Zeitschrift SUARA

Wirbel um das Zellstoffwerk Kiani Kertas

Indonesien-Information Nr. 1/2005 (Umwelt)

Aktuelle Entwicklungen aus Kalimantan

von Vinda Nairus und Marianne Klute

PT Kiani Kertas sorgt für Schlagzeilen, und das seit Jahren. Es gehörte einst zum Imperium des Holzbarons Bob Hasan, dem guten Freund Suhartos. Nicht zuletzt wegen der Verwendung staatlicher Gelder für seine Kiani Kertas (KK) musste Bob Hasan hinter Gitter. Weitere Schlagzeilen betrafen die horrenden Schulden für den Bau der Anlage oder Gewalt gegen die Bevölkerung. Dass die kaum fertig gestellte Fabrik nach wenigen Jahren die Produktion einstellen musste, hat nur noch diejenigen überrascht, die nicht wissen, wie es um den auf Kalimantan kaum noch ausreichend vorhandenen Rohstoff Holz aussieht. Jetzt ist wieder Wirbel um KK, denn es befindet sich in einem Prozess der Umstrukturierung der Besitzverhältnisse.

KK steht zum Verkauf. Die U.S.-amerikanische Finanzgruppe J.P. Morgan Chase & Co wird, gemeinsam mit Herrn Lauw aus Singapur, das indonesische Unternehmen von PT Energi Nusantara für die Summe von 200 Mio. US$ übernehmen, außerdem die Schulden in Höhe von 210 Mio. US$ gegenüber den Banken, vor allem gegenüber Bank Mandiri, begleichen. Der Gag: KK gehört längst nicht mehr Bob Hasan, sondern dem ehemaligen Kopassus-Kommandanten und vormaligen Suharto-Schwiegersohn Prabowo Subianto. Prabowo ist nach seiner Militärkarriere ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden: er ist Haupteigner von Energi Nusantara (79%) und gleichzeitig Direktor von Kiani Kertas.

Die Zellstofffabrik Kiani Kertas in Ost-Kalimantan

Sechs der sieben großen Zellstoff- und Papierindustrieunternehmen Indonesiens haben ihren Sitz auf Sumatra. Das siebte, Kiani Kertas (KK), steht in Kalimantan. Vor acht Jahren hat es am 31. März 1997 die Produktion von Zellstoff, Papier und von Faserdämmplatten (Medium Density Fiberboard; MDF) aufgenommen. PT Kiani Kertas hat eine Kapazität von 525.000 Jahrestonnen Zellstoff und 200.000 MDF (zum Vergleich: die größte Zellstofffabrik auf Sumatra, Riau Andalan Pulp and Paper (RAPP), produziert zwei Millionen Tonnen Zellstoff pro Jahr). Die Fabrikationsanlage von KK liegt zwei km vom Berau-Fluss im Ort Mangkajang, Kreis Sambaliung, Bezirk Berau. Die Stadt Berau ist 40 km und die Provinzhauptstadt Samarinda 290 km entfernt.

Die Erschließungsarbeiten für den Bau der Fabrik begannen 1990, der Bau der Fabrik selbst, der drei Jahre dauern sollte, 1994. Schon während der Bauphase gab es 1996 Pläne für eine Erweiterung. Damals war Machnan R Kamaluddin Direktor von PT Kiani Kertas. Für die Erhöhung der Zellstoffproduktion waren neue Maschinen erforderlich. Dafür benötigte PT Kiani Kertas 930 Mio. US$ bzw. 2,1 Trillionen Rupiah. Fast die Hälfte, 410 Mio. US$ (943 Mrd. Rupiah), wurden von einer Bankengruppe finanziert, zu der vier staatseigene Betriebe (BUMN) und zehn Privatbanken gehörten. Lead Arranger war die Bank Negara Indonesia (BNI), als Co-Arranger fungierten Bank Dagang Negara (BDN) und Bank Umum Nasional (BUN). (Suara Pembaharuan, 10. Mai 1996)

Bob Hasan

  • 1931 unter dem Namen The Kian Seng geboren
  • „Tropenholzbaron“, Inhaber der Firmenkonglomerate Kalimanis Gruppe und der Kiani-Gruppe
  • brutale Ausbeutung der Wälder macht ihn zu einem der reichsten Männer Indonesiens
  • auf der Forbes-Liste der Reichsten der Welt
  • mit Suharto und Suharto-Sohn Sigit Beteiligung an der Nusamba-Gruppe, Geschäftspartner von Freeport, Kontrolle der Astra-Gruppe (Zulieferer von Nike)
  • Führungspositionen in monopolistischen Verbänden der Holzindustrie, dadurch Kontrolle der indonesischen Holzindustrie und des Holzexports
  • galt als Identifikationsfigur für die verhassten Großunternehmer chinesischer Abstammung, die mit Suharto kungelten und von diesem hofiert wurden.
  • Anglerfreund und Golfkumpel von Suharto
  • im letzten Kabinett Suhartos (1998) Handels- und Industrieminister
  • einziger der Suharto-Cronies, die nach 1998 juristisch zur Verantwortung gezogen wurden
  • Verurteilung zu sechs Jahren Haft wegen gefakter/überteuerter Luftbildaufnahmen seines Konzerns zu Lasten des staatlichen Wiederaufforstungsprogramms, einer Lappalie gegenüber den ihm zugeschriebenen Verbrechen
  • nach anfänglichem Hausarrest Nobelhaft auf Nusakambangan (2001-2004), vorzeitige Haftentlassung
  • Widersinnigerweise Preisträger des indonesischen Umweltpreises Kalpataru und US-amerikanischer Umweltpreise
  • Vorsitzender des indonesischen Sportverbands, seit 1994 Mitglied des IOC (Internationales Olympisches Komitee)
  • mehrfache Anläufe, ihn als Mitglied des IOC auszuschließen.

 

Die übrigen 410 Mio. US$ erhielt Kiani Kertas als Kredit von der indonesischen Regierung. Um den staatlichen Kredit überhaupt erst zu ermöglichen, erließ Suharto am 10. Dezember 1996 ein Präsidialdekret (Keppres 93/96). Das war nicht die einzige Vergünstigung; KK kam 1997, zusammen mit neun weiteren Großunternehmen, in den Genuss von Steuerfreiheit für einen Zeitraum von zehn Jahren (tax holiday). (D&R, 13. September 1997)

Offensichtlich haben die Planer aber versäumt, die Kapazität nachhaltig auszurichten. Nur so ist zu erklären, dass KK sehr bald und immer wieder Schwierigkeiten hatte, an ausreichend Holz zu kommen. 2003 stockte der Nachschub völlig, und KK musste die Produktion wegen Rohstoffmangels für ein halbes Jahr einstellen. Die Lösung für die Produktionsschwierigkeiten erschien in Gestalt zweier bekannter hochrangiger Militäroffiziere. Anfang Dezember 2003 übernahmen General Luhut B Panjaitan, unter Suharto Industrieminister, und Prabowo Subianto, früherer Kommandant der Sondereinheit Kopassus und ehemaliger Suharto-Schwiegersohn, die Geschäftsführung. Welche Rolle die beiden Ex-Militärs bei der Übernahme spielten, ist nicht ganz durchsichtig. Luhut Panjaitan fungierte in der ersten Phase nach eigenen Angaben als Direktor des Unternehmens, während Prabowo angeblich keinen formalen Posten besetzte. Mit den Worten von Luhut Panjaitan hatte Prabowo die Aufgabe, „das Geld zu besorgen“; später werde man über seine Position entscheiden. (Walhi: Transisi 2003 ke 2004, Membagi Racun dan Bencana ke „Pulau Masa Depan“) Tatsächlich aber war von Prabowo selbst in einem Interview mit dem Fernsehsender SCTV zu hören, dass er Direktor von PT Kiani Kertas sei. (SCTV Liputan 6, 19. März 2004)

Ärger um Kiani 1. Teil: Betrug und Schulden

Bei KK ist viel Geld im Spiel. Nicht alles ist rechtmäßig erworben. Zum Beispiel hat Bob Hasan staatliche Wiederaufforstungsabgaben und Regierungsgelder für den Bau der Fabrik und die laufende Produktion missbräuchlich verwendet. Erst nach dem Sturz von Suharto 1998 wurden diese unternehmerischen Unkorrektheiten nach und nach aufgedeckt. Dies hatte zur Folge, dass der Holzbaron sich vor dem Gesetz verantworten musste. Im Jahre 1999 zeigte ein Geschäftsfreund von Bob Hasan, Didi Dawis, ihn vor dem Gericht Süd-Jakarta an. Er brachte vor, dass Bob Hasan ihm 20 Mio. US$ schuldete. Das Gericht entschied, dass Bob Hasan innerhalb von 30 Tagen, am 10. September 1999, seine Schuld begleichen müsse.

Das war offensichtlich nicht einfach für Bob Hasan, dessen Schuldenberg um ein Vielfaches höher lag. Insgesamt schuldete er verschiedenen Banken (Bapindo, den Banken BCA, BII, BNI, BTN, BankExim, Danamon und PDFCI) 227,75 Mrd. Rupiah bzw. US$ 312,5 Mio.

Zu Bob Hasans Besitz gehörten außer seinem 20%igen Anteil an PT Kiani Kertas auch Anteile an PT Kiani Lestari (70%) und PT Kalimanis Plywood Industries (10%). Wie Kiani Kertas gerieten auch Kiani Lestari und Kalimanis Plywood Industries in die Hände der indonesischen Treuhand (Badan Penyehatan Perbankan Nasional, BPPN). Allein die Schulden von Kiani Lestari bei BPPN betrugen 49,348 Mrd. Rupiah. Kalimanis Plywood Industries Schuldenberg erreichte 299,33 Mrd. Rupiah. Noch höher waren die Schulden von KK: 4.090 Mrd. Rupiah. (Kontan, 13 Desember 1999)

Nach Schuldenumstrukturierungen ist der Hauptgläubiger von KK derzeit die Bank Mandiri, die die Kredite der Kiani-Gruppe am 15. November 2002 übernahm. Über ein weiteres Unternehmen, PT Anugra Cipta Investa, gelangte KK schließlich in den Besitz von PT Energi Nusantara, das allerdings nicht die Schulden übernahm. Im Zusammenhang mit den laufenden Untersuchungen zur Kreditvergabepraxis der Bank Mandiri und der damit verbundenen Korruption stehen auch die aktuellen Eigner von KK im Rampenlicht. Auch Prabowo muss sich den Verhören stellen.

 

Prabowo Subianto

 

  • 1951 in Jakarta geboren
  • Absolvent der Heeresakademie in Magelang, Abschluss 1974
  • 1976-1977 Offizier der Eliteeinheit Kopassandha (Vorläuferin von Kopassus)
  • 1981 Training in Terrorbekämpfung in Deutschland und Spezialausbildung in den USA. Spricht fließend deutsch und englisch.
  • Schwiegersohn von Suharto (1983-1998)
  • shooting star des indonesischen Militärs. Steile Militärkarriere
  • Leitende Funktionen in den Eliteeinheiten Kopassus (1983-1985)
  • Hohe Posten bei der Infanterie der Reserveeinheiten Kostrad (1985-1993)
  • ab 1993 Kommandeur der Eliteeinheit Kopassus, u.a. verantwortlich für die Operation zur Geiselbefreiung in Papua 1996
  • wird als einer der Hauptverantwortlichen für das Verschwindenlassen von Aktivisten 1998 angesehen (davon 12 bis heute vermisst… alias tot)
  • 1998 Generalkommandeur von Kopassus
  • 1998, kurz vor dem erzwungenen Rücktritt Suhartos, zum Kommandeur von Kostrad gemacht. Er hatte damit in den entscheidenden Tagen im Mai 1998 exakt dieselbe Position inne, wie sein Schwiegervater am 30. September 1965. Anlass für zahlreiche Spekulationen.
  • Prabowos Rolle und Verantwortung für die Ereignisse im Mai 1998 (Trisakti, Unruhen, Pogrome) sind bis heute nicht endgültig geklärt, insbesondere vor dem Hintergrund einer offensichtlichen Rivalität zwischen dem damaligen Panglima Wiranto und Kostrad-Chef Prabowo.
  • nach Suhartos Sturz wurde Prabowo aus der Armee entlassen. Er entzog sich einem Strafverfahren, indem er sich nach Jordanien absetzte, wo er eine Weile lang als Geschäftsmann tätig war

 

Ärger um Kiani 2. Teil: Holzmangel in Ost-Kalimantan

Die gesamte Holzindustrie im einstmals waldreichen Ost-Kalimantan geriet 2000 in arge Schwierigkeiten. Dutzende von Unternehmen hatten keinen Nachschub an Rohmaterial mehr, und viele waren gezwungen Holz zu importieren, um die Existenz ihres Betriebes nicht zu gefährden, gestand der Leiter der Industrie- und Handelskammer von Ost-Kalimantan (Kantor Wilayah Departemen Perindustrian dan Perdagangan, Kanwil Deperindag) Ir Himanudin Nasution am 14. Januar 2000 in Samarinda.

Auch Kiani Kertas, die erst drei Jahre zuvor von Präsident Suharto offiziell eröffnete zwei-Trillionen-Rupiah-Fabrik, hatte schon im Jahre 2000 nicht genügend Holz für ihre Produktion. Wegen des ausbleibenden Nachschubs müsse KK Holzchips aus Australien importieren, um den Tagesbedarf von 5.000 Kubikmetern Holz zu decken, bedeutete das Unternehmen damals.

KK importierte angeblich nicht nur aus Australien Holz, sondern auch aus den Philippinen und aus Malaysia. Unser Gewährsmann hält das für einen schlechten Witz. Die Philippinen haben den Großteil ihrer Wälder schon längst eingebüßt, und Malaysia beklagt sich schon seit Jahren über Holzmangel (ist andererseits aber der weltgrößte Exporteur von Holzprodukten). Malaysia hat kein eigenes Holz für die Produktion von Holzchips für den Export.

 

Bedarf und Bedarfsdeckung der Holz verarbeitenden Industrie in Ost-Kalimantan

 

Insgesamt beträgt der Bedarf der Holz verarbeitenden Unternehmen Ost-Kalimantans an Rohholz vier Millionen Kubikmeter pro Jahr. Zum Vergleich: eingeschlagen werden in der ganzen Provinz fünf Millionen Kubikmeter im Jahr, wovon das meiste exportiert oder auf andere indonesische Inseln verkauft wird. Die Exportmenge von Rohholz – unverarbeiteten, legal und illegal geschlagenen, Baumstämmen – hat sich seit 1998 stark erhöht, da sich nach dem Letter of Intent zwischen der indonesischen Regierung und dem Internationalen Währungsfond viele Unternehmen gezwungen sahen, Rohholz zu exportieren oder im Inland zu handeln, um Devisen zu verdienen. In der Folge mussten viele Holz verarbeitende Betriebe schließen und Mitarbeiter entlassen. Ein zusätzliches Problem für die Industrie bedeutet die Auflage, seit 2000 nur (durch Ekolabel) zertifiziertes Holz verarbeiten zu dürfen. Daher klaffen Bedarf und Bedarfsdeckung weit auseinander, und eigentlich müssten nach den Vorstellungen der Industrie- und Handelskammer Ost-Kalimantans die Forstbehörden die Holzeinschlagsquoten neu festlegen. Dies ist aber kaum möglich, da der Wald fehlt.

Andererseits sind die offiziell genehmigten Einschlagsquoten immer noch sehr hoch. Die Konzessionäre verfügen insgesamt über Lizenzen zur Abholzung von fünf Millionen Kubikmeter Rohholz in Natur- und Industriewäldern. Dazu kommen weitere Lizenzen über zwei Millionen Kubikmeter Rohholz, die nach Rodungen für die Anlage von Plantagen anfallen. Dies ist eine riesige Menge, die größte in Indonesien, und berechtigt Ost-Kalimantan zu dem Titel eines „Holzspeichers“, („lumbung kayu“). Dass trotz dieser Quoten die Holz verarbeitenden Unternehmen keinen Rohstoff mehr haben und dem Bankrott nahe stehen bzw. schon geschlossen sind, wirft ein klares Licht auf den Zustand des Waldes in Kalimantan. (Banjarmasin Post, 15. Januar 2000)

 

Malaysias Holzindustrie verarbeitet jährlich 7 Millionen Kubikmeter Holz. Der „waldreiche“ malaysische Teil von Borneo produziert kaum ein Zehntel davon, 700.000 Kubikmeter, verarbeitet aber selbst zwei Millionen Kubikmeter pro Jahr. Es springt ins Auge, dass da etwas nicht stimmen kann. Malaysias Industrie ist auf Schmuggelware angewiesen, und diese stammt aus -– geraten? -– Kalimantan.

Offensichtlich will KK mit der Verlautbarung, es importiere Holzchips aus Malaysia, einen Makel verdecken. Auch wenn tatsächlich Holzchips aus Malaysia ankommen sollten, schließt das nicht aus, das KK zusätzlich in den illegalen Holzeinschlag verwickelt ist. Unsere zuverlässige Quelle behauptet, KKs Bedarf sei seit 2001 gestiegen, der Zugang an Rohstoff aber gesunken. Im Jahre 2001 war PT Tanjung Redeb Hutani der Hauptlieferant von KK, seither sind andere Lieferanten dazu gekommen: PT Sumalindo Lestari Jaya, PT Karya Lestari und das Staatsunternehmen PT Inhutani. Insbesondere von Inhutani ist bekannt, dass es illegales Logging praktiziert, vor allem im Primärwald im Bezirk Berau.

Ärger um Kiani 3. Teil: ungelöste Widersprüche

Kaum war Prabowo Subianto Direktor von PT Kiani Kertas, musste er 2004 wiederum die Produktion für sechs Monate einstellen lassen. Angestellte würden nicht entlassen, sagte er, und auch die Kapazität von 525.000 Jahrestonnen Zellstoff und 200.000 Jahrestonnen MDF bliebe erhalten. Nachschub sei vorhanden, wenn auch nur Plantagenholz, Holz weniger guter Qualität und Sägeholz. (SCTV Liputan 6, 19 Maret 2004).

Im Gegensatz dazu steht die Äußerung der Behörde für Industrie, Handel und Kooperativen von Ost-Kalimantan. Ihr Leiter, Nusyirwan Ismail, sagte in einem Interview der Zeitung Kompas, schon in den vergangenen Jahren sei die Produktion von KK stetig gesunken. Im Jahre 2000 habe KK nur halbe Kapazität (266.880 Tonnen) gefahren, im Jahr 2001 seien 179.425 Tonnen und 2002 noch weniger, nämlich 148.397 Tonnen Zellstoff produziert worden. Grund dafür sei, dass Kiani Kertas nicht über genügend Rohmaterial verfüge. (Kompas, 30. Januar 2004)

Beide Äußerungen sind verwirrend und geben keinerlei Auskunft über das Problem, wie die Personalkosten finanziert werden. Wie kann KK die Gehälter weiter zahlen, wenn die Produktion seit Jahren sinkt? Gegensätzlich sind auch die Aussagen zum Nachschubproblem: Während Prabowo behauptet, Rohmaterial sei im Prinzip vorhanden, gehen die offiziellen Stellen von Rohstoffmangel aus.

KK gibt an, nur Plantagenholz zu verwenden; der Rest sei Importholz. Doch zuverlässige Quellen behaupten, dass Kiani Kertas das Nachschubproblem auf seine Weise zu lösen versuchte. Es wurde beobachtet, dass KK aus einer bestimmten Quelle Holz bekommt: In Samarinda, der Hauptsstadt der Provinz Ost-Kalimantan, verkaufen Holzhändler und Zwischenhändler von der Stadt nicht registrierte und erfasste Ware; diese stammt aus illegalem Holzeinschlag. Bis heute haben die Behörden keinerlei Maßnahmen gegen diesen Handel ergriffen.

Ärger um Kiani 4. Teil: Umweltschäden

Prabowo stellt heraus, dass KK nachhaltig wirtschafte, nur Plantagenholz verwende und etwas für die Umwelt tue. Um Schäden an Luft und Umwelt zu vermeiden, sei die Fabrik mit der modernsten Technologie ausgestattet. (SCTV Liputan 6, 19 Maret 2004)

Vor Ort sieht es allerdings anders aus. Unsere zuverlässige Quelle, die direkt vor Ort arbeitet, sagt, dass es in den Dörfern in der Umgebung der Fabrik nach Merkaptanen, bei der Zellstoffproduktion typischerweise anfallende organische Schwefelverbindungen, stinke. Eine andere zuverlässige Quelle, die dort arbeitet, sagt, dass es Anzeichen dafür gebe, dass KK seine Abwässer durch eine unterirdische Rohrleitung direkt in die Sulawesi-See einleite.

Umfangreiche Untersuchungen fester, flüssiger und gasförmiger Industrieabfälle, sowie von Geruch, Staub, Lärm u.a., durchgeführt vom Forschungsinstitut der Universität Mularwarman in Samarinda im Jahre 2001, haben ergeben, dass die Umweltverschmutzungen in Ost-Kalimantan höchstwahrscheinlich von Holz verarbeitenden Betrieben stammen, insbesondere von Unternehmen, die Zellstoff, Papier und MDF herstellen. (Prof. Dr. Ir. Sipon Muladi und Syahrumsyah, S.H, M.Si: Pemanfaatan Sumber Daya Alam Secara Efisien dan Berwawasan Lingkungan)

Hinsichtlich des Geruchs, der von PT Kiani Kertas ausgeht, ist es aufgrund obiger Untersuchung nicht auszuschließen, dass dieser stinkende Stoff auch die Gesundheit der Menschen in den Dörfern in der Umgebung der Zellstofffabrik gefährde, vermuten Umweltschützer im Umkreis der Fabrik. Die Einleitungen in die Sulawesi-See könnten Meeresleben schädigen oder töten, sie könnten über die Fische, die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung, auf die Menschen toxisch wirken.

Ärger um Kiani Teil 5: militärische Sicherung

Schon in den ersten Jahren nach der Gründung des Unternehmens, noch vor Baubeginn der Zellstofffabrik, stand PT Kiani Kertas im Konflikt mit der lokalen Bevölkerung. Dies ist allerdings kaum nach außen gedrungen, weil die Betroffenen Angst haben. Zuverlässige Quellen vor Ort, die nicht genannt sein möchten, berichten, dass PT Kiani Kertas für den Bau der Papierfabrik zwei Dörfer umgesiedelt hat, die der geplanten Fabrik im Wege lagen. Das Unternehmen hätte sich aber geweigert, den Bewohnern Schadensersatz für den Abbruch der Häuser und die Umsiedlungskosten zu leisten. Leute, die sich der Umsiedlung widersetzt hätten, seien von einer Militärtruppe terrorisiert und eingeschüchtert worden. Schließlich sind die Bewohner dem Druck gewichen und haben ihren Kampung (Siedlung) ohne Entschädigungen verlassen. Aus Furcht wird heute immer noch nicht öffentlich darüber gesprochen, denn das Gelände ist militärisch abgesichert.

Alle genannten Probleme konnten bisher nicht auf friedliche Weise gelöst werden. Ein wichtiger Grund ist auch, dass sie bisher kaum öffentlich diskutiert werden, weil die Leute Angst vor Prabowo Subianto, dem ehemaligen Kopassus-General, haben; Angst vor dem Einsatz militärischer Macht gegen jeden, der Widerstand leistet. Das Produktionsgelände ist gut bewacht; Kopassusleute verwehren jedem Unbefugten den Eintritt. Einsicht in die tatsächliche Situation ist daher unmöglich.

Die traditionell gute Verbindung zum Militär erklärt hinlänglich, wieso KK heute ehemaligen Militärs gehört. Es ist nicht allein ihr Zugang zu Kapital oder ihre Geschäftstüchtigkeit, sondern eher die Verbindung mit zum Militär gehörenden Institutionen. Aus ungenannt bleiben wollenden Quellen ist uns bekannt, dass Prabowo durch die Kopassus-eigene Stiftung KOBAME (Yayasan Korp Baret Merah) und mit Unterstützung seiner ihm immer noch treu ergebenen Leute aus der Zeit, als er Kommandant von Kopassus war, Eingang in die Unternehmensleitung gefunden hat. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch seine ehemalige „Rechte Hand“ aus der Kopassuszeit, die jetzt einen Posten im Geheimdienst BIN (Badan Intelejen Nasional) innehat.

Prabowo Subianto als Retter

„Ich fühle mich verantwortlich, und ich glaube, es gibt eine gute Lösung“ (für die Finanz- und Produktionsprobleme), sagte Prabowo gegenüber dem Magazin Gatra im Juli 2005. Staatliche Gelder stünden auf dem Spiel, wenn KK nicht produziere. Und er demonstrierte seine Entschlossenheit, KK zu retten. Nachdem Prabowo Anfang des Jahres seine Bereitschaft zum Verkauf erklärt hatte, zeigten sich eine Reihe internationaler Unternehmen interessiert. (Gatra, 5. Juli 2005)

Den Zuschlag bekam jetzt Bapak Lauw, Inhaber des singapuresischen Unternehmens United Fiber System, UFS, über J.P. Morgan und sein firmeneigenes Finanzinstitut Kingsclere Finance. UFS ist schon in Kalimantan präsent: es baut das neue Zellstoffwerk in Süd-Kalimantan. Die Transaktion, von politischen und Wirtschaftkreisen als ermutigendes Signal begrüßt, wird im September abgeschlossen sein. Wenn alles gelingt, steht Prabowo als Retter da: KK wird wieder produzieren, da frisches Kapital vorhanden ist. Der Bankrott einer der größten indonesischen Zellstoffwerke wäre damit aufgehalten. Indonesiens Ruf als zuverlässiger Wirtschaftsstandort wäre aufpoliert, worauf potentielle Investoren sogleich positiv reagieren.

Wie die anderen Probleme gelöst werden sollen, wo der Wald herkommen, wie der Bedarf gedeckt, wie nachhaltig und umweltfreundlich gewirtschaftet, wie die Interessen der Bevölkerung befriedigt werden sollen, steht noch in den Sternen. <>

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