Unruhen in Indonesien nach Hinrichtung von Christen

epd, 22. September 2006

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

epdFrankfurt a.M./Jakarta (epd). Nach der Hinrichtung dreier Christen ist es in Indonesien zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten steckten Autos in Brand und plünderten Geschäfte, wie der britische Sender BBC am Freitag berichtete. Die Christen waren zum Tode verurteilt worden, weil sie als Anführer christlicher Milizen im Jahr 2000 Anschläge auf Muslime verübt haben sollen. Menschenrechtsorganisationen sowie die EU und der Vatikan verurteilten die Hinrichtungen.

Zu den schlimmsten Krawallen kam es in West-Timor. In der Heimatstadt eines der Hingerichteten waren mehr als tausend Menschen auf den Straßen, plünderten und warfen Steine. In Palu, wo die drei Männer von einem Erschießungskommando exekutiert wurden, blieb es ruhig. Tausende Christen beteten in der katholischen Kirche für die Hinrichtungsopfer Fabianus Tibo, Marinus Riwu und Domingus Da Silva.

Der Vatikan äußerte sich bestürzt über die Hinrichtung der drei Katholiken. Die Erschießung der drei Indonesier sei eine «sehr traurige und schmerzliche Nachricht», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Donnerstagabend. «Jeder Vollzug einer Todesstrafe ist eine Niederlage für die Menschheit.»

Der Apostolische Nuntius in Indonesien, Albert Malcolm Ranjith, hatte noch wenige Stunden vor der Hinrichtung vergeblich versucht, bei der indonesischen Regierung zu intervenieren. Aus Furcht vor Ausschreitungen wurden die drei Männer in Palu an einem geheimen Ort erschossen. Laut Asianews wurden ihnen zuvor sowohl die Teilnahme an einer Messe sowie die Sterbesakramente verweigert.

Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete die Exekutionen als riesigen Rückschritt für die Menschenrechte in Indonesien. Die Wahl in den UN-Menschenrechtsrat im Mai dieses Jahres habe Anlass zu Hoffnung gegeben, dass Indonesien ein besseres Beispiel abgebe, sagte eine Sprecherin dem epd. Berichten zufolge wurden die Verteidiger im Prozess massiv bedroht.

Amnesty international kritisierte, dass Indonesien nicht dem Beispiel der Philippinen gefolgt sei, die Todesstrafe abzuschaffen. Watch Indonesia warnte, die Exekutionen würden «nur dazu führen, dass sich die Gewalt wieder verschärft».

In einer Erklärung der EU-Ratspräsidentschaft in Brüssel hieß es, man sei enttäuscht, dass Indonesien trotz zahlreicher Appelle die Urteile vollstreckt habe. Die EU forderte die indonesische Regierung auf, alle bestehenden Todesurteile auszusetzen.

Auf der indonesischen Insel Sulawesi leben rund 80 Prozent Muslime und 19 Prozent Christen. Nach Krawallen zwischen christlichen und muslimischen Gangs im Dezember 1998 war es immer wieder zu Ausschreitungen zwischen den Gruppen mit insgesamt 1.000 Toten gekommen. 2002 kam ein Friedensabkommen zu Stande. Auf muslimischer Seite wurden nur wenige Gewalttäter verurteilt. (epd)

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