Angesagt! – aus der Arbeit von Watch Indonesia!

Berlin, April 2016

Nr. 14, Januar – Dezember 2015

 

Filmabend ‚Tanah Mama‘ und Diskussion mit Frauenaktivistin aus Papua, 4. Februar 2015

Die Reihe der Abendveranstaltungen bei Watch Indonesia! begann 2015 mit dem Thema ‚Frauenrechte in Papua‘. In Zusammenarbeit mit dem Pazifik Netzwerk e.V. hatten wir die Frauenaktivistin Poppy Maipauw aus Papua nach Berlin eingeladen. Zuvor war Frau Maipauw in Rockenhausen Gast beim Westpapua Partnerschaftsseminar, das von der evangelischen Kirche der Pfalz organisiert wurde. Poppy Maipauw ist Aktivistin der in Papua tätigen Frauenorganisation P3W (Center for the Development and Advocacy of Women). Die Organisation arbeitet seit über 50 Jahren zu Frauenrechten in Papua und betreibt dort drei Ausbildungszentren. Auf dem Diskussionsabend hat Frau Maipauw von der allgemeinen Entwicklung Papuas berichtet und in diesem Zusammenhang besonders über die Situation der Frauen und Frauenrechte.

Begleitend zu letzterem Thema führte Watch Indonesia! den Dokumentarfilm ‚Tanah Mama‘ (engl. Mama’s Soil) vor. Der 62-minütige Film handelt von Halosina, die mit Mühe ihre vier Kinder ernährt. Die Regisseurin, Asrida Elisabeth, zeigt in ihrem Regie-Debut eindrucksvoll wie Halosina ohne ihren Mann, der seinen Pflichten nicht nachkommt, um ihr Überleben und das ihrer Kinder kämpft. Neue ökonomische Entwicklungen veranlassen immer mehr Männer in Stadtgebieten nach Arbeit zu suchen. Die Erschließung neuer Felder, die als Lebensgrundlage für Frauen und Kinder notwendig ist, wird so immer mehr vernachlässigt. Die Regierung sieht weg und die Frauen von Wamena bleiben auf sich allein gestellt.

,Sanubari Jakarta‘, Heidelberg, 10. Februar 2015

In Zusammenarbeit mit Watch Indonesia! wurde am Institut für Ethnologie der Universität Heidelberg Lola Amarias Film ,Sanubari Jakarta‘ gezeigt. Der Episodenfilm stellt aus unterschiedlicher Perspektive die Problematik von LGBT-Personen in Indonesien dar.

,The Look of Silence‘ und Joshua Oppenheimer an der Humboldt Universität, Berlin, 13. Februar 2015

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin zeigte Watch Indonesia! den zweiten erfolgreichen Film von Joshua Oppenheimer ,The Look of Silence‘ in Berlin. Der Regisseur widmet sich dabei erneut den Auseinandersetzungen mit den Massakern von 1965 in der heutigen indonesischen Gesellschaft. Adi Rukun, der Protagonist, begibt sich auf die Suche nach den Mördern seines Bruders 1965 in Nordsumatra und konfrontiert sich mit den Tätern.

Die Filmvorführung im Ernst-Reuter-Saal der Humboldt-Universität wurde von mindestens 300 Personen besucht. Joshua Oppenheimer, der gerade auf der Berlinale 2015 zu Gast war, kam anschließend zur Diskussion. Dort betonte er unter anderem die Mitverantwortung der westlichen Staaten, insbesondere der USA, an den Ereignissen in Indonesien rund um das Datum 1965. Der Film wurde mit dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet.

Filmvorführung ‚Inerie‘: Mutter- und Kindersterblichkeit in Ostindonesien, 17. und 19. Februar 2015

Lola Amaria, eine junge und talentierte indonesische Schauspielerin und Regisseurin, gehört zu den wenigen indonesische FilmemacherInnen, die sich über ihre Werke kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzen. Sie war bereits 2014 bei uns in Berlin zu Gast, um ihre Filme zum Thema LGBT-Rechte (Sanubari Jakarta) und Korruption (Negeri Tanpa Telinga) vorzustellen. 2015 besuchte sie Berlin erneut, um ihren Film ‚Inerie‘ zu zeigen. Der Spielfilm erzählt von Mütter- und Kindersterblichkeit auf der Insel Flores, deren Ursachen in der abwesenden staatlichen Gesundheitsvorsorge sowie den öffentlichen Infrastrukturen liegen, aber auch im Konflikt zwischen traditioneller und moderner Medizin. Der Film wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein Bildung und Gesundheit in Indonesien (BUGI e.V.) am 19. Februar 2015 auch in Hannover gezeigt.

Briefaktion an EU-ParlamentarierInnen, Februar 2015

Als Follow-Up eines gemeinsamen Besuchs mit indonesischen UmweltaktivistInnen im Europaparlament in Brüssel und einer gemeinsamen Briefaktion von BUND, Brot für die Welt, Oxfam, Inkota, Rettet den Regenwald! und Watch Indonesia! vom 12. Dezember 2014 beteiligte sich Watch Indonesia! an einer groß angelegten Briefaktion, in der die EU-ParlamentarierInnen dazu aufgefordert wurden, sich in einer Abstimmung am 24. Februar 2015 über „Biokraftstoffe“ für den Erhalt von Umwelt, Klima und Landrechten und gegen eine vermehrte Verwendung von Palmöl zu entscheiden. Der Brief wurde von 197 Organisationen weltweit unterzeichnet, http://www.watchindonesia.org/18401/palm-oil-and-biofuels-policy-reform?lang=en

In einem persönlichen Schreiben wandte sich Johanna Lein, Umwelt- und Klimareferentin von Watch Indonesia! am 20. Februar 2015 in selber Angelegenheit an relevante Abgeordnete des Europaparlaments.

Netzwerktreffen Indonesien, Frankfurt, 26. Februar 2015 und Leipziger Buchmesse, 12. März 2015

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse hatte das Team Ehrengast Indonesien der Buchmesse zu einem Treffen verschiedener zivilgesellschaftlicher Akteure eingeladen, um Schwerpunkte und Aktivitäten während der Buchmesse zu koordinieren. Von Watch Indonesia! nahmen Alex Flor und Gunnar Stange an dem Treffen teil.

Weitere Vorgespräche mit TeilnehmerInnen und Durchführenden fanden anlässlich der Leipziger Buchmesse am 12. März statt. An den Gesprächen in Leipzig nahmen Basilisa Dengen und Alex Flor teil.

Zwischenbilanz der Regierung Jokowi, Freiburg, 27. Februar 2015

Am 27. Februar 2015 präsentierte Basilisa Dengen auf dem Workshop ‚Jokowi’s Indonesia: A Preliminary Assessment’ die Perspektive der zivilgesellschaftlichen Organisationen zur Regierung Jokowis insbesondere hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Menschenrechte. Der Workshop wurde von der Forschungsgruppe FRIAS (Research Group Southeast Asia) der Universität Freiburg organisiert. Ziel der Veranstaltung war die Politik der neuen Regierung in verschiedenen Bereichen zu analysieren und zu bewerten, inwiefern Jokowi seine Wahlversprechen verwirklicht hat. Den Beitrag zur Politikanalyse haben Marcus Mietzner von der Australian National University und Michael Buehler von SOAS London gegeben. Die Wirtschaftspolitik hat Christian von Lübke vom Arnold-Bergstraesser Institut, Freiburg analysiert und die Außenpolitik wurde umfassend von Prof. Jürgen Rüland von FRIAS präsentiert. Die Veranstaltung wurde von WissenschaftlerInnen verschiedener Universitäten, Vertretungen von politischen Stiftungen, kirchlichen Einrichtung und interessierten Einzelpersonen besucht.

Brown Bag Lunch, BMUB, 27. Februar 2015

Das Bundesministerium für Umwelt (BMUB) hatte Watch Indonesia! zu einem sog. Brown Bag Lunch mit der Firma Unilever, dem WWF und dem Forum für nachhaltiges Palmöl (FONAP) eingeladen. Johanna Lein, Umweltreferentin von Watch Indonesia! nahm an dem Treffen teil.

Generalversammlung von FONAP, Berlin, 10. März 2015

Das Forum für nachhaltiges Palmöl, ein Zusammenschluss deutscher, schweizer und österreichischer Palmöl importierender Unternehmen unter Koordination der giz (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) vernahm die von Watch Indonesia! und anderen Organisationen vorgebrachte Kritik an seiner einseitigen Orientierung entsprechend der Kriterien des Round Table on Soustainable Palm Oil (RSPO). Watch Indonesia! und einige Umweltorganisationen wurden eingeladen in einem einminütigen Videostatement ihre Kritik an FONAP vorzubringen.

Da eine auch nur annähernd umfassende Kritik innerhalb einer Minute nicht möglich ist, erbaten wir uns zusätzliche Redezeit. Dieser Bitte wurde statt gegeben. Johanna Lein, seinerzeit Umweltreferentin von Watch Indonesia! ermahnte die Mitglieder von FONAP in ihrem Videobeitrag zunächst zu überprüfen, ob Palmöl in deren Produkten überhaupt notwendig sei, bevor man sich über vermeintlich ökologisch und sozial nachhaltige Bezugsquellen dieses Rohstoffes weitere Gedanken mache.

Den Videobeitrag von Johanna Lein stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung.

Papua: Veranstaltungen Berlin, 13. und 14. April; Land Grabbing, Freiburg, 15. April 2015

Im April besuchte Selwyn Moran, ein Mitarbeiter von Awas MIFEE, Berlin um auf die Gefahren des groß angelegten Nahrungsmittel- und Energieprojektes MIFEE (Merauke Integrated Food and Energy Estate) in der Region Merauke, Papua, aufmerksam zu machen. Neben persönlichem Austausch mit dem Referenten unterstützten wir zwei seiner Vortragsveranstaltungen in der Kadterschmiede und der Friedel 54 in Berlin. Bei diesen Gelegenheiten machten wir auch auf unsere geplante Demonstration am 29. April vor der indonesischen Botschaft aufmerksam.

Am 15. April organisierte Watch Indonesia! zusammen mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, in Kooperation mit dem Eine Welt Forum Freiburg und dem Netzwerk Energie-Hunger – Nein Danke! eine Vortragsveranstaltung in Freiburg unter dem Titel ,Ernährungssouveränität durch Land Grabbing?‘

Papua: Demo in Berlin, 29. April 2015

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Demonstration für freien Zugang nach Papua vor der indonesischen Botschaft in Berlin

Foto: Adriana Sri Adhiati, Watch Indonesia!

„Indonesische Regierung muss die Pressefreiheit in Westpapua gewährleisten!“, so lautete die zentrale Forderung unserer Demo vor der indonesischen Botschaft am 29. April. Diese Aktion war koordiniert mit ETAN (USA), tapol (UK) und anderen internationalen Solidaritätsorganisationen für Westpapua. Somit fanden am selben Tag in diversen Großstädten der USA, Großbritanniens, Australiens, der Niederlande, Deutschlands und anderen Staaten Aktionen unter demselben Motto und mit denselben Forderungen statt.

Umgehend äußerte Indonesiens Staatspräsident, es gäbe keinerlei Restriktionen des Zugangs für internationale BeobachterInnen zur Einreise nach Papua. Nur Stunden später stellte ein Vertreter des Militärs klar, dass die bislang geübten Restriktionen weiterhin Bestand haben würden.

Adi Rukun, der Protagonist von ‚The Look of Silence‘ in Berlin, 9.-19. Juni 2015

Zur Vorbereitung der Kinopremiäre des Films ‚The Look of Silence’ im Herbst 2015 in Deutschland begaben sich der Regisseur Joshua Oppenheimer und der Protagonist Adi Rukun auf eine Reise nach Deutschland. In der Hauptstadt wurden mit den beiden zahlreiche Interviews und Veranstaltungen durchgeführt. Basilisa Dengen von Watch Indonesia! begleitete Adi Rukun als Dolmetscherin zu verschiedenen Interviews für Fernsehen, Radio, Zeitschriften und Zeitungen.

Wir berieten uns mit Joshua Oppenheimer und Adi Rukun bezüglich ihrer weiteren öffentlichen Auftritte in Berlin. Auf dem Programm standen unter anderem eine öffentliche Filmvorführung nebst Podiumsdiskussion mit dem Vizebotschafter der Republik Indonesien in den Räumlichkeiten der Heinrich-Böll-Stiftung und eine Aufführung im Filmclub Konzulát, beide in Berlin-Mitte. Aus Sicherheitsgründen nahm Adi Rukun an der Veranstaltung bei der Heinrich-Böll-Stiftung nicht teil.

Indonesische Zivilgesellschaft in Berlin äußert sich erneut gegen Landgewinnung auf Bali, 15. Juni 2016

Gemeinsam mit der in Berlin tätigen balinesischen Gemeinde (Nyama Braya Bali; NBB –Berlin) und der balinesischen Jugendorganisation (Sekeha Teruna-Teruni Berlin) hat Watch Indonesia! eine gemeinsame Erklärung bezüglich des Landgewinnungsprojektes in der Benoa Bucht auf der Insel Bali an den indonesischen Minister für Transportwesen geschickt. Die vor Ort aktive zivilgesellschaftliche Koalition, Forbali, ist der Überzeugung, dass der Minister eine wesentliche Rolle zur Entscheidung habe, ob dieses Projekt fortzusetzen sei oder nicht. In dem Brief betonten die drei Organisationen, dass die Regierung in der Entwicklungsplanung die Meinung der EinwohnerInnen nicht berücksichtigte und die Projektplanung vielmehr den Interesse der Investoren dient. Auch die Auswirkungen dieses Projektes auf die Umwelt wurden erläutert. 

Watch Indonesia! und NBB arbeiten seit 2014 in dieser Kampagne gegen Landgewinnung auf Bali zusammen. 2015 setzten wir diese Kampagne fort, indem wir anlässlich des Unabhängigkeitstages Indonesiens am 22.8.2015 ein Fest zum Thema ‚Gegen die Landgewinnung auf Bali‘ auf dem Tempelhofer Feld organisierten. Wie üblich zum Tag der Unabhängigkeit in Indonesien wurden auf dem Fest in Berlin auch verschiedene Spiele gespielt und indonesisch gegessen. Zu den Speisen gehörte natürlich auch Spanferkel (babi guling) balinesischer Art.

Lobbygespräch mit Büro Uwe Kekeritz, MdB, 25. Juni 2015

Auf Einladung von Uwe Kekeritz, MdB (Grüne), besuchten Adriana Sri Adhiati und Alex Flor am 25. Juni sein Abgeordnetenbüro zur gemeinsamen Beratung über die künftige Palmölpolitik der Bundesregierung. Es wurden eine Vielzahl von Themen erörtert. Eine im Laufe des Gesprächs konkret eingebrachte Anregung von Watch Indonesia!. um die Kennzeichnungspflicht von Palmölprodukten in Lebensmitteln auf Kosmetikprodukte zu erweitern fand sich ca. ein Jahr später in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung wieder, s. Bundestagsdrucksache 18/9290.

Menschenrechtsbericht Indonesien 2015, 30. Juni 2015

In enger Zusammenarbeit mit den Westpapua Netzwerk veröffentlichte Watch Indonesia! den gemeinsamen Menschenrechtsbericht Indonesien 2015 http://www.watchindonesia.org/16822/menschenrechte-in-indonesien-2015?lang=de sowie die Kurzfassung als Aidé Memoire http://www.watchindonesia.org/16732/aide-memoire-menschenrechte-indonesien-2015?lang=de . Beide Papiere wurden an politische EntscheidungsträgerInnen wie auch die Öffentlichkeit gestreut.

Buchvorstellung „1965 ff.“, taz-Café Berlin, 2. Juli 2015

Im vollbesetzten taz-Café stellte Anett Keller ihr viel beachtetes Buch „1965 ff“ vor, das im regiospectra-Verlag erschienen ist. Alex Flor von Watch Indonesia! berichtete über die politischen Hintergründe und Interessen des Auslands, welche die Situation Indonesiens in der Zeit bis zum gescheiterten Putsch am 1. Oktober 1965 bestimmten. Die Veranstaltung wurde moderiert von Sven Hansen, Asienredakteur der taz.

Ländergespräche Osttimor und Indonesien, BMZ, Bonn, 8. Juli 2015

Auf Einladung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) vertrat Alex Flor von Watch Indonesia! seine Organisation bei den alljährlichen Ländergesprächen zu Osttimor und Indonesien. Die notorische Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn (DB) verhinderte allerdings die zeitige Teilnahme am gemeinsamen Austausch über die Situation in Osttimor/Timor-Leste.

Auf gezielte Nachfrage an Watch Indonesia! seitens des einladenden Ministeriums konnten dennoch einige unserer zentralen Beobachtungen und Anliegen vermittelt werden. Selbige Eingaben unterliegen entsprechend der Chatham Rules allerdings der Vertraulichkeit.

Briefing des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung für seine Reise nach Indonesien und Papua

Christoph Straesser

Christoph Straesser im Gespräch zur Vorbereitung seiner Reise

Foto: Alex Flor, Watch Indonesia!

Bereits seit langem begleitete Watch Indonesia! in enger Kooperation mit dem Westpapua Netzwerk die Reisepläne des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Herrn Christoph Strässer. Bei mehreren formellen und informellen Treffen trugen zur Gestaltung seiner Reise bei. Auf Anfrage des zuständigen Stabs im Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft in Jakarta konnten wir durch Kontakt- und Informationsvermittlung wesentlich zum Zustandekommen und Gelingen dieser Reise beitragen. Es war nach mehrfachen Ablehnungen durch die indonesischen Behörden seit vielen Jahren zum ersten Mal, dass ein offizieller Besuch eines Vertreters der Bundesregierung nach Papua genehmigt wurde. Aus Gründen der Vertraulichkeit und des Schutzes unserer Partner in Indonesien, speziell in Papua, möchten wir an dieser Stelle auf detailliertere Informationen bzgl. der Rolle von Watch Indonesia! verzichten.

8th EuroSEAS Conference, Uni Wien, 12. – 14. August 2015

Die 8. EuroSEAS Conference in Wien umfasste ein breites und überwiegend interessantes Spektrum an südostasienrelevanten Themen. Namhafte WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt waren vertreten und stellten ihre Forschungsarbeiten vor. Während sich die Wissenschaft mit vielen Schwerpunkten wie religiöser Fundamentalismus, Papua, Aceh, LGBT-Rechte, gute Regierungsführung und Umwelt in Indonesien befasst, die auch die Arbeit von Watch Indonesia! maßgeblich bestimmen, so gab es doch leider kein einziges vorgestelltes Forschungsprojekt, welches sich mit den Hintergründen und Folgen des politischen Umsturzes in Indonesien 1965 und den damit einhergehenden Massenmorden befasste.

Das von den Veranstaltern ins Programm genommene Side Event Southeast Asia on Screen machte hier eine rühmliche Ausnahme. Hier wurden im Audimax der Universität Wien Filme aus bzw. über Indonesien, Thailand und Myanmar/Burma gezeigt, über die anschließend mit dem zahlreich anwesenden Fachpublikum diskutiert wurde. Den Auftakt machte der Filmnachmittag zu Indonesien mit der Trilogi Jawa von Ascan Breuer, der sich zusammen mit seinem Kameramann den Fragen des Publikums stellte. Ebenfalls gezeigt wurde eine kurze Dokumentation des indonesischen Filmemachers Lexy Rambadetta, die sich mit den Massakern von 1965 befasst.

Daran anschließend wurde zwei indonesischen Vertreterinnen des International Peoples Tribunal (IPT 65) (s.u.) aus den Niederlanden Gelegenheit gegeben, das für Ende 2015 in Den Haag geplante Tribunal vorzustellen. Zur Einführung und Moderation dieses Themenblocks wurde Alex Flor von Watch Indonesia! nach Wien eingeladen.

Verwaltungsreform: Dienstreise von Pipit Kartawidjaja von Juli bis September 2015

Das am deutschen Verwaltungsverfahrensgesetz orientierte indonesische UU Administrasi Pemerintahan wurde zehnjährigen Diskussionen und Beratungen im Oktober 2014 kurz vor Ausscheiden des Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono verabschiedet. Davor wurde im Januar 2014 ein neues Gesetz über die Mitarbeiter des Staates (UU Aparat Sipil Negara), welches sich an den deutschen Angestelltenverhältnissen (bzw. Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst) orientiert, vom Präsidenten unterzeichnet.

Pipit Kartawidjaja, Mitglied des Vorstandes von Watch Indonesia! und Experte für Verwaltungsreform hielt während seines Aufenthalts in Indonesien von Juli bis September 2015 Vorträge an den Universitäten Brawijaya (Malang), Padjajaran und Parahiyangan (Bandung). Des weiteren war er Gast einer Talkshow im staatlichen Rundfunk Radio Republik Indonesia (RRI) Bogor.

Nach wie vor fällt selbst indonesischen Fachexperten die Unterscheidung zwischen Regierung und Staat schwer. Umso schwerer fällt es beispielsweise die Rolle und Verantwortung von Tarif beschäftigten im öffentlichen Dienst in deutschen Behörden zu verstehen.

Pipit Kartawidjaja machte auf die Schwachstellen der beiden Gesetze aufmerksam. Diese sind noch nicht in Kraft getreten, weil nach indonesischer Verfassung Gesetze zunächst der Ergänzung durch entsprechende Regierungsverordnungen (Peraturan Pemerintah) und Verwaltungsvorschriften bedürfen, bevor sie als geltendes Recht anerkannt werden. Für beide fraglichen Gesetze soll 2016 durch Öffentlichkeitsarbeit (sosialisasi) geworben werden, woraus sich weitere Möglichkeiten der Einflussnahme ergeben.

Chance und Herausforderung des Waldschutzes in Indonesien, 4. September 2015

Das indonesische Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft gab im Juli 2015 an, dass 12,7 Millionen Hektar Wald für die in und um den Wald lebenden Einwohner freigegegeben würden. Dieses Programm betrifft 32 Millionen Menschen in 33.000 Dörfern. Sieht man diese neue Politik als eine Chance oder als eine Herausforderung? Saurlin Siagian vom vom Hutan Rakyat Institute (www.hari.or.id) informierte uns auf einer öffentlichen Veranstaltung in den Räumen von Watch Indonesia! über die aktuelle Lage des Waldes und die Politik der neuen Regierung zum Thema Waldschutz in Indonesien.

Das Menschenrecht auf Wasser, DIG Köln, 25. September 2015

Der Tobasee in Nordsumatra als Wiege der Batak-Kultur, wie auch als schützenswertes Ökosystem mit Ausblick auf eine Anerkennung als Geopark durch die UNESCO stand ein weiteres Mal Pate für eine Veranstaltungsreihe der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft (DIG).

Zunehmende Verschmutzung, Überfischung und ein kontinuierlich sinkender Pegel des Tobasees sind alamierende Signale, welche nicht nur die Anerkennung durch die UNESCO gefährden. Direkt betroffen sind vor allem die AnwohnerInnen und das Ökosystem des Tobasees und seiner umliegenden Gebiete selbst.

Alex Flor, Dipl.Ing. Technischer Umweltschutz, Sprecher von Watch Indonesia! und familiär vertraut mit der Kultur der Batak, war von der DIG eingeladen zu einer Podiumsdiskussion mit Dr. Oliver Pye (Uni Bonn) und Lena Horlemann, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE).

Ein Manuskript des Fachbeitrags von Alex Flor stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung.

 

Jahreskampagne: ‚Gegen das Vergessen‘

 

Anlässlich des 50. Jahrestages der Massaker von 1965 veranstaltete Watch Indonesia! bundesweit in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen, KünstlerInnen und Universitäten eine Veranstaltungsreihe in Form von Unterschriftenaktion, Fotoausstellung, Filmwoche und Fachtagung. Ziel dieser Kampagne war das Thema 1965 mehr in die deutsche Öffentlichkeit zu rücken. Finanzielle Unterstützung zu dieser Kampagne bekam Watch Indonesia! von AGP-Engagement Global, dem Katholischen Fonds, der Stiftung Umverteilen!, CAIV Universität zu Köln, Orientalisches Seminar der Universität zu Köln.

Fotoausstellung ‚The Act of Living‘ in Berlin und Köln

In Zusammenarbeit mit der indonesischen Organisation Asia Justice and Rights (AJAR) veranstaltete Watch Indonesia! eine Fotoausstellung mit dem Titel ‚The Act of Living‘ in Berlin. Mit Unterstützung des Hauses der Demokratie und Menschenrechte war die Ausstellung vom 15. Juli – 14. August 2015 in deren Robert-Havemann-Saal zu besuchen. ‚The Act of Living‘ zeigt Porträts von 20 weiblichen Überlebenden der Massaker von 1965 auf Java, Timor und der Insel Buru und erzählt wie die Frauen trotz heftiger Diskriminierung und Stigmen ihr Leben gemeistert haben. Die Bilder der französischen Fotografin, Anne-Cecile Esteve, die bei der Vernissage der Ausstellung anwesend war, entstammen einer Aktionsforschung durch AJAR mit dem Ansatz ‚Straflosigkeit zu Verlernen‘. In Zusammenarbeit mit dem Orientalischen Seminar der Universität Köln ging die Ausstellung weiter nach Köln. Vom 20. Oktober -6. November hatten die Studierenden und das Publikum dort die Chance, die Ausstellung zu besuchen. Eine weitere Ausstellung an der Universität Freiburg im Jahr 2016 war bereits in Planung. Die Zusammenarbeit mit Universitäten war nicht zuletzt von der Hoffnung begleitet, dass die deutsche Wissenschaftswelt beginnt, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

Anne-Cecile Esteve, produzierte im Auftrag von AJAR auch mehrere Kurzfilme mit Profilen von Überlebenden, unter anderem über Putu Oka Sukanta, mit dem Titel ‚In Defiance‘. Eine Auswahl dieser Filme wurde auf der Ausstellungseröffnung gezeigt.

Bundesweite Unterschriftenaktion

Auf der Eröffnung der Fotoausstellung ‚The Act of Living‘ in Berlin stellte Watch Indonesia! die Unterschriftenaktion ‚Gegen das Vergessen‘ vor. Postkarten mit vier Motiven aus ‚The Act of Living‘ wurden bundesweit und online verteilt. Ziel dieser Aktion war es, die deutsche Regierung anzufordern, die Aufarbeitung der Massaker von 1965 in Indonesien zu unterstützen. Die gesammelten Unterschriften wurden der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Frau Dr. Kofler, 2016 im Auswärtigen Amt übergeben.

‚Genjermania‘: eine dokumentarische Musikperformance von Tomi Simatupang

Eine ganz besondere Unterstützung bekam Watch Indonesia! von dem in Deutschland lebenden indonesischen Künstler, Tomi Simatupang. Auf der Finnisage zur Ausstellung ‚Gegen das Vergessen‘ führte er seine Dokumentarperformance ‚Genjermania’ auf. Durch sein Werk wurde das Thema der Verfolgung von 1965 im größeren Spektrum der Öffentlichkeit verbreitet. Im Rahmen der indonesischen Filmwoche führte Tomi Simatupang im ACUD-Theater Berlin ‚Genjermania’ in weiter entwickelter Form – diesmal mit Begleitung einer Band – erneut auf. In ‚Genjermania‘ thematisiert Tomi Simatupang die Massaker von 1965 durch das Lied ‚Genjer-Genjer‘, das zur Regierungszeit von Diktator Suharto verboten war und als kommunistisch bezeichnet wurde. Ausgehend von dem Lied erzählte Tomi Simatupang den geschichtlichen Hintergrund und sammelte Spenden für den Sohn des Komponisten, Muh. Arief.

Filmwoche ‚Gegen das Vergessen‘ in Berlin, Köln, Hannover und Aachen

Filme kommen beim Publikum immer gut an. Deswegen konzipierten wir als Teil unserer Kampagne auch eine Filmwoche. Die Auswahl geeigneter Filme war nicht einfach. Die beiden Filme von Joshua Oppenheimer‚ ‚The Act of Killing‘ und ‚The Look of Silence‘, die bereits internationale Anerkennung erhielten, waren natürlich erste Wahl. Um den politischen Hintergrund zu verdeutlichen wählten wir die Filme ‚Shadow Play‘ und ‚The Women and the Generals‘. Des Weiteren zeigten wir Filme, die von indonesischen Organisation bzw. Filmemachern produziert wurden, wie ‚Seni Ditating Jaman‘ (eine Produktion von LKK-Lembaga Kreatifitas Kemanusiaan) und ‚Jembatan Bacem‘ (von Elsam). Um das heutige Indonesien darzustellen, zeigten wir darüber hinaus die ‚Trilogi Jawa‘ von Ascan Breuer.

Um das deutsche Publikum näher mit der Problematik vertraut zu machen, luden wir im Laufe der Filmwoche Regisseure und überlebende Zeitzeugen zur Diskussion ein. Unter anderem hatten wir in Berlin den Literaten Putu Oka Sukanta als Gast, über dessen Schicksal einer der gezeigten Filme handelt. Putu Oka stand für eine Lesung aus seinen Werken und zur Diskussion bereit. Joshua Oppenheimer diskutierte mit den ZuschauerInnen per Skype nach den Vorführungen seines Films ‚The Look of Silence‘ in Berlin und Köln. Weitere Gäste auf unseren Veranstaltungen waren Ascan Breuer (Regisseur der ‚Trilogi Jawa‘) und Martin Aleida (indonesischer Schriftsteller und Überlebender von 1965).

Die Filmwoche in Berlin fand vom 28. September -5. Oktober 2015 mit Unterstützung des Theaterhaus Berlin Mitte und dem fsk Kino statt. In Köln waren das Orientalische Seminar der Universität Köln, in Aachen der AK-Indonesien und in Hannover BUGI e.V. unsere Kooperationspartner.

Fachtagung: Transitional Justice, Berlin, 7. – 8. Dezember 2016

Zum Abschluss unserer Kampagne haben wir am 7.-8. Dezember 2015 in Zusammenarbeit mit MISEREOR und Brot für die Welt eine Fachtagung und einen Expertenworkshop in Berlin durchgeführt. Der Arbeitstitel hieß ‚Transitional Justice nach einer Militärdiktatur: Vergleich Indonesien und Argentinien‘. Insgesamt 35 Personen mit verschiedenem Hintergrund (NROs, WissenschaftlerInnen, kirchliche Organisation, Medien, Politik und interessierte Einzelpersonen) nahmen an der Tagung teil. Mit großzügiger Unterstützung von MISEREOR konnten wir drei ausländische Gäste nach Deutschland einladen: aus Indonesien Galuh Wandita von AJAR und Baskara T. Wardaya von der Universitas Sanata Dharma sowie aus Argentinien Rodolfo Yanzon von der Fundación Liga Argentina por los Derechos Humanos. Um das Thema durch deutsche Erfahrungen abzurunden, gelang es uns Wolfgang Heinz vom Deutschen Institut für Menschenrechte und Wolfgang Kaleck vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) für die Teilnahme an dieser Fachtagung zu gewinnen. Es fanden intensive Diskussionen und reger Austausch zwischen den ReferentInnen und den TeilnehmerInnen statt. Anregungen zur weiteren Vernetzung wurden vorgeschlagen. Eine Dokumentation der Tagung einschließlich der Empfehlungen wirdWatch Indonesia! 2016 veröffentlichen. Die Tagung bekam finanzielle Unterstützung von der Senatsverwaltung von Berlin, Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit.

 

Frankfurter Buchmesse, 14.-19. Oktober 2015

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IndonesierInnen singen zum Abschuss der Messe das einst verbotene Lied Genjer-genjer

Foto: Watch Indonesia!

Indonesien war 2015 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. In unmittelbarer zeitlicher Nähe zum 50. Jahrestag der blutigen Ereignisse von 1965 war es für Watch Indonesia! trotz erheblicher finanzieller und kapazitärer Belastungen ein MUSS, auf dieser Messe aktiv Flagge zu zeigen. Um Kosten zu sparen und Kapazitäten zu bündeln, entschieden wir uns für einen Gemeinschaftsstand mit dem Regiospectra Verlag, der unter anderem das kurz zuvor erschienene Buch von Anett Keller ‚Indonesien 1965 ff‘ publiziert hatte.

Gemeinsam organisierten wir an unserem Messestand tägliche Diskussionen mit AutorInnen aus Indonesien und Deutschland. Unsere Diskussionsstunde ‚Ngopi Yuk!‘ (deutsch: Lass uns Kaffee trinken!) gestalteten wir als eine informelle Diskussion, während der verschiedene Themen wie Aceh-Papua, Waldbrände, indonesische Literatur und 1965 behandelt wurden, während die Gäste einen fair gehandelten Original-Sumatra Kaffee serviert bekamen. Unsere Gäste bei ‚Ngopi Yuk!‘ waren Norman Voß vom Westpapua Netzwerk, Gunnar Stange von der Universität Frankfurt, die indonesischen Literaten Putu Oka Sukanta und Agus R. Sarjono sowie unsere Umweltreferentin Adriana Sri Adhiati.

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Gemeinsam mit amnesty international gestaltete Watch Indonesia! eine Abendveranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse

Foto: Watch Indonesia!

Ebenfalls auf der Buchmesse organisierten wir drei gemeinsame Veranstaltungen zum Thema 1965 mit Amnesty International Deutschland. Zwei kleinere Diskussionen fanden im Amnesty Bus, eine große Veranstaltung auf der Außenbühne Agora statt. Unsere Gäste waren Putu Oka Sukanta, Soe Tjen Marching und Ita F. Nadia. Sie repräsentierten die zwei Generationen von Überlebenden (Putu Oka) und deren Nachkommen (Soe Tjen Marching). Ita F. Nadia erzählte von ihrer Dokumentationsarbeit über Erfahrungen und Erzählungen von weiblichen Überlebenden. Emotionaler Höhepunkt war ein abschließender Gesangs- und Tanzauftritt mit dem Lied ‚Genjer-Genjer‘ (s.o.) auf der Agora-Bühne.

Auf der Bühne des Weltempfangs hatten wir eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel: ‚Auf der richtigen Spur? – Die Herausforderung der Demokratie und Bürgerfreiheiten in Indonesien‘. Exemplarisch für die Vielfalt der Probleme wurden die Themen Aceh, Papua, 1965 und Religionsfreiheit thematisiert. Auf der Bühne diskutierten Azahari Aiyub von Komunitas Tikar Pandan Aceh, Norman Voß vom Westpapua Netzwerk, Anett Keller von der Südostasien Informationsstelle und Basilisa Dengen von Watch Indonesia!. Gunnar Stange von der Universität Frankfurt moderierte die Veranstaltung.

Anknüpfend an eine gemeinsam Kampagne aus dem Vorjahr sprachen Katharina Kunze von Terre des Femmes und Basilisa Dengen von Watch Indonesia! auf der ‚Leseinsel der unabhänhigen Verlage‘ im Rahmen der Buchvorstellung ‚Schnitt in die Seele‘ (Mabuse Verlag, ISBN: 9783863212452) über weibliche Genitalverstümmelung in Indonesien. Es folgte ein Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Parallel zur Buchmesse veranstaltete die Uni Frankfurt eine Konferenz unter dem Titel ‚70 years of textual production in Indonesia: Cultural Traditions informing Modern Productions‘. Alex Flor von Watch Indonesia! war eingeladen, dort am 13. Oktober eine Diskussion mit der prominenten Autorin Ayu Utami, ihrer australischen Übersetzerin Pamela Allen sowie der Professorin cum Aktivistin Merry Kolimon aus Kupang, Westtimor, zu moderieren. Die Diskussion war überschrieben mit dem Titel ‚Menuliskan Kekerasan Politik dan Trauma‘ – Schreiben über politische Gewalt und Traumata.

Teilnahme am IPT 1965, November 2015

Vom 10.-13. November fand das ‚Internationale Völkertribunal 1965‘ (IPT 1965) in der Nieuwe Kerk in Den Haag statt. Das Tribunal war von sieben international renommierten RichterInnen besetzt, darunter Geoffrey Nice, der Slobodan Milosevic vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) angeklagt hatte. Das Klägerteam wurde von dem indonesischen Anwalt Todung Mulya Lubis angeführt, der neben indonesischen KollegInnen auch von der deutschen Juristin Silke Studzinsky Unterstützung bekam.

Auf Grundlage des Völkerstrafrechts basierte die Anklage auf dem Straftatbestand Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im einzelnen lauteten die Anklagepunkte: Mord, Versklavung, Inhaftierung, Folter, sexuelle Gewalt, Verfolgung, Verschwindenlassen, Verfolgung durch Propaganda und Mittäterschaft weiterer Staaten (namentlich der USA, Großbritanniens und Australiens). Zur Stützung ihrer Anklage wurden mehrere Experten und Überlebende als Zeugen vor das Gericht geladen. Asep Ruhyat, Basilisa Dengen, Dina Sihombing und Septavy beobachteten das Tribunal für Watch Indonesia! und brachten sich dort als freiwillige HelferInnen ein.

Das Gericht kam zu der Schlussfolgerung, dass 1965 in Indonesien mit Unterstützung des Staates schwere Menschenrechtsverletzungen begangen wurden. Ein ausführliches Urteil wird 2016 gefällt. Der Richterspruch wird den Vereinten Nationen in Genf vorgelegt werden.

Benbi 2015: Landraub – Wenn du den Boden unter den Füßen verlierst, 9. – 14. November

Vom 9.-14. November 2015 nahm das Team von Watch Indonesia! wieder an dem Berliner entwicklungspolitischen Bildungsprogramm (Benbi) teil. Zu dem vorgegebenen Oberthema Armut und Reichtum bereitete unser Team Workshops zum Thema Landraub für SchülerInnen der Grundschule sowie der Sekundarstufe I und II vor. Verschiedene Lernmethoden wie zum Beispiel Positionsbarometer und Rollenspiel wurden hierfür entwickelt. Als ReferentInnen haben Earenya Guerra, Septalinda Anggraeni, Lena Hermann, Sara Rust und Janis Jirotka mitgewirkt.

Weingarten: Asien-Gespräche, 13. bis 15. November 2015

Im Rahmen der Weingartener Asien-Gespräche 2015 trat Basilisa Dengen von Watch Indonesia! als Referentin zur Diskussion des Films ‚The Look of Silence‘ auf. Die Tagung mit dem Titel ‚Menschenrechte in Asien: Zwischen Macht und Ohnmacht‘ wurde vom 13. bis 15. November 2015 von FRIAS (Freiburg Institute for Advanced Studies) durchgeführt. Es wurde über die Akteure als auch die Rolle der regionalen Organisation ASEAN und vieles mehr diskutiert. Anett Keller hielt einen Vortrag zum Thema 1965 und stellte das von ihr herausgegebene Buch ‚Indonesien 1965ff‘ vor. Die Tagung wurde überwiegend von WissenschaftlerInnen und Studierenden der Universitäten Freiburg und Marburg besucht. Aus deren Rückmeldungen wird offensichtlich, dass der Film von Joshua Oppenheimer vielen Teilnehmenden die Augen zum Thema 1965 geöffnet hat.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen: Wut im Bauch, 25. November 2015

Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen organisierte die Frauenorganisation Evas Arche einen ökumenischen Gottesdienst zum Thema Hunger mit dem Arbeitstitel ‚Wut im Bauch‘ in der Katholischen Kirche St. Adalbert, Berlin. Während des Gottesdienstes wurde theatralisch die Hungersituation auf der Welt dargestellt und inwiefern Menschen, insbesondere Frauen, davon betroffen sind. Anschließend hielt Basilisa Dengen von Watch Indonesia! einen Vortrag über Landraub und dessen Zusammenhang mit Hunger in Indonesien.

Klimakonferenz COP 21 und die Umweltpolitik Indonesiens, Paris, 30. November – 12. Dezember 2015

Zum Ende des Jahres 2015 richtete die ganze Welt ihre Augen auf die Klimakonferenz COP 21 in Paris. Watch Indonesia! war während des gesamten Zeitraums der Klimaverhandlungen vom 30.11. bis 12.2015 in Paris und hat dabei eng mit den RepräsentantInnen von Friends of the Earth Indonesia (WALHI) zusammengearbeitet. Da die VertreterInnen von WALHI die notwendige Akkreditierung besaßen um den Verhandlungen direkt beizuwohnen, haben wir sie zu entsprechenden Terminen begleitet und unterstützt. Wir führten ihnen darüber hinaus Interviewes bezüglich ihrer Erwartungen zu verschiedenen Themenbereichen wie Waldschutz und Bergbau. Unter den Interviewten befand sicjh auch ein Vertreter des Dorfes Sungai Tohor in der Provinz Riau, welches besonders stark von den schweren Waldbränden betroffen war.

Am Ende der Verhandlungen in Paris wurde deutlich, dass das internationale Abkommen aufgrund der Politik des Pragmatismus keinen Richtungswechsel innerhalb des Natural Resource Management Indonesiens für die Bevölkerung verspricht und daher sowohl Umwelt als auch Gesellschaft des Landes in einem weiterhin Besorgnis erregenden Zustand verharren werden.

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