Embedded in Aceh

Jungle World, Nummer 30 vom 16. Juli 2003

Jungle WorldIndonesien. Je heftiger die Kämpfe zwischen dem indonesischen Militär und der separatistischen Gam (Freiheitsbewegung von Aceh) im nordwestlichen Teil Sumatras werden, desto weniger erfahre man darüber, klagt die NGO Watch Indonesia. Zwar nannte am vorletzten Wochenende erstmals ein Militärsprecher genauere Zahlen: Seit dem Beginn des Militäreinsatzes Mitte Mai seien bisher mindestens 150 Zivilpersonen ums Leben gekommen, 71 gelten als vermisst; die Gam habe 325 Todesopfer zu verzeichnen, die eigenen Verluste lägen bei 28 Soldaten und vier Polizisten. Doch tatsächlich dürfte die Zahl der Opfer deutlich höher liegen. Die indonesische Menschenrechtsorganisation Kontras zählte bereits Mitte Juni 176 zivile Todesopfer.

Dass die Informationen so unterschiedlich ausfallen, liegt auch an der Nachrichtensperre, die Präsidentin Megawati Sukarnoputri über Aceh verhängt hat. Ausländische Journalisten werden an der Einreise gehindert, indonesische Reporter dürfen nur in Begleitung der Armee recherchieren. Die Regierung hat das von den USA übernommene Konzept des »embedded journalism« noch verschärft. Die Reporter müssen eine Armeeuniform tragen, von ihnen wird gefordert, wohlwollend über die Einsätze zu berichten, Angehörige der Gam dürfen nicht zitiert werden.

Dass die Kämpfe heftiger werden, bestätigte nach Angaben der New York Times in der vergangenen Woche indirekt der indonesische General Endriartono Sutarto. Er sprach von einem Krieg, der bis zu zehn Jahre dauern könne. Bisher hatte die Armee maximal sechs Monate für den Feldzug eingeplant und für diesen Zeitraum den Ausnahmezustand verhängt. <>

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