„Palmöl zerstört unser Leben“

Robin Wood Nr. 96/ 1.08, Februar 2008

http://www.robinwood.de/german/magazin/200801/96-34-37kolum.pdf

rowoDie großen Urwälder Sumatras sind längst abgeholzt. Aber in den Nationalparks und in den Bergen der indonesischen Insel gibt es noch immer schützenswerte Wälder mit einer überbordenden Tier- und Pflanzenwelt. Doch das Plündern geht weiter. Den Menschen auf Sumatra macht vor allem der wachsende Hunger der Industriestaaten nach billigem Palmöl zu schaffen. Peter Gerhardt und Christian Offer von ROBIN WOOD und Marianne Klute von Watch Indonesia! sprachen in Berlin mit Feri Irawan von der Umweltorganisation WALHI, dem indonesischen Zweig von Friends of the Earth.

? Palmöl aus Indonesien hat sich zueinem wichtigen Rohstoff für die Kraftstoff- und Lebensmittelindustrie entwickelt. Was bedeutet der Palmölboom für die Menschen in Indonesien?

! Die Folge ist, dass die lokale Bevölkerung ihre Lebensgrundlagen verliert. Allein in Jambi auf Sumatra haben 20.000 Familien Land an Plantagenunternehmen abgeben müssen. Nun ist das ehemalige Waldland mit Monokulturen wie Gummibäumen und Ölpalmen für den Weltmarkt bepflanzt. Die Einheimischen haben ihre Einnahmequellen verloren.

? Führende westliche PolitikerInnen sehen in dem Palmöl-Boom eine lukrative Verdienstmöglichkeit für Kleinbauern in Indonesien. Kannst Du das bestätigen?

! Nein, Palmöl bietet keinerlei Chancen für Kleinbauern. Schon heute gibt es sehr viele Probleme und Konflikte mit den Plantagen und ihren Betreibern. Und die Regierung tut nichts, um diese Probleme zu lösen. Sie ignoriert die traditionellen Rechte der einheimischen bzw. der indigenen Bevölkerung und spricht ihr die überlieferten Gemeinschaftslandrechte selten zu. Dabei hat die Regierung sogar das Gesetz auf ihrer Seite, da der Staat in Verfassung und Forstrecht Souverän über das Land ist. Die Plantagen werden von der Hauptstadt Jakarta aus am Reißbrett geplant. Die großen Konzerne hinterlassen ökologische Wüsten und eine unumkehrbar zerstörte Umwelt. Auf den Plantagen werden Pflanzengifte wie Paraquat eingesetzt, die in Europa längst verboten sind! Die Tagelöhner leiden unter Hauterkrankungen, Lungen- und Atemproblemen, die das Gift bei ihnen auslöst.

? Viele Unternehmen in Deutschland setzen auf Palmöl, das vom Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl, dem „Round Table on Sustainable Palm Oil“ (RSPO), zertifiziert wurde. Was hältst Du von dieser Initiative?

! Die Unternehmen im RSPO sehen nur ihre wirtschaftliche Interessen, so ist z.B. das beteiligte Unternehmen Syngenta der Produzent von Paraquat. Ein anderes Problem ist, dass die Kleinbauern im RSPO direkt von den Großunternehmen abhängig sind. Ihre Mitgliedschaft dient nur dem „Greenwashing“ der verheerenden Auswirkungen der indonesischen Energie-, Agrar- und Bevölkerungspolitik. Wir lehnen die Initiative des RSPO daher ab. Nach unseren Erfahrungen sind die Kriterien des RSPO nicht nachhaltig, nicht ausgewogen und nicht praktikabel. Ein Beispiel macht die Probleme vielleicht deutlich: Laut Gesetz müssen Plantagen in Indonesien Transmigranten beschäftigen. Das sind Menschen, die von der indonesischen Regierung zum Teil zwangsweise aus anderen Gegenden umgesiedelt wurden und nun unter teils unmenschlichen Bedingungen auf dem vergifteten Land schuften. Die Kleinbauern vor Ort haben von den Plantagen am allerwenigsten und werden gleich mehrfach betrogen! Sie müssen sieben bis acht Hektar ihres Landes abgeben und bekommen dafür zwei Hektar mit Ölpalmen bepflanztes Land. In den ersten vier bis fünf Jahren bringen die Plantagen ihnen aber kein Einkommen. Die Bauern sind in dieser Zeit komplett von dem Konzern abhängig, da sie alle Wirtschaftsgüter teuer bezahlen müssen und von der Infrastruktur des Konzerns abhängen. Die Folgen dieser Praxis sind die Verarmung der Bevölkerung und ein zerrüttetes Sozialgefüge mit vielen gesellschaftlichen Konflikten.

? Was können Unternehmen und VerbraucherInnen in Deutschland tun?

! Die Abhängigkeit von Palmöl muss drastisch reduziert werden. Die Industrieländer sollten Energie sparen und die Energie-Effizienz verbessern! Jedes nicht effizient genutzte Quantum an Energie in Deutschland bürdet Indonesien zusätzliche ökologische und soziale Lasten auf.

Tipp: „Die Biosprit-Falle. Indonesiens Wald in Gefahr“, Film von Inge Altemeier, zu beziehen über: hornungtv@t-online.de

Feri Irawan, 33, lebt mit seiner Frau und Tochter in der indonesischen Provinz Jambi auf der Insel Sumatra. Seit seiner Jugend engangiert er sich für Menschenrechte und Natur in Indonesien, vor allem in seiner Heimat Jambi. Er ist seit 2002 Direktor der indonesischen Umweltschutzorganisation WALHI Jambi. Feri kämpft vor allem gegen den illegalen Holzeinschlag. In Zusammenarbeit mit anderen NGOs vor Ort ist es Feri gelungen, mehrere Mafiaringe auffliegen zu lassen, die Nationalparks auf Sumatra durch Raubbau zerstören. Feri kämpft mit friedlichen Aktionen und Demonstrationen für die Landrechte der Bauern und der indigenen Waldnomaden. Manchmal hat er damit Erfolg: Erst kürzlich musste einer der größten und korruptesten indonesischen Konzerne, Sinar Mas, Bauern aus Jambi einige Hektar seines vor sechs Jahren gestohlenen Landes zurückgeben.

Kontakt: WALHI Jambi, walhi_jfed@yahoo.com

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