Umwelt und Ressourcen indigener Völker in der Asien-Pazifik Region

Rundbrief Pazifik-Netzwerk, Nr. 96 ~ 2-14, Juni 2014

Kooperationstagung von Pazifik-Netzwerk e.V. und West Papua Netzwerk in Berlin, 21. bis 22. Mai 2014

Pazifik_Netzwerk_logoRund 65 Teilnehmende aus verschiedensten Organisationen, wie u.a. der Asienstiftung, Brot für die Welt, CAREA e.V., EED, Forum Menschenrechte, Friedrich Ebert Stiftung, Leibniz Center, MISEREOR, Peace Brigades, Robin Wood, VEM, Watch Indonesia! sowie zahlreiche interessierte Privatpersonen nahmen an der ersten gemeinsamen Tagung von West Papua Netzwerk und Pazifik-Netzwerk e.V. teil.

Auf der englischsprachigen Tagung ging es thematisch um die Ausbeutung der vor allem fur die modernen Industriegesellschaften so notwendigen Ressourcen und der damit verbundenen Zerstörung der Lebensgrundlagen indigener Völker zu Lande und zu Wasser. Die Landbesitzer erhalten fur den oft mit Gewalt und Menschenrechtsverletzungen einhergehenden Landraub kaum oder gar keine Kompensation durch die meist internationalen Konzerne. Welche Konflikte und Krisen daraus entstehen wurde durch die Referent/-Innen in Länderbeispielen und in Workshops erörtert, sowie über mögliche Lösungsansatze diskutiert.

Ziele der Tagung waren die Reflektion der Verknüpfung von Rohstoffausbeutung und Verletzungvon Menschenrechten, und eine Diskussion über die Verantwortlichkeiten in der Welt. Wie kann dabei auch die deutsche Zivilgesellschaft die Aktivisten in der Region unterstützen?

Die Tagung wurde von Marion Struck- Garbe (Pazifik-Netzwerk e.V.), Norman Voß (West Papua Netzwerk) und Julia Ratzmann (Pazifik-Infostelle) vorbereitet.

Der Eröffnungsvortrag: „Die Rohstoffproblematik in der asiatisch-pazifischen Region“ von Sven Hilbig, Referent fur Welthandel und globale Entwicklungspolitik, Brot für die Welt, gab eine Einfuhrung ins Thema und zeigte vor allem die rasante Entwicklung im Anstieg des Bedarfs an Rohstoffen und die Auswirkung dieser Ausbeutung auf die Umwelt und die Bevölkerung in den betroffenen Ländern. Bei den anschließenden „Questions & Answers“ wurde auch auf die Rolle Europas als Hauptimporteur hingewiesen und welche Konsequenzen dies fur unseren Konsum – Stichwort Smartphones – haben könne.

Leonard Imbiri aus West Papua ging mit seinem Vortrag „Ressourcenausbeutung in West-Papua“ direkt auf die Situation in seiner Heimat ein. Er ist Gründer und Direktor der Organisation „Yayasan Anak Dusan Papua „ (YADUPA), die sich fur die Rechte der indigenen Bevölkerung West Papuas einsetzt. Die drei Hauptprogramme der Organisation sind die Förderung und Entwicklung der Gemeinden, Training zu Umweltschutzaspekten sowie kulturelle Förderung. Außerdem ist Imbiri Generalsekretar des Papua Customary Council. Er schilderte anschaulich die Bedingungen in West Papua, angefangen von der immer wieder neuen Aufteilung des Landes in Provinzen und Distrikte, dem Mangel an Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitswesen, Einschüchterungen, willkürliche Verhaftungen, Morde und den fortschreitenden demographischen Wandel in West Papua, wo vor allem in den städtischen Zentren die Papuas zu einer Minderheit geworden sind. Leonard Imbiri wunscht sich vor allem eine große Solidarität und Allianz zwischen den NGOs, Vertretern von Politik und Kirche mit den Menschen in West Papua und die Intensivierung des Dialogs.

Nach der Mittagspause gab es einen weiteren sehr interessanten Vortrag von Rosa Koinan, Netzwerk Koordinatorin der Bismarck Ramu Group aus Madang / PNG. Rosa Koinan ist eine beeindruckende Rednerin und seit langem engagiert als Aktivistin in der Arbeit innerhalb der lokalen Gemeinschaften, aber auch als Vertreterin bei UN Konferenzen. Die BRG arbeitet u.a. zu den Folgen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit der Menschen der Provinz Madang in Papua-Neuguinea. Schwerpunkt ist die Arbeit mit lokalen Gemeinschaften im Bereich des Empowerment, Capacity Building und Durchfuhrung von Kampagnen zu Land- und Sea-Grabbing. Mit ihrem Statement am Anfang „It‘s our land, it’s our resources” und dem Titel ihres Vortrags „Minenprojekte und Landraub in Papua-Neuguinea“ weist sie auf die Ausbeutung der Rohstoffe durch internationale Konzerne hin.

Eine entferntere Region wurde von Dr. Annette Breckwoldt vom Institut für Marine Tropenökologie (ZMT) in Bremen in den Mittelpunkt gerückt. Ihr Vortrag zur „Küstenfischerei in Fidschi: Traditionelle Nutzungsrechte und lokales Management“ zeigte sehr detailliert die Komplexitat der Fischereirechte und lokalen Strukturen auf Fidschi, aber auch die Problematik von Überfischung. Gegenübergestellt wurden die traditionellen Methoden zu den neu adaptierten Methoden im Bereich des Community Based Marine Resource Management (CBMRM).

Anschließend war die Gelegenheit in vier Arbeitsgruppen mit den Referenten nochmals genauer auf die Themen einzugehen und dabei folgende Fragestellungen zu bearbeiten:

  1. Wie hat die Zivilgesellschaft auf die Ressourcenausbeutung reagiert?
  2. Welche Aktivitäten waren erfolgreich?
  3. Welche Misserfolge gab es?
Papuatagung

Diskussion in den Arbeitsgruppen

Foto: Simone Königer

Nach dem gemeinsamen Abendessen stellte Peter Kreysler, Radio- und TV Journalist (SWR, DLF, WDR) in seinem Multimedia-Vortrag „Gold, Gas und Gier. Eine Spurensuche im Rohstoffkasino Papua-Neuguinea“ dar, welche verheerenden Folgen der Rohstoff-Boom fur Umwelt und Bevölkerung in diesem Inselstaat hat. Die journalistische Reise fuhrte ihn 2012 ins Hochland von PNG und zu verschiedenen Mining Hot Spots wie der Hidden Valley Mine und Exxon Mobile Erdgas- Projekt.

Der zweite Konferenztag begann mit einem spannenden Bericht uber einen ökumenischen Teambesuch der VEM in Süd-Papua 2012. „Folgen des Landraubs in Papua“ von Kristina Neubauer schilderte anschaulich diese Reise, die im Anschluss an eine internationale Konferenz in Indonesien zum Thema „Landgrabbing“ stattfand. Das 7-köpfige Team wurde in West-Papua allerdings von drei bewaffneten Militärs begleitet, so dass ein offener Austausch mit der Bevölkerung nicht wirklich stattfand. Kristina Neubauer vom West-Papua Netzwerk arbeitet zu Projekten und Partnerschaften bei der VEM in Wuppertal, und war bereits schon zuvor mit den Peace Brigades (pbi) für ein Jahr in West-Papua tätig gewesen. Bei diesem Teambesuch wurden Dorfgemeinden in der Merauke Region besucht, die unmittelbar von Landraub durch Investorfirmen betroffen waren, wobei die gemachten Versprechungen, zumeist nicht erfüllt wurden. Aber auch von der indonesischen Regierung und der Kirche ist ein Großteil der indigenen Bevölkerung enttäuscht.

Abetnego Tarigan, Direktor von WALHI / Friends of the Earth aus Jakarta, Indonesien, sprach zum Thema „Umwelt und Ressourcen – Was hat die Zivilgesellschaft in Indonesien bislang erreicht – vor welchen Herausforderungen stehen wir?“ Er ging u.a. auf die Ressource Palmöl ein, deren Import auch in Deutschland seit Jahren stetig ansteigt, und dessen Anbau fur zahlreiche Landkonflikte und ökologische Katastrophen wie Waldrodung und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist. Indonesien ist zum weltgrößten Produzenten von Palmöl aufgestiegen. Wichtigste Aufgaben von WALHI sind diesbezüglich die Unterstützung der Gemeinschaften durch Umwelt-Workshops und Capacity Building, Umweltthemen auf die Agenda der politischen Parteien zu bringen, und in Gerichtsverfahren bei Landkonflikten aktiv werden.

Vor der abschließenden Podiumsdiskussion informierte Dr. Theodor Rathgeber noch fundiert zum Thema „Vom gerechten Umgang mit Ressourcenabbau und Schutz vor Ressourcenausbeutung. Erfolge und Schwächen internationaler Rechtsnormen.“ Er ist wissenschaftlicher Autor und entwicklungspolitischer Gutachter für Menschenrechte, Minderheiten und indigene Völker sowie tätig als Lehrbeauftragter an der Universität Kassel. Er wies darauf hin, dass die Multinationalen Firmen die Pflicht dazu hätten, die lokale Bevölkerung in ihrer eigenen Sprache über die Konsequenzen des Ressourcenabbaus zu informieren. Problematisch sei die Implementierung der internationalen Gesetze und die mögliche Durchsetzung der Beschwerdemechanismen, z.B. auch von Vertretern indigener Völker. Prinzipien wie die Deklaration der Rechte indigener Völker oder die ILO 169 Konvention sind nicht bindend, von der Mehrheit der Staaten wurden sie bisher nicht ratifiziert. Wichtig ist in jedem Fall die Thematik mit Unterstützung von NGOs in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu bringen.

Bei der Podiumsdiskussion sprachen sich vor allem Rosa Koinan, Leonard Imbiri und Abetnego Tarigan fur eine verstärkte Kooperation zwischen den Zivilgesellschaften hier und in den betreffenden Ländern aus. Auch zwischen West Papua und PNG sollte die Zusammenarbeit verbessert werden, was bis vor kurzem kaum möglich war. Dialoge, als Forum zur Diskussion, mit Vertretern der jeweiligen Regierungen und der internationalen Konzerne sind notwendig, aber oft nur schwer durchführbar. Es geht um die Durchsetzung der Menschenrechte für alle und den Schutz der Lebensgrundlagen; Rosa Koinan schloss mit dem Satz: „ Land is life, It is our sister, our brother. It is everything to us!“

Autorin: Simone Königer, Bratislava. Studium der Ethnologie in München, Abschlussarbeit „Widerstandsbewegungen in West Papua“, Aufbaustudiengänge in International Humanitarian Action, Mitglied im West Papua Netzwerk.

 

Fotorechte: Simone Königer.

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