"In the Spotlight"

Topangebot, nur noch kurze Zeit! 17 Euro für Ihr Haus

Kurz belichtet, 27. März 2017

von Alex Flor

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Bahntransport Anfang des Jahrhunderts

Foto: Hans-Georg Gaul

Wer heute vom internationalen Flughafen Soekarno-Hatta in Jakarta in die Innenstadt möchte, braucht Zeit und Geduld. Man hat die Auswahl zwischen vergleichsweise günstigen Bussen der Gesellschaft DAMRI, die zu verschiedenen Nahverkehrsknoten wie beispielsweise dem zentralen Bahnhof Gambir fahren, und einem Taxi, das einen direkt zum Zielort fährt. Die Kosten eines Taxis belaufen sich, je nach Ziel, auf 15,- bis 20,- Euro. In diesen Preis nicht mit einberechnet sind Zeit und Nerven. Und Zeit ist Geld, wie es so schön heißt. Das Taxi wird ebenso wie der DAMRI-Bus im Stau stehen, sodass die Fahrt in Stoßzeiten zwei Stunden oder mehr dauern kann. Wer es sehr eilig hat und über das nötige Kleingeld verfügt, kann sich für einen vierstelligen Eurobetrag auch per Hubschrauber befördern lassen. Die Nachfrage scheint groß zu sein. Der Service soll ausgebaut werden, indem im Stadtgebiet mehr Landeplätze (Helipads) geschaffen werden. Auch der multinational operierende Taxi-Konzern Uber hat bereits 2015 den Markt getestet und erwägt den kommerziellen Einstieg. Zehn Minuten Flugzeit könnten etwa 2.000,- Euro kosten, schätzen Branchenexperten.

Die beiden verfügbaren Extreme, billiger Straßentransport zum einen oder exorbitant teurer Helikopterservice zum anderen, weisen auf denselben Missstand hin: es gibt bislang keine Schnellbahnverbindung zwischen Flughafen und Innenstadt.

Das soll sich nun ändern. Derzeit stößt man an allen Ecken und Enden Jakartas auf Bauarbeiten für eine U-Bahn und ein Schnellbahnnetz. Endlich soll auch die längst überfällige Bahnverbindung zum Flughafen realisiert werden.

Niemand kann ernsthaft bezweifeln, dass es sich dabei um ein der Allgemeinheit dienliches Infrastrukturprojekt handelt. Für solche Zwecke darf Land enteignet werden. Entsprechende Gesetze erlauben dies in Indonesien ebenso wie in Deutschland und wohl überall auf der Welt. Auch dass sich Betroffene gegen Enteignung zur Wehr setzen, ist ganz normal und verständlich. Niemand lässt sich gerne umsiedeln, und niemand sieht gerne den einst liebevoll gepflegten Vorgarten unter einer Asphaltdecke verschwinden.

Dennoch gibt es gewisse Mindeststandards, die im Falle einer Enteignung eingehalten werden sollten. Dazu gehört neben dem Nachweis des Nutzens für die Allgemeinheit und der Prüfung möglicher Alternativen auch die Zahlung einer angemessenen Entschädigung für die von der Umsiedlung Betroffenen. Häufig wird die Frage nach Entschädigungszahlungen in Indonesien mit der Rechtmäßigkeit des Landbesitzes verknüpft. Unterschiedliche Rechtssysteme (staatliches Recht, traditionelles Recht, religiöses Recht) mit zahlreichen Definitions- und Umsetzungslücken existieren parallel zueinander. Kein anderes Thema ist so umstritten wie der Anspruch auf Landrechte und deren Geltendmachung.

Dieses Problem, einhergehend mit möglicherweise zeitraubenden Rechtsstreitigkeiten, scheint die Eisenbahngesellschaft KAI umgehen zu wollen. Stattdessen wurden Bewohnern eines zu räumenden Armenviertels in Manggarai, südlich des Stadtzentrums, ungeachtet ihrer zweifelhaften rechtlichen Ansprüche 250.000,- Rp. Entschädigungszahlungen pro Haus angeboten. Das sind umgerechnet etwa 17 Euro und ein paar Zerquetschte. Das reicht, um am Straßenrand ein paar Teller Reis zu essen. Es reicht, um eine Nacht in einem billigen Hotel zu übernachten. Und es reicht vielleicht für drei Fahrten mit der zu bauenden Schnellbahn von Manggarai zum Flughafen.

Es reicht nicht, um auch nur die einfachsten Baumaterialien zum Bau eines primitiven Wetterschutzverschlags zu kaufen. Es reicht dagegen, um den BewohnerInnen dieses Armutsviertels deutlich zu machen, welche Wertschätzung man ihnen und ihrer Menschenwürde entgegenbringt: 17 Euro und ein paar Zerquetschte pro Haus und Familie.


 

Jakarta Post, March 24, 2017

http://www.thejakartapost.com/news/2017/03/24/manggarai-residents-protest-airport-train-project.html

Manggarai residents protest airport train project

 

Indra Budiari, Jakarta — Dozens of Manggarai residents in South Jakarta filed a report with the National Commission on Human Rights on Friday, protesting the planned demolition of their houses to make way for the construction of a railway line to Soekarno-Hatta International Airport.

One local, Nasrul Dongoran, said the residents had been living in the area since the 1950s but did not have house deeds to support their claims. “But we can show our house purchase agreements signed by RT [neighborhood unit] head.”

The residents also objected to the amount of compensation offered by train operator PT KAI for their land. They expressed hope that Komnas HAM could mediate in talks between them and the project operator.

PT KAI spokesperson Suprapto, however, claimed the company was the rightful owner of the land.

The company has said it would pay Rp 250,000 (US$18.75) per house, “as compensation for the house’s demolition costs,” Suprapto told The Jakarta Post.

He added that as the airport train was planned to be operational this year, Manggarai Station would be renovated and no delays were expected in the construction despite people’s objections.

Previously, state-owned airport operator PT Angkasa Pura II said the construction of a train station at Soekarno-Hatta International Airport in Tangerang, Banten, would be completed by the end of March and the airport railway line would start operating in July.

The train will transport people from the airport to Manggarai Station in 45 minutes.

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