"In the Spotlight"

Reismarkt im Banne der Zocker?

05. Februar 2011

von Alex Flor

Lebensmittelpreise steigen derzeit weltweit. Indonesien gehört zu den Staaten, die im Monat Januar dramatische Preiserhöhungen erlebten. Die Inflation stieg auf 7%. Um einen weiteren Anstieg zu verhindern, sah sich die indonesische Zentralbank gezwungen, zum ersten Mal seit langem wieder den Leitzins zu erhöhen. Keineswegs ist die neuerliche Preisspirale auf unwetterbedingte Missernten zurückzuführen, wie uns einige Medien glauben machen wollen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschreibt eindringlich, wie trotz einer Weltproduktion auf Rekordniveau der Reispreis zum Opfer von Spekulanten wurde. In vielen ärmeren Staaten der Welt – so auch in Indonesien – ist Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel. Den mit Bildern und Grafiken versehenen Text finden Sie unter http://www.faz.net/-01o82c  


 

FAZ.net, 04. Februar 2011

 

Rohstoffe

Reismarkt im Banne der Zocker?

Der Preis von Reis ist am Chicago Board of Trade in gerade einmal fünf Wochen um 24 Prozent gestiegen. Dabei liegt die Weltproduktion praktisch auf Rekordniveau. Ähnlich wie in anderen Energie- und Rohstoffmärkten liegt spekulativer Einfluss nahe.

Die Rohstoffmärkte befinden sich im Banne der Zocker. Wenn Anleger wie der bekannte und für seine Sprüche berüchtigte Anleger Jim Rogers empfehlen, von Gold in Reis „zu rotieren“, dann weiß man, was zu erwarten ist. So ist kaum zu verwundern, dass der Preis von Gold schon seit Wochen konsolidiert, während der Preis von Reis zumindest am Chicago Board of Trade in gerade einmal fünf Wochen um 24 Prozent auf zuletzt 16,26 Dollar je amerikanischem Zentner (50,8 kg) gestiegen ist.

Der Reispreis steigt an der Terminbörse deutlich

Das ist der höchste Stand seit Oktober des Jahres 2008. Damals befand sich die Preisentwicklung im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf dem Weg nach unten, nachdem er zuvor im April des Jahres 2008 ein zuvor unvorstellbares Niveau von 23,8 Dollar je Hundredweight erreicht hatte. Angesichts der extrem lockeren Geldpolitik der Zentralbanken, des unheimlichen Risikoappetits der Anleger, der zunehmenden Anzahl Trend folgender Anleger, der Intransparenz, der Unreguliertheit d und der geringen Kapitalanforderungen, um in diesen engen Märkte aktiv zu werden, und nicht zuletzt auch dank der Werbung, die der Finanzsektor für Agraranlagen aller Art macht, scheint die Wiederholung der damaligen Entwicklung anzustehen. Da, ähnlich wie bei anderen Agrargütern, die Preisentwicklung bei Reis erstaunlich parallel zur Anzahl gehandelter und offener Kontrakte an den Terminbörsen läuft, drängt sich der Verdacht spekulativen Preisauftriebs förmlich auf. Denn der Weltmarkt ist physisch gut versorgt. In den Vereinigten Staaten steht gemäß der Prognosen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA im Jahr 2010/11 sogar eine Rekordangebot in Höhe von knapp 298 Millionen Zentnern (50,8 kg) Reis an. Die amerikanischen Reisvorräte werden mit 52 Millionen Zentnern voraussichtlich den höchsten Stand seit den Jahren 1985/86 erreichen. Die Produktion weltweit wird voraussichtlich bei 452,4 Millionen Tonnen liegen. Das wären nicht nur drei Prozent mehr als in der vergangenen Erntesaison, sondern sie läge auf Rekordniveau. Der Verbrauch dürfte nach Schätzung der USDA auf ähnlichem Niveau liegen, während die Weltlagerbestände mit 94,4 Millionen Tonnen auf komfortablem Niveau bleiben dürften. Davon dürften weltweit gerade einmal ein Drittel gehandelt werden, da die meisten großen Verbraucher gleichzeitig zu den größten Produzenten gehören.

Nur ein kleiner Teil der Weltproduktion wird überhaupt im- oder exportiert

Die größte Reisanbaunation ist mit einem weltweiten Anteil von 35 Prozent mit großem Abstand China, gefolgt von Indien, Indonesien, Bangladesch, Vietnam, Thailand, den Philippinen, Burma, Brasilien, Japan und den Vereinigten Staaten. Die größten Importeure sind die Philippinen mit voraussichtlich zwei Millionen Tonnen, Nigeria mit 1,9 Millionen Tonnen, die europäische Union mit 1,35 Millionen Tonnen, Saudi Arabien, Iran, Irak und Malaysia mit zwischen einer und 1,3 Millionen Tonnen Reisimporten. Die größten Reisexportstaaten dagegen sind Thailand, Vietnam, die Vereinigten Staaten, Pakistan und Indien. Sie exportieren im laufenden Erntejahr voraussichtlich zwischen zehn und 2,5 Millionen Tonnen Reis. Die amerikanischen Exportteure haben mit 3,5 Millionen Tonnen einen Anteil von knapp zwölf Prozent am globalen Reisexportmarkt. Zehn Prozent davon werden gegenwärtig täglich am amerikanischen Terminmarkt umgeschlagen. Mit der Absicherung des realwirtschaftlichen Geschäftes haben Handelsvolumina in dieser Größenordnung kaum noch etwas zu tun, erklären Kritiker der Preisentwicklung. Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder. Text: @cri

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