Deutsche Helfer beginnen mit Evakuierung

Berliner Zeitung, 03. September 1999

Angst vor Bürgerkrieg führt zu Massenflucht in Osttimor

BerlinerZeitungBERLIN/DILI, 2. September. Nach erneuten Übergriffen pro-indonesischer Milizen versuchen am Donnerstag zahlreiche ausländische Journalisten und Wahlbeobachter, Osttimor zu verlassen. Auch die zehn deutschen Beobachter bereiteten ihre Evakuierung vor. “Wir haben Probleme, unsere Teams aus dem Inland herauszuholen”, sagte “Watch Indonesia”-Mitglied Volker Stapke aus der Hauptstadt Dili im Gespräch mit der “Berliner Zeitung”. Pro-indonesische Milizen hätten mit Straßensperren die Kontrolle über den Verkehr bekommen. Nach Berichten der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa töteten die Milizen am Donnerstag zwei einheimische Helfer der Vereinten Nationen beim Angriff auf ein Studentenheim.

Stapke zufolge gibt es Gerüchte, dass das indonesische Militär plötzlich aus Osttimor abziehen werde, falls das Ergebnis der Abstimmung für die Unabhängigkeit Osttimors ausfällt. In diesem Falle hätten die bis zu 10.000 bewaffneten Mitglieder der Milizen völlig freie Hand, und die Jagd auf Gegner der Unabhängigkeit könnte zum Bürgerkrieg führen. Schon am Donnerstag verließen Tausende Einwohner die Stadt Dili aus Angst vor weiteren Angriffen der bewaffneten Milizen.

Am Donnerstag trafen sich in Dili die Wahl-Beobachter zu Krisensitzungen, um über die Evakuierung zu beraten. Die Einschätzungen der vertretenen Länder seien sehr verschieden. “Aber wir wollen so lange wie möglich vor Ort bleiben”, so Stapke. (mit dpa)

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