Ost-Timor blickt in eine friedlichere Zukunft

Weser Kurier, 24. November 2001

Politologin Monika Schichler sieht die jüngsten Entwicklungen positiv / Konflikte sind ausgeblieben

(Anm.: hier ist dem Weser Kurier ein Fehler unterlaufen. Die Kollegin heißt nicht Schichler, sondern Schlicher; Watch Indonesia!)

Von unserer Mitarbeiterin Imke Zimmermann

weserkurierBremen. Seit dem 11. September richten sich die Augen fast nur noch auf einen Teil der Welt: Afghanistan. Für andere Konfliktherde interessiert sich die Welt kaum. Beispiel Ost-Timor. 1975 war das Land vom angrenzenden Indonesien annektiert worden (Richtigstellung: 1975 fand die Invasion durch indonesische Truppen statt; die Annektion erfolgte wenige Monate später 1976; Watch Indonesia!), weil dessen Regierung ein linksgerichtetes Regime vor der Haustür fürchtete. Mehr als 200.000 Menschen starben dort seither in blutigen Auseinandersetzungen mit dem indonesischen Militär und pro-indonesischen Milizen, bevor die Tragödie Anfang der 90-er Jahre wahrgenommen wurde. Inzwischen steht das winzige Land unter UN-Verwaltung und hat kürzlich seine ersten freien Wahlen abgehalten. Gehen die Timoresen nun in eine glücklichere Zukunft?

Dieser Frage ging eine Expertin auf den Grund: die Politologin Monika Schichler, Geschäftsführerin der Menschenrechtsorganisation „Watch Indonesia“. Auf Einladung der „Bremischen Stiftung für Rüstungskonversion und Friedensforschung“ sprach sie vor einer Handvoll Zuhörern im Forum Kirche.

„Die Einschaltung der UNO 1999 hat die Lage zunächst noch verschlimmert“, brachte Schichler in Erinnerung. In einem Referendum sprachen sich damals 80 Prozent der Osttimoresen für die Unabhängigkeit aus. Milizen und Militärs reagierten mit Mord, Vergewaltigung und massiver Vertreibung. Nach viel Druck auf Indonesien übergab das Land die Aufsicht an die Vereinten Nationen. Dann kamen die ersten freien Wahlen Ende August. Im Mai 2002 soll Osttimor unabhängig werden.

Die Vorzeichen für diese neue Ära stehen Schichler zufolge nicht schlecht. Die Bildung neuer Parteien habe gut geklappt. Auch seien die von der Bevölkerung befürchteten blutigen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Wahl weitestgehend ausgeblieben. Bis zum 15. Dezember soll eine Staatsverfassung ausgearbeitet werden. „Wenn Sie die Menschen fragen, was ihnen am wichtigsten sei, so antworten sie: Sicherheit.“ Die Verbrechensrate sei aber gering. Mit Hilfe der Vereinten Nationen sei eine Polizei aufgebaut worden.

Sehr kritisch bewertete die Politologin die Aufarbeitung der begangenen Menschenrechtsverbrechen. Zwar habe eine UN-Kommission ein internationales Tribunal gefordert. Doch Generalsekretär Kofi Annan habe zunächst Indonesien Gelegenheit geben wollen, die Verbrechen selbst zu ahnden. Ein mittlerweile von Indonesien angekündigtes Tribunal solle allerdings nur die Ausschreitungen in zwei Monaten des Jahres 1999 betreffen. Der in Osttimor geschaffene Gerichtshof versuche zwar die umfassende Aufarbeitung. Doch er leide unter mangelnden Finanzen. Und auch politisch sei die Arbeit des Gerichts nicht immer erwünscht. „Die USA und Australien sitzen auf wichtigen Dokumenten. Sie sind offenbar in Sorge, dass bekannt wird, was sie über die Zustände im Land wussten.“ <>

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