Menschenrechtler: Für Bevölkerung in Aceh gibt es keinerlei Schutz

epd-Gespräch, 23. Mai 2003
Indonesien/Konflikte/Menschenrechte

epdBerlin (epd). Die Menschenrechtsorganisation „Watch Indonesia“ hat sich tief besorgt über den Bürgerkrieg in der indonesischen Provinz Aceh geäußert. „Es gibt keinen Schutz mehr für die Bevölkerung, die indonesische Armee durchkämmt die Dörfer und terrorisiert die Menschen“, sagte Sprecherin Monika Schlicher in Berlin in einem epd-Gespräch. Auf der Suche nach Rebellen der Unabhängigkeitsbewegung „Freies Aceh“ (GAM) sei jeder verdächtig.

„Es wird sehr, sehr hart werden“, warnte Schlicher. Es gebe schon Berichte über willkürliche Erschießungen. Das Militär rechne mit 18 Monaten Krieg. Es gebe sogar Pläne, 200.000 Menschen in Lagern zu internieren, um in ihren Dörfern freie Bahn für die Kriegsführung zu haben. Mit der am Montag begonnenen Militäroffensive zur „Vernichtung“ der GAM-Rebellen verspiele die indonesische Regierung den letzten Kredit, den sie in Aceh noch habe.

„Auch wenn die GAM zerschlagen werden kann, wird es keinen Frieden in Aceh geben“, sagte Schlicher. Der Krieg werde nicht dazu beitragen, dass die Bevölkerung Vertrauen fasse: „Das ist eine endlose Spirale der Gewalt.“ Auch in den vergangenen Jahren hätten Militär und Polizei immer wieder Massaker in Aceh verübt. Der seit 1976 dauernde Konflikt hat rund 12.000 Opfer gefordert.

Das Scheitern des Friedensabkommens vom Dezember führte Schlicher darauf zurück, dass sich in beiden Konfliktparteien die „Hardliner“ durchgesetzt hätten. In Indonesiens Regierung und Armee seien dies „extrem nationalistische Kreise“, die jede internationale Vermittlung ablehnten. Und auch die Separatisten in Aceh hätten Mitglieder, „für die es nur den Kampf gibt“. (05355/23.5.2003) epd et bs

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