Information und Analyse

Indonesien – Traumziel für Investoren?

Information und Analyse, 09. Mai 2012

von Alex Flor

rupiahWer sein Kapital Gewinn bringend anlegen möchte, ist schlecht beraten, wenn er sich dabei ausschließlich auf Empfehlungen sogenannter Wirtschaftsanalysten verlässt, die dazu ermutigen, sich in Indonesien zu engagieren. Und wenn die Autoren redaktioneller Beiträge in großen Wirtschaftszeitungen im täglichen Leben ihr Geld damit verdienen, Aktienfonds in Ländern wie Indonesien zu verkaufen, sollte besondere Vorsicht geboten sein (s. Handelsblatt, 26.04.2012, wallstreet-online, 26.04.2012 und weitere Wirtschaftsportale: Selbstbewusstsein auf »Indonesisch« – Starke Wirtschaft begünstigt bevorstehende Wahlen von Maarten-Jan Bakkum, Global Emerging Markets-Aktienstratege bei ING IM, Den Haag).

Es ist nicht mein Anliegen, Indonesien schlecht zu machen oder gar zu schädigen, noch ist es meine Absicht, potenzielle InvestorInnen zu verunsichern. Indonesien braucht Investitionen, auch wenn das nicht alle politischen Lager des Landes gerne so sehen wollen. Wer den Markt und seine Risiken kennt, kann dort tatsächlich gute Geschäfte machen. Wer sich allerdings nur von makroökonomischen Indikatoren und Empfehlungen interessengeleiteter Wirtschaftsanalysten und teils überheblichen indonesischen Lobbyisten (»for European companies, Indonesia represents a substantial and growing opportunity at a time of deep economic crisis«, Purwadi Soeprihanto, executive director of the Association of Indonesian Forest Concessionaires (Asosiasi Pengusaha Hutan Indonesia), 01.05.2012) leiten lässt, sei gewarnt. Denn für sie oder ihn ist Indonesien nach wie vor ein Hochrisikoland.

Für größere Unternehmen mit einer dicken Kapitaldecke, die auch gegen Rückschläge ausreichend gerüstet sind, um fünf bis zehn Jahre Verluste verkraften zu können, mag eine Direktinvestition in Indonesien immer eine Option sein. Diese Unternehmen sind in der Regel auch breit genug aufgestellt, um Verluste in einer Region, mit Gewinnen in anderen Regionen ausgleichen zu können. Aber auch KMUs (Klein- und Mittelunternehmen), die in Indonesien eine Marktnische entdeckt haben und über ausreichende Landeskenntnisse verfügen, sind zu ermutigen und zu fördern. Allzu oft hängt deutschen Unternehmen in Asien das Image an, zu wenig Pioniergeist zu zeigen und lieber auf fahrende Züge aufzuspringen. Wer dagegen als KleinanlegerIn ohne spezifische Markt- oder Landeskenntnisse mit dem Gedanken spielt, in emerging markets funds zu investieren, sollte sehr genau die Vor- und Nachteile des alternativen Besuchs der nächsten Spielbank (Krawattenzwang, aber kein Ausgabeaufschlag und keine Depotgebühren …) abwägen.

Kapitalschwächere AnlegerInnen und InvestorInnen, die sich Rückschläge und Durststrecken weniger leisten können und das Land nicht aus eigener Erfahrung kennen, sollten aufgrund objektiver Schilderungen über Chancen und Risiken aufgeklärt werden. Stattdessen rufen aktuelle Beiträge in Wirtschaftsmagazinen und Online-Portalen Erinnerungen an ähnlich lautende Empfehlungen aus den 90er des letzten Jahrhunderts wach. Die mittlerweile ältere Generation von Wirtschaftsanalysten prägte damals das Bild der »asiatischen Tiger«, zu denen – seinerzeit mit einigen Abstrichen – auch Indonesien gezählt wurde.

Und – huch! – dann brach plötzlich die Asienkrise aus. Eine Krise, vor der Nichtregierungsorganisationen wie Watch Indonesia! und andere seit Jahren wiederholt gewarnt hatten. Wir hatten KMUs empfohlen, nicht auf eine Seifenblase zu setzen und mit Investitionen in Indonesien vorsichtig zu sein. Noch 1997, als die Asienkrise in Thailand längst ihren Anfang genommen hatte, riskierte ich selbst mit entsprechenden Warnungen auf einer Wirtschaftstagung in Berlin beinahe einen Raumverweis.

Ein Jahr später hatte die Asienkrise endgültig auch Indonesien eingeholt und führte letztlich zum Sturz der Suharto-Diktatur. Ein weiteres Jahr später gaben mir dieselben Leute, die mich zuvor noch des Raumes verweisen wollten, nachträglich Recht: »Wir hätten besser auf Sie hören sollen«. Aber noch im selben Atemzug zeigten sie sich für Warnungen wiederum nicht empfänglich.

Die derzeit zweifelsohne hervorragenden Wirtschaftsdaten Indonesiens sind Faktoren geschuldet, die für die weitere Entwicklung mittel- bis langfristig äußerst bedenklich sind:

1. das derzeitige Wirtschaftswachstum basiert im Wesentlichen auf der Ausbeutung natürlicher und menschlicher Ressourcen sowie auf dem Binnenkonsum. Beide sind jedoch wenig nachhaltig. Die natürlichen Ressourcen gehen zur Neige. Aus dem ehemaligen OPEC-Staat Indonesien ist längst ein Netto-Ölimporteur geworden. Für weitere Rohstoffe (z.B. Tropenholz) stehen vergleichbare Entwicklungen aufgrund unverantwortlicher Übernutzung unmittelbar bevor.

Die menschlichen Ressourcen bestehen in erster Linie aus einem Heer von Arbeiterinnen und Arbeitern, die zu Billigstlöhnen angestellt sind. Aufgrund ihrer meist sehr geringen Ausbildung verfügen sie in Tarifkämpfen über eine schlechte Verhandlungsposition. Aber auch ganze Branchen werden dadurch angreifbar, wie beispielsweise die Textilindustrie bitter erfahren musste. Eine Fabrik mit 5.000 angelernten Arbeiterinnen, die altertümliche Webstühle bedienen, lässt sich binnen kürzester Zeit an jedem beliebigen Ort der Welt, an dem die Löhne noch geringer sind, aus dem Boden stampfen. Neben den Löhnen spricht kein einziger anderer Standortfaktor für einen Verbleib in Indonesien: die zu verarbeitende Baumwolle, Textilfarben, Designs und Schnittmuster werden zu fast 100% importiert und auch der Markt für die Produkte liegt zum überwiegenden Teil im Ausland. Wasser- und Energieversorgung sowie andere infrastrukturelle Faktoren sind alles andere als zufriedenstellend. Eine überbordende und von Korruption durchsetzte Bürokratie macht Unternehmen zusätzlich das Leben schwer.

Die Textilindustrie ist immerhin eine der wenigen Branchen, in denen höherwertige Produkte gefertigt werden. Extraktive Industrie und Landwirtschaft werfen in der Regel nur unverarbeitete Rohstoffe auf den Markt, ohne zumindest einen geringen Teil der Wertschöpfungskette im eigenen Land zu halten. Und in einem der wenigen Fälle, wo dies versucht wurde, funkte die WTO (Welthandelsorganisation) dazwischen: sie kassierte das indonesische Verbot unverarbeitete Baumstämme zu exportieren. Ein höherer Technologisierungsgrad kann nur mit besser ausgebildetem Personal verwirklicht werden – eine Aufgabe, welcher sich weder der Staat, noch die Unternehmen selbst in ausreichendem Maße bemühen.

Andererseits muss die Frage gestellt werden, vor welche gesellschaftlichen Herausforderungen das Land gestellt wird, sollte es eines Tages doch den Anschluss an die moderne Welt schaffen und von der arbeitsintensiven Manufakturindustrie auf eine kapitalintensive High-Tech-Industrie umstellen. Höherwertige Produkte in besserer Qualität bei gleichzeitig höherem Stückzahlen ließen in erster Näherung auf höhere Verkaufserlöse hoffen – gut für die Unternehmen und gut für diejenigen, die Arbeit haben. Eine solche Modernisierung hätte aber auch zur Folge, dass sich die Nachfrage nach Arbeitskraft drastisch verringern würde. Wohin steuert das Land, wenn sich das Millionenheer der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten mal eben verdoppeln oder verdreifachen würde? Welche sozialen und politischen Konflikte würde dies mit sich bringen? Drei bis vier Millionen junge Leute drängen jedes Jahr frisch auf den Arbeitsmarkt. Schätzungsweise drei oder vier Prozent Wirtschaftswachstum werden so jedes Jahr benötigt, um einfach nur den Lebensstandard der stetig wachsenden Bevölkerung zu halten. Vor diesem Hintergrund relativiert sich das scheinbare Wunder des derzeit um ca. 6,5% jährlich wachsenden Bruttosozialprodukts.

Der derzeit hohe Binnenkonsum ist nicht geeignet, die strukturellen Defizite der indonesischen Wirtschaft auf Dauer auszugleichen, wenn der »neue Reichtum« nicht durch nachhaltige wirtschaftliche Erfolge und Leistungen abgesichert wird.

2. Indonesien steht derzeit nicht zuletzt deshalb relativ gut da, weil es von den Folgen der vom Zusammenbruch von Lehmann Brothers ausgelösten Weltwirtschaftskrise vergleichsweise gering tangiert wurde. Nüchtern betrachtet ist dies allerdings weniger einer vorausschauenden Wirtschaftspolitik des Landes als vielmehr einem mangelnden internationalen Engagement seiner Unternehmen geschuldet.

Glück gehabt! Aber kann es tatsächlich sein, dass ausgerechnet eine Volkswirtschaft, die sich tendenziell vom globalen Markt abschottet, aufgrund solcher kurzfristigen Erfolge zum »Geheimtipp« für internationale Anleger und Investoren wird? Einen Vorreiter in Sachen Globalisierung der Wirtschaft stellt Indonesien jedenfalls mitnichten dar.

Die für Wirtschafts- und Börsenanalysten mittlerweile scheinbar üblich gewordene Orientierung an tagesaktuellen Indikatoren, gibt keinen Raum mehr für eine objektive Bewertung mittel- bis langfristiger Risiken. Eine objektive Betrachtung müsste – abseits aller politischer und weltwirtschaftlicher Unwägbarkeiten sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit den o.g. makroökonomischen Indices – zumindest folgende Risiken klar beim Namen benennen:

1. Der gesamten indonesischen Wirtschaft fehlt es an Innovationskraft und möglicherweise an Innovationswillen. Rohstoffarme Länder wie Südkorea, die sich vor ca. 30 Jahren auf einem vergleichbaren technologischen Niveau wie Indonesien befanden, gehören heute mit zahlreichen Marken (KIA, Hyundai, Samsung, LG, usw.) zu den weltweit führenden Industriestaaten, während Indonesien weitgehend auf dem technologischen Stand von vor 30 Jahre stehen geblieben ist. Selbst einfache Produkte wie Lebensmittel sind in gut sortierten Berliner Asienshops eindeutig unterrepräsentiert; von indonesischen Autos, Schiffen, Fernsehern oder Computern ganz zu schweigen.

2. Gewinne aus noch nicht am Rande der Erschöpfung stehenden Ressourcen wie bspw. Kohle drohen zu versiegen, falls es die Weltgemeinschaft mit ihren erklärten Zielen zur Begrenzung des Klimawandels ernst meinen sollte und sich daher in zunehmendem Maße von fossilen Energiequellen unabhängig machen wird. Aufgrund des rapide steigenden Binnenverbrauchs und einer hohen Nachfrage in Asien selbst (China) versprechen allerdings Investitionen in marktführende Unternehmen wie PT Bumi Resources vorübergehend hohe Renditen. Bumi Resources und ähnliche Konzerne sorgten in den letzten Monaten auch für das stetige Wachstum des indonesischen Börsenindex’.

Am schnellen Profit orientierte Anleger wird es wenig stören, dass sich dieses Unternehmen unter Kontrolle von Aburizal Bakrie, ehemals reichster Mann Indonesiens und einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die nächsten Präsidentschaftswahlen, befindet. Warum auch, wenn eine der erfolgversprechendsten Alternativen ein Unternehmen von Prabowo Subianto ist? Prabowo, ein wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen international geächteter und unehrenhaft aus dem Dienst entlassener Ex-General, konkurriert mit Bakrie nicht nur um Kohle, sondern auch um das Präsidentenamt – und liegt zurzeit in den Meinungsumfragen vorn.

3. Erlöse aus »neuen« Ressourcen und Einkommensquellen wie Palmöl gehen auf Kosten der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, führen häufig zu Landrechtskonflikten und damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen. Sie gefährden weiterhin die Existenz der letzten Regenwälder der Erde. Die damit verbundenen Folgen für Weltklima, Ökologie und Artenvielfalt sowie nicht zuletzt für Indonesien als Tourismusziel sind erst in Ansätzen zu erahnen. Mittel- bis langfristig drohen die externen Kosten die kurzfristigen Gewinne bei weitem zu überwiegen.

4. Die bislang billige Arbeitskraft in Indonesien schlägt sich wegen mangelnder Effizienz, mangelnden Skills und zahlreicher zu leistender Abgaben (sprich: Korruptionsgelder) nicht signifikant auf die Lohnstückkosten aus. Korruption auf allen Ebenen, ungenügende bzw. an Eigeninteressen der Eliten orientierte Planung und eine schlechte Infrastruktur lassen die Lohnstückkosten in diesem scheinbaren Billiglohnland in die Nähe hochindustrialisierter Volkswirtschaften rücken. Indonesische Firmen stehen somit unter massivem Konkurrenzdruck anderer Staaten, in denen trotz geringfügig höherer Löhne billiger und besser produziert werden kann.

5. Die hundert reichsten IndonesierInnen konnten 2010 ihr Vermögen um durchschnittlich 75% (!!) steigern. Gleichzeitig wird das Heer der absolut Armen, die mit ein bis zwei Dollar pro Tag ihr Leben fristen müssen, auf 120 bis 140 Mio. geschätzt. Es erscheint fast wie ein Wunder, dass solch krasse Gegensätze noch nicht zu härteren Konfrontationen geführt haben. Wer darauf setzt, dass sich dieser soziale Unfriede auf Dauer unter Kontrolle halten lässt, betreibt ein höchst riskantes Spiel.

6. Nicht zuletzt muss auf die mangelnde Rechtssicherheit aufmerksam gemacht werden. Dies ist mitnichten ein Thema, welches nur BürgerrechtlerInnen und marginalisierte Minderheiten angeht. Denn wie ich mich erst kürzlich in Jakarta mit eigenen Augen überzeugen durfte, müssen beispielsweise BesitzerInnen wertvoller Immobilien damit rechnen, dass vor ihrem Grundstück eine Schnellstraße gebaut wird, welche den Wert ihres Anwesens beträchtlich mindert. Mitspracherechte in öffentlichen Planungsprozessen sind in Indonesien bislang weitgehend ein Fremdwort – auch für InvestorInnen.

Maarten-Jan Bakkum, Global Emerging Markets-Aktienstratege, bezeichnet in seinen identischen Beiträgen im Handelsblatt, wallstreet-online und weiteren Medien die missglückte Kürzung der Benzinpreissubvention als einen »Patzer«, den sich ein aufstrebendes Schwellenland wie Indonesien jedoch gelegentlich leisten könne.

Der Aktienstratege übersieht dabei, dass massive Proteste der Bevölkerung von der Politik nicht länger ignoriert werden konnten.

Aus einem etwas anderen Blickwinkel, der auch soziale und energiepolitische Aspekte berücksichtigt, könnte man das gescheiterte Vorhaben jedoch durchaus als »Patzer« bezeichnen. Denn abseits rein haushaltspolitischer Erwägungen stellt sich die Frage, wem die Subventionen auf Treibstoffe eigentlich zugute kommen und ob es nicht andere, sozial gerechtere Mechanismen geben könnte. Nach Angaben der Asian Development Bank (ADB) verbrauchen die 10% der Reichsten in Indonesien ca. 40% des subventionierten Treibstoffs.

Wer sich einen Mercedes oder BMW leisten kann, ist schwerlich auf subventioniertes Benzin angewiesen. Und auch Leute, die sich einen Inlandsflug für umgerechnet 60 € leisten können, wären wohl in der Lage, dafür auch 65 € zu berappen. Der »Patzer« ist nicht die missglückte Benzinpreiserhöhung, sondern die soziale Unausgewogenheit, mit welcher selbige durchgedrückt werden sollte.

Fragen Sie Ihren Anlageberater gerne auch nach Anleihen auf indonesische Solarstromprojekte! Warum kann er in diesem sonnenreichen Land direkt unter dem Äquator keine anbieten? Könnte es sein, dass einflussreiche Personen den Markteintritt solcher innovativen Technologien verhindern?

Wer Indonesiens Wirtschaft nur mit der Brille makroökonomischer Indikatoren interpretiert, ohne wirklich über das Land, seine Bevölkerung und dessen wirtschaftliche Grundlagen informiert zu sein, sollte sich mit Empfehlungen besser zurückhalten und mit Geldanlagen vorsichtig sein.

Es sind letztlich Frauen, Männer und Kinder in Indonesien, die aufgrund von Landrechtsproblemen und Hungerlöhnen massiv unter der derzeitigen Wirtschaft zu leiden haben. Und es werden nicht deutsche KMUs und Kleinanleger sein, die davon langfristig profitieren werden.


Handelsblatt, 26. April 2012, wallstreet-online, 26. April 2012

und weitere Wirtschaftsportale

 

Selbstbewusstsein auf »Indonesisch« – Starke Wirtschaft begünstigt bevorstehende Wahlen

Maarten-Jan Bakkum, Global Emerging Markets-Aktienstratege bei ING IM, Den Haag

 

Starke Wirtschaft begünstigt bevorstehende Wahlen

Indonesien ist eines der wenigen Schwellenländer, das sich gelegentlich einen wirtschaftspolitischen Patzer leisten kann. Vor zwei Wochen sperrte sich das Parlament in Jakarta gegen eine Erhöhung der Benzinpreise. Mit der Anhebung sollte das Haushaltsdefizit unter dem gesetzlichen Schwellenwert von 3 Prozent gehalten und zudem mehr Spielraum für weitere Infrastrukturinvestitionen sowie die Unterstützung der ärmsten Bevölkerungsschichten geschaffen werden. Das ablehnende Votum erfolgte auf Betreiben der Opposition, die sich auf diese Weise jeglicher Verantwortung für die unpopuläre Benzinpreiserhöhung entziehen wollte. Offenbar hat der Wahlkampf für die erst 2014 anstehenden Präsidentschaftswahlen bereits begonnen.

Während andere Schwellenländer mit hohen Haushaltsdefiziten (Indien, Südafrika) bzw. hohen Leistungsbilanzdefiziten (Indien, Türkei) oder einer übermäßigen Verschuldung des Finanzsystems (China, Südkorea) zu kämpfen haben, ist die indonesische Volkswirtschaft weitgehend im Gleichgewicht. Nach der Asienkrise hatten sich die Wirtschaftspolitiker des Landes die Schaffung makroökonomischer Stabilität als erste Priorität auf die Fahnen geschrieben. Dadurch konnte der Inselstaat nicht nur seine Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite senken, sondern auch den Großteil seiner Auslandsverschuldung abbauen und gleichzeitig ein solides Bankenwesen schaffen.

Angesichts dieser beachtlichen wirtschaftspolitischen Leistungen und der starken Ausgangsposition sind Regierung und Parlament jetzt zunehmend bereit, unpopuläre Entscheidungen zu vermeiden, deren Nutzen sich erst auf lange Sicht abzeichnet. Heutzutage sind die indonesischen Entscheidungsträger vor allem an der Maximierung des Wirtschaftswachstums interessiert, auch wenn das längerfristig zu höheren Defiziten und größeren Risiken führen sollte. Die deutlichen Zinssenkungen in den letzten Quartalen und der Verzicht auf die Benzinpreiserhöhung sind jedenfalls vor diesem Hintergrund zu sehen.

Positiv ist dabei zu vermerken, dass die indonesische Wirtschaft jetzt so stark ist, dass ein oder zwei weniger geglückte Entscheidungen ihr kaum etwas anhaben können: Das Land profitiert nach wie vor von Faktoren wie niedriger Kreditdurchdringung, niedriger Verschuldung und stetigem Konsumwachstum. Im gegenwärtigen Umfeld, das von schwachem Wachstum in den USA und Europa sowie zunehmendem Druck auf die Wirtschaftsleistung in China geprägt ist, kann die solide indonesische Volkswirtschaft etwaige negative Auswirkungen verkraften. Die wichtigsten Antriebsfaktoren der indonesischen Wirtschaft sind Binnenkonsum und Investitionen. Zudem besteht erheblicher Spielraum für weiteres Wachstum, da sowohl Unternehmen als auch Privathaushalte sich lange Zeit zurückgehalten haben. Ein Zuwachs von rund 6,5 Prozent in diesem Jahr ist durchaus im Bereich des Möglichen.

In den vergangenen Jahren konnten wir zudem einen Anstieg der Infrastrukturinvestitionen beobachten, die sich gerade in letzter Zeit intensiviert haben. Nachdem das Parlament im Dezember ein neues Gesetz über die Enteignung von Land verabschiedet hat, erhofft man sich jetzt eine Beschleunigung des Planungsprozesses und den Bau neuer Straßen sowie sonstiger Infrastruktureinrichtungen. Der Verzicht auf die Anhebung der Benzinpreise verringert zwar den Spielraum für eine weitere Steigerung der öffentlichen Investitionen, wird das Land jedoch nicht vom Kurs abbringen. Dafür sind die Wachstumsdynamik und das volkswirtschaftliche Fundament inzwischen zu stark. Das sind die Gründe für die anhaltend gute Performance des indonesischen Aktienmarktes – trotz der in jüngster Zeit enttäuschenden politischen Entscheidungen.

- ENDE -

Rechtliche Hinweise:

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Anteilen an ING Investmentfonds sind die jeweiligen Verkaufsprospekte mit Risikohinweisen und ausführlichen Informationen, die Sie kostenlos bei ING Asset Management B.V., Niederlassung Deutschland, Westhafenplatz 1, 60327 Frankfurt am Main erhalten. Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine Prognosen für die Zukunft.

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