysische Unternehmen an den Brandstiftungen beteiligt gewesen seien. Überhaupt kämen die meisten in Indonesien tätigen ausländischen Holzfirmen aus den USA, aus Kanada und Frankreich /Straits Times, 3.10.97/.

Mit abnehmendem Druck des Auslands und der Medien verringert sich die Wahrscheinlichkeit, daß sich an Indonesiens Forst- und Flächenbewirtschaftungspolitik bald etwas ändert. Mit energischen Maßnahmen gegen brandrodende Konzerne ist nicht mehr zu rechnen. Ein deutscher Umweltexperte meinte, es sei aber sehr wahrscheinlich, daß Indonesien demnächst zu einer aus internationalen Geldtöpfen finanzierten Konferenz zum Thema "Waldbrandbekämpfung" einlädt. <>

 
 
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