Information und Analyse

Palmöl: Indonesiens Meeresminister geht an Land

 

Information und Analyse, 27. April 2018

von Alex Flor

Luhut_Binsar_Pandjaitan

Luhut Binsar Panjaitan

Es ist schwer erklärlich, über welche Zuständigkeit und über welche Fachkompetenz der Koordinierende Minister für maritime Angelegenheiten Indonesiens, General a.D. Luhut Binsar Panjaitan, bezüglich der Palmölproblematik seines Landes zu verfügen glaubt. Ölpalmen wachsen nicht auf off-shore Plantagen auf dem Meer, sondern auf riesigen Landflächen. Die Zuständigkeiten hierfür verteilen sich auf das Ministerium für Umwelt und Wälder, das Ministerium für Landwirtschaft, das Ministerium für Wirtschaft und möglicherweise weitere Ressorts. Von den infrage kommenden Zuständigkeiten fällt einzig das Ministerium für Energie und mineralische Rohstoffe in den Geschäftbereich des Koordinierenden Ministers für maritime Angelegenheiten. Aber Palmöl ist kein mineralischer Rohstoff, und seine Nutzung als Energiequelle im Ausland ist kein Thema, mit dem sich der für die Energieversorgung in Indonesien zuständige Koordinationsminister zu befassen hätte.

Minister Luhut Panjaitan gilt als enger Vertrauter von Präsident Joko Widodo, dem er als ehemaliger General die Flanke zu den rechtskonservativen Kreisen des immer noch politisch einflussreichen Militärs (TNI) offen hält. Nicht unwichtig für die 2019 anstehenden Präsidentschaftswahlen, bei denen sich der amtierende Präsident voraussichtlich erneut einem Herausforderer aus den Reihen der ehemaligen Generäle stellen muss.

Die boomende Palmölindustrie ist seit Jahren eine der wichtigsten Devisenquellen Indonesiens. Wenngleich es richtig ist, dass das Schicksal von abertausenden ArbeiterInnen und KleinbäuerInnen vom Erfolg dieser Branche abhängig ist, so sind es dennoch genau diese Menschen, die am wenigsten von diesem Boom profitieren. Sie sind in jedem Fall abhängig von Großunternehmen, die den Profit für sich einstreichen. Zahlreiche Studien berichten über die miserablen Bedingungen dieser Arbeitskräfte, einschließlich Kinderarbeit. Die ökologischen Folgen bezüglich des Flächenverbrauchs, der Abholzung oder des Niederbrennens von Wäldern, der Artenvielfalt und nicht zuletzt den Rechten indigener Völker sind vielfach beschrieben und wissenschaftlich belegt.

Palmöl mag aufgrund seiner Stoffeigenschafrten für bestimmte Anwendungen ein idealer Rohstoff sein. Doch damit alleine kann die rapide gestiegene Nachfrage nicht erklärt werden. Als Brennstoff für die Energiegewinnung ist Palmöl einfach zu wertvoll und zu schade. Hier spielen nicht die Produkteigenschaften, sondern einzig und allein der geringe Preis und die stetig wachsende Angebotsmenge eine Rolle. It’s the economy, stupid!

Genau dies gilt es zu unterbinden, wie es das Europaparlament vor einiger Zeit mit überwältigender Mehrheit beschlossen und der EU-Kommission zur Entscheidung vorgelegt hat. In vermeintlichen “Bio”kraftstoffen hat Palmöl nichts verloren! Es gibt
keinerlei Anlass, aufgrund des Besuchs von General a.D. Minister Luhut Panjaitan davon abzurücken.

Wenn Indonesien wirklich an einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Palmölwirtschaft gelegen sein sollte, die auch der Masse der Bevölkerung Nutzen bringen könnte, dann sollten die Weichen schnellstens auf eine Weiterverarbeitung des Rohstoffs Palmöl zu höherwertigen Produkten im eigenen Land umgestellt werden. Damit ließe sich Mehrwert erwirtschaften, ohne immer weiter die natürlichen Ressourcen – das Silberbesteck des Landes – zu plündern.

 


 

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, 26. April 2018

www.bmu.de/meldung/austausch-zur-deutsch-indonesischen-umweltzusammenarbeit-und-zur-rolle-von-palmoel-in-der-europaeische/

Austausch zur deutsch-indonesischen Umweltzusammenarbeit und zur Rolle von Palmöl in der europäischen Energiegesetzgebung

 

Bundesministerin Svenja Schulze traf mit dem Koordinierenden Minister für maritime Angelegenheiten Indonesiens Luhut Binsar Pandjaitan zusammen, um Fragen der Umwelt- und Energiepolitik zu erörtern.

Frau Bundesministerin Schulze traf heute mit dem Koordinierenden Minister für maritime Angelegenheiten Indonesiens zusammen, um Fragen der Umwelt- und Energiepolitik zu erörtern. Hierzu zählten die beschleunigte Umsetzung von Klima- und Nachhaltigkeitszielen in Indonesien und in Deutschland sowie die europäische Energiepolitik. Luhut Binsar Pandjaitan, Minister für maritime Angelegenheiten, führt im Auftrag des indonesischen Staatspräsidenten Widodo zurzeit in mehreren europäischen Hauptstädten Gespräche zur Novellierung der EU-Gesetzgebung zu erneuerbaren Energien, auch vor dem Hintergrund des Exports von indonesischem Palmöl zur Herstellung von Kraftstoffen.

Bundesministerin Schulze erläuterte die Entwicklungen in der EU und betonte, dass besonders im Fall des Einsatzes von Biomasse im Energie- und Verkehrssektor die Randbedingungen so gestaltet sein müssen, dass die Herstellung und Verwendung der Biomasse umwelt- und naturverträglich ist und zudem ein deutlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird. Hinsichtlich der Verwendung von Palmöl zur Erreichung der Zielvorgaben für erneuerbare Energien äußerte Bundesministerin Schulze ihre große Besorgnis vor dem Hintergrund der weiterhin andauernden Abholzung von Tropenwäldern in Südostasien und den dadurch entstehenden Treibhausgasen.

Indonesien und Deutschland arbeiten im Bereich der Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik seit vielen Jahren eng zusammen. Mit Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative des BMU werden seit zehn Jahren Klima- und Biodiversitätsschutzprojekte in Indonesien unterstützt. Hierzu gehört auch Beratung für eine nachhaltige Gestaltung des Palmölanbaus.

 


 

The Straits Times, 25 April 2018

www.straitstimes.com/asia/se-asia/indonesia-does-not-rule-out-retaliating-if-cornered-by-eu-on-palm-oil

Indonesia does not rule out retaliating if ‘cornered’ by EU on palm oil

 

Wahyudi Soeriaatmadja, Indonesia Correspondent
 

JAKARTA – Indonesia has not ruled out retaliating if it is “cornered” by the European Union which is considering banning the use of palm oil in biofuels.

Indonesia is the world’s largest exporter of palm oil and Coordinating Minister for Maritime Affairs, Luhut Pandjaitan, who is close to President Joko Widodo, was in Brussels earlier this week for talks on the issue.

He condemned the proposed ban as discriminatory, saying that the EU should look closely at the progress made by Indonesia in addressing the environmental challenges associated with the planting of palm oil.

“We have no plan yet to shift orders to Boeing. Taking retaliatory action is not our culture. We want to continue negotiating to find a good solution for everyone, but they should not continue to corner us,” Mr Luhut was quoted as saying in a statement issued by his ministry on Wednesday (Apr 25).

Indonesia’s state owned carrier, Garuda, and other private airlines such as Lion Air had been buying planes from the US manufacturer, Boeing, as well as from its European rival, Airbus, Mr Luhut said.

The minister added that Indonesia would need a total of 2,500 planes in the next 20 years and was also considering ordering Airbus M400 military planes that the French-based company offered to him recently.

Mr Luhut also warned about the ramifications of a ban on palm oil on his country.

He said the industry had kept 10 million people out of poverty and a ban would hit smallholder farmers hard, sending many back to the poverty line.

“A number of those who committed radical acts were those who were economically unfortunate and what we fear is that if there are more people below the poverty line, that would further increase the chances of people falling into radicalism,” Mr Luhut said.

“With all due respect, we have succeeded in maintaining regional security and radicalism and terrorist attacks have shown a declining trend.

“Prevention is vital,” he added.

 

Related Story:
Facing the EU palm oil policy: The Jakarta Post <https://www.straitstimes.com/asia/se-asia/facing-the-eu-palm-oil-policy-the-jakarta-post>

Related Story:
Malaysia, Indonesia say EU palm resolution will affect millions <https://www.straitstimes.com/asia/se-asia/malaysia-indonesia-say-eu-palm-resolution-will-affect-millions>

 

Palm oil has long been controversial because environmentalists charge that it drives deforestation, with huge swathes of rainforest logged in recent decades to make way for plantations.

The use of the commodity in food and cosmetics has already dropped in Europe, partly due to pressure from green groups on major corporations, but has been increasing in biofuels.

Alarmed by the choking haze that enveloped the region following fires on vast swathes of oil palm and pulp wood plantations in 2015, Indonesia began a crackdown on errant corporations and individuals who resort to cheap-but-illegal slash-and-burn methods to clear plantation land. Together with better fire prevention measures, the number of hotspots has dropped in recent years.

Mr Luhut advised his counterparts from the EU to visit Indonesia and check  the ground situation themselves.

“Some of the key individuals I met apparently were not adequately informed about the progress Indonesia has made. They did not know our economic progress, security situation and the fact that Indonesia is doing environmental work,” Mr Luhut said.

Indonesia and Malaysia produce nearly 90 per cent of the world’s palm oil and both will be hit hard by a EU ban.

Indonesia produced 29 million tonnes of the commodity last year (2017) while Malaysia’s output was 19.5 million tonnes. Oil palm plantations in Indonesia covered 11.7 million ha at the end of 2017 and in Malaysia they covered 4.49 million ha.

In Indonesia, the industry directly employs almost 6 million workers and annually generates US$20 billion (S$26.14 billion) in export earnings. A Malaysian official has said an EU ban threatens the income of some 500,000 planters across the country.

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