Der indonesische Tropenwald und die Klimaerwärmung

Krupuk Nomor 28, Sommersemester 2008

Semesterinfo für die Fachschaft MalaiologieUniversität Köln

krupukDie Tropenwälder in Indonesien sind bald vernichtet. Gründe dafür sind unser hoher Konsum, aber auch die indonesische Politik. Umweltkatastrophen sind die Folge. Der Verlust der Tropenwälder ist mit dafür verantwortlich, dass sich die Erde von Jahr zu Jahr weiter erwärmt. Marianne Klute, eine Umweltaktivistin aus Berlin, stellt in diesem Interview kurz und knapp die Zusammenhänge dar. Die Fragen stellte Boboy Simanjuntak

Krupuk: Guten Tag, Frau Klute!

Frau Klute: Guten Tag!

Krupuk: Alle reden zurzeit über Klimaveränderung und Treibhausgase. Was heißt eigentlich Treibhaus?

Frau Klute: (sie legt zunächst ihre Brille ab) Also, in der Industrie, in Motoren, in der Landwirtschaft und bei biologischen Prozessen entstehen Gase, wie z.B. Kohlendioxid, Wasserdampf und Methan. Diese Gase verbleiben in der Lithosphäre und wirken wie ein Glasdach, unter dem es immer wärmer wird. Die Konzentration von Kohlendioxid ist seit der Industrialisierung deutlich angestiegen, damit verbunden steigt die Durchschnittstemperatur auf unserem Planeten. Wissenschaftler rechnen damit, dass in unserem Jahrhundert diese Folgen große Verluste, Schäden und Kosten verursachen werden. Es ist sogar möglich, dass das ganze System zusammenbricht. Deswegen muss eine richtige Politik dafür sorgen, dass nicht so viele Treibhausgase entstehen und dass gleichzeitig die Systeme, die die Treibhausgase speichern können, nicht zerstört werden, wie zum Beispiel die Tropenwälder!

Krupuk: Die Treibhausgase in Indonesien sind sehr hoch. Erzählen Sie mal bitte, warum?

Frau Klute: Beginnen wir mit den Pflanzen, insbesondere den Tropenwäldern, weil sie große Mengen Kohlenstoff speichern, der bei den jährlichen Waldbränden als Kohlendioxid in die Luft geht. Jedes Jahr werden – besonders in Indonesien – Millionen Hektar Wald abgeholzt. Kleinholz und Reste werden einfach abgebrannt. Wenn der Wald weg ist, trocknen die Böden aus. Oft entzünden sich dann Feuer von selbst. Das ist besonders dramatisch, wenn die Torfwälder und die Torfböden brennen. Nirgendwo sonst auf der Welt wird so viel Wald durch Feuer vernichtet wie in Indonesien. Deswegen ist Indonesien der Staat mit den dritthöchsten Emissionen. (Frau Klute zeigt eine Statistik)


(Quelle: PEACE, Indonesia and Climate Change, März 2007)

Krupuk: Warum verschwindet von Jahr zu Jahr immer mehr Naturwald, obwohl die indonesische Regierung Gesetze und Sanktionen gegen illegale Abholzung verabschiedet hat?

Frau Klute: Ein Grund ist der hohe Verbrauch von Tropenholz und die großen Profite. Das sind externe, globale Ursachen. Ein interner Grund ist Korruption. Außerdem betrachtet die indonesische Regierung den Wald nur unter dem Aspekt der Produktivität und vergibt allzuleicht Genehmigungen. Diese werden von fast allen Holzunternehmen missbraucht.

Krupuk: Werden die Wälder abgeholzt und abgebrannt, damit dort Palmölplantagen entstehen?.

Frau Klute: Stimmt. Wir haben festgestellt, dass die meisten Feuer dort gelegt werden, wo angeblich Ölpalmen angebaut werden sollen. Aber in Wirklichkeit wollen die Unternehmen erstmal das wertvolle Holz. Dann wird der Rest abgebrannt, um den Boden vorzubereiten. Warum mit Feuer? Die Unternehmen behaupten, dafür gebe es „keine Technik und keine Maschinen.“ Aber nur ein Viertel oder noch weniger wird tatsächlich Plantage. 20 bis 40 Millionen Hektar sind degradiert, im Vergleich dazu sind 7,4 Millionen Hektar mit Ölpalmen bepflanzt.

Krupuk: Was kann man mit dem Palmöl herstellen?

Frau Klute: Das meiste Palmöl geht in die Nahrungsmittelindustrie (Margarine, Kekse, Schokoriegel) und in die Waschmittelindustrie (Seife, Waschpulver, Kosmetik). Die neuen Plantagen allerdings sollen Palmöl für Autos und Strom-Wärme produzieren. Palmöl ist besonders beliebt, weil es im Vergleich zu anderen Pflanzenölen billig ist.

Krupuk: Die indonesische Regierung ist der Meinung, dass Palmölplantagen ein großes Potential für das Wirtschaftswachstum haben. Was für Programme und Planungen hat die Regierung noch?

Frau Klute: Indonesien will Arabien als weltgrößten Ölproduzent überholen, und zwar mit Palmöl! Geplant sind 20 Millionen Hektar neue Palmölplantagen bis 2025. Darüber hinaus sollen auch Megaplantagen für Jatropha (Brechnuss) entstehen, aus denen man ebenfalls Agrodiesel herstellen kann. Man setzt aber auch auf „Bio“ethanol aus Zuckerrohr und Tapioka. Dazu kommen 19 neue „Bio“ Dieselfabriken. Zwei sind schon im Bau.

Krupuk: Welche Rolle spielen die Industrieländer beim Biodieselboom? Haben sie nur Interesse, ihren eigenen Bedarf zu stillen?

Frau Klute: (Frau Klute trinkt zunächst indonesischen Kaffee)… Die Industrieländer haben den höchsten Energieverbrauch und decken ihn vor allem mit fossilen Brennstoffen. Die neue Energie- und Klimapolitik will, dass ein Teil davon mit Erneuerbaren Energien gedeckt wird. Dazu wird auch Biomasse gezählt, also auch Pflanzen, deren Öl oder Stärke für die Produktion von Energie genutzt werden. Die große Frage ist: wo sind die riesigen Flächen, die dafür notwendig sind? Die Antwort: In den tropischen Ländern. Die Umwandlung von Regenwald und Ackerland in riesige Monokulturen erzeugt dort ökologische Probleme und soziale Konflikte in einer neuen Dimension. Deswegen wenden wir uns sehr dagegen, dass die Industrieländer nur an ihren eigenen Bedarf und nicht an die Folgen für andere denken! Zerstörung der Ökosysteme, Verteilungskämpfe, und steigende Armut schlagen letzendlich auf alle Menschen zurück. Deswegen muss ein Umdenken einsetzen. Es ist nicht mehr möglich, auf dem gleichen Niveau die Ressourcen unserer Erde zu verbrauchen.

Krupuk: Die indigene Bevölkerung ist bedroht. Wie schlimm ist die Lage bei ihnen?

Frau Klute: Ohne den Wald haben sie nichts mehr zu essen. Sie haben kaum eine Chance gegen die zugewanderten Plantagenarbeiter. Ihre Kultur ist eng mit dem Wald verbunden. Sie verlieren ihre Identität. In Indonesien sind etwa 45 Millionen Menschen vom Wald abhängig

Krupuk: Wie sehen die weiteren Gefahren aus?

Frau Klute: Die Klimaerwärmung hat andere Folgen, unter denen besonders die Armen in den Staaten des Südens leiden: Mehr Stürme und Überschwemmungen, andererseits auch längere Trockenzeiten. Viele Tiere und Pflanzen sind vom Aussterben auch bedroht, weil ihr Habitat zerstört ist. Die Artenvielfalt nimmt dramatisch ab. Da der Boden nicht mit Wald bedeckt ist, kommt es zu Erosion. Der Wasserkreislauf ist gestört, es kommt zu häufigen Hochwassern. Auch das lokale Wetter ändert sich, was der Landwirtschaft Probleme schafft.

Krupuk: Sie waren letztes Jahr als Teilnehmer bei dem internationalen Klimakongress in Bali. Was wurde auf dem Kongress beschlossen?

Frau Klute: Herausgekommen ist eine Road Map, die den Weg vorgibt bis zur Klimakonferenz 2009, wenn über das Kyoto-Nachfolgeabkommen entschieden werden soll. Es wurde festgestellt, dass die Emissionen reduziert werden müssen, und zwar von allen Staaten, auch den Entwicklungsländern. Leider fehlen genaue Zahlen und Verpflichtungen, wie stark die Emissionen reduziert werden sollen. Weiterhin sind die Industriestaaten gefordert, klimafreundliche Technologien zur Verfügung zu stellen und bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen (wie z.B. Deiche) und Anpassungsprogrammen an den Klimawandel zu helfen, nicht zuletzt finanziell. Ein neuer Punkt ist, dass in Zukunft Geld für den Schutz der Wälder bereitgestellt werden soll. Wir befürchten aber, dass dieser Ansatz nur ausgewählte Wälder retten und auf Kosten der Indigenen gehen wird, denen der Zugang verwehrt werden könnte.

Krupuk: Gibt es Innovationen oder gute Alternativen im Bezug auf die erneuerbare Energie?

Frau Klute: Viele neue Technologien sind schon ziemlich weit fortgeschritten. Sonne, Wind, Thermalenergie, Hybridmotoren. Aber Pflanzenöle oder Biomasse allgemein sollten nicht in Großmaßstab als erneuerbare Energien betrachtet werden. Wichtiger als nur auf Alternativen zu setzen wären Sparen und Technologien, die wenig Energie verbrauchen.

(Der Interviewer bedankt sich bei Fr. Klute für das interessante Interview und fährt sofort nach Köln zurück).

Marianne Klute ist Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation Watch Indonesia! in Berlin und dort für den Bereich Umwelt verantwortlich. www.watchindonesia.org

www.uni-koeln.de/phil-fak/fs-malaio

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