Soziale Sicherung
Soziale Sicherung wird vielfach durch die Familie oder den Dorfverband wahrgenommen. Das staatliche System ist schwach ausgebaut.
Unter dem Namen JAMSOSTEK existiert ein Sozialversicherungsmodell für Arbeitnehmer von staatlichen Unternehmen. Es wird verwaltet von dem landesweiten öffentlichen Sozialversicherungsträger Perum ASTEK, der 1977 gegründet wurde. Das System ist zunächst vorgesehen für Betriebsangehörige in Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten sowie für Personen mit einem Mindesteinkommen von monatlich 500.000 Rp. ArbeitnehmerInnen zahlen 1% ihres Monatslohnes ein, der Anteil der Arbeitgeber beträgt 2,2-5,6%. ASTEK deckt die Unfall-, Mutterschafts- und Lebensversicherung ab, in der Unfallversicherung ist die Übernahme ärztlicher Kosten und eine Lohnfortzahlung enthalten.
ArbeiterInnen beklagen jedoch sehr oft, daß ihnen die Inanspruchnahme von Leistungen der Versicherung verwehrt wurde. 1997 wurde bekannt, daß erhebliche Mittel aus der Kasse von JAMSOSTEK vom Arbeitsministerium dazu benutzt wurden, Parlamentsabgeordnete zu bestechen, damit diese der Verschärfung des Arbeitsgesetzes zustimmen. Solche Vorkommnisse führen dazu, daß von den Versicherten bei Arbeitskämpfen häufig die Abschaffung der Sozialversicherungspflicht erhoben wird, die nur als zusätzliche finanzielle Belastung der Arbeitnehmer verstanden wird. Das völlig zerstörte Vertrauen der Beschäftigten ist keine gute Voraussetzung, um ein dringend notwendiges allgemeines Sozialversicherungssystem einzuführen.
Arbeitslose erhalten keinerlei Unterstützung aus öffentlichen
Kassen. Bereits vor Eintritt der Wirtschaftskrise 1997 war die Arbeitslosigkeit
ist sehr hoch. Die tatsächliche Arbeitslosenquote war allerdings nur
schwer zu beziffern, da nach amtlicher Zählweise in Indonesien bereits
als beschäftigt gilt, wer eine Stunde pro Woche einer geregelten Arbeit
nachgeht. Die Zahl der Unterbeschäftigten kann auf ca. 45% der Erwerbsfähigen
geschätzt werden. In Folge der Asienkrise stieg die Zahl der Erwerbslosen
um ein Vielfaches. Durch Betriebsstillegungen und Rationalisierungsmaßnahmen
verloren bis zu 15.000 Beschäftigte täglich ihren Arbeitsplatz.
Selbst nach amtlichen Angaben stieg die Zahl der unter der offiziellen
Armutsgrenze lebenden seither auf ca. 100 Mio Menschen, das ist
die Hälfte der Gesamtbevölkerung.
Ein sehr großer Anteil der Bevölkerung, einschließlich Kinder, verdient sich seinen Lebensunterhalt als Subsistenzwirtschaft betreibende Kleinbauern oder im statistisch kaum erfaßten informellen Sektor unter oftmals extrem gesundheitsbelastenden Bedingungen. Diese Menschen genießen keinerlei soziale Absicherung.
Zu den sozial Benachteiligten zählen vielfach Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben. Ihre genaue Zahl ist nicht erfaßt. Ein existenzielles Problem für diese Kinder ist, daß sie keinen Personalausweis erhalten, da sie keine Geburtsurkunde vorweisen können. Die "Identity Card" (KTP) ist für alle formellen Anlässe, angefangen von der Anmeldung zur Schule bis hin zur späteren Arbeitserlaubnis notwendig. Da die Behörden die Existenz von Straßenkindern weitgehend leugnen, laufen Bemühungen von Kinderhilfsorganisationen, das Problem zu lösen, oft ins Leere. Doppelt erschwert wird den Kindern das Leben durch die mangelnde Einbindung in Familien- oder Nachbarschaftstrukturen, die zum sozialen und physischen Überleben eigentlich unerläßlich ist. Ähnlich wie Prostituierte, Kleinkriminelle und StraßenhändlerInnen werden wohnsitzlose Kinder im Zuge von Säuberungsaktionen - meist im Vorfeld internationaler Konferenzen, Sportereignisse usw. - immer wieder vertrieben oder vorübergehend festgenommen.
Die Zahl der in Industrie und im informellen Sektor arbeitenden Kinder zwischen 10 und 14 Jahren betrug zu Beginn der 90er Jahre 2,4 Mio. Das niedrige Einkommen vieler Eltern bedingt die Notwendigkeit der Kinderarbeit, um die Familie zu ernähren. Untersuchungen wiesen für arbeitende Kinder einen unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten, geringere soziale Kompetenz und mangelnden Kontakt zu Gleichaltrigen nach. Als Reaktion auf die internationale Diskussion um Kinderarbeit versucht die Regierung nun mehr Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, was jedoch in vielen Fällen lediglich die Verdrängung der Kinderarbeit vom formellen in den informellen Sektor zur Folge hat. Gemeinsam mit der ILO und lokalen NGOs stellt die Regierung Untersuchungen über Ursachen und Auswirkungen der Kinderarbeit an. Wie bei anderen öffentlichen Aufgaben, liegt auch im sozialen Bereich das Problem weniger in fehlenden Gesetzen und Instrumentarien, sondern eher in Umsetzungsdefiziten und fehlendem politischen Willen. Bereits seit 1951 gilt das Arbeitsgesetz Nr. 1, welches Kindern unter 14 Jahren die Arbeit verbietet. Wegen des fehlenden Instrumentariums zur Umsetzung kam das Gesetz jedoch nie zur Abwendung und noch 1992 wurde die Existenz der Kinderarbeit vom Arbeitsministerium schlichtweg geleugnet.
In Indonesien besteht Schulpflicht. Sie wurde vor einigen Jahren auf neun Jahre verlängert, wovon sechs Jahre auf die Grundschule (SD) und drei Jahre auf eine weiterführende Schule (Junior High School, SMP) entfallen. Obwohl Schulgebühren seit langem abgeschafft sind, fallen für die ärmere Bevölkerung nicht unerhebliche Kosten für den Erwerb von Schuluniformen und Lehrmaterialien an. Viele Kinder der ärmsten Bevölkerungsschichten müssen zudem von klein auf etwa als Zeitungsverkäufer oder Schuhputzer zum Familienunterhalt beitragen und haben somit keine Zeit, die Schule zu besuchen. Somit ist zu erklären, daß trotz der Schulpflicht etwa 20% der Kinder niemals eine Schule besuchten und viele weitere die Schule vor dem Abschluß wieder verlassen. Alarmierend sind Berichte, nach denen die Zahl der zur Schule gehenden Kinder in Folge der Asienkrise auf nur noch ca. 50% gesunken ist.
Trafitionelle Themen von Kinderhilfsorganisationen sind elternlose Kinder, behinderte Kinder und das Erziehungswesen. Später kamen die Arbeitsbereiche Kinderarbeit und Probleme von Straßenkindern hinzu. In den letzten Jahren wurde zudem die Kinderprostitution zunehmend zum Thema, die nach Angaben von Kinderschutzorganisationen rapide zunimmt. Gefördert werden u.a. Erziehungsprojekte, die im Gegensatz zur disziplinarisch ausgerichteten Schulbildung die Steigerung der Kreativität der Kinder in den Mittelpunkt stellen. Zielgruppe solcher Projekte sind in der Regel Kinder, die nicht am offiziellen Schulsystem teilhaben. Einige Organisationen unterhalten Anlaufstellen, wo sich Straßenkinder oder arbeitende Kinder ausruhen und waschen können und Möglichkeiten zur Freizeitbeschäftigung und zum Lernen geboten bekommen.
Die staatliche Familienwohlfahrtsorganisation PKK (Pembinaan Kesejahteraan Keluarga), 1972 gegründet, richtet sich an die dörflichen Frauen, die entsprechend der indonesischen Entwicklungsideologie für die Fürsorge der Familie zuständig sind. Neben der Vermittlung der Pancasila-Prinzipien werden Kurse zu Ernährung, Kleidung, Erziehung, Handarbeiten, Gesundheitsversorgung, Förderung des kooperativen Zusammenlebens, Schutz der Umwelt und zur häuslichen Planung angeboten. Viele Frauen haben, da sie für den lebensnotwendigen Unterhalt der Familie sorgen müssen, jedoch schlicht keine Zeit diese Kurse zu besuchen.
Die Belange bestimmter marginalisierter Bevölkerungsgruppen, wie z.B. die ländliche Bevölkerung, Becakfahrer, MüllsammlerInnen oder LastenträgerInnen werden von zahlreichen, meist kleineren Nichtregierungsorganisationen vertreten, deren Arbeit meist auf die Verbesserung der Lebensumstände der Betroffenen, die Stärkung ihrer Rechtsposition im Umgang mit Behörden und dieverbesserte soziale Anerkennung der Betroffenen abzielt.
Sozialministerium: Menteri Sosial
Arbeitsministerium
(zuständig für JAMSOSTEK): Menteri Tenaga Kerja
Weitere relevante Adressen zum Versicherungswesen s. Kapitel ArbeiterInnen
Relevante Adressen zu sozialen und humanitären Hilfsangeboten s. Kapitel Religion
Relevante NGOs zu Kinderarbeit, Straßenkinder etc.:
in Deutschland:
terre des hommes BR Deutschland
e.V.
Darstellung s. Kapitel ArbeiterInnen
in Indonesien:
PKPA - Pusat Kajian dan Perlindungan Anak
Yayasan Pondok Rakyat Kreatif (YPRK)
LSPPA - Lembaga Studi dan Pengembangan Perempuan dan Anak
international:
Relevante NGOs im Bereich marginalisierte Gruppen, soziale Gerechtigkeit: