Ost-Timor: Viele Tote in der Residenz von Bischof Belo

KNA, 06. September 1999

Indonesien/Ost-Timor/Gewalt

knaDili, 6.9.99 (KNA) Auf Ost-Timor eskaliert die brutale Gewalt pro-indonesischer Milizen immer mehr. In der Nacht zum Montag wurden nach Angaben einer deutschen Beobachterin zahlreiche Menschen getötet, in der Hauptstadt Dili brenne es an vielen Ecken. Auch die Residenz des Bischofs von Dili, Carlos Filipe Ximenes Belo, wurde gestürmt, der Bischof soll selber verletzt sein. Bei dem Angriff sollen mindestens 25 Menschen, vermutlich alles Flüchtlinge, getötet worden, berichtete Anna Blume am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) aus Dili. «Es ist absolut wichtig, sofort eine internationale Friedenstruppe zu entsenden», sagte sie. Die internationalen Wahlbeobachter wurden am Montag evakuiert; dabei wurden nach unbestätigten Berichten auf dem Weg zum Flughafen mehrere Fahrzeuge einer indonesischen Menschenrechtsorganisation beschossen.

Die Milizen stürmten am Montagmorgen den Bischofssitz, in dessen Garten Belo am Sonntag noch in kleinem Kreis die Messe gefeiert hatte, und verletzten ihn nach unbestätigten Angaben durch Schüsse. Wie schwerwiegend die Verletzungen sind, ist bislang nicht bekannt. Von ost-timoresischer Polizei hieß es dagegen, Belo sei wohlauf; er sei von einem Polizeihubschrauber nach Baucau, 115 Kilometer östlich von Dili, ausgeflogen worden. Nach kirchlichen Angaben hatten in der Bischofs-Residenz rund 6.000 Menschen Zuflucht vor den Milizen gesucht. Sie sollen ebenfalls angegriffen und verschleppt worden sein. Die Milizen sollen gleichzeitig den Sitz des Roten Kreuzes überfallen haben. Dort befanden sich weitere 2.000 Flüchtlinge, die vor dem Terror der pro-Indonesischen Gruppen Schutz gesucht hatten. Die deutliche Mehrheit der Ost-Timoresen hatte sich vor einer Woche bei einer von den Vereinten Nationen organisierten Volksabstimmung für eine Unabhängigkeit der Insel von Indonesien entschieden.

Hundert Tote in einem Vorort

Nach Angaben Blumes gestaltet sich die Nachrichtenlage auf Ost-Timor immer schwieriger. Aus vielen Dörfern, die unter der Kontrolle der Milizen sein, kämen keine Informationen mehr. Während der Nacht seien in Dili fast ständig automatische Waffen zu hören gewesen, was auch auf Aktivitäten der indonesischen Armee schließen lasse. Blume sagte weiter, allein aus dem Vorort Bekora seien am Montagmorgen rund 100 Tote gemeldet worden. Die Milizen hätten das Haus der wichtigen Menschenrechtsorganisation Yayasan Hak abgebrannt auch das Quartier des Internationalen Roten Kreuzes, dessen elf Mitarbeiter am Montag ausgeflogen wurden, wurde gestürmt. Milizen trieben tausende Flüchtlinge, die sich auf dem Gelände befanden, zum Strand. Auch die Vertreter der Nichtregierungsorganisationen, darunter noch acht Deutsche, mussten in der Nacht wegen Angriffen ihr Quartier verlassen.

Unterdessen vermehren sich nach australischen Medienberichten Indizien, wonach die indonesische Armee die Massaker auf Ost-Timor organisiert. Dem «Sydney Morning» liegt nach eigenen Angaben ein internes Papier eines UN-Mitarbeiters vor, das eine Verstrickung der Armee Jakartas unterstreiche.

Die Führer der pro-indonesischen Paramilitärs lehnen das Wahlergebnis ab. Sie werfen der Kirche vor, auf der Seite der Unabhängigkeitsbefürworter zu stehen. Nach Angaben aus Kirchenkreisen begannen die Angriffe auf kirchliche Einrichtungen bereits am Sonntag. Dabei soll am Nachmittag (Ortszeit) ein Diözesangebäude im Zentrum von Dili in Flammen aufgegangen sein. Mehrere Flüchtlinge, die sich in dem Haus befanden, sollen dabei den Tod gefunden haben. Katholische Ordensgeistliche aus Ost-Timor hatten am selben Tag die Weltgemeinschaft aufgefordert, die brutale Gewalt von Gegnern der Unabhängigkeit der Insel zu beenden. Nach Angaben einer katholischen Ordensfrau sind allein in Panik verängstigte 300 Frauen und Kinder in ihren Konvent geflüchtet, nachdem ihre Häuser angezündet wurden. In anderen Kirchen und kirchlichen Häusern der Stadt, die zum Teil gezielt angegriffen würden, sollen sich Tausende Flüchtlinge aufhalten. <>

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