Indonesien-Information Nr. 1, 1998 (Ost-Timor)

Ost-Timoresen zum Tode verurteilt

Im Zusammenhang mit dem Überfall eines Guerrillakommandos auf einen indonesischen Militärtransporter hat zum ersten Mal in der langen und leidvollen Geschichte des Ost-Timor-Konfliktes ein indonesisches Gericht die Todesstrafe verhängt. Luis Maria da Silva (57) und Francisco da Costa (36) wurden am 11. Dezember vom Bezirksgericht Baucau zum Tode verurteilt, nachdem das Gericht sie des Mordes, separatistischer Aktivitäten und des unerlaubten Besitzes von Waffen für schuldig befunden hat. Da die Familie der Angehörigen sich nicht getrauten, eigene Anwälte zu engagieren, wurden sie von Anwälten verteidigt, die das Gericht benannt hat. Diese und andere Gepflogenheiten der indonesischen Gerichtsbarkeit lassen befürchten, daß der Prozeß internationalen Standards einer fairen Gerichtsverhandlung nicht standhält.

Weitere 53 Ost-Timoresen stehen noch vor Gericht wegen der angeblichen Beteiligung an dem Überfall und weiterer Vorfälle und Unruhen, die während der Wahlen in Indonesien, im Mai 1997, stattfanden. Die Spannungen im besetzten Ost-Timor waren zu dieser Zeit besonders hoch, da die Wahlen als Symbol der Integration in die Republik Indonesien gesehen werden, die von den meisten Ost-Timoresen abgelehnt wird. Insgesamt 42 Personen, Mitglieder der Falintil, des bewaffneten Widerstandes, und auch indonesische Militärkräfte sind dabei ums Leben gekommen. Der Überfall auf den Militärtransporter ereignete sich am 31. Mai auf der Straße nach Quelicai, Baucau. Der Transporter wurde mit einer Granate beschossen und ging in Flammen auf. 14 Menschen starben in den Flammen, weitere 4 wurden erschossen, als sie zu fliehen versuchten. Bei den seither verstärkten Militäroperationen sind über 100 Menschen festgenommen worden, viele von ihnen willkürlich.

/ai, Urgent Action 391/97, 12.12.97; East Timor Human Rights Centre, Urgent Action 17/97, 23.12.97

 
   
 
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