Indonesien: Panikmache darf Dialog nicht zerstören

icon_audioRadio Vatikan 30. Dezember 2009

logo radio vatikanWie die indonesische Polizei erst jetzt mitteilt, hat eine Gruppe unbekannter Angreifer bereits Anfang Dezember auf Java eine evangelische Hauskirche zerstört. Auf der Insel Java kommt es immer wieder zu Aggressionen militanter Moslems gegen Christen. Zuletzt randalierte eine Gruppe von rund tausend Moslems in einer noch nicht fertig gebauten katholischen Kirche. Die Länderexpertin Marianne Klute von der Menschenrechtsorganisation „Watch Indonesia!“, die bis zum Dienstag selbst auf Java gewesen ist, beschreibt Radio Vatikan ihre Eindrücke:

„Es sind mehrere Vorfälle zu verzeichnen. Anfang Dezember und sogar auch in den Weihnachtsfeiertagen sind mehrere Kirchen angegriffen worden, nämlich in der Nähe der Hauptstadt Jakarta. Vermuten kann man schon, dass bestimmte politische Interessen dahinterstecken, die sich dann in einem Machtkampf äußern, der die entsprechenden Differenzen in der Gesellschaft ausnutzt und provoziert, um Unruhe zu stiften. Es könnten zum Beispiel Feinde des amtierenden Präsidenten dahinterstecken; es könnten auch militärische Kreise dahinterstecken… Aber das sind nur Vermutungen.“

Den Hintergrund für die erneuten Ausschreitungen stelle gesellschaftliche Intoleranz dar, so Klute:

„Man kann vielleicht sagen, dass die indonesische Gesellschaft, viele indonesische Menschen, sehr leicht aufzuhetzen und vielleicht auch zu manipulieren sind. Und dass die Angst vor anderen Religionen geschürt wird. Das ist auch die Aussage von Kirchenkreisen, zu denen ich Kontakt habe. Diese sagen: Die Hauptursache für die jetzigen Angriffe auf Kirchen ist eher in Tendenzen von Veränderung der demographischen Verhältnisse zu sehen, also in der Urbanisierung. Es ziehen Menschen von christlichen Gebieten in die Hauptstadt und siedeln sich im Umkreis an – das ruft dann Angst hervor. Umgekehrt ziehen sehr viele Muslime in christliche Gebiete. Das ist etwas, was in Indonesien noch nicht erledigt ist: Die gesellschaftliche Toleranz gegenüber Minoritäten.“

Scheinbar haben die Aggressionen von Moslems gegen Christen in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten islamischen Staat der Welt, generell zugenommen. Doch ist das wirklich so? Marianne Klute warnt vor Panikmache und sieht vielmehr – dank kirchlicher und staatlicher Bemühungen – eine rückläufige Tendenz:

„Die Anstrengungen des interreligiösen Dialoges haben Früchte getragen, und ich würde eher vermuten, dass das hier Einzelfälle sind. Noch nicht einmal besonders erfolgreiche Einzelfälle! Und aus den Diskussionen mit Partnern aus der katholischen Kirche ist mir klar, dass die Polizei gerade bei den Ereignissen um die Weihnachtszeit sehr wohl eingegriffen und verhindert hat, dass die Kirchen abgebrannt worden sind.“ <>

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