Zeitschrift SUARA

Angesagt – aus der Arbeit von Watch Indonesia!

Berlin, Oktober 2013

Suara Nr. 1/2013

Nr. 11, Januar 2013 – Juni 2013

 

Palmöl – Fluch oder Segen? Podiumsgespräch BTU Cottbus, 14. Januar 2013

Studierende der BTU Cottbus konnten im Januar eine ganze Palmölwoche erleben. Auftakt bildete ein von Daniel Häfner moderiertes Podiumsgespräch mit Vertreterinnen von Robin Wood, BOS Deutschland und Watch Indonesia!. Studentin Viviane Meyer organisierte daneben auch eine Ausstellung, eine Palmöl-Stadtführung und einen palmölfreien Workshop. So gut wie alle mit Palmöl verbundenen Aspekte kamen bei dem Podiumsgespräch zur Sprache, angefangen von Wachstumszyklus der Pflanze über ökologische und soziale Probleme des Anbaus in Monokulturen bis hin zu Handlungsmöglichkeiten individueller Verbraucher. Für Watch Indonesia! saß Marianne Klute auf dem Podium.

Landraub: Zunehmender Einfluss privater Unternehmen und der Dialogprozess in Papua, 25.-31. Januar 2013

»Ich habe niemandem außer meiner Familie erzählt, dass ich hier nach Deutschland komme. Wenn ich das verraten würde, wäre mein Leben und das Leben meiner Familie in Gefahr«. Mit diesen Worten eröffnete der Gemeindepriester Zefnat Kudubun aus Westpapua das Partnerschaftsseminar des Westpapua Netzwerks, welches vom 25.-27. Januar 2013 in Niederbieber stattfand. An diesem Seminar, das unter dem Titel »Landraub und Dialog, Haben die Papua im neuen Indonesien eine Zukunft?« lief, nahmen sowohl die Partnerkirchen als auch Mitglieder des Netzwerkes teil. Zefnat Kudubun referierte dabei schwerpunktmäßig über den Landraub im Distrikt Kurik, Merauke, in der Provinz Papua, in der sich das riesige Projekt MIFEE (Merauke Food and Energy Estate) befindet. Die Situation vor Ort hat sich in der letzten Zeit dramatisch verschlechtert, da viele arbeitsfähige Einwohner ihre Zukunftsperspektiven verloren, nachdem sie ihr Land verkauften mussten und ihnen damit der Zugang zum Wald, ihrer Haupternährungsquelle, verweigert wurde.

Zusammen mit Kudubun wohnte auch Septer Manufandu vom Papua Friedensnetzwerk (JDP) der Veranstaltung bei. Er informierte über die aktuelle politische Lage in Papua und die Notwendigkeit eines Dialogs zur friedlichen Lösung des Konflikts. Begleitet von Norman Voss, dem Referenten des Westpapua Netzwerks, konnten die beiden Aktivisten im Anschluss an das Seminar auch Lobbygespräche mit dem Auswärtigen Amt und Mitgliedern der Menschenrechtskommission des Deutschen Bundestages führen. Dabei trafen Sie am 29.1. auf Christoph Strässer von der SPD und am 31.1. auf Jürgen Klimke von der CDU. Alex Flor und Basilisa Dengen von Watch Indonesia! begleiteten die beiden Gäste zu den Gesprächen mit den genannten Abgeordneten.

Im Rahmen dieser Zusammenkunft in Berlin gelang es Watch Indonesia! auch einen Filmabend mit Zefnat Kudubun und Septer Manufandu im Büro von Watch Indonesia! zu organisieren. Der Film Air Mata Ibu Malamoi (Foker LSM Papua, 2007) erzählt von massiver Ausbeutung der Naturressourcen in Papua. Circa 25 Mitglieder und Freunde nahmen an dieser Veranstaltung teil und diskutierten intensiv über die Geschehnisse in der Region. Dabei wurde beispielsweise nach der Haltung der lokalen Regierung im Dialog zwischen Jakarta und Papua gefragt. Manufandu führte daraufhin aus, dass die Problematik in Papua nicht bloß mit den Sonderautonomiegeldern zu lösen sei. Er betonte, dass es seiner Ansicht nach zu begrüßen wäre, wenn die Zentralregierung und die Leute in Papua sich darauf vorbereiten würden, miteinander in einen Dialog zu treten. Auf lokaler Ebene wurde der Dialog zwischen den indigenen Papuas und den Migranten der Region bereits begonnen. Jetzt erwarte die einheimische Bevölkerung, dass auch die Regierung in Jakarta Schritte unternimmt, um einen Dialog mit den Papuas aufzunehmen. Weiterhin erklärte er, wie mächtig die privaten Unternehmen in der Region mittlerweile seien und wie stark sie von den Sicherheitskräften – Polizei und Militär – unterstützt würden. Dies sei auch eine Ursache dafür, warum die staatlichen Unternehmen vor Ort sich nicht weiterentwickelten. Die politische Situation in Westpapua ist nach Auffassung von Manufandu vor allem dadurch verschlimmert worden, dass im Vorfeld der stattfindenden Wahlen viele Kandidaten politische Abmachungen mit den lokalen Unternehmen trafen, um ihre persönlichen Interesse zu sichern.

Diskussion mit KBRI: Verbreitung des Islams in Indonesien, 01. Februar 2013 und Bürokratiereform in Indonesien, 05. Februar 2013

Pipit Kartawidjaja von Watch Indonesia! wurde als Gastredner zu einer Diskussion bei der indonesischen Botschaft Berlin (KBRI Berlin) eingeladen. Er referierte über die Bürokratiereform in Indonesien und arbeitete deren Ziele heraus. Zuallererst will diese Reform seiner Ansicht nach den Staat stärken und die Teilhabe der Bevölkerung stimulieren. Der erste Schritt, der notwendig ist, um diese Reformen weiterzuführen, bestehe aus seiner Sicht in der Zustimmung des Parlaments zum Gesetzentwurf über die Staatsverwaltung (RUU Administrasi Pemerintahan). Dies konnte aber bisher nicht realisiert werden, da diesbezüglich seit 2005 noch keine Regierungsverordnung des Präsidenten erteilt wurde.

Auf einer vorherigen Veranstaltung hielt Syafiq Hasyim, Vorstandsmitglied von Watch Indonesia!, einen Vortrag über den Islam in Indonesien. Dabei erörterte er zunächst die Frage, wann der islamische Glaube den Archipel erreichte und welche Personen und Bevölkerungsgruppen für seine Verbreitung verantwortlich waren. Hasyim wies darauf hin, dass zahlreiche islamische Gruppierungen in Indonesien der Meinung seien der Islam habe erst im 8. Jahrhundert das Land erreicht. Diese Feststellung ist insofern von Bedeutung, als dass viele muslimische Religionsführer daraus ableiten wollen, dass der Islam zum ältesten Teil dieses Landes gehört und er damit auch einen größeren Anspruch auf dieses Land geltend machen könne als andere Religionen. Syafiq Hasyim stuft diese Einschätzung als sehr politisch ein. Auf die Frage, wie der Islam in Indonesien eingeführt wurde, hob er hervor, dass diese Religion auf friedlichem Wege den Archipel eroberte, d.h. vor allem ohne Kriegführung.

Vorführung des Films The Act of Killing an der Humboldt-Universität zu Berlin, 11. Februar 2013

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Joshua Oppenheimer in Berlin

Foto: Basilisa Dengen, Watch Indonesia!

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltete Watch Indonesia! am 11. Februar 2013 einen Filmabend mit Diskussion. Rund 150 Teilnehmer fanden sich zu »The Act of Killing« in einem völlig überfüllten Hörsaal der Universität ein. Wegen Platzmangels mussten einige Studenten sogar auf dem Boden Platz nehmen, um diese seltene Chance nicht zu verpassen. Andere saßen hingegen ruhig im Flur und versuchten, so nah wie möglich an den Bildschirm heranzukommen. Unter den Zuschauern waren neben Studenten, Doktoranden und NGO-Aktivisten auch Exilindonesier, die nach den Massakern im Jahr 1965 aus verschiedenen Ländern nach Berlin flüchten mussten.

Der Regisseur Joshua Oppenheimer kam nach Berlin, um den Film auf der diesjährigen Berlinale vorzuführen. Freundlicherweise nahm er die Einladung von Watch Indonesia! an. Anders als die in den Kinos gezeigte Fassung präsentierte Oppenheimer auf diesem Filmabend den director’s cut, weil er der Meinung war, dass diese Fassung für Indonesienkenner informativer und interessanter sei. Der Regisseur stieß während der Filmvorführung zur Präsentation hinzu und zeigte sich sehr begeistert darüber, dass sein Film ein derart großes Interesse unter den Berlinern erregte. Während der Diskussion erklärte Oppenheimer, dass er am Anfang gar nicht vorhatte, einen Film aus der Täterperspektive zu drehen. Dies sei ihm von den Opfern empfohlen worden, die ihn darauf hinwiesen, dass viele Täter bis heute unbestraft und frei auf den Straßen von Medan herumlaufen können. Oppenheimer führte aus, dass er mit seinem Film habe zeigen wollen, wie die Straflosigkeit bis heute in Indonesien noch gefeiert wird. Während der Diskussion erklärte er auch, dass es in dem Film »The Act of Killing« nicht nur um Mord an Menschen ginge, sondern auch um Mord an der Kultur, an Ideen und Werten, aber auch an Gemeinschaft und Hoffnung. Ein Teilnehmer fragte, ob er mit diesem Film noch nach Indonesien reisen könne. Oppenheimer antwortete: »Ich frage alle Indonesier, die hier anwesend sind: Ist es noch möglich?« Betretendes Schweigen, niemand antwortete. »Ja, das ist die Antwort«. Daraufhin brach im Hörsaal schallendes Gelächter aus.

Filmabend mit Diskussion: Alkinemokiye — Eine Geschichte über den Arbeiterstreik im Bergbau von Freeport McMoran in Papua, 1. März 2013

Am 15. September 2011 stellten 8000 Arbeiter von Freeport McMoran Indonesien die Maschinen aus und verließen ihren Arbeitsplatz, um in einen Streik zu treten. Sie verlangten eine Lohnsteigerung von US$ 3.5 auf US$ 7.5 pro Stunde. Dafür organisierten sie einen »langen Marsch« und blockierten den Zugang zur Bergbaumine. Anlass des Streiks waren vor allem die großen Differenzen in der Gehaltsstruktur der beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ferner zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen der Produktivität der jeweiligen Mine und den Gehältern der Arbeiter. So streckt sich die Einkommensschere innerhalb des Unternehmens vom niedrigsten Lohn in Indonesien bis zum höchsten Entgelt in der internationalen Struktur in einem Verhältnis von 1:545. Freeport Indonesia als die größte Goldmine der Welt zahlt zum Beispiel für ihre Arbeiter in Papua einen weitaus geringen Lohn als für die Beschäftigten in Süd-und Nordamerika, wo die Produktion niedriger ist. Ferner enthüllte der Film auch, dass die ehemaligen Arbeiter von Freeport bis heute keine angemessene und zuvor zugesicherte Rente erhalten.

Der Streik wurde sehr vorsichtig organisiert, die Demonstranten wehten immer wieder mit der indonesischen Flagge, um den Vorwurf der Sympathie mit der Unabhängigkeitsbewegung zu entkräften.

Der Filmmacher, Dandhy Dwi Laksono, erzählte, dass die Idee zur Entstehung dieses Films reiner Zufall war. Während er in der Nähe an einer Reportage arbeitete, begann der Streik bei Freeport. Er nutzte diese Gelegenheit, um die Geschehnisse zu filmen und Bildmaterial zu sammeln. Seine Filmaufnahmen wurden zeitweise von der Polizei beschlagnahmt, ihm aber später weder zurückgegeben. Allerdings hatten die Sicherheitskräfte einen Teil der Aufnahmen zuvor gelöscht.

Der Film erzählt nicht nur von den Streiks, der Ungerechtigkeit und den schlechten Arbeitsbedingungen bei Freeport, sondern bringt dem Zuschauer auch den Zusammenhang zwischen den Streiks und der politischen Lage in Papua näher. Alkinemokiye wurde außer in Berlin auch an der LSE und dem Imperial College in London sowie an der Metropolitan University in Leeds vorgeführt. Im Vorjahr gewann der Film den Preis des ASEAN Dokumentarfilmwettbewerbs. Die öffentliche Vorführung wurde aber von den Behörden verweigert. Die Teilnehmer konnten den Film jedoch auf dem eigenen Laptop sehen.

Der Besuch von Dandhy Dwi Laksono wurde durch eine Zusammenarbeit zwischen Watch Indonesia! und der Vereinigung der indonesischen Studenten Berlin (PPI Berlin) ermöglicht.

RSPO: Treffen mit Darrel Webber, RSPO-Generalsekretär, am 04. März 2013 in Berlin

Der Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO) mit mehr als 500 Mitgliedern aus Industrie, Handel, Finanzsektor, NGOs und anderen Bereichen wirbt mit nachhaltig produziertem Palmöl um den europäischen Markt. Hier jedoch scheint die Akzeptanz gering: das RSPO-zertifizierte Palmöl findet kaum Absatz und wird zudem von einigen zivilgesellschaftlichen Gruppen kritisiert. Das Treffen mit RSPO-Generalsekretär Darrel Webber bot Watch Indonesia!, Greenpeace, EED/Brot für die Welt, Robin Wood und dem WWF Gelegenheit, Webber mit einem ganzen Katalog an Fragen zu konfrontieren.

In Rücksprache mit unseren indonesischen Partnern brachten wir auch konkrete Beschwerdefälle vor. Einige der Fragen blieben offen oder sollen schriftlich beantwortet werden.

»Wonderful Indonesia. The world’s heart of wonders« – Infostand/Demonstration anlässlich der ITB, Berlin, 05. März 2013

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Watch Indonesia! Tour & Travel

Foto: Watch Indonesia!

Wie jedes Jahr fand im März die Internationale Tourismus Börse (ITB) statt. Es handelt sich dabei um die größte und wohl wichtigste Tourismusmesse der Welt. Und wie jedes Jahr hatte die ITB auch 2013 als Schwerpunktthema ein Partnerland: Indonesien.

»Der Tourismussektor ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Indonesiens: Rund 9,2 Millionen Menschen sind im Tourismus beschäftigt, das entspricht 8,4 Prozent des indonesischen Arbeitsmarktes. Mit Gesamteinnahmen in Höhe von 33,8 Milliarden US-Dollar trägt der Tourismussektor 3,9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Inselstaates bei […] Insgesamt verzeichnete der Archipel 8,04 Mio. internationale Ankünfte im Jahr 2012, im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 5,2 Prozent.« (PR-Inside.com, 14.3.13) Lassen wir diese Zahlen sprechen: 8,04 Mio. internationale Gäste sorgen also für rund 9,2 Mio. Beschäftigte im Tourismussektor. Der durchschnittliche Pauschaltourist bucht eine zweiwöchige Reise nach Bali. Ein paar wenige – und meist weniger zahlungskräftige – Touristen bleiben etwas länger.

Mit geringen Abweichungen nach oben oder unten kommen wir also zu der Feststellung, dass ein durchschnittlicher Tourist innerhalb von zwei Wochen in etwa soviel Geld im Land lässt, wie ein lokal Beschäftigter im ganzen Jahr verdient!

Es bleibt Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, überlassen, ob sie diese Zahlen eher als Indiz für die Ausbeutung indonesischer Arbeitskräfte oder aber als Beweis einer überproportionalen Schröpfung ausländischer Touristen bewerten möchten. Zum Vergleich der Größenordnungen sei eine weitere Zahl genannt: alleine in Berlin wird bis Ende dieses Jahres mit über elf Millionen Gästen gerechnet (Tagesspiegel, 23.08.2013) – ca. drei Mio. mehr als die Zahl ausländischer Touristen in ganz Indonesien. Aber nur ca. 280.000 Menschen verdienen davon ihren Lebensunterhalt (vgl. 9,2 Mio. im Tourismus Beschäftigte in Indonesien, s.o.).

Wie auf Messen so üblich, stand zu erwarten, dass sich Indonesien auf der ITB nur von seiner schönsten Seite präsentieren würde: Traumstrände, Tauchparadiese und kulturelle Höhepunkte. Das Ausblenden von weniger schönen Aspekten ist auf einer Messe normal. Schon weniger normal, wenn auch nicht ganz unüblich, ist die völlige Verdrehung von Tatsachen. Wenn da plötzlich eine Region wie Papua als Reiseziel angepriesen wird, obgleich Journalisten, Menschenrechtsorganisationen – ja sogar das Internationale Komitee vom Roten Kreuz! – von dort ferngehalten werden sollen, dann gibt das zu Denken.

Wenn mit Ausflügen in Orang Utan-Reservate geworben wird, die unter Billigung der Regierung immer mehr unter Druck von Plantagenunternehmen geraten und somit den Lebensraum der Orang Utan auf die Größe eines kommerziellen Safariparks reduzieren, dann bedarf es einer Gegendarstellung. Watch Indonesia! entschied sich zu einer nicht-konfrontativen Darstellung dieser Gegebenheiten. In satirischer Weise wurden Handzettel verteilt, die auf die im offiziellen Messeprogramm scheinbar vergessenen Touristenattraktionen aufmerksam machten. Eine kleine Ausstellung verbildlichte die »Attraktivität« der angepriesenen Reiseziele: Im Angebot waren unter anderem Wellness-Urlaube mit Schlammpackungen aus den Tiefen des Vulkans Lapindo und Erlebnisurlaube zu den beliebtesten Reisezielen indonesischer Militärs in Papua. Angesichts der fast auf die Größe von Zoogehegen geschrumpften Lebensräume der noch frei lebenden Orang Utans ging das fiktive Reisebüro von Watch Indonesia! gar so weit, eine Kostenrückerstattungsgarantie für den Fall zu übernehmen, dass jemand in dem verbliebenen Gehege keinen Orang Utan zu Gesicht bekäme. Die offiziellen Vertreter Indonesiens interessierten sich nicht für Inhalt und Form unserer Aktion. Für sie zählte allein die Tatsache, dass es beim Empfang von Staatspräsident Yudhoyono auf der ITB offenbar eine Protestaktion geben sollte. Auf die irgendwie durchgesickerte Nachricht über die geplante Protestaktion hin gerieten sie in Panik und agierten nicht anders als zu Zeiten der Diktatur Suhartos. Mitglieder der Delegation von Präsident Yudhoyono bequatschten einfache Berliner Polizisten, die zum Wachschutz am Hotel Adlon, dem Übernachtungsort des Präsidenten, abgestellt waren: ob man die Demonstration von Watch Indonesia! nicht verbieten könne? Bis spät in die Nacht verzeichnete Watch Indonesia! noch Zugriffe auf die Homepage aus dem Hotel Adlon. Am nächsten Tag die Eröffnung der ITB. Watch Indonesia! und einige Leute befreundeter Organisationen stehen mit Ausstellung und Plakaten vor dem Eingang des Kongresszentrums ICC. Vizebotschafter Siswo Pramono, der uns kurz zuvor noch zum Essen in seine Dienstvilla eingeladen hatte, schien uns plötzlich nicht mehr zu kennen.

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Polizei erklärt, wo es lang geht: »Dorthin bitte!«

Foto: Watch Indonesia!

Ein Diplomatenauto (Kennzeichen CD) versperrte den Zugang zum Bereich, der uns von der Polizei für unsere Aktion zugewiesen wurde. Auf Einschreiten der Polizei musste sich der Fahrer einen anderen Parkplatz suchen. Dann kam Brigadegeneral Yoedhi Swastono, ehemaliger Militärattaché an der indonesischen Botschaft in Berlin. Er kickte mit dem Fuß an die aufgestellten Infotafeln und sagte zu Alex Flor, einem der Geschäftsführer von Watch Indonesia! : »Wir wissen, wer du bist. Nimm dich in Acht!« Gegenüber Watch Indonesia! -Vorstandsmitglied Erwin Sutanto wurde Swastono deutlicher: »Wenn du in Jakarta wärest, würden wir dich umbringen. Ich töte langsam …« Erwin Sutanto erstattete Strafanzeige. Als nächstes wurden indonesische Studenten (vermutlich mit einem Trinkgeld) dazu angehalten als Empfangskomitee zu agieren und in Form einer Menschenkette den Kontakt zwischen Messebesuchern und dem Infostand von Watch Indonesia! effektiv zu unterbinden. Auch diese Blockierer wurden allerdings von der Polizei des Platzes verwiesen. Einige wichtige Kernpunkte der Kritik bezüglich der Nachhaltigkeit des Tourismus sind vielleicht nicht angekommen. Aber zumindest die Unterschiede zwischen einem gesetzlich verbrieften Demonstrationsrecht und den altgewohnten Praktiken aus der Zeit der Diktatur Suhartos wurden bei dieser Gelegenheit beiden Seiten deutlich.

Filmabend mit Diskussion: Lapindo Schlammvulkan ist kein Naturkatastrophe, 06. März 2013

Am 29. Mai 2006 schoss heißer Schlamm aus den Bohrlöchern der Firma Lapindo Brantas in Sidoarjo, Ostjava. Die übelriechende Masse floss auf die angrenzenden Felder und erreichte schließlich sogar die Siedlungen der einheimischen Bevölkerung. Etwa 700 Hektar Land verwandelten sich in einen Schlammsee, zwischen 40.000 und 60.000 Einwohner wurden infolge der Katastrophe zu Binnenflüchtlingen. Einige Menschen migrierten daraufhin in andere Städte, andere hingegen leben heute in den Gebieten der nahen Umgebung, die nicht von der Schlammlawine betroffen waren.

Doch nicht nur geographische Veränderungen lassen sich in der Region beobachten, auch die Wirkung dieser Ereignisse auf das soziokulturelle Leben der Einwohner sollte nicht unterschätzt werden. Die indonesische Menschenrechtskommission (Komnas HAM) klassifizierte im Jahr 2012 den Vorfall als vom Menschen verursachte Katastrophe. Nach den Ausführungen von Komnas HAM hat der Staat gegen 15 essentielle Grundrechte verstoßen, unter anderem das Recht auf Leben, das Recht auf Gesundheitsvorsorge, aber auch gegen die Rechte auf Bildung und Arbeit sowie weitere wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Der Rechtsstreit um die Folgen dieser Katastrophe dauert bis heute an. Der Besitzer des Unternehmens Lapindo, Aburizal Bakrie, kandidiert 2014 für das indonesische Präsidentenamt. Er streitet jede Verantwortung für die Katastrophe ab und bekennt sich als nicht schuldig.

Zu diesem Thema war Anton Novenanto am 06. März bei Watch Indonesia! zu Gast. Er schreibt derzeit seine Doktorarbeit über die Lapindo-Affäre an der Universität Heidelberg und präsentierte auf unserer Veranstaltung den Stand seiner Forschung, informierte aber gleichzeitig auch über die neuesten Entwicklungen in diesem Gebiet. Zum Einstieg in die Thematik zeigte Novenanto den Film Anak-Anak Lumpur (Children of Mud, Danial Rifki, 2009). Das Grundproblem in Lapindo macht er an der komplizierten Beziehung zwischen Staat, Unternehmen und Zivilgesellschaft fest. Der Staat ist seiner Interpretation nach in diesem Konflikt gelähmt, da die Unternehmen in der letzten Zeit zunehmend an Einfluss gewannen und vereinzelt bereits die Rolle des Staates übernehmen. Die Vertreter der Zivilgesellschaft hingegen kämpfen jeden Tag darum, um den Staat wieder zu stärken. Die wichtigste Frage der Diskussion war: Welche Mechanismen müssen implementiert werden, um die Unternehmen zur Verantwortung zu bringen? Solche Mechanismen sind in Indonesien aber bisher nicht existent. Zwar verabschiedete die Zentralregierung in Jakarta im Jahr 2007 ein Gesetz zur Bewältigung von Naturkatastrophen. Lösungswege zur Bewältigung industrieller Katastrophen wie in Lapindo, sind darin aber nicht enthalten. Damit müssen die indonesischen Gesetzgeber sich zukünftig noch beschäftigen.

Welternährung und Bioenergie: reicht es für beides?, 52. Treffen des Netzwerks Bioenergie der Deutschen Umwelthilfe in Berlin am 20. März 2013

Bei den Debatten über Bioenergie stößt man auf grundsätzliche Probleme der globalen Agrarpolitik: ist es möglich, die Welternährung sicherzustellen und außerdem Pflanzen für Energie anzubauen? Wie kann der ökologische Fußabdruck der Industriestaaten verkleinert werden? Wie kann kleinbäuerliche Landwirtschaft gefördert und damit Hunger und Armut bekämpft werden? Welche Hebel haben wir zur Sicherstellung des Rechts auf Nahrung und wie kann Landnutzungspolitik wirken? Diese und ähnlichen Fragen stellten sich die Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in der vierstündigen Sitzung in den Räumen der Deutschen Umwelthilfe in Berlin.

In ihrem Beitrag stellte Marianne Klute als Vertreterin von Watch Indonesia! und des Forums Umwelt und Entwicklung drei mögliche Handlungsstränge vor, die sich an den Forderungen und Bedürfnissen der indonesischen Zivilgesellschaft orientieren: nämlich die Reduzierung des Konsums (vor allem durch weniger Verschwendung und mehr Effizienz), die Unterstützung der indonesischen Politik bei der Umsetzung einer kohärenten Landnutzung und nicht zuletzt die Unterstützung der indonesischen zivilgesellschaftlichen Projekte zur Durchsetzung von Landrechten und Landplanung.

Hier Bio – dort Tod; Filmabend und Gespräch in der Reihe Dialog der Kulturen – Indonesien – des Ökumenischen Informationszentrums Dresden im Filmkino Casablanca am 21. März 2013

Unter dem Eindruck des Films von Inge Altemeier diskutierte das Publikum mit Sandy Nurvianto, Doktorand der Wildökologie an der TU Dresden, Marianne Klute von Watch Indonesia! und Thomas Brockmann vom Zoo Dresden über die Gefährdung von Natur und Mensch durch Ölpalmplantagen. Im Film schockiert das Schicksal der in Plantagen verirrten / getöteten Orang Utans, und selbst anwesende Indonesier blieben angesichts der Bilder aus Sumatra und Kalimantan betroffen. Nurvianto konnte aus eigener Erfahrung berichten, wie schwierig Wildtierschutz in der Realität umgesetzt werden kann. Marianne Klute beantwortete anschaulich die umfassenden Fragen des Publikums nach allen Aspekten des Palmölanbaus. Bei den Anwesenden blieb eine kleine Hoffnung zurück, dass auch der einzelne Mensch etwas gegen Umweltzerstörung durch die Palmölindustrie tun kann.

Filmveranstaltung mit Ine Febrianty, Berlin, 11. April 2013

In Kooperation mit der indonesischen Studentenvereinigung Berlin (PPI) veranstaltete Watch Indonesia! einen Filmabend mit der bekannten Filmemacherin Ine Febrianty im Soupanova. Sie zeigte zunächst ihren Kurzfilm Selamat Siang Risa, in dem es um Korruption geht. Darauf folgte Jam 10 malam, ein Film über einen wegen seiner moralischen Werte allseits angesehen Lehrer, der schließlich zur Bestie wird und seine Lieblingsschülerin misshandelt und tötet. Beide Filme lösten rege Diskussionen über Kultur und Sitte, aber auch um Religion und Politik unter den zahlreich erschienenen Gästen aus.

Fair Fuels? Biokraftstoffe zwischen Sackgasse und Energiewende. Konferenz bei Palisa.de in Berlin am 19. April 2013

Es zeichnet sich ab, dass Agrokraftstoffe im Mix erneuerbarer Energien keinen signifikanten Beitrag liefern können. Im Gegenteil werden sie für negative Effekte in den Produzentenländern wie Landraub, Nahrungsmittelknappheit und unerwünschte Landnutzungsänderungen verantwortlich gemacht. Auf der Abschlusskonferenz des Forschungsprojekts Fair Fuels des Bundesministeriums für Bildung und Forschung kamen daher »Diskurse, Effekte und Konflikte aus transnationaler Perspektive« zur Sprache. Während es im ersten Block um die politischen Rahmenbedingungen und die Akteure, die den Weg für den Boom der Agrokraftstoffe ebneten, ging, drehte sich der dritte Block um die indirekten Landnutzungsänderungen und Möglichkeiten, diese wissenschaftlich zu erfassen und politisch zu regulieren. Fallbeispiele aus Afrika, Brasilien und Asien rundeten das Programm ab.

In seiner Fallstudie zu Asien nahm Dr. Oliver Pye, Universität Bonn, den Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) als Modell für mögliche Zertifizierung aller Biomasse unter die Lupe. »Zertifizierung kann die Zerstörung des Regenwaldes nicht aufhalten«, so Pyes Analyse des RSPO. Soziale und Land-Konflikte seien Teil der Struktur und könnten mitnichten durch den RSPO-Beschwerdemechanismus gelöst werden. Im Gegenteil: da staatliche Akteure, Palmölunternehmen und Kapital eng miteinander verknüpft seien, zementiere der RSPO die Strukturen, die für eine echte Energiewende aufgebrochen werden müssten. Marianne Klute, die für Watch Indonesia! an der Konferenz teilnahm, machte auf die Schwächung des RSPO aufmerksam: Eine Reihe indonesischer Palmölunternehmen hätten den RSPO verlassen. Gleichzeitig habe Indonesien mit dem ISPO, dem Indonesischen Nachhaltigen Palmöl, Nachhaltigkeit eigenwillig definiert und ein noch schwächeres Zertifizierungsmodell vorgestellt.

Protestaktion vor dem Auswärtigen Amt zum Tag der Landlosen, 17. April 2013

Verschiedene Umweltorganisationen hatten zu einer Protestaktion zum internationalen Tag der Landlosen vor dem Auswärtigen Amt (AA) in Berlin aufgerufen. Watch Indonesia! beteiligte sich an der Aktion. Ein Vertreter des AA traf sich auf der Straße mit den Demonstranten und nahm ihre Anliegen entgegen.

Illegal Logging und Geldwäsche, indonesische Delegation in Berlin am 19./20. April 2013

Indonesische NGOs beobachten Geldflüsse aus dem Geschäft mit legal und illegal eingeschlagenem Tropenholz über Drittstaaten in legale Investitionen. Indizien weisen darauf hin, dass große asiatische Konzerne in die Geldwäsche verwickelt sind. Es wäre zu erwägen, mithilfe des indonesischen Geldwäschegesetzes und internationaler Instrumentarien die Korruption im Holzsektor und den illegalen Holzeinschlag zu bekämpfen. Auf ihrer Besuchsreise nach Europa kamen drei indonesische Aktivisten*, in Begleitung von Stefanie Fried von der Ulu Foundation aus Hawaii und Korinna Horta von urgewald nach Berlin. Neben Lobbygesprächen fand ein Treffen mit Misereor und Watch Indonesia! statt, an dem Marianne Klute teilnahm.

* Rio Ismail von der Organisation Aksi, ehemals Leiter der Umweltabteilung der Rechtshilfeorganisation LBH und Vorstand von WALHI, Rechtsanwalt Febri Diansyah von Indonesian Corruption Watch und Rivani Noor von CAPPA aus Jambi

Abschlusssitzung der Plattform Nachhaltige Biomasse am 30. April 2013 in der Charité in Berlin

Das Fazit der Plattform Nachhaltige Biomasse nach sechsjähriger Laufzeit lautet: Wir brauchen die Energiewende mit gleichzeitiger deutlicher Reduktion des Verbrauchs. Biomasse im Energiemix macht bei steigendem Energieverbrauch keinen Sinn, sondern ist nur Steigbügelhalter. Eine wirkliche Energie- und Klimapolitik ist nicht in Sicht, stattdessen werden warnende NGOs teilweise diffamiert. Die Realität ist ernüchternd. Die sogenannte Bioenergiepolitik ist nur ein Alibi. Dagegen boomt die fossile Wirtschaft, Wirtschaftswachstum hat wie immer Priorität und die Bequemlichkeit der Verbraucher hat gesiegt.

Nach sechs Jahren ist das Projekt der Plattform Nachhaltige Biomasse, an dem Marianne Klute jahrelang aktiv teilnahm, beendet. Gestartet ist die Plattform noch in euphorischer Stimmung, gelangte jedoch, insbesondere beim Thema Agrokraftstoffe (Palmöl) schließlich in die Depression. Die Plattform konnte immerhin andere Perspektiven in die allgemeine Diskussion einbringen und Anstöße zu den Debatten um Energie und Transport geben. Sie hat Fragen nach sozialen und menschenrechtlichen Aspekten aufgeworfen und Grenzen des Wachstums aufgezeigt. Letztendlich scheiterte die Plattform am Hemmnis, soziale und menschenrechtliche Aspekte in Politik und Wirtschaftsgeschehen einzubringen.

Menschenrecht auf Religionsfreiheit – Christen in Indonesien, Evangelischer Kirchentag in Hamburg, 2. Mai 2013

Auf Einladung der VEM (Vereinte Evangelische Mission) nahm Basilisa Dengen von Watch Indonesia! an einer Podiumsdiskussion auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg teil. Mehr als hundert Personen hätten die Podiumsdiskussion verfolgt, Saal 12 des Congress Centers Hamburg bot aber leider nicht allen Interessierten ausreichend Platz. So mussten Kirchentagsbesucherinnen und Besucher abgewiesen werden. Sie verpassten eine spannende und dichte Podiumsdiskussion zur Religionsfreiheit in Indonesien.

Wie aktuell das Thema ist, zeigte Dr. Jochen Motte, VEM-Vorstand und Moderator der Diskussion, anhand von zwei Kurzfilmen. Der eine berichtete über einen Kirchenabriss in Bekasi wenige Wochen zuvor. Kein Einzelfall sei das, sagte Andar Pasaribu von der Christlich-Protestantischen Toba-Batak-Kirche (HKBP). Moscheen dürften einfach so überall gebaut werden, Kirchen nur mit ganz strengen Auflagen, etwa nur dann, wenn mindestens 90 Menschen aus der Nachbarschaft sich damit einverstanden erklären. Und selbst dann verhinderten lokale Behörden immer wieder den Bau oder sorgten dafür, dass gebaute Kirchen geschlossen und abgerissen würden.

Religionsfreiheit in Indonesien – Andreas Harsono zu Gast bei HRW und Watch Indonesia!, 3. Mai 2013

Auf einem eher mager besuchten NGO-Treffen im Büro von Human Rights Watch (HRW) und einer mit zahlreichen indonesischen Gästen deutlich besser besuchten Abendveranstaltung bei Watch Indonesia! berichtete und diskutierte HRW-Campaigner Andreas Harsono über aktuelle Auseinandersetzungen mit und Angriffe auf religiöse Minderheiten in Indonesien.

EEPN Meeting, Steering Committee bei Watch Indonesia!, am 14.-15. Mai 2013

Das European Environmental Paper Network (EEPN) ist ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen, die zur Zellstoff- und Papierindustrie arbeiten. Am diesjährigen Treffen des Steering Committees nahmen Vertreter aus Italien, Deutschland, Österreich, Großbritannien und Belgien teil. Neben einem Rückblick auf die Aktivitäten des EEPN und der britischen Shrink-Paper-Kampagne standen Strategien und Aufgaben des EEPN auf dem Programm. Nach einer Grundsatzdiskussion um eine globale Papier-Vision war Indonesien ein wichtiger Themenblock. Mit Abu Meridien von Telapak aus Bogor, Marianne Klute als Indonesienexpertin und Peter Gerhardt als Indonesien- und Umweltkenner war das Thema gut besetzt. Watch Indonesia! fungierte als Gastgeber.

Abu Meridien stellte das Indonesian Legality Verification System vor, mit dem sichergestellt werden soll, dass Tropenholz und Zellstoff tatsächlich legalen Ursprungs sind. Das System kann als Anpassung an die Erfordernisse des Forest Law, Governance and Trade (FLEGT) Modells der EU betrachtet werden, enthält aber nach Auffassung indonesischer NGOs noch zahlreiche Lücken. Es wäre notwendig, so Abu Meridien, dass internationale NGOs Druck auf das indonesische Forstministerium ausüben, diese Lücken zu schließen.

Die Zellstoff- und Papierindustrie weltweit steht vor einer massiven Expansion. Dutzende neuer riesiger Fabriken und Holzplantagen sind geplant. Die indonesischen Konzerne drängen auf den europäischen Markt bzw. haben hier bereits Fuß gefasst. Auf der anderen Seite hat der Konzern Asia Pulp & Paper (APP) eine neue Umweltpolitik vorgestellt, in der er verspricht, kein Holz mehr in Naturwald einzuschlagen. Das EEPN macht es sich zur Aufgabe, diese Entwicklungen kritisch zu verfolgen und aktiv einzugreifen.

Religionsfreiheit in Indonesien, KMKI Nord, Hamburg, 17./18. Mai 2013

Die katholische Studentengemeinde Indonesiens in Norddeutschland (KMKI Nord) lud Basilisa Dengen von Watch Indonesia! als Leiterin eines Wochenendseminars zum Thema Religionsfreiheit ein. Vor ca. 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erläuterte Basilisa Dengen einige Beispiele und Hintergründe. Höhepunkt des Seminars war ein Planspiel, in welchem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Streit um den Bau der Yasmin Kirche in Bogor verschiedene Rollen als Vertreter der Gemeinde, der Kommune, der radikalen Gegner und anderer Akteure mehr einnehmen mussten.

Karneval der Kulturen, Berlin, 17. – 20. Mai 2013

Karneval2013

Watch Indonesia! TV Live

Foto: Christoph Ruhland

An einer Parade wollten wir angesichts der jüngsten deutschen Panzerlieferungen an Indonesien erklärtermaßen nicht beteiligen. Dank einer gestiegenen Zahl aktiver Mitglieder war es Watch Indonesia! in diesem Jahr aber zum ersten Mal möglich, beim Kreuzberger Straßenfest zum Karneval der Kulturen mit einem Infostand präsent zu sein. Wir machten auf deutsche Rüstungsexporte, die Menschenrechtssituation in Papua, die Abholzung der letzten Regenwälder und vieles mehr aufmerksam.

Mittels einer Tombola, einem Quiz, »Live«-Sendungen von Watch Indonesia! TV sowie schauspielerischen Einlagen unseres Vorstandsmitglieds Boboy Simanjuntak gelang es, das Interesse zahlreicher Besucher zu wecken. Viele fragten nach weiteren Informationen oder abonnierten unseren Newsletter. Einige erklärten auch Interesse, Mitglied von Watch Indonesia! e.V. zu werden.

Filmveranstaltungen mit Lola Amaria, am 10. Juni an der Humboldt-Uni Berlin und am 12. Juni 2013 im Soupanova

Die prominente Regisseurin und Schauspielerin Lola Amaria kam auf Einladung von Watch Indonesia! nach Berlin, um ihren jüngsten Film Kisah 3 titik zu zeigen. Der Film zeigt die Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen und ihren Vorgesetzten in indonesischen Textilbetrieben am Beispiel dreier Frauen, die zufällig alle Titik heißen. Das Wortspiel 3 titik verweist gleichzeitig auf die drei unterschiedlichen Perspektiven, mit der die drei Frauen sich der Realität zu stellen haben: als Arbeiterin, als Managerin oder als Aktivistin. Trotz viel Lobs gab es in den Diskussionen an beiden Austragungsorten auch Kritik: viele Zuschauer hätten sich als motivierendes Moment eher ein happy end gewünscht anstatt eines offenen Ausgangs, der alle drei Akteurinnen als gescheitert dastehen lässt.

Kisah 3 titik sollte kurz darauf auch im Rahmenprogramm ILO-Jahrestagung gezeigt werden. Aufgrund einer kurzfristigen Intervention von »unbekannter« Seite wurde Lola Amarias Film jedoch wenige Tage davor aus dem Programm geworfen.

Das von einigen ZuschauerInnen gewünschte happy end findet sich in Minggu Pagi di Victoria Park, dem bereits letztes Jahr in Berlin gezeigten Film Lola Amarias, der von der Situation indonesischer Hausmädchen in Hongkong handelt. Auf einer gut besuchten Veranstaltung im Soupanova zeigten wir diesen Film erneut.

Wie könnte es anders sein: hier richteten sich die Fragen des Publikums auf die scheinbar allzu positive Darstellung, die im happy end ihren Abschluss findet.

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