Beton-Protest gegen den Zementkonzern

Trotz enttäuschender Zahlen gibt es bei der Hauptversammlung von Heidelberg Cement kaum Kritik von den Aktionären. Für Aufregung sorgt aber ein Protest mit einbetonierten Füßen – und ein indonesisches Zwischenspiel.

HandelsblattlHeidelberg Hauptversammlungen beim Dax-Konzern Heidelberg Cement sind in der Regel eher ruhigere Angelegenheiten, zumal sich der Konzern in den vergangenen Jahren stabilisiert hat und seine Aktionäre mit deutlich steigenden Ausschüttungen verwöhnt. Für 2016 stieg die Dividende um 23 Prozent auf 1,60 Euro.

Im Publikum in der Heidelberger Stadthalle begrüßte Vorstandschef Bernd Scheifele dann auch vor allem ehemalige Beschäftigte des größten deutschen Baustoffkonzerns. Die Aktionärsvertreter hielten sich trotz der etwas enttäuschenden Zahlen des ersten Quartals mit Kritik zurück.

Der größte Aufreger fand jedoch vor den Toren des am Neckar gelegenen roten Backsteinbaus statt. Mehrere Umweltaktivisten ließen sich die Füße einbetonieren. Sie protestierten so gegen den Bau eines Zementwerkes und den Abbau von Rohstoffen im indonesischen Kendeng-Gebirge. Das Einbetonieren sollte die Ohnmacht der Bauern in der ländlichen Region verdeutlichen.

Eine Vertreterin der indonesischen Umweltaktivisten, die sich als Gunarti vorstellte, sprach auf der Hauptversammlung und forderte den Stopp des Zementwerkprojektes von Indocement, an der der Heidelcement mit 51 Prozent beteiligt ist. Dieses entziehe den Bauern die Lebensgrundlage. Es geht unter anderem um die Wasserversorgung aus einem Karstgebiet.

Die Aktivistin übergab Vorstandschef Scheifele eine Unterschriftensammlung mit einem Bild der Bauern, die sich bei einer ähnlichen Aktion wie in Heidelberg ihre Füße vor dem Präsidentenpalast in Jakarta hatten einbetonieren lassen. Bei einem dieser Proteste war eine Frau ums Leben gekommen. Überraschend lang anhaltenden Applaus erhielt sie von den Kleinaktionären, zumindest von denen, die im Saal geblieben waren. Die andere Hälfte hielt sich da bereits an den Würstchen mit Kartoffelsalat schadlos. Im Saal sang unterdessen Gunarti nach der Unterschriftenübergabe noch ein Lied, das zum Widerstand gegen das Projekt aufforderte. Am Schluss hob die zierliche Indonesierin kämpferisch die rechte Faust.

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