gemeinsamePresseerklaerung

Gemeinsame Erklärung zur anstehenden Volksbefragung in Ost-Timor

Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz

11.08.1999 PRD99-047

Bischof Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und EKD-Ratsvorsitzender, Präses Manfred Kock

DBK_Banner-125-100Nach vielen Jahren der Verweigerung hat die indonesische Regierung endlich den Weg frei gemacht für eine Volksbefragung, bei der die Ost-Timoresen über ihre Zugehörigkeit zu Indonesien bzw. über die Unabhängigkeit entscheiden werden. Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich. Den unter UN-Vermittlung am 5. Mai 1999 in New York zwischen Indonesien und Portugal ausgehandelten Vertrag zur Durchführung einer Volksbefragung sehen wir als großen Erfolg internationaler Diplomatie und als eine Hoffnung für Frieden und Freiheit der Menschen in Ost-Timor. Zugleich teilen wir mit vielen Gläubigen in unseren Kirchen zutiefst die Sorge, dass der so vielversprechend begonnene Friedensprozess in dem von Indonesien besetzten Ost-Timor zum Erliegen kommt. Grausame Gewaltakte pro-indonesischer Milizen gefährden im wachsenden Maße diesen Prozess, ja drohen sogar das Referendum über die Zukunft Ost-Timors ganz scheitern zu lassen. Dabei hat gerade der Vertrag über die Volksbefragung unsere katholischen und protestantischen Partner in Ost-Timor und auch uns selbst Hoffnung schöpfen lassen, dass es bald zu einem Ende des seit der indonesischen Invasion 1975 andauernden Konflikts käme. Schätzungsweise 200.000 Menschen sind diesem Konflikt zum Opfer gefallen. Die auch besonders von Ian Martin, dem Leiter der UN-Mission für Ost-Timor (UNAMET), zum Ausdruck gebrachte Befürchtung eines Scheiterns der Mission ist alarmierend. So musste wegen gravierender Sicherheitsbedenken der Termin für die Volksbefragung bereits zweimal verschoben werden, zuletzt auf den 30. August 1999. Es muss daher alles dafür getan werden, dass das Volk Ost-Timors frei über seine Zukunft entscheiden kann. Wir haben mit Erschrecken Berichte zur Kenntnis genommen, wonach die genannten Milizen von indonesischer Seite mit Waffen ausgestattet worden sind und auch sonstige Unterstützung erhalten haben, die überhaupt erst das gewaltige Ausmaß ihrer Untaten ermöglicht hat. Allein seit dem letzten Mai mussten mehrere hundert Menschen ihr Leben lassen. Informationen von ost-timoresischen Organisationen besagen, dass aufgrund massiver Einschüchterungen und Übergriffe, die unter den Augen der indonesischen Sicherheitskräfte stattfinden, bereits mehr als 50.000 Menschen aus ihren Dörfern vertrieben oder zur Flucht veranlasst worden sind. Unter katastrophalen sozialen und hygienischen Bedingungen leben viele von ihnen derzeit in Flüchtlingslagern. Ihre Lage wird noch dadurch verschlimmert, dass Hilfsorganisationen häufig der Zugang zu ihnen verwehrt wird. Wir appellieren nachdrücklich an die indonesische Regierung, ihren vertraglich eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Dies bedeutet vor allem, für die Sicherheit der Bevölkerung Ost-Timors vor und während der von der UNAMET durchzuführenden Volksbefragung wirksam zu sorgen. Dazu gehört auch, dass sie die Milizen entwaffnet und so die Grundlage dafür schafft, dass sich alle für die Teilnahme an der Volksbefragung berechtigten Ost-Timoresen rechtzeitig registrieren lassen. Wir ersuchen die deutsche Bundesregierung, ihre Beziehungen zur indonesischen Regierung, insbesondere zu ihrem Präsidenten B. J. Habibie, dahingehend zu nutzen, dass diese ihrer Verantwortung für die Sicherheit der Bevölkerung Ost-Timors gerecht wird. Wir bitten sie zudem eindringlich, sich bei den UN und anderen multilateralen Organisationen dafür einzusetzen, gerade in der gegenwärtigen Lage Indonesiens die Wahrung der Menschenrechte zum Kriterium für Zusammenarbeit und Unterstützung zu machen. Wir anerkennen und unterstützen mit Nachdruck die langjährigen Friedensbemühungen der katholischen Kirche auf Ost-Timor sowie die ihrer protestantischen Schwestern und Brüder. Wir ermutigen Bischof Carlos Ximenes Belo (Dili), Friedensnobelpreisträger des Jahres 1996, und Bischof Basilio do Nascimento (Baucau), in ihren Bemühungen um Gerechtigkeit und Frieden nicht nachzulassen; gleichermaßen sprechen wir unseren protestantischen Partnern in Ost-Timor Mut zu. Wir danken den kirchlichen Hilfsorganisationen – dem Diakonischen Werk, MISSIO-Aachen und MISEREOR – für ihren Dienst, den sie in Zusammenarbeit mit Watch Indonesia! erbringen, u. a. durch die Entsendung von Beobachtern. Wir erachten dies als mutiges und tatkräftiges Zeugnis der Solidarität mit den Menschen in Ost-Timor, von denen viele Opfer der Gewalt geworden sind. Wir rufen die Christen und die Gemeinden in Deutschland dazu auf, besonders in den Gottesdiensten am Vortag der Volksbefragung Sonntag, 29. August 1999, für die Menschen in Ost-Timor zu beten und sie in ihre Fürbitten einzuschließen. Herausgeber: Pater Dr. Hans Langendörfer SJ Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz Redaktion: Dr. Rudolf Hammerschmidt (verantwortlich); Dr. Martina Höhns Pressestelle@dbk.de www.dbk.de

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