Islam in Indonesien

Islam verstehen, Sympathie Magazin Nr. 26, März 2003

herausgegeben vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung, Ammerland

Petra Stockmann

sm_islamMit seinen traumschönen Stränden und seinen freundlichen Menschen ist Bali für Touristen das Herz des indonesischen Inselreichs. Und so war auch hier der Schock groß, als die Insel im Herbst 2002 ein Opfer des Terrors wurde. Viele Menschen bei uns erfuhren erst nach diesem Ereignis, dass Indonesien mit über 180 Millionen  Muslimen das bevölkerungsreichste islamisch geprägte Land ist. Der Beginn der Islamisierung jenes 17.508 Inseln umfassenden Gebietes, welches seit der Unabhängigkeit von der niederländischen Kolonialmacht 1945 die Republik Indonesien bildet, variierte ebenso stark wie die Errichtung islamischer Herrscherhäuser: in Aceh zu Beginn des 13., auf Java Mitte des 16. und in Süd-Sulawesi während des 17. Jahrhundert.

Im indonesischen Kontext wird oft zwischen abangan- und santri-Muslimen unterschieden: Während erstere eine synkretistische Form des Islam leben, d.h. sich in ihrer Religionspraxis der Islam mit Elementen aus Buddhismus, Hinduismus und anderen vorislamischen Glaubenssystemen vermischt, hängen letztere orthodoxeren Formen des Islam an. Die traditionalistische orthodoxe Strömung vereinigt viele ihrer Anhänger in der 1926 gegründeten Massenbewegung Nahdlatul-Ulama, die lange Abdurrahman Wahid geleitet hat, ehe er 1999 Staatspräsident wurde. Eine modernistische Entsprechung bildet die bereits 1912 gegründete Muhammadiyah, der einst Amien Rais vorstand, der heutige Präsident einer der beiden Kammern des Parlaments.

Auf die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Staat gibt es auch in Indonesien viele Antworten: Die Befürworter der Forderung, in Indonesien für alle Muslime die Schari’a verbindlich zu machen, konnten sich bisher für das ganze Land nicht durchsetzen: In die heute noch gültige Verfassung von 1945 hatte ein solcher Passus trotz vieler Versuche keinen Eingang gefunden. Allerdings ist in Aceh mit der Autonomie auch die Schari’a eingeführt worden.

Islamische und islamistische Parteien haben nach dem Sturz Suhartos wieder an Einfluss gewonnen – wobei sich aber nicht einmal alle im Parlament vertretenen Parteien auf den Islam als einzige Grundlage beziehen, sondern durchaus auch noch auf die Staatsideologie der „Fünf Prinzipien“ (Pancasila). Radikale islamistische Bewegungen, gewaltbereite eingeschlossen, haben eine lange Geschichte in Indonesien, zu deren Verständnis immer die Rolle des Regimes mit betrachtet werden muss. Sie sind gesellschaftlich ein Randphänomen, gegen das der Protest aus der islamischen Mitte jedoch manchmal nicht klar genug vernehmbar ist. <>

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